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Slayed – Wer stirbt als nächstes?

Originaltitel: Initiation__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2021__Regie: John Berardo__Darsteller: Lochlyn Munro, Yancy Butler, Jon Huertas, Gattlin Griffith, Isabella Gomez, Bart Johnson, Froy Gutierrez, Shalini Bathina, Debra De Liso, Nick Ballard u.a.
Slayed aka Initiation DVD Cover

“Slayed – Wer stirbt als nächstes?”: Gute Frage, nächste Frage…

Das deutsche Marketing zu „Slayed – Wer stirbt als nächstes?“ versucht, den Horrorfilm stark in Richtung „Scream“ zu rücken. Vermutlich auch, weil sich Regisseur John Berardo im Bonusmaterial zu seinem Horrorfilm wiederholt als gigantischer Fan des Wes-Craven-Klassikers outet. Davon abgesehen, dass beide Filme dem Slasher-Genre zugeordnet werden, finden sich aber kaum Gemeinsamkeiten.

Alles beginnt mit der Party einer studentischen Verbindung. Eine seltsam herunter gepegelte Soundkulisse, reichlich alt aussehende „Studenten“, lachhafte Partyspiele, doofe Dialoge und keinerlei optischer Firlefanz machen die Szenerie zur wohl unglaubwürdigsten und miesesten Party der jüngeren Filmgeschichte. Ein Aufreger ist sie trotzdem. Denn am Tag nach der Party steht der lange Zeit unausgesprochene Verdacht im Raum, der Star des Universitätsschwimmteams könnte sich an einer Kommilitonin vergangen haben.

Er erinnert sich praktischerweise an nichts. Sein mögliches Opfer war ebenfalls zu zugedröhnt, um verlässliche Angaben machen zu können. Doch der junge Mann stand vor ziemlich genau einem Jahr ebenfalls im Verdacht, eine junge Frau missbraucht zu haben. Irritierenderweise scheint die ganze Situation niemanden aufzuregen und obendrein versucht die Universitätsleitung, die Ereignisse kleinzureden.

Ausgerechnet Ellery, die Schwester des Verdächtigen, beginnt nachzuforschen. Doch bevor sie irgendetwas herausfinden kann, wird ihr Bruder ermordet. Wenig später sterben noch mehr Studenten, die in den Missbrauchsfall verwickelt gewesen zu sein scheinen.

Schaut in den Slasher hinein

Zumindest die Struktur von „Slayed“ mutet durchaus interessant an. Regisseur John Berardo verzichtet auf den üblichen Eröffnungskill und startet direkt in seine Rahmenhandlung. In der Folge ahnt man ganze 50 Minuten gar nicht, dass „Slayed“ ein Slasherfilm sein möchte. Es gibt keine Jump Scares, keine schleichenden Kamerafahrten, nichts, was auch nur annähernd an einen Horrorfilm gemahnen würde.

Leider macht Regisseur John Berardo in dieser Phase zwei entscheidende Fehler. Zum einen etabliert er keine einzige sympathische Figur, mit der man im weiteren Verlauf mitfiebern möchte. Zum anderen findet er keinen Ansatzpunkt, aus der Missbrauchsgeschichte irgendwie Spannung zu generieren, geschweige denn das ihr innewohnende Konfliktpotential irgendwie für seine Handlung zu nutzen. Es erschreckt vielmehr, wie egal die verurteilenswerte Tat bleibt. Selbst wenn die Universitätsleitung die Vorgänge unter den Teppich kehren will, regt einen das als Zuschauer kein bisschen auf, weil es eben den Figuren im Film auch komplett am Allerwertesten vorbeigeht.

Slayed der Killer geht um

Der Killer geht um!

Nach 50 Minuten hat dann urplötzlich ein maskierter Typ in schwarzer Kleidung seinen ersten großen Auftritt. Sein eher langweiliges Outfit inklusive arg fantasieloser Maske kontrastiert sein angenehm drastisches mörderisches Tun, bei dem er vornehmlich auf einen todbringenden Schraubendreher und gewaltige Schrauben setzt. Die daraus resultierenden Morde arbeiten mit handgemachten Effekten und transportieren eine nette Härte. Leider ist der Bodycount eher verhalten.

Ein großes Whodunit um den Killer wird dabei gar nicht aufgemacht. Dazu taucht er eben erst viel zu spät im Film auf und dann ist eh sofort klar, was sein Motiv ist und aus welchem Personenkreis er wohl kommen wird. Kurz vor seiner Enttarnung weiß man als Zuschauer auch schon, wer es sein muss. „Slayed“ tut zwar so, als wäre die Enttarnung überraschend, damit sitzen Drehbuch und Regie allerdings einem Irrtum auf.

In optischer Hinsicht haben sich die Macher leider zu sehr in die Idee verliebt, ihren technisch ansonsten höchst soliden Film in der Generation Handy zu verorten. Mittels Einblendungen wird man als Zuschauer beständig mit Textnachrichten, gemachten Fotos, Bildern der jeweiligen Gesprächspartner und Akkuständen irgendwelcher Smartphones zugebombt. Es gibt Szenen, da fließt der Bildschirm förmlich über vor irgendwelchen Posts, Push-Nachrichten und ähnlichem Gedöhns. Ab und an werden diese Gestaltungselemente echt gut eingebunden, an anderer Stelle nervt es einfach nur, den Blick mal wieder von der handelnden Person abwenden zu müssen, um irgendeine eingehende Textnachricht mitzulesen.

Killer und Opfer

Wichtig im Slasher-Film: Ein gutes Versteck! Findet man keins, Augen zu! Das hilft!

Das Geile: Obschon der Film in einer Tour das Smartphone feiert und seine Charaktere gefühlt alle zwei Minuten auf ein Display starren lässt, verweigern die Teile wie ihre nicht ganz so smarten Handykollegen natürlich genau in den dringendsten Momenten den Dienst. Horrorklischees… man muss sie einfach lieben. Mit selbigen vermag der selbst erklärte Scream-Superfan Berardo aber im Übrigen nie zu spielen. Eine humorige Ebene geht seinem Streifen komplett ab – von einer ironischen ganz zu schweigen.

Darstellerisch kann man „Slayed“ kaum Vorwürfe machen. Die Darsteller bieten durch die Bank okaye Leistungen, leiden aber unter dem bereits erwähnten Fakt, dass einem alle Charaktere egal bis unsympathisch erscheinen. Die beiden bekannteren Gesichter gehören Lochlyn Munroe („Sniper: Assassin’s End“) als Universitätsdirektor und Yancy Butler („Harte Ziele“) als ermittelnde Inspektorin. Beide spielen für den Film aber keine große Rolle.

„Slayed“ ist definitiv kein „Scream“

Wenn der deutsche Verleih von „Slayed“ ebenjenen als „Scream für die Generation Z“ anpreist, tut er dem Slasher damit keinen großen Gefallen. Der Wes-Craven-Horrorfilm spielt in allen Kategorien in einer komplett anderen Liga. Das macht „Slayed“ aber nicht zu einem Totalausfall. Der teilweise zu lange Aufbau bis zum Auftauchen erster Slasher-Motive mag erzählerisch unausgegoren sein und zahlreiche Potentiale verschenken, reizlos ist er allerdings nicht. Und legt der Killer dann los, macht er das angenehm rabiat.

Zudem ist der Film sauber inszeniert und setzt auf einen durchaus wertigen Look. Und so nervig die zahlreichen Einblendungen von Handy-Displays und Textverläufen auch ab und an sein mögen, so elegant und teilweise subtil wurden sie ins Bild eingebunden. Das ändert aber alles nichts daran, dass dem Film das gewisse Etwas vollkommen abgeht, Ironie und Humor hier keine Rolle spielen, nie Spannung aufkommt, das blutige Treiben deutlich zu kurz kommt, der Bodycount nie hochdreht und die Charaktere den Zuschauer nicht in den Film hineinzuziehen vermögen.

4 von 10

Die deutsche DVD / Blu-ray kommt am 27. August 2021 von dem Label LEONINE / SquareOne. Die Datenträger sind ungeschnitten ab 16 freigegeben und enthalten ein längeres Making of und eine weitere Featurette als Extras.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: LEONINE / SquareOne__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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