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Sniper: Special Ops

Originaltitel: Sniper: Special Ops__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: Fred Olen Ray__Darsteller: Steven Seagal, Rob Van Dam, Tim Abell, Dale Dye, Charlene Amoia, Jason-Shane Scott, Daniel Booko, Anthony Batarse, Gerald Webb u.a.
Sniper: Special Ops

Steven Seagal als Sniper in “Sniper: Special Ops”

Man stelle sich einen B-Film vor, der in Titel- und Artwork-Gestaltung vorgibt, ein Actionkracher zu sein. Und genau dieser Film serviert einem dann Actionszenen, in denen ein Sniper seine Gegner vollkommen unblutig über den Jordan schickt, Action im Allgemeinen eine eher untergeordnete Rolle spielt und der große Star des Filmes die meiste Zeit auf einem Stuhl hockt und sich mit einem verwundeten Kameraden unterhält. Wenn ihr euch all das vorstellen könnt, habt ihr leider immer noch keine wirkliche Vorstellung davon, wie schwach „Sniper – Special Ops“ tatsächlich ausgefallen ist…

Handlungstechnisch geht es um eine Special-Ops-Truppe, die im Nahen Osten unterwegs ist, um einen amerikanischen Kongress-Abgeordneten, der von den Taliban entführt wurde, zu befreien. Freilich hauen die Jungs um Scharfschütze Chandler (Steven Seagal) den Politiker schnell raus, doch bei ihrem Rückzug eskaliert die Lage. Chandler bleibt in dem Taliban-Städtchen mit einem verwundeten Kameraden zurück und seine Kumpel fliehen mit dem Abgeordneten gen Militärbasis.

Hier erhalten sie den Befehl, bloß nicht zu versuchen, Chandler rauszuhauen. Und obwohl den Soldaten die ganze Aktion und die Gegenwart des Kongress-Abgeordneten spanisch vorkommen, fügen sie sich in ihr Schicksal. Da erhalten sie auch schon einen neuen Auftrag: Ein Truck voll notwendigem Nachschubs ist irgendwo im Feindesland liegengeblieben und darf den Taliban nicht in die Hände fallen…

Wenn die Mannen an dem Truck ankommen, ist die Handlung von „Sniper – Special Ops“ längst vollkommen zum Stillstand gekommen. Zwar soll eine leicht nervige Reporterin etwas Schwung in die Chose bringen, doch auch sie kann nicht davon ablenken, dass die Soldaten jetzt über 50 Minuten bei dem Truck herumstehen, ihn reparieren oder eine junge Frau entdecken, die mit ihrem Baby auf der Ladefläche des Trucks ausharrt. Action und Spannung gehen dann doch etwas anders.

An Schauplatz Nummer zwei geht es ebenfalls nicht voran. Steven Seagals Chandler hockt gelangweilt auf einem Stuhl, guckt aus einem Fenster und lässt sich beim Treppensteigen doubeln. Witzigerweise reden Chandlers Mannen in diesem Abschnitt nicht ein einziges Mal von ihrem Sniper und der versucht seinerseits nichts, vielleicht irgendwann mal gerettet zu werden.

Sniper: Special Ops

Chandler wird von seinen Mannen abgeschnitten und muss auf eigene Faust überleben.

Um den Film nicht vollends einschlafen zu lassen, dürfen alle Charaktere mindestens einmal verschwörerisch hauchen, dass hier irgendwas viel zu glatt laufe und man sicher in eine Falle gerannt sei. Witzigerweise vergisst das Drehbuch diese Phase ganz schnell wieder, denn Überraschungen, Twists oder unvorhergesehene Entwicklungen kennt „Sniper – Special Ops“ nicht.

Und als wäre das alles nicht schon schlimm genug, will der Film auch keine Action zünden, um von seinen Handlungs- und Spannungsdefiziten abzulenken. Insgesamt hat es drei Actionszenen. Zu Beginn gibt es etwas Sniperaction mit Seagal, die, wie bereits angedeutet, absolut blutleer abläuft. Seagal nimmt einen Lumpen ins Visier und drückt ab. Der Typ reißt den Kopf nach hinten – ohne jedwede sichtbare Trefferwirkung – und fällt um. So läuft dann die weitere Action auch ab. Es wird ewig viel geballert, aber weder an Gebäuden noch am menschlichen Interieur sind davon irgendwelche Spuren zu sehen. Der Bodycount hält sich ebenfalls in Grenzen. Eine zweite Actionszene rund um den gestrandeten Truck verläuft nach genau dem gleichen Schema, fährt aber zusätzlich noch kopflos hin und her rennende Taliban auf, die wirklich gar nichts treffen.

Sniper: Special Ops

Seine Einheit kommt aber nicht dazu, ihn zu suchen. Ein neuer Auftrag fordert ihre Aufmerksamkeit.

Die finale Actionszene stellt dann den Showdown dar. Hier schneidet Regisseur Fred Olen Ray („Crash Dive 2“ und ja, so weit ist es für Steven Seagal schon gekommen) relativ kopflos Explosionen aus irgendeinem anderen Wüstenfilm mit herumfliegenden Darstellern aus „Sniper – Special Ops“ zusammen. Gut daran zu erkennen, dass bei den großen Explosionen immer ein Tarnzelt in Mitleidenschaft gezogen wird, das im ganzen Film nicht ein einziges Mal auftaucht. Schon gar nicht da, wo der Showdown steigt. Witzig ist auch, dass hier alle Amis wie die Bekloppten rumballern, aber ausschließlich Seagal Gegner trifft.

Positiv an der Action sind die seit langem mal wieder echten Mündungsfeuer, der Verzicht auf CGI-Effekte und der Schauplatz: Die Blue Cloud Movie Ranch. Die bietet ein schönes “Taliban-Städtchen” auf, in dem sich das Drehteam ordentlich austoben durfte. Das setzt den Film weitgehend in monochrom sandgrau farbkorrigierten Bildern in Szene und arbeitet angenehm fehlerfrei. Die unter den Bildern tönende Musik ist wenig erinnerungswürdig und nach dem Film sofort aus den Gehörgängen getilgt.

Sniper: Special Ops

Von diversen Taliban-Lumpen ganz zu schweigen.

Steven Seagal („The Asian Connection“) hat als Chandler mal wieder eine eher kleine Rolle abbekommen. Mit Bandana, falsch herum getragenem Basecap, Sonnenbrille und Gesichtsfotze sieht er aus wie immer und lässt sich nicht ein einziges Mal zu Handgreiflichkeiten und Martial-Arts-Momenten hinreißen. Zudem wirkt er durch die aufgepappten Ausrüstungsgegenstände amerikanischer Truppen noch breiter als ohnehin schon. Die Hauptrolle hat Tim Abell („The Base“) inne. Der macht als eigentlicher Chef der Truppe um Seagal einen höchst soliden Job und kommt größtenteils richtig angenehm sympathisch rüber. Als seine rechte Hand agiert WWE-Superstar RvD alias Rob Van Dam („3 Headed Shark Attack“), der größtenteils aber eher unglücklich steif durch die Kulissen stolpert und keine einzige gute Actionszene spendiert bekommen hat.

Was am Ende bleibt, ist ein handlungstechnisch extrem lahmer Actionfilm, dessen Erzähltempo einer Katastrophe gleichkommt und der sich gar nicht erst die Mühe macht, diesen Makel mit saftig brutaler Action im Überfluss auszugleichen. Stattdessen erleben wir einen Actionheld, dessen spektakulärsten Szenen die sind, in denen er sich mal von seinem Stuhl erhebt. Zumindest ist der Film technisch sauber umgesetzt und die Locations sind doch ganz ansehnlich geraten. Ob das als Pluspunkte für einen Steven-Seagal-Film reicht, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich fands, im Gegensatz zum Körperumfang vom Meister, sehr dünne.

3 von 10

Die deutsche DVD/Blu-ray erscheint am 8. September 2016 von Eurovideo und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Eurovideo__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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