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Sons of Thunder – Söhne des Donners

„Sons of Thunder“ ist ein Spin-Off der Serie „Walker, Texas Ranger“, in dem Chuck Norris nicht nur in seiner Paraderolle auftritt, sondern das auch von Norris und seinem Bruder Aaron erdacht wurde. Carlos Sandoval und Trent Malloy, zwei Nebenfiguren aus der Hauptserie, jagen hier als Privatdetektive Verbrecher, zu denen in einer Folge auch B-Actionstar Gary Daniels gehört.

Originaltitel: Sons of Thunder__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1999__Regie: John R. Leonetti, Christian I. Nyby II, Bill Norton, Michael Preece__Creators: Chuck Norris,Aaron Norris__Darsteller: James Wlcek, Marco Sanchez, Alan Autry, Dawn Maxey, Shane Meier, Neil Giuntoli, Willie Minor, Chuck Norris, Deborah Magdalena, Jack Martin, Leslie Bibb, Gary Daniels, Shannon Whirry, Leo Rossi, Wade Williams u.a.
Sons of Thunder

Chuck Norris trat in dem “Walker, Texas Ranger”-Spin-Off “Sons of Thunder” nicht nur in seiner Paraderolle auf, sondern kreierte die Serie gemeinsam mit seinem Bruder Aaron

1999 war „Walker, Texas Ranger“ auch in seiner sechsten Staffel noch sehr populär, weshalb Chuck Norris und sein Bruder Aaron für den ausstrahlenden Sender CBS das Spin-Off „Sons of Thunder“ kreierten. Das war im Direktvergleich jedoch glücklos und wurde nach sechs Folgen eingestellt – nicht unbedingt aufgrund der Quoten, denn die waren sogar recht gut, sondern aufgrund von Budgetbedenken des Senders.

Die Hauptfiguren des Spin-Offs hatte „Walker“ schon in der vierten Staffel eingeführt, in der Doppelfolge „Sons of Thunder“. Es handelt sich dabei um den Carlos Sandoval (Marco Sanchez), Detective beim Dallas Police Department, und Trent Malloy (James Wlcek), Privatdetektiv und Martial-Arts-As. Beide waren schon in mehreren Folgen der Hauptserie zu sehen gewesen und gründen zusammen eine Detektei, als Carlos seinen Job bei der Polizei verliert. Zur Seite stehen ihnen die Sekretärin Kimberly Sutter (Dawn Maxey) sowie ihr väterlicher Freund Marion ‘Butch‘ McCann (Alan Autry), über dessen Kneipe sie ihr Büro haben. In den einzelnen Folgen bekommen sie es mit Serienmördern, Organhändlern und Mafiosi zu tun, wobei jede Episode für sich als Fall der Woche stehen kann – übergreifendes Thema ist höchstens die chronische Geldknappheit der beiden Helden, die mehr Gerechtigkeits- als Geschäftssinn mitbringen.

Aber damit bleibt „Sons of Thunder“ dem Programm der Hauptserie treu als pädagogisch gemeinte Crime-Action-Serie für (fast) die ganze Familie. Schurken werden hin und wieder mal in Notwehr erschossen, aber meist von den Guten verkloppt und dann verhaftet. Fast jede Story hat eine explizit ausformulierte Moral, in der es um Familienzusammenhalt, Werte und dergleichen geht. Dabei ist das sogar gut gemeint, etwa wenn in der zweiten Folge das Thema Vergewaltigung angesprochen wird, Hilfsangebote aufgezeigt werden und Probleme bei der Verfolgung solcher Verbrechen. Es wirkt halt nur etwas thesenhaft. Und passend zur Denke der Serie ist natürlich das Erlernen von Kampfkunst der entscheidende Schritt, durch den Vergewaltigungsopfer wieder ins Leben zurückfinden.

So ist auch Butch ein ehemaliger Box-Champ, der den beiden Recken manchmal unter die Arme greift. Wobei sich die beiden gut selbst verteidigen können. Gerade Trent ist für die spektakuläreren Einlagen zuständig, denn im typischen Martial-Arts-Actionstil der 1990er sind hier Dreh- und Sprungkicks das Mittel der Wahl, wenn man mal einen Lumpen niederstrecken möchte. Die Choreographie stimmt aber weitestgehend, auch wenn man sich meist jugendfrei prügelt und selbst Kämpfe auf Leben und Tod manchmal eher die Anmutung einer Wirtshausschlägerei haben. Hin und wieder gibt es auch mal ein paar Schusswechsel oder Stunts. Alles solide gemacht, wenn auch etwas hausbacken inszeniert, aber brauchbare TV-Action für zwischendurch. Ein Highlight ist das Mitwirken von B-Actionstar Gary Daniels („The Secret of King Mahi’s Island“) in der dritten Folge, „Daddy’s Girl“. Schauspielerisch ist er als Handlanger eines schurkischen Rüstungskonzerns nicht gefragt, darf aber in zwei Kampfszenen spektakulär kicken und das Actionniveau anheben.

Auch sonst kann man „Sons of Thunder“ als okayen Standard definieren. Besonders großer kriminalistischer Feinsinn herrscht nicht vor, denn oft stolpern die Jungs mehr oder weniger zufällig über die Fälle, wenn sie gerade wen beschützen oder suchen müssen. Zudem verlaufen die meisten Folgen eher vorhersehbar, verfügen aber immerhin über interessante Schurken: Ein Biedermann, der unter Road Rage zum Vergewaltiger wird, eine rechtsgerichtete Miliz, die den Umsturz plant, und ein Untergrundring, der Taschendiebe ausbildet und Obdachlose für Organe ausschlachtet, gehören zu den illustren Figuren, die mal dringend eine Ladung Fressegeballertes benötigen.

Zudem besitzen die Folgen ein ganz gutes Tempo, langweilen trotz aller Klischees und Vorhersehbarkeiten nicht zu sehr und haben ein paar amüsante Momente, gerade wenn sich Kimberly mal wieder tierisch darüber aufregt, dass ihre Jungs sich in Puppen haben bezahlen lassen oder zu früh feiern wollen, als sie vermeintlich ein gestohlenes Bild zurückerobert haben. Es ist schade, dass man aus der Buddy-Aspekt zwischen Carlos und Trent nicht viel macht: Beide kennen sich, sind Freunde, käbbeln sich wenig und echte Reibung gibt es selten, zumal sie in manchen Folgen sogar getrennt ermitteln. Da wäre mehr drin gewesen als bloß hin und wieder ein netter Oneliner oder ein kurzes Sprüchedrücken untereinander.

Dabei sind Marco Sanchez („Star Trek: Into Darkness“) und James Wlcek („Hydra: The Lost Island“) durchaus sympathisch. Zwar keine preiswürdigen Darsteller, aber gut genug, um solches Standard-TV-Entertainment tragen zu können, ergänzt durch die erfreulich resolute Dawn Maxey („Ring frei! – Die Jerry Springer Show“), die sich von den Jungs nicht die Butter vom Brot nehmen lässt. Alan Autry („Nomads“) verkörpert das Bild des bierzapfenden, fäusteschwingenden und weise Ratschläge gebenden Mentor ebenfalls recht launig. Dass man den Jungs allerdings in gleich vier der sechs produzierten Folgen Chuck Norris („Delta Force“) als Walker an die Seite stellte, kann man entweder als mangelndes Vertrauen in das Spin-Off oder im Gegenteil als engagierten Marketingversuch sehen.

Doch wie man es dreht und wendet: „Sons of Thunder“ ist fast schon prototypisch für die Crime-Action-Serien der 1990er: Ein bisschen Ermittlungsarbeit, ein bisschen jugendfreie Action, eine klare Moral – handwerklich solide gemacht, allerdings auch vollkommen bieder. Man kann das „Walker“-Spin-Off schon flott weggucken, hat es aber ebenso flott wieder vergessen. Da hatten Serien wie „The Sentinel“ immerhin noch das eine oder andere Alleinstellungsmerkmal – und mit Highlights des Second Golden Age of Television, das um die Jahrtausendwende begann, kann „Sons of Thunder“ erst recht nicht konkurrieren.

Knappe:

„Sons of Thunder“ wurde bisher nur im Fernsehen ausgestrahlt, hierzulande zuerst 2002 auf RTL II. Weltweit gibt es keine DVD der Serie, aber manchmal tauchen die Folgen auf Videoportalen wie YouTube auf.

© Nils Bothmann (McClane)

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