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Stag Night

Originaltitel: Stag Night__Herstellungsland: USA__ Erscheinungsjahr: 2008__ Regie: Peter A. Dowling__ Darsteller: Kip Pardue, Vinessa Shaw, Breckin Meyer, Scott Adkins, Karl Geary, Sarah Barrand,
Das deutsche DVD-Covermotiv.

Das deutsche DVD-Covermotiv.

 

Ein internationales Postermotiv.

Ein internationales Postermotiv.

 

Wie es der Titel bereits verrät, geht es in dem Horror-Thriller „Stag Night“ um einen Junggesellenabschied – und zwar um den des künftigen Bräutigams Mike (Kip Pardue), der eben jenen bislang mit seinen beiden Kumpels Carl (Scott Adkins) und Joe (Karl Geary) plus seinem des Öfteren „recht aufrührerischen“ Bruder Tony (Breckin Meyer) in einigen Lokalen in Downtown Manhattan verbracht hat. Zu fortgeschrittener Stunde sorgt letzterer mit seinem Verhalten jedoch irgendwann dafür, dass sie mitten in der Nacht aus einem Stripclub rausgeschmissen werden – worauf sie sich kurzerhand dazu entschließen, mit der Subway in Richtung einer neuen Party-Location aufzubrechen. In dem ansonsten menschenleeren Zug treffen die Männer dann erneut auf zwei Mädels, denen sie im Laden zuvor schon begegnet waren: Während Carl bei der beschwipsten Michelle (Sarah Barrand) relativ gut ankommt, erhält Tony von Brita (Vinessa Shaw) aber nichts weiter als die sprichwörtliche „kalte Schulter“ gezeigt. Als er daraufhin (dennoch) immer aufdringlicher wird, hat sie an einem Punkt schließlich genug davon und sprüht ihm stracks eine Ladung Pfefferspray ins Gesicht. Zeitgleich muss die Bahn vor einem Wartesignal in einer stillgelegten Station für einige Momente anhalten – was den aufgrund des beißenden Reizgases im Waggon nach Luft ringenden Passagieren allerdings entgeht, als sie im Zuge des Stopps spontan eine Tür aufzwängen und hinaustreten, um dort vernünftig durchatmen zu können. Es kommt, wie es im Prinzip ja kommen muss: Das Gefährt setzt sich erneut in Bewegung – und die sechs finden sich fortan allein (und ohne Handy-Empfang) in einem seit den ’70ern verriegelten Abschnitt des weiten Streckennetzes wieder. Nach einer Weile raffen sich Mike, Joe, Tony und Brita dazu auf, durch den Tunnel bis hin zur nächsten Haltestelle zu laufen, um von jener aus die Behörden über Michelle´s und Carl´s Aufenthaltsort zu informieren – doch werden sie just bei ihrem Erreichen der ansteuerten Plattform mit einem Mal dabei Zeuge, wie ein Sicherheitsbeamter seitens einiger „verwildert“ ausschauender Gestalten regelrecht abgeschlachtet wird. Als auch ihre Präsenz im Folgenden nicht unbemerkt verbleibt, entbrennt sofort eine gnadenlose, in einen „wahren Albtraum“ einmündende Hetzjagd…

Das New Yorker U-Bahn-System wurde im Oktober 1904 eröffnet, weist 468 Bahnhöfe sowie rund 232 Meilen an Strecke auf und transportiert im Schnitt (auf insgesamt 26 Linien verteilt) beinahe fünf Millionen Fahrgäste pro Tag. Parallel dazu verschwinden in der Stadt in jedem Jahr (angeblich) bis zu 10.000 Personen spurlos. Anmerkung am Rande: Bei der deutschen BluRay-Veröffentlichung wird jene Zahl im Rahmen der eingeblendeten Übersetzung dieser Angabe übrigens (fälschlicherweise) verzehnfacht – tolle Arbeit, Ihr Verantwortlichen bei „Koch Media“! Nunja, bekanntermaßen gibt es unter der Metropole eine stattliche Anzahl alter Tunnel, Stollen, Versorgungsschächte und Kammern sowie die eine oder andere mittlerweile nicht mehr genutzte Subway-Station – und dass in dieser Umgebung auch Menschen (Obdachlose, Junkies etc.) hausen, ist ja ebenfalls keinerlei Geheimnis. Ohne Frage ein feines, düster-atmosphärisches Setting für eine Genre-Produktion – siehe dazu einfach mal Werke wie z.B. „Raw Meat“ (aka „Death Line“), „Creep“ oder Clive Barker´s „the Midnight Meat Train“. Ergänzt um eine Prise „Judgment Night“ und „Tooth and Nail“, ließ sich Regie-Debütant und Skript-Autor Peter A. Dowling bei der Konzeption und Umsetzung seines Projekts (obendrein) sowohl inhaltlich als auch stilistisch von weiteren offenkundigen „Vorbildern“ (á la „Wrong Turn“ und „the Hills have Eyes“) inspirieren: Unoriginell und fern von schön – erst aber in Kombination mit darüber hinaus noch vorhandenen markanten Schwächen (wie Klischees en masse, Mängel im Bereich der Logik sowie arg vorhersehbare Plot-Abläufe) eine geradezu ärgerlich-problematische Angelegenheit, frei von frischen Ansätzen und Ideen. Eröffnet wird indes mit einem klassischen, an sich prima zufrieden stellend arrangierten Prolog, in welchem Unbekannte eine verzweifelte Frau durch nur spärlich ausgeleuchtete unterirdische Korridore vor sich her treiben: Ein absolut gängiger, nichtsdestotrotz effektiver Einstieg, der auf Anhieb Hoffnung und Lust auf ein zumindest kurzweilig-packendes kleines B-Movie erkeimen lässt. Gleich im Anschluss lernt man dann allerdings die vier Junggesellenabschied-Feiernden kennen, wie sie gegen drei Uhr morgens einen Club verlassen – ihres Zeichens nicht unbedingt die sympathischsten und zudem noch allesamt (verwunderlich-erstaunlich) weitestgehend nüchtern…

Der Film schert sich weder darum, seine Charaktere vernünftig in die Handlung einzuführen, noch sie irgendwie interessant zu gestalten. Grundsätzlich habe ich ja beileibe nichts daran auszusetzen, möglichst rasch in die von Action und Thrills geprägte Phase einer solchen Story einzusteigen – doch sind einem die Figuren im Vorliegenden dermaßen egal, dass es sich schon ein Stück weit schädlich auf den „finalen Eindruck“ auswirkt, sobald das (sich vorausschaubar der Reihe nach entfaltende) Sterben letzten Endes einsetzt. Mit stereotypen Persönlichkeiten und banalen Dialogzeilen ausgestattet, liefern die gecasteten Akteure (unter Berücksichtigung des betreffenden Kontexts) aber immerhin „annehmbare“ Performances ab: Wie seit jeher von ihm gewohnt, verbleibt Kip Pardue („Driven“) in der Hauptrolle ein wenig blass, während Karl Geary („the Burrowers“) solide agiert, Martial-Arts-Star Scott Adkins („the Expendables 2“) leider kein einziges Mal seine Kampfkünste darbieten darf – im Gegenzug (vorteilhafterweise) aber auch nicht groß „schauspielerisch gefordert“ wird – und der vor allem für seine Auftritte in Komödien wie „Garfield“ oder „Rat Race“ bekannte Breckin Meyer sichtlich Spaß an seinem Part des „missverstanden-unausstehlichen Bruders“ hatte. Auf Seiten der Mädels fällt Sarah Barrand (TV´s „Footballers’ Wives“) eigentlich nur wirklich durch einige Sekunden an „Gratuitous Nudity“ auf – wohingegen Vinessa Shaw („Cold in July”) als ihr Studium per Strippen finanzierende angehende Akademikerin Brita eine rundum passable Leistung erbringt. Die „degenerierten Wilden“ werden unterdessen u.a. von Luca Bercovici („Pacific Heights“) sowie den erfahrenen Stunt-Leuten Radoslav Parvanov und Genadiy Ganchev verkörpert. Diese unter Manhattan hausende Zeitgenossen sind blutrünstige, verwahrloste Kannibalen, die sich (von ihrem Aussehen und Auftreten her) in etwa als eine Kreuzung aus Rob Zombie und dem (nicht nur „Nahrungs-technisch“) sehr ähnlich veranlagten Clan aus Jack Ketchum´s „Offspring“ beschreiben lassen. Hintergründe werden keine dargereicht – alles in allem wird einem nichts Neues geboten. Das einzige, was ich an ihnen als halbwegs reizvoll erachten konnte, war dass sie aggressive Hunde halten und diese gezielt bei der Jagd auf ihre Beute einsetzen…

Für vier Millionen Dollar fast vollständig in Sofia (Bulgarien) realisiert sowie eine Laufzeit von nur zirka 84 Minuten aufweisend, vermag man dem Streifen zumindest ein ausreichendes Budget und ein erfreulich straffes Tempo zu bescheinigen. Anders als noch bei der von ihm verfassten 2005er Studio-Produktion „Flightplan“, hat Dowling in diesem Fall eine überaus schlicht und gradlinig konzipierte Geschichte „zu Papier gebracht“, bei der er sich offenbar „aufs Wesentliche“ zu konzentrieren gedachte: Eine Herangehensweise, die per se keineswegs als schlecht einzustufen ist – sofern denn „der übrige Rest“ besser gestimmt hätte. In Sachen Gewalt erhält der geneigte Horror-Fan u.a. diverse Verletzungen durch Klingen, eine explizite Enthauptung, einige zutage gekehrte Innereien sowie eine herausragende Sequenz präsentiert, in der ein Kopf von einer sich gerade umstellenden Weiche zerquetscht wird. Zum Leidwesen des Zuschauers entschied man sich jedoch dafür, bei jeder Attacke der barbarischen Gestalten sowohl auf schnelle Staccato-Schnittfolgen als auch eine extreme Form des „Wackelkamera“-Einsatzes zurückzugreifen – was irgendwann nur noch nervig ist und zugleich die „Wucht“ der jeweiligen Momente (unweigerlich) vermindert: In der Hinsicht hat es der primär fürs Fernsehen tätige Cinematographer Toby Moore (TV´s „Death in Paradise“) definitiv übertrieben. Unterlegt mit einem mäßigen Score Benedikt Bryderns („Dark Remains“), reiht das Geschehen ein „obligatorisches Ereignis“ ans nächste – beispielsweise wird im regelmäßigen Wechsel diskutiert, geflohen und gestorben, zwischendurch eine Sammlung Ausweise etlicher vorheriger Opfer entdeckt (etc.) – und das angrenzend frei jeglicher Überraschung, von einer einzelnen im Schlussakt jetzt mal abgesehen. Und damit meine ich nicht die allerletzte Szene vorm Einsetzen der Credits, welche man in der Art schon mehrfach so zu Gesicht bekommen hat. Generell ist anzuführen, dass der Regie-Arbeit Dowlings eine klare „individuelle Handschrift“ fehlt. Tja, wenigstens wird einem (trotz eines beklagenswerten Mangels an echter Spannung) beim Sichten nie wirklich langweilig und wurde das düster-unheimliche Setting durchaus ergiebig genutzt, um eine unheilvoll-bedrohliche „Basis-Stimmung“ zu generieren…

Fazit:  „Stag Night“ (2008) ist kein Film für all jene, die besonderen Wert auf Originalität legen und/oder abgegriffene Klischees nicht ausstehen können. Zusätzlich wird das Ganze um weit mehr als nur uncharismatische Protagonisten, schwache Dialoge, dumme Entscheidungen sowie eine höchst einfallslose Story (negativ) ergänzt. Auf der „Kehrseite der Medaille“ sind indes u.a. eine gewisse Kurzweiligkeit und ein straff gehaltener Verlauf (positiv) zu verzeichnen. Leider überwiegen „unterm Strich“ jedoch erstere Punkte bzw. Faktoren – weshalb meine persönliche Empfehlung lautet: Alternativ lieber noch einmal zu bewährten Genre-Highlights wie „the Midnight Meat Train“ oder dem „the Hills have Eyes“-Remake greifen…

eher knappe

In Deutschland ist der Streifen bereits seit Juli 2010 auf DVD und BluRay (aus dem Hause “Koch Media”) zu erwerben – und das sogar uncut. In Großbritannien wird er unterdessen von “Kaleidoscope Home Entertainment” vertrieben, in den Vereinigten Staaten haben ihn die Verantwortlichen bei “Lionsgate Films” als Teil ihrer “Ghost House Underground”-Sparte veröffentlicht…

Stefan SeidlStag Night

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Stag Night

Copyright der Cover/Poster und Bilder: Koch Media (D) / Lionsgate Films, Ghosthouse Underground (USA) / Kaleidoscope Home Ent. (GB)__ Infos zur dt. VÖ: Freigabe: FSK-18__ Geschnitten: nein__ DVD/BluRay: ja/ja__

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Categorised in: Reviews, Stalk and Slash

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