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Star Trek Into Darkness

Originaltitel: Star Trek Into Darkness __Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2013__Regie: J.J. Abrams__Darsteller: Chris Pine, Zachary Quinto, Zoe Saldana, Anton Yelchin, John Cho, Simon Pegg, Karl Urban, Benedict Cumberbatch, Alice Eve, Peter Weller u.a.
Star Trek Into Darkness

“Star Trek Into Darkness” als Bühne für zwei üble Bösewichte!

Mit „Star Trek“ gelang J.J. Abrams 2009 eine beachtenswerte Neuinterpretation der “alten Lady”, die trotz einiger Störfeuer für Neueinsteiger und für Fans geeignet war. Als Fan verging keine Minute ohne auf einen “Hint” aufmerksam zu werden. Den Störfeuern, etwa dem Maschinenraum, wollten sich die Macher im neuen Werk annehmen und zusätzlich etwas Großes erschaffen. Die besten Voraussetzungen für eine gelungene Fortsetzung, die ich mit der 6. Vorpremiere seit 1994 hoffnungsvoll herbeisehnte.

Vorab steigerte man die Erwartungshaltung mit Dementi der Gerüchteküche und dem Versprechen, etwas Unerwartetem zu begegnen, einem großartigen und innovativen Plot, der die Kinnlade bedienen sollte.

Stattdessen ist der Film ein Schlag ins Gesicht des Fans und trägt „Star Treks“ … to boldy go … zu Grabe. Pike bringt es zu Beginn auf den Punkt: “Sie sind nicht reif für ein Kommando, sie gehen zurück auf die Akademie”. Genau dort gehört der verzogene Bengel Kirk auch hin. „Star Trek“ mutiert zur Spielwiese pubertär anmutender Kids, die mit platten Witzen und Dialogen in bester Cowboy Manier blind durch die Gegend ballern. Doch immerhin, „Star Trek“ ist nun massentauglich, ein Sommer Blockbuster mit starken Effekten, einem Plot samt mieser Figurenzeichnung, der sich in der Qualität nicht mehr vor “Transformers“, “2012” oder “Battleship” verstecken muss, der sämtliche Ideale für die „Star Trek“ einst stand [eine konkrete Utopie] über den Haufen wirft und sich selbst assimiliert. Doch der Reihe nach:

Star Trek Into Darkness

Hier ausnahmsweise mal im Hintergrund: Der pubertierend quenglige Kirk.

Zu Beginn von „Star Trek Into Darkness“ zeigen uns die Drehbuchautoren, was sich jeder „Star Trek“ Fan seit fast 50 Jahren wünscht. Die Enterprise taugt auch als U-Boot und als Kampfjet, der mit lautem Knall gen Himmel braust. Der Sinn ein Raumschiff im Meer zu versenken liegt sicher einzig darin, es mit einem durchaus steilen “VFX-Shot” wieder auftauchen zu lassen, aber eben nur, weil man es kann. Schon recht früh zeigt JJ Abrams damit, dass er den wichtigsten Hauptdarsteller, das Raumschiff, nicht verstanden hat. Sternenflottenraumschiffe entsprechen freilich der zur See fahrenden Flotte und nicht den Luftstreitkräften. Diese Sinnlosigkeit zieht sich  durch den gesamten Film. Bei „Star Trek“ stand schon immer die Technologie im Vordergrund, nicht nur Beiwerk wie bei Star Wars, sondern fester und meistens theoretisch funktionierender Bestandteil der Rahmenhandlung. Das Ergebnis ist und war ein funktionierendes Universum, welches zwar in den Serien deutlich mehr zum Tragen kam, aber auch mit in die Filme einfloss. Bei „Star Trek Into Darkness“ verkommt diese Institution nicht einmal mehr zum Beiwerk, nein sie wird  ignoriert.

Es gibt nur noch Warp, Faktoren sind egal, die Reise von der Erde zur klingonischen Heimatwelt bewältigt man in 20 Sekunden, Kommunikatoren mit begrenzter Reichweite funktionieren überall, freilich über alle erdenklichen Entfernungen und ohne Zeitverzögerung. Planetoiden haben neuerdings eine atembare Atmosphäre samt Erdgravitation. Eine geheime, riesige Flottenwerft mitten im Sonnensystem, wird durch niemanden entdeckt, denn Sensoren existieren anscheinend genauso wenig, wie  Sternenflottenpersonal. Hier gibt es  nur Peter Weller („Dragon Eyes“) als hinterlistiger Lump und seine vier Handlanger. Dessen Motive sind wohl das, was die Drehbuchautoren als weitere große Überraschung ankündigten – in Wahrheit aber nicht mehr als stereotyp und abgedroschen zu präsentieren vermögen.

Star Trek Into Darkness

Großartiger aber einfallsloser Bösewicht: Benedict Cumberbatch.

Wahrscheinlich musste Peter Weller nicht einmal das Drehbuch lesen, denn sein hiesiger Part dürfte ihm noch durch sein Mitwirken im „Star Trek: Enterprise“ Finale geläufig sein. Einfallslosigkeit oder Zufall?

Was gibt es noch Neues? Nichts! Der Plot ist die Kopie schlechthin und man fragt sich warum Abrams das „Prime Universe“ eliminierte, wenn er nun nichts Neues zu erzählen hat? Wo sind denn nun die innovativen Ideen? Die Action spielt sich entweder auf einem Planeten oder im Schiff selbst ab, mehr als die üblichen Schlägereien samt Handwaffenfeuer mit den zukünftigen Requisiten von „Star Wars: Episode 7“ bekommt man aber nicht zu Gesicht. Ich will jetzt nicht zu viel verraten und wer überrascht werden möchte, welche Zähne unsere geliebte Enterprise zeigt, sollte genau jetzt einen Zeilensprung machen: Die Enterprise feuert nicht einen einzigen Schuss ab, jawohl, das Raumgefecht dauert läppische 10 Sekunden, dann ist sie im Eimer.

Star Trek Into Darkness

Die Enterprise im Sinkflug: Die logische Konsequenz, wenn der Captain versagt.

Die Dreadnought Klasse, rein von der Idee eines der wenigen Glanzlichter und eine nette Berücksichtigung des Canons, ist  deutlich dunkler angemalt, denn sie ist ja schließlich böööööse. Ihren Auftritt zu inszenieren vermag Abrams indessen nicht, schade, dass “Star Trek” nicht in die Hände von Michael Bay fiel. Ja richtig gehört! Der Film wäre zwar inhaltlich ähnlich dämlich gelagert, hätte aber auf der Habenseite episch inszenierte Gänsehautmomente, die hier gänzlich fehlen. Gerade bei der „Raumschlacht“ zeigt sich, welch eine schlechte Wahl Jar Jar Abrams für “Star Trek” in meinen Augen ist. Null Dramatik, null Gefühl für pathetische Inszenierung und schon gar kein Händchen für Geschwindigkeit oder Langsamkeit. Dabei zeigt doch sein Vorlagefilm „Der Zorn des Khan“ eindrucksvoll, wie man ein Raumgefecht schon vor 30 Jahren, sowohl taktisch als auch visuell, um Längen besser inszenieren konnte oder wie man mit langsamen Kamerafahrten dem Zuschauer die Größe eines Raumschiffes vermittelt. “Star Trek: Der Film” mag in vielerlei Hinsicht ein Slow Motion Picture sein, aber sind wir ehrlich, die Raumdockszene ist und bleibt episch. So etwas braucht es im neuen Star Trek Zeitalter nicht mehr, schließlich definiert sich heutzutage ein guter Film über schnelle Schnitte, viele Explosionen und blinkende Lichter. Generell muss man sich fragen, warum die zugegebenermaßen starken aber viel zu aalglatten CGI als DAS positives Attribut des Films gewertet werden. Ist es im Jahre 2013 nicht eine Selbstverständlichkeit, dass ein Big Budget Blockbuster auch visuell zu überzeugen mag? Überhaupt, seit wann definiert sich Star Trek über die CGI? Musikalisch sieht es immerhin ein wenig besser aus. Der Score ist zwar nur solides Recycling des Reboots, hat aber als Überraschung ein durchaus interessantes neues Klingonenthema zu bieten.

Der Cast von „Star Trek Into Darkness“ bleibt überraschenderweise blass, Chekov und Scotty mimen weiterhin die Clowns, Sulus („gebt ihm endlich das Schiff“) Screentime ist keine und Dr. Pille Palle wedelt  mit Apparaturen in Kirks Gesicht herum und gibt Anekdoten [viel zu platt und offensichtlich an TOS angelehnt] zum Besten. Dabei darf er sich dann auch an einem Tribble vergreifen, was den Plot von „Into Darkness“ gleich nochmals vorhersehbarer macht. Die einzige Frage, die sich stellt, ist, wer von den beiden Helden zum Schluss ins Gras beißt. Die Lösung ist sehr einfallsreich: Man dreht den Spieß um. Über den guten Cumberbatch verliere ich nicht viele Worte, er spielt natürlich bis auf den bis dato besten Schauspieler Bruce Greenwood alle an die Wand. Kirk ist und bleibt verzogen, hat mehr Glück als Verstand, darf sich aber bei einem Dreier vergnügen. Spocks Logik oder wie sie Abrams nun nennen mag, wird inflationär auf dem Silbertablett serviert (Nimoy gibt erneut ein kurzes Gastspiel) und die gute Uhura macht das, was einige Frauen gerne tun: Beziehungsstress!

Star Trek Into Darkness

Zumindest die Action stimmt … wer auf schnelle Schnitte steht.

Warum man neue und seltsame Trek Aliens auf die Brücke platziert und nicht zu einer bekannten Spezies wie einem Andorianer oder Tellarit greift, bleibt rätselhaft und lässt durchaus den Schluss zu, dass Abrams zu viel Canon gar nicht gerne hat. Hier entsteht förmlich der Eindruck, die Sternenflotte ist mittlerweile ein einziger Homo Sapiens Club und hat alle anderen Mitgliedswelten in die Tonne getreten. Die grauen Uniformen samt Mütze verstärken diesen Eindruck umso mehr und sind eher Zeugnis für eine Militärdiktatur als für eine interstellare Gemeinschaft, die sich der friedlichen Erforschung verschrieben hat.

Letztlich ist „Star Trek Into Darkness“ der mit Abstand schlechteste „Star Trek“ Film, aber gleichzeitig auch ein massentauglicher und typisch seichter Sommerblockbuster mit viel Fun Potential. Doch das tröstet den Fan nur bedingt, denn „Star Trek“ wurde bis auf sein Gerüst entkernt und hat fast nichts mehr mit den ursprünglichen Idealen gemein. Der Streifen ist vorhersehbar, trotz der gelungenen CGI seltsam unspektakulär und besitzt kaum Spannungsmomente. Der Plot bedient sich dem Baukastenprinzip und verdient damit das Prädikat „belanglose und alberne Unterhaltung“.

Der Fan wurde im Vorfeld belogen, fühlt sich nun zu recht betrogen und verraten und muss sämtliche in der Vergangenheit geäußerte Kritik über Rick Berman neu reflektieren. An der US Kinokasse wird der Film sicher rocken, in Deutschland dürfte es, wie schon 2009, deutlich schlechter aussehen. Rund 500.000 Zuschauer am ersten Wochenende sind deutlich weniger als die rund 650.000 Zuschauer beim viel kritisierten “Nemesis”, von den knapp 900.000 bei “Star Trek 8” erst gar nicht zu sprechen.

Über das 3D muss ich auch nicht viele Worte verlieren. Das Bild war gewohnt zu dunkel und unscharf, die 3D Effekte sind zwar direkt zu Beginn gelungen, danach nicht mehr wahrnehmbar.

Trek Wertung:

Blockbuster Wertung:

„Star Trek Into Darkness“ ist seit dem 8. Mai 2013 in den deutschen Kinos zu sehen …

Timo Heidl

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Copyright aller Filmbilder/Label: Paramount Pictures Germany GmbH__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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