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Star Wars: Das Erwachen der Macht

Originaltitel: Star Wars: The Force Awakens__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2015__ Regie: J.J. Abrams__Darsteller: John Boyega, Daisy Ridley, Carrie Fisher, Mark Hamill, Adam Driver, Harrison Ford, Billie Lourd, Domhnall Gleeson, Oscar Isaac, Simon Pegg, Peter Mayhew u.a.
Star Wars VII

Wieder einmal kämpfen Gut und Böse gegeneinander in einer weit, weit entfernten Galaxie: “Star Wars VII”

„Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis.“ Gibt man diesen Satz bei Google ein, nimmt sogar die Ansicht der weltgrößten Suchmaschine die Optik des „Star Wars“-Franchises an und präsentiert die Suchergebnisse als in den Raum hinein fliegenden Fließtext. Nicht einmal die Datenkrake konnte der Macht widerstehen. Egal, wohin man dieser Tage auch schaut, „Star Wars“ ist überall – selbst auf Glühwein-Flaschen, Tempo-Taschentüchern und Frühstücksbrettchen. Seit Disney den Daumen auf der George-Lucas-Schöpfung hat, bekommt man eine Ahnung davon, was man mit einer weltberühmten Marke tatsächlich alles anstellen kann.

Schon weit im Vorfeld des Kinostarts von „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ ließen die Mickey Mäuse alle Marketing-Muskeln spielen. Und das derart umfangreich, dass dagegen selbst die irre Merchandising-Welle rund um den Minions-Film beinahe winzig wirkt. Dabei half selbige natürlich kräftig mit, den Film um die gelben Bösewicht-Handlanger zum zweiterfolgreichsten Animationsstreifen aller Zeiten zu machen. Bei „Star Wars“ scheint diese Herangehensweise, geht man nach den ersten Zahlen, ebenfalls mehr als nur zu fruchten. Doch was kann der Film abseits dieses Hypes? Kann er an die legendären Episoden IV-VI anschließen? Kann er die nach Meinung Vieler suboptimalen Episoden I-III vergessen machen? Kann er als alleinstehender Film überzeugen? Viele Fragen du hast, junger Film-Padawan…

Ich für meinen Teil bin aus dem neuen Film mit einem Schulterzucken heraus gekommen. Dazu muss man wissen, dass „Star Wars“ für mich keine heilige Kuh darstellt. Ich verbinde mit den Filmklassikern keine besonderen Kindheitserinnerungen. Das einzige, was mir in Erinnerung blieb, war, dass als seinerzeit Teil zwei in der Videothek verliehen war, meine Mutter mal eben „Alien“ als Ersatzprogramm mitbrachte und damit meine Vorliebe für den Horrorfilm mitbegründet wurde. Ansonsten konnte der neue Film bei mir nichts kaputt machen. Er musste auch nicht irgendwelche Scharten auswetzen, da ich die Episoden I-III bis auf kleine Brachial-Ausrutscher (ja, Jar Jar, du bist gemeint), durchaus interessant und tricktechnisch als sehr fulminant empfand.

Ich saß also am 17. Dezember 2015 vollkommen unbefangen im Kino und wollte mich einfach nur gut unterhalten lassen. Und ich freute mich auf Harrison Ford („Blade Runner“), mithin einer meiner Lieblingsschauspieler. „Das Erwachen der Macht“ begann durchaus interessant. Unter den Stormtrooper-Anzügen sind doch tatsächlich denkende und empfindende Menschen. Einer von ihnen, Finn, hat die Schnauze voll vom Gehorsamen-In-Den-Tod-Rennen. Er desertiert aus seiner Einheit und befreit dabei Poe Dameron, den besten Piloten des Widerstandes. Dieser Widerstand kämpft gegen eine finstere Macht. „Erste Ordnung“ nennt sich diese. Da haben die Fieslinge wohl das Markenrecht an dem Titel „Imperium“ verloren? Diese verdammte Bürokratie!

Star Wars VII

Rey (r) und Finn stürzen sich in ein wildes Abenteuer.

Auf der Flucht bruchlandet man auf dem Planeten der jungen Schrottsammlerin Rey. Die Lumpen der „Ersten Ordnung“ spüren dann auch sofort eine Erschütterung der Macht und der Zuschauer bekommt nun eine storytechnisch gehörig abgespeckte Version von Episode IV geboten. Freilich mit dem großen Ziel der Zerstörung eines gigantischen Todessternes. Der diesmal mehr eine Art Planet ist. Dabei hetzen unsere Helden Rey und Finn beinahe atemlos von Schauplatz zu Schauplatz und müssen keinerlei Profil entwickeln. Rey rennt mehr als sie spricht. Und Finn switcht beständig zwischen Feigling und Held hin und her. Mehr ist da nicht. Und mehr erfährt man auch nicht.

Erst als Harrison Ford als Han Solo im Film ankommt, läuft „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ runder. Das Genöle zwischen Chewbacca und Solo funktioniert nach wie vor prächtig und dem inzwischen doch sehr betagten Ford sieht man keinerlei Ermüdungserscheinungen an. Was vor allem deshalb erstaunt, weil er „Star Wars“ gegenüber doch immer extreme Vorbehalte hatte. Davon ist hier nichts zu merken. Im Zusammenspiel mit ihm funktioniert vor allem Rey deutlich besser als bisher. Zudem bekommt der Zuschauer mal wirklich irre Flugmanöver des Millennium Falken geboten, der einem übers Wasser hüpfenden Stein gleich über diverse Planetenoberflächen heizen darf.

Auf der weiteren Reise treffen wir Leia wieder, R2-D2 fiepst in einer Ecke herum und C-3PO darf wie gewohnt ordentlich nerven. Dazu immer wieder Masken und Gestalten, die man schon aus den Episoden IV-VI kennt. Da kommen schon ein wenig nostalgische Gefühle auf. Leider kann da die Bösewicht-Riege nicht mithalten. Kylo Ren nimmt viel zu oft seinen an Darth Vader erinnernden Helm ab und wird von Adam Driver als ADHS-Lump mit gestörter Impulskontrolle gegeben. Sein großer Obermuckel Snoke sieht aus wie ein übergroßer Gollum und strahlt null Bedrohlichkeit aus. Wo sind nur die miesen Bösewichter, die in langen, das Gesicht verbergenden Kutten in der Gegend herumstehen und mit tiefer Stimme finstere Pläne schmieden?

Star Wars VII

Han Solo steht beiden mit Rat und Wookie zur Seite.

Vor allem die in den Episoden I-III etablierte Komplexität (man denke nur an die Sitzungen im Senat) kommt in dem neuen „Star Wars“-Abenteuer nie auf. Maximal auf persönlicher Ebene gibt es ein paar interessante Verstrickungen, da Gut und Böse diesmal sehr nahe beieinander liegen. Der Rest ist Tempo satt. Dem J.J. Abrams alle, aber auch wirklich alle Ecken und Kanten opfert: Seine Helden entstammen allen denkbaren Ethnien, die weibliche Heldin zieht nun auch die Ponyfans an, der Film ist bunt, aber nicht zu bunt und die Handlung harmlos glatt sowie politisch korrekt.

Abrams „Star Wars“-Eintrag will es gefühlt allen recht machen. Man hat infolgedessen mehr als einmal den Eindruck, dass entweder sein Respekt vor dem mega erfolgreichen Franchise viel zu groß war, oder sich das produzierende Disney-Studio zu heftig in die Dreharbeiten einmischte. Diese Gedanken kommen einem vor allem dann, wenn man bedenkt, wie respektlos, frisch und frech Abrams zu großen Teilen an das Star-Trek-Franchise herangegangen ist und jenem mit seinen neuen Interpretationen ganz neue Zuschauerschichten erschloss.

Bei all dem Gehetze und Gerenne in „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ will sich auch der Zauber der Episoden IV-VI nie so wirklich einstellen. Vor allem das Gefühl, einem großen Märchen beizuwohnen, kommt bei J.J. Abrams Streifen nie auf. Der inszenierte im Grunde keine Space Opera, sondern einen Space Actioner. Und passte diesen an die Sehgewohnheiten des heutigen Publikums an. So werden von Laserstrahlen getroffene Lumpen durch die Gegend geschleudert (es gibt sogar mal Blut zu sehen!), der Impact bei abstürzenden Fluggeräten ist echt fett, die Laserschwertkämpfe wirken um einiges wuchtiger (und weniger elegant) und die Flugsequenzen profitieren vollkommen von den heutigen Effekt-Möglichkeiten.

Star Wars VII

BB-8 entpuppt sich als echter Showsteeler!

Gleichzeitig fragt man sich schon, warum Abrams in seinem tricktechnisch perfekten Film nicht mehr auf die famosen First-Person-Ansichten in den Dogfights setzte. Zumal diese auch 3D-technisch ordentlich knallen. Zudem hat man den Eindruck, dass Abrams um das ganz große Spektakel immer einen erstaunlich großen Bogen macht. Sobald man meint, dass die jeweilige Actionszene richtig angelaufen ist, endet sie auch schon. Auch der große Showdown hat niemals den Spektakelwert der Vorgängerfilme… Aber das hatten wir ja schon: Aufregende Action, aber nicht zu aufregend.

Und damit wären wir wieder beim Eingang: Denn wie sonst, wenn nicht mit einem harmlosen und beinahe nichtssagenden, dafür auf alle möglichen Zielgruppen abgestimmtem Filmvehikel wie „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ könnte man extrem verniedlichte Stormtrooper als Kuscheltiere an den Mann bzw. dessen Kinder bringen? Und ich frage mich schon jetzt, in wie vielen Haushalten der arme, missverstandene Kylo Ren in Kuscheltierform schon ein Kleidchen einer Barbie angezogen bekommen hat. Wo man in Sachen Merchandising also eine neue Definition für den Begriff unübertrefflich generiert hat, ist auf der filmischen Ebene noch viel Luft nach oben vorhanden. Denn mehr als ein Film, der einerseits nichts grob falsch macht und andererseits niemals wirklich mitzureißen vermag, ist bei der Zubereitung dieser Konsens-Soße nicht herausgekommen…

Der Film läuft seit dem 17. Dezember in den deutschen Kinos und ist mit einer FSK 12 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany__Freigabe: FSK 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, seit dem 17.12.2015 in den deutschen Kinos

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