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Storm Hunters

Originaltitel: Into the Storm__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2014__Regie: Steven Quale__Darsteller: Sarah Wayne Callies, Richard Armitage, Jeremy Sumpter, Nathan Kress, Kyle Davis, Matt Walsh, Scott Lawrence, Arlen Escarpeta, Alycia Debnam Carey u.a.
Storm Hunters

Hollywood jagt Tornados in “Storm Hunters”

Wenn Hollywood die Naturgewalten inszeniert, wird meist geklotzt und nicht gekleckert. So auch in „Storm Hunters“, wo in einer der eindrucksvollsten Szenen einige am Boden stehende Passagierflugzeuge von einem Tornado ergriffen und in die Lüfte emporgehoben werden. Hier führen sie eine Art seltsamen Tanz auf und fliegen umher wie schwerelose Federn…

Die Story um Schauwerte wie diesen ist so beliebig wie egal. In Silverton, einem kleinen Städtchen in den USA, feiern die Einheimischen die aktuellen Absolventen der örtlichen Highschool. Was sie nicht ahnen: Eine gewaltige Sturmfront rast auf die kleine Stadt zu und hat eine Vielzahl an Tornados im Gepäck. Auf der Spur der Sturmfront folgen einige Wissenschaftler, die Daten über Tornados sammeln wollen. Ab sofort bringt „Storm Hunters“ in schöner Regelmäßigkeit sowohl die Einheimischen als auch die Wissenschaftler in Gefahr…

Das folgt der Dramaturgie der Steigerung und hat eher eine Nummernrevue denn einen stringenten Katastrophenfilm zur Folge. Man hangelt sich von Tornado zu Tornado, die sich von einer Szene zur nächsten in Anzahl und Wucht immer weiter steigern. Aus diesem Aufbau zieht „Storm Hunters“ ein enormes Tempo und auch eine gewisse Faszination. Denn zuzuschauen, wie sich die „Säulen“ des Tornados allmählich ausbilden, beinahe zaghaft gen Erdboden streben, die Kontaktanbahnung abbrechen und an einer anderen Stelle den Vorgang wiederholen, nur um sich hernach von einem Moment auf den anderen von etwas Anmutigem zu etwas alles Zerstörendem zu wandeln, lässt einen, auch wenn die Bilder allesamt aus dem Rechner stammen, vor der Kraft der Natur (wohlig) erschauern. Und auch der Rest ist eine Leistungsschau der modernen Computeranimation. Binnen Sekunden werden hier Stadtteile verwüstet, fliegen neben Flugzeugen, Landmaschinen und Autos auch Tanklaster durch die Luft und werden Häuser förmlich pulverisiert.

Wo zu Beginn nur ein Tornado einen Vorgeschmack geben darf, was den Zuschauer in den nächsten Minuten erwartet, dürfen in der zweiten großen Desaster-Szene schon vier Tornados wüten. Und als wäre das nicht genug, saugt einer gar die brennbare Fracht eines Tanklasters auf und mutiert zu einer gigantischen Feuersäule. Die eindrucksvollsten Bilder aber generiert man beim letzten Sturm. Dem gigantischsten Tornado aller Zeiten. Dagegen fühlt sich dann sogar „Twister“ wie der Sturm im Wasserglas an. Auch was die tricktechnische Perfektion angeht.

Auch zwischen diesen actiongeladenen Highlight-Szenen bringt der Film diverse Figuren immer wieder in Lebensgefahr und hält so beständig die Spannungskurve auf einem ordentlichen Niveau. Warum nur ordentlich? Nun, die Figuren von „Storm Hunters“ sind einem leider viel zu egal, als dass man mit ihnen mitfiebern möchte. Das Ensemble ist gar nicht mal sonderlich groß, dennoch schafft es der Film nicht einmal ansatzweise, alle irgendwie zu verorten oder vorzustellen. Einzig Richard Armitage („Der Hobbit“) und Sarah Wayne – Bitte füttere mich! – Callies („The Walking Dead“) erhalten so etwas wie Profil, bekommen aber kaum Möglichkeiten, mal wirklich darstellerisch zu glänzen. Denn die Stars sind die Tornados. Und daran lässt der Film wahrlich keinen Zweifel. Auch fragt man sich, ob man einen Film gut finden will, in dem zwei Figuren lanciert werden, die einfach nur dumm sind und ausschließlich als seltsame Anbiederung an heutige Jackass-Vollpfosten-Generationen, die jeden Schiss ihrer ärmlichen Existenz bei Youtube hochladen müssen, verstanden werden können.

Doch abseits derartiger Problemfälle, dem wirklich dünnen Drehbuch und der nicht vorhandenen Charakterzeichnung hat der Film ein weiteres, ein eklatanteres Problem: Im Grunde seines Herzens möchte „Storm Hunters“ ein Found Footage Film sein. Dementsprechend erleben wir weite Teile des Filmes aus Sicht von Kameras, die die Charaktere mit sich herumschleppen. Bei manchen macht dies Sinn, bei einigen so gar nicht. Dass manche Charaktere angesichts dessen, was in „Storm Hunters“ passiert, nur ans Filmen denken, ist auch nicht wirklich glaubwürdig. Doch geschenkt. Das eigentliche Problem ist, dass selbst wenn „Storm Hunters“ der propagierte Zusammenschnitt aus zig verschiedenen Bildquellen sein sollte (ähnlich „The Bay“), das Ergebnis trotzdem nicht als Found Footage Film funktioniert. Denn es gibt immer wieder Bilder und Einstellungen, die sind eindeutig filmischer Natur: Etwa Aufnahmen, welche bei Helikopterflügen getätigt wurden, oder neben Autos hergleitende Kameras. Selbst in Dialogszenen kommt Bildmaterial zum Einsatz, wo nicht erklärt wird, wer der Kameramann gewesen sein soll. Ein kleines Beispiel: In einer Szene wollen sich zwei dem Tode geweihte Figuren bei ihren Eltern via Videobotschaft verabschieden. Beide sagen ihren Text auf und das Gegenüber filmt. Dann umarmen sich beide. Hierzu kann man die Kamera freilich auf einen Vorsprung abgestellt und weiterlaufen lassen haben. Doch dann schwenkt die Kamera plötzlich… Wie geht das? Sitzt da noch wer unten? Derartige Szenen reißen den Zuschauer immer wieder aus dem Erlebnis heraus. Plötzlich wird aus etwas „Realem“ (das Found Footage Material) etwas „Filmisches“, weil eben Inszeniertes. Dass ein Großteil der Kameras während des Chaos zerstört oder weggeweht wird, trägt auch nicht viel zur Glaubwürdigkeit bei. Oder will irgendwer behaupten, dass man die Speicherchips der Geräte nach einem Tornado tatsächlich wiederfindet? Come on!

Am Ende bleibt ein Film, der gut beraten gewesen wäre, die Stilbrüche auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. Entweder Found Footage oder echter Katastrophenfilm. In der jetzigen Form jedenfalls wirkt „Storm Hunters“ nicht rund und beraubt sich selbst seiner Wirkung. Ja steht sich sogar selbst im Weg, weil er den Zuschauer immer wieder aus der Dramaturgie herausreißt. Diese basiert auf purer Eskalation und profitiert von hervorragenden Special Effects und tollen Actionmomenten, wird aber immer wieder durch die Frage geerdet, wer da warum, wie und aus welcher Position für das Found Footage Material gesorgt haben soll. Als Zeugnis dessen, wie zerstörerisch die Natur wirken kann, verfehlt der Film seine Wirkung allerdings nicht, Hier generiert „Storm Hunters“ immer wieder eindrucksvolle, starke Szenen, die man so noch nie auf der Leinwand oder im Pantoffelkino zu sehen bekommen hat. Nur das Drumherum (Stil, Figuren, Drehbuch, verheerend dumme Charaktere) mag einfach nicht passen. Schade.

Der Film erschien von Warner Bros. auf DVD und Blu-ray und ist mit einer FSK 12 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Warner Bros.__Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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