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Streets of Blood

Originaltitel: Streets of Blood__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2009__Regie: Charles Winkler__ Darsteller: Val Kilmer, Curtis “50 Cent” Jackson, Sharon Stone, Michael Biehn, Jose Pablo Cantillo, Katie Chonacas, Brian Presley, …

Das deutsche Cover-Motiv.

Val Kilmers Comeback währte nur kurz: Nach ambitionierten Rollen stieg er wieder in den direct to video Bereich ab – von Nebenrollen wie in „Bad Lieutenant“ mal abgesehen. Immerhin konnte er sich kurz vor Herzogs Film schon einmal mit New Orleans und dem Hurricane Katrina schauspielerisch vertraut machen, denn auch Charles Winklers „Streets of Blood“ spielt in der Stadt, direkt nach der Katastrophe.

Gleich zwei wichtige Ereignisse im Leben des harten Bullen Andy Deveraux (Val Kilmer) passieren kurz nach dem Sturm: Er findet seinen ermordeten Partner auf, bei der Schießerei mit einem durchgedrehten Anwohner lernt er Stan Johnson (Curtis ’50 Cent’ Jackson) kennen, der danach sein neuer Partner wird. Eingebettet ist die erzählte Geschichte in einen Rahmen von Gesprächen der Beteiligten, vor allem Andy, mit der Psychologin Nina Ferraro (Sharon Stone), welche die Cops evaluiert, gerade wenn sie an einer Schießerei mit Todesfolge beteiligt waren.

Große psychologische Einsichten bringen diese allerdings nicht ins Spiel, und auch die Erzählstruktur von „Streets of Blood“ wird dadurch nicht raffinierter – viel eher scheint es, als habe man bloß noch eine zusätzliche Rolle für den prominenten Co-Star Stone gebraucht. Während Andy mit Zero-Tolerance-Politik gegen Gangster vorgeht und den Tod seines früheren Partners aufklären will, schaltet ein Drogenboss derweil seine Konkurrenz aus, um ein Imperium in New Orleans aufzubauen. Und dann sind da noch die zwielichtigen Cops Pepe Vasquez (Jose Pablo Cantillo) und Barney Valentine (Brian Presley), die einen Undercoverfahnder töten…

Kilmer dreht in letzter Zeit nicht nur uninspirierte Videoware – mit Werken wie „Conspiracy“, „The Thaw“ oder diesem hier hat er auch einen Sinn für die allerschlechtesten Drehbücher aus der Mülltonne bewiesen. Kein Plotstrang wird weiter verfolgt, warum Andy seinen Partner nun so dolle rächen will, wird nie klar, die Gangster staksen ohne Motivation durch den Film, wirkliche oder zumindest wirklich nachvollziehbare Ermittlungen durch die Cops gibt es nicht – insofern verkommt der Film zu einer Aneinanderreihung von Einzelszenen, die mehr schlecht als recht durch einige rote Fäden zusammengehalten werden. Noch dazu scheint die Regie andauernd zu denken, sie fabriziere hier große Kunst und keine Videothekenware, weshalb Verfremdungen durch Farbfilter und Reißschwenks an der Tagesordnung sind, die aber reichlich konfus wirken.

Vor allem aber kann das Drehbuch keine einzige seiner Figuren überzeugend verkaufen: Die Motivation des Übelwichts ist schwammig, wohingegen man die Cops kann gar nicht einschätzen kann. Vasquez und Valentine sind klar auf der schiefen Bahn (Valentine immerhin mit Skrupeln), gehen aber trotzdem mit Andy und Stan auf Dealerjagd – doch zum Konflikt aufgrund ihrer Machenschaften kommt es nicht. Überdies weiß man lange gar nicht, ob das Drehbuch Andy nun als Good- oder als Bad-Guy sieht – wobei diese Unschärfe allerdings nicht gewollt erscheint, sondern einfach nur nach schlechter Schreibe riecht, zumal seine und Stans Handlungen, gerade in den Schlussminuten des Films, bestenfalls teilweise nachvollziehbar sind.

Immerhin: Val Kilmer rennt immer noch im Seagal-Speck-Format herum, die Hauptrolle spielt aber doch mit einigem Elan (und gegen das maue Script an) – was man von vielen anderen seiner Auftritte in den letzten Jahren ja nicht gerade sagen kann. Curtis Jackson hält sich mit Gangsta-Gehabe zurück, kann aber kaum Akzente setzen, Sharon Stone liefert Routine ab und scheint nur ans Bare zu denken, während Jose Pablo Cotillo dauernd in den Overacting-Modus schaltet und dabei versagt. Immerhin: In einer Nebenrolle darf Michael Biehn ansatzweise sein Talent zeigen.

Actionfans kommen bei „Streets of Blood“ kaum auf ihre Kosten, denn die Polizeiarbeit wird zwar zwischendurch mal bleihaltig, doch die meisten Shoot-Outs sind nur kurz und werden von der überambitionierten Regie und einem oft grauenvollen Schnitt kaputtgemacht – da mag es noch so ordentlich aus den Trefferwunden suppen. Lediglich der Opener im überfluteten New Orleans und die Stürmung eines Dealerunterschlupfs durch Andy und Kollegen wissen da noch halbwegs zu gefallen.

Mit seinen ein, zwei halbwegs gelungenen Ballereien und einem ganz gut aufgelegten Val Kilmer kann sich „Streets of Blood“ noch vom Genre-Bodensatz abheben – aber angesichts der schlechten Regiearbeit und einem konfusen Script, das weder Story noch Figuren zu vermitteln weiß, ist Charles Winklers Polizeithriller ein ziemlicher Schlag ins Wasser.

© Review: McClane

Hierzulande wurde der Film (ungeschnitten) mit einer FSK18-Freigabe von “Kinowelt” auf DVD und BluRay veröffentlicht. In den USA vertreibt ihn “Starz/Anchor Bay” – wobei zu beachten ist, dass die betreffende BluRay “Region A locked” ist (was auch für das “Double Feature” mit “Lies and Illusions” gilt). In Großbritannien ist derweil nur eine DVD-Version (aus dem Hause “Momentum Pictures”) erschienen…

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Label/Copyright des Covers und der Filmbilder: Kinowelt/Momentum Pictures__FSK Freigabe: keine Jugendfreigabe/18__Geschnitten: Nein__ Blu-Ray/DVD: ja/ja

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