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Superman IV – Die Welt am Abgrund

Nachdem der dritte Teil der Reihe nicht sonderlich gut ankam, veräußerte Warner die Rechte für „Superman IV“ an Cannon weiter. Das von Sidney J. Furie inszenierte Sequel erlitt aber noch größeren Schiffbruch an den Kassen und bei der Kritik, was auch an der turbulenten Produktionsgeschichte lag. In diesem Film kämpft Superman gegen Lex Luthor und Nuclear Man.

Originaltitel: Superman IV: The Quest for Peace__Herstellungsland: USA/Großbritannien__Erscheinungsjahr: 1987__Regie: Sidney J. Furie__Darsteller: Christopher Reeve, Gene Hackman, Jackie Cooper, Marc McClure, Jon Cryer, Sam Wanamaker, Mark Pillow, Mariel Hemingway, Margot Kidder, Damian McLawhorn, William Hootkins, Jim Broadbent u.a.
Superman IV - Die Welt am Abgrund

“Superman IV” entstand unter der Regie von Sidney J. Furie für Cannon Films

Nachdem „Superman III“ kommerziell hinter den Erwartungen zurückblieb und sowohl bei Fans als auch Kritikern bestenfalls gemischte Gefühle hervorrief, sahen Menahem Golan und Yoram Globus ihre Chance bekommen: Sie übernahmen mit Cannon für „Superman IV“, fragten für die Regie nicht nur die Vorgänger-Regisseure Richard Donner und Richard Lester, sondern auch Wes Craven an und entschieden sich nach deren Absagen für den erfahrenen Handwerker Sidney J. Furie („Boomer – Überfall auf Hollywood“).

„Superman IV“ fiel in die Zeit von Glasnost und Perestroika, was sich prompt in der Eingangsszene niederschlägt, in der Superman (Christopher Reeve) russischen Kosmonauten nach einem Weltraumunfall das Leben rettet – derartiges hätte man bei Cannon eigentlich nicht erwartet, gerade mit Blick auf ihre patriotischen Actionreißer. Hier aber ist Denuklearisierung Trumpf, weshalb ein Brief eines Schülers Superman zum Handeln bringt, denn der Junge hat die rettende Idee: Zur Erzielung des Weltfriedens soll Superman einfach alle Atomwaffen vernichten. Supi grübelt erst etwas herum und kündigt sein Vorgehen schließlich bei der UN an, aber es wirkt etwas seltsam, wenn sich ausgerechnet die Krawallonkels von Cannon daran versuchen der Naivität der Vorgängerfilme treu zu bleiben, die Richard Lester in den Sequels immerhin etwas durch Comedy unterlief.

Supermans Alter Ego Clark Kent hat derweil den üblichen Job beim Daily Planet, wobei „Superman IV“ auf keinerlei Experimente setzt. Lana Lang ist also raus, stattdessen steht wieder Lois Lane (Margot Kidder) als weibliche Hauptfigur im Mittelpunkt, während Lex Luthor (Gene Hackman) erneut den Schurken gibt, der von seinem Neffen Lenny (Jon Cryer) aus der Haft befreit wird. Neu hingegen sind Boulevard-Tycoon David Warfield (Sam Wanamaker) und seine Tochter Lacy (Mariel Hemmingway), die den Daily Planet aufkaufen und im Yellow-Press-Sinne ummöbeln wollen, womit „Superman IV“ sich einen Seitenhieb auf die sich ändernde Medienlandschaft der 1980er erlaubt.

Luthor bekommt Supermans Atomwaffenentsorgungsplan (ab damit in die Tonne, ähhh, die Sonne) mit und packt einen DNA-Baukasten hinzu, der aus der Atomexplosion in der Sonne ein Superman-gleiches Wesen entstehen lässt: Nuclear Man (Mark Pillow). Und den setzt Luthor auf den Stählernen an…

Superman IV - Die Welt am Abgrund

Superman (Christopher Reeve) tritt gegen Nuclear Man (Mark Pillow) an

„Superman IV“ hat eine turbulente Produktionsgeschichte hinter sich, die unter anderem auch in der Cannon-Doku „Electric Boogaloo: The Wild, Untold Story of Cannon Films“ erwähnt wird. Erst konnte der Film nach dem Rechteverkauf die alten Stars nur durch Gefallen wie das Finanzieren von Wunschprojekten halten, danach kürzte die finanziell inzwischen schwächelnde Cannon Group das Budget von 35 Millionen Dollar auf gerade einmal 17 Millionen Dollar und schlussendlich kürzte man eine ursprüngliche Schnittfassung, die beim Testpublikum durchfiel, um rund 45 Minuten auf anderthalb Stunden herunter. Das Material wollten die Cannon-Sparfüchse für einen eventuellen fünften Teil in der Hinterhand behalten (Albert Pyun war als Regisseur angedacht), aber der wurde – ebenso wie ein geplantes Spider-Man-Projekt – nach dem mauen Einspiel von „Superman IV“ abgesagt. Tatsächlich merkt man das Entfallen besagter 45 Minuten, die unter anderem einen zusätzlichen Nuclear Man enthielten, dem Film gar nicht so sehr an; auch die oft gescholtenen Plotlücken sind gar nicht so eklatant (etwa warum Nuclear Man auf einmal ein Auge auf Lacy geworfen hat und diese unbedingt haben will, wird im Film nicht so recht ersichtlich). Viel schwerer wiegt der Eindruck, dass man nach den Kürzungen vor allem unsinniges Füllmaterial drin behalten habe.

So schleppt sich „Superman IV“ vor allem anfangs im Schneckentempo dahin, weshalb Nuclear Man zur Halbzeitmarke überhaupt erst entsteht und nicht vor dem letzten Drittel eine Konfrontation mit Superman hat. Bis dahin wird jede Menge Zeit mit Nichtigkeiten vertan, neben Pfadfinderkitsch vor allem eine Art Beziehungskiste: Während Superman und Lois wieder flirten, hat Lacy ein Auge auf den schüchternen Clark geworfen – aufgrund der Superman/Clark-Doppelidentität also eine Art unbewusste Dreiecksgeschichte. Was macht der Film aus dieser ansatzweise reizvollen Konstellation? Nichts, außer einer eher mäßigen Comedy-Einlage, wenn sich die beiden Paare zu einer Art Doppeldate treffen und der Stählerne beide Rollen als Clark und Superman ausfüllen muss. Doch die Komödie liegt Sidney J. Furie nicht so, was man ganz besonders schmerzhaft an dem nervigen Lenny-Sidekick merkt.

Superman IV - Die Welt am Abgrund

Lex Luthor (Gene Hackman) wird von seinem Neffen Lenny (Jon Cryer) unterstützt

Action wäre da vielleicht schon eher sein Metier, aber da muss er mit Limitierungen kämpfen, denn das Budget wurde zuerst bei den Effekten eingespart, teilweise sogar alte Effekte aus den Vorgängern wiederverwendet. Doch viele Spektakelszenen sind hüftsteif und undynamisch, gerade die erste Verfolgungsjagd mit Klopperei zwischen Superman und Nuclear Man wirkt wie eine Schulhofrauferei, bei der die Konkurrenten zwischendurch eben mal die chinesische Mauer demolieren oder die Freiheitsstatue schmeißen. Im Showdown läuft es etwas besser, gerade wenn die Kontrahenten zuerst erdgebunden New York umkrempeln, während die darauffolgende Weltallschlägerei es schon wieder an Dynamik mangeln lässt. Wirkliche Wow-Effekte erwartet man aber eh besser nicht, ebenso wenig wie einen Plot, der auf mehr als Bierdeckel passt und mehr als ein Aufkochen von Altbekanntem ist. Luthor versucht sich jetzt halt als (Nuklear-)Waffenhändler, doch große Unterschiede zu seinem kapitalistischen Plan aus dem ersten „Superman“ gibt es nicht. Den ebenbürtigen Gegner gab es schon in „Superman II“, wobei General Zod und seine Spießgesellen wesentlich rücksichtloser zu Werke gingen als die Schurken hier: Nuclear Man, der vermeintliche Super-Evil-Schurke ohne menschlichen Background, lässt seine Opfer schweben und ähnliche Scherze, aber fast alle kommen mit dem Leben davon – kaum zu glauben, dass Richard Lester da konsequenter war als ein Produkt aus dem Hause Cannon.

Christopher Reeve („Das Dorf der Verdammten“) bekam mehr Mitspracherecht und obwohl er den Film später öffentlich verdammte, so legt er sich in seiner Paraderolle erneut ins Zeug und spielt den Saubermann unter den Superhelden mit einem erfrischenden Augenzwinkern. Gene Hackman („Die Killer-Brigade“) kann dagegen nicht immer verbergen, dass er in erster Linie für den Gehaltsscheck dabei war und auch Margot Kidder („Maverick“) mag ganz okay sein, legt aber ihre schwächste Lois-Lane-Performance hin. Jackie Cooper („Chosen Survivors“) und Marc McClure („Landspeed“) sind gewohnt gut als Perry White und Jimmy Olsen, während sich Mariel Hemmingway („Sunset – Dämmerung in Hollywood“) als Neuzugang ganz wacker schlägt. Das kann man von anderen Newcomern nicht bedeuten: Der spätere „Two and a Half Men“-Dödel Jon Cryer, damals vor allem als Duckie aus „Pretty in Pink“ bekannt, kaspert sich nervend durch seine Szenen und Mark Pillow in der Schurkenrolle mit langen Fingernägeln und albernem Spandex-Outfit ist eine derartig hölzerne Luftpumpe, dass es kaum verwundert, dass dies seine einzige Kinorolle blieb.

„Superman IV“ mag produktionstechnisch ein Debakel gewesen sein und unter diversen Mängeln gelitten haben, aber das Ergebnis ist noch nicht einmal katastrophal missraten, sondern in erster Linie kreuzlangweilig. Superman ist eh schon keine dankbare Figur und dann kopieren Sidney J. Furie und die restlichen Macher nur uninspiriert Ansätze aus drei mal eher naiven, mal eher blödelnden Vorgängerfilmen, die alle schon ihre Schwächen hatten. Der Mangel an vernünftigen Schauwerten ist dann der Sargnagel an einem Langweiler, den Furie dann trotz aller Widrigkeiten noch recht professionell, aber ohne Ambitionen oder große Qualitäten zusammengebastelt hat.

Wie schon die Vorgänger wurde auch „Superman IV“ von Warner auf DVD und Blu-Ray veröffentlicht, ungekürzt ab 6 Jahren freigegeben. Das Bonusmaterial umfasst rund eine halbe Stunde der entfallenen Szenen, außerdem gibt es noch einen Audiokommentar von Co-Autor Mark Rosenthal. Auf der Blu-Ray befindet sich zusätzlich eine Featurette zum 50. Geburtstag von Superman.

© Nils Bothmann (McClane)

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