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Swimming Pool – Der Tod feiert mit

Ein deutscher Slasherfilm, in Prag mit internationalem Cast gedreht, zu dem anderem James McAvoy und Isla Fisher in frühen Rollen. In „Swimming Pool“ brechen die Absolventen der internationalen Schule in Prag zu einer Abschlussfeier in ein Spaßbad ein. Dummerweise hat sie ein maskierter Mörder im Visier und das Wasser färbt sich bald blutrot.

Originaltitel: Swimming Pool – Der Tod feiert mit__Herstellungsland: Deutschland__Erscheinungsjahr: 2001__Regie: Boris von Sychowski__Darsteller: Kristen Miller, Elena Uhlig, Paul T. Grasshoff, John Hopkins, Isla Fisher, Jason Liggett, Jonah Lotan, Cordelia Bugeja, James McAvoy, Linda Rybová, Bryan Carney, Maximilian Grill, Anna Geislerová, Jan Vlasák, Daniel Wurm, Marek Libert u.a.
Swimming Pool

Ein deutscher Slasherfilm mit internationalem Cast: “Swimming Pool”

Die Post-„Scream“-Slasher-Renaissance erfasste auch Deutschland, wo nach „Anatomie“ und „Flashback“ mit „Swimming Pool“ ein weiterer Genrevertreter ins Kinorennen geschickt wurde.

Der obligatorische Auftaktmord kann seine „Scream“-Parallelen kaum verbergen. Die junge Catherine (Anna Geislerová) telefoniert, während sie daheim allein auf ihren Freund wartet, mit ihrer Mutter. Der Mörder funkt zwar nicht mit cleverem Telefonterror dazwischen, lockt die Dame aber mittels verdächtigem Geräusch nach draußen, wo sie ihren Lover tot aufwindet. Darauf reagiert Catherine erfreulich kompetent, indem sie reinrennt und direkt die Schrotflinte aus dem Schrank holt, doch dem Plan des Killers ist sie nicht gewachsen. Der ist zwar etwas überkompliziert (drinnen verstecken, Schlüssel klauen, Opfer einschließen und dann von außen angreifen), aber was soll’s. Das Mädel endet jedenfalls tot im Pool, damit noch mal auf den Filmtitel verwiesen wird, danach geht es weiter zur eigentlichen Opferriege für den Hauptteil.

Die hat gerade Abschlussprüfung an der internationalen Schule in Prag, wo man die wichtigsten Figuren kurz in einer Montage vorgestellt bekommt. Sarah (Kristen Miller), das potentielle Final Girl, ist etwas nervös, schlägt sich aber hervorragend. Kim (Isla Fisher) hat einen schlimmen Blackout. Carmen (Elena Uhlig) versucht ihre Reize einzusetzen. Chris (Jonah Lotan) hat sich gut vorbereitet, sitzt nur in der falschen Prüfung. Und der reichen Schnösel Gregor (Paul T. Grasshoff) referiert dermaßen perfekt los, dass er die Frage gestellt bekommt, ob er vielleicht schon vorher wusste, was drankommt. Das gibt kurze Einblicke in das Wesen einiger Beteiligter, verteilt erste Sym- und Antipathien, ehe man den Rest der Clique kennenlernt, wenn man sich draußen zum Feiern trifft.

Für die Afterparty nach der eigentlichen Abschlussfeier haben Gregor und sein Kumpel Diego (Maximilian Grill) etwas Besonderes im Sinn: Über einen früheren, einbruchstechnisch begabten Mitschüler verschafft man sich Zugang zu einem Schwimmbad, um ordentlich einen draufzumachen. Dummerweise hat der Killer die Feiernden im Visier…

Schaut euch den Trailer zu „Swimming Pool – Der Tod feiert mit“ an

Regisseur und Co-Autor Boris von Sychowski („Maximum Speed – Renn‘ um dein Leben“) und seine Drehbuchkollege Lorenz Stassen („Alarm für Cobra 11“) haben immerhin eine Lektion aus den amerikanischen Schlitzerfilmen verinnerlicht: Wenn ein Genre so formelhaft und abgegrast wie dieses ist, dann ist ein Unique Selling Point nicht verkehrt. In diesem Fall die titelgebende Location, die definitiv eine Abwechslung im Slasher-Einerlei darstellt. Nicht zuletzt dank der wertigen Kameraarbeit von Notker Mahr („Roxy“) sieht das geräumige Bad mit seinen zahlreichen Pools dann ansprechend aus, so wie „Swimming Pool“ – trotz seines eher geringen Budgets – insgesamt sauber produziert herüberkommt. Zu den weiteren Pluspunkten gehört der rockige Soundtrack aus einer Zeit, als Gitarrenmusik noch als bevorzugte Jugendbeschallung galt, wobei vor allem die Donots mit drei Songs gut im Film vertreten sind. Die Zeile „Come take a breath, it might be our last one“ aus „Room with a View“ bekommt im Kontext von „Swimming Pool“ jedenfalls nochmal eine andere Bedeutung.

Swimming Pool

Das Final Girl und ihr Galan: Sarah (Kristen Miller) und Gregor (Paul T. Grasshoff)

Dummerweise gibt es noch wesentlich mehr Slasher-Lektionen, die das „Swimming Pool“-Team nicht verinnerlicht hat. So ist es schon hilfreich, wenn es Figuren gibt, um die man sich am besten Fall Sorgen macht – es sei denn, man hat eine Arschkrampen-Abschlacht-Orgie wie „Die Todesparty“ im Sinn. Wenn nicht das, dann sollten sie aber wenigstens Profil haben. Das trifft hier nur auf einen Bruchteil zu und selbst der hat nicht viel zu bieten, bei anderen kann man sich noch nicht mal mehr an die Namen erinnern, wenn sie nach rund einem Filmdrittel im Schwimmbad ankommen. Doch selbst die zentralen Figuren lassen sich meist auf eine oder zwei Eigenschaften reduzieren. So erfährt man über Mike (James McAvoy) auch nur, dass er heimlich auf Sarah steht, die aber mit dem arroganten Gregor zusammen ist.

Auch sonst ist das Script in erster Linie das kleine Einmaleins des Slasherfilms, aufbereitet mit allen Klischees und Vorhersehbarkeiten. Da gibt es die eine Figur, die wegen Beziehungsstress nicht zur Party kommen will und dann direkt als Überbrückungsopfer dienen darf, ehe das Geschlitze im Spaßbad losgeht. Da gibt es den Polizisten, der am Ort des Geschehens auftaucht und für ca. 3 Sekunden als rettende Instanz erscheint, bevor er wegmachetet wird. Und da gibt es das Trauma der Hauptfigur, das es zu überwinden gilt, in diesem Falle Wasserscheu. Daraus macht der Film enttäuschend wenig, baut bis zum Finale kaum Szenen ein, in denen sich Sarah ihrer Angst stellen muss. Und die so langsam entblätterten Hintergründe für das Trauma sind am Ende so 08/15, dass man sie auch von Anfang an hätte verraten können. Zudem gehen als erstes natürlich die profillosesten Charaktere drauf, bevorzugt beim (versuchten) Schäferstündchen. Überraschenderweise dürfte auch zwei von den Blassbacken den Film überleben, aber auch nur, weil das Drehbuch sie im Finale komplett aus dem Film verschwinden lässt, während ihre Freunde um ihr Leben kämpfen. Zur letzten Szene mit lauter Krankenwagen am Ort des Geschehens sind sie dann wieder aus der Versenkung gekommen.

Swimming Pool

Mike (James McAvoy) ist ein Rich Kid, aber eines von der netten Sorte

Wenn die Party dann mit ordentlich Heineken-Product-Placement ans Laufen kommt, darf das Publikum auch mit dem Mörderraten anfangen. Die Polizei findet die ermordete Stiefschwester eines Schülers, dessen Identität nicht enthüllt wird, was natürlich auch ein roter Hering sein könnte. Außerdem wird immer wieder halbwegs geschickt mit der Andeutung gespielt, dass Sarahs Galan Gregor vielleicht für nicht so nette Dinge wie Fremdbumsen oder Leuteaufschlitzen verantwortlich sein könnte. Und Martin (Jason Liggett) hat eine kriminelle Vergangenheit. Hinzu kommt noch ein wenig Kastenwesen an der internationalen Schule, das aber eher Hintergrundrauschen bleibt: Reiche Kiddies wie Gregor und Mike müssen sich gar nicht so viel Sorgen über ihren Noten und die Zukunft machen und geben den Ton an, während für Stipendiatin Kim eine vergeigte Abschlussprüfung eine Katastrophe wäre. Gehört Sarah vielleicht auch nur deshalb zur In-Crowd, weil sie und Gregor ein Paar sind? Und trägt der Killer den Klassenkampf vielleicht mit der Machete aus? Eher nicht, denn das Zwischendurch-Opfer gehört schon nicht zu den Privilegierten an der Schule. Nach alter Slasher-Logik ist es am Ende natürlich nicht der offensichtliche Verdächtige, was zu einer enttäuschenden Enthüllung inklusive enttäuschend banalem Mordmotiv führt.

Zuvor geht der Killer mit einer Totenschädelmaske, in der er wie Skeletors Azubi ausschaut, und einer Jason-Vorhees-Gedächtnis-Machete zu Werke. Viele Creative Slashing ist nicht, von Ausnahmen wie einer Hantel zur Opferfixierung und dem sehr originellen Wasserrutschenmord abgesehen. Meist werden die Leute einfach mit dem Mordgerät durchbohrt. Kunstblut fließt reichlich, doch so richtig heftig wird es nicht: Beim erwähnten Kill mit der Wasserrutsche färbt sich das Wasser ordentlich rot, die eigentliche Zweiteilung sieht man nicht, auch ein abgehaktes Bein wird nur beim Leichenfund angedeutet. Im Regelfall werden erwartbare Opfer ohne großes Stalking sang-, klang- und spannungslos dahingemetzelt, doch zwischenzeitlich bekommt „Swimming Pool“ dann doch ein paar recht schweißtreibende Set Pieces hin. Etwa wenn vier der Teens in einem Luftschacht gefangen sind, der vom Killer mit der Machete perforiert sind, oder eine (möglicherweise entbehrliche) Nebenfigur einen beschwerlichen Tauchgang unternimmt und dabei an einem Hindernis hängen bleibt.

Swimming Pool

Guck mal, wer da schlitzt: Der Mörder geht mit Totenkopfmaske um

Gedreht wurde in Prag auf Englisch, mit internationalem Cast (Deutschland, USA, Großbritannien, Tschechien), was im O-Ton einige Regionaleffekte alias heftige Akzente mit sich bringt, dem Vernehmen nach der deutschen Synchro aber vorzuziehen ist. Kristen Miller hatte schon mit einer Nebenrolle in „Cherry Falls“ Slasher-Erfahrung gesammelt, ist aber ein ziemliches 08/15-Final-Girl. In der Damals-kannte-euch-noch-keiner-Abteilung haben wir James McAvoy („X-Men: Dark Phoenix“) und Isla Fisher („Der Spion und sein Bruder“), die allerdings auch wenig Memorables hinbekommen. Darstellerisch leichten Ausschlag nach oben gibt Paul T. Grasshoff („Emilia“), der Gregor ganz überzeugend zwischen schnöseligem Boyfriend und möglichem Killer anlegt, Ausschlag nach unten gibt John Hopkins („Alice im Wunderland“) als ständig zeternder Stinkstiefel, bei den man sich irgendwann fragt, warum jemand diese Pissnelke überhaupt eingeladen hat.

Die Voraussetzungen für einen originellen Film waren eher gering, aber immerhin hätte „Swimming Pool“ sein Genre ja gelungen bedienen können. Die Location ist ebenso ein Pluspunkt wie der Soundtrack, in Sachen Produktion kann man nicht meckern und die eine oder andere Spannungspassage ist auch drin. Dummerweise ist der Rest fades Malen-nach-Zahlen mit ausgesprochen farblosen Figuren, dämlicher Auflösung, größtenteils schwachen Darstellerleistungen und fehlendem Spannungsbogen. Immerhin: Ähnlich unterdurchschnittlich waren auch viele Vorbilder aus der Slaher-Boomzeit der 1980er, insofern schafft „Swimming Pool“ vielleicht doch den Schulterschluss mit seinen Vorbildern. Nur halt nicht mit den guten.

Universal/Senator hat „Swimming Pool“ in Deutschland auf DVD veröffentlicht, ungekürzt ab 18 Jahren freigegeben. In Sachen Bonusmaterial gibt es einen Audiokommentar von Regisseur und Kameramann, Interviews mit Cast & Crew, entfallene Szenen, Dokus zum Film, Auszüge aus dem Drehbuch, Texttafeln zur Vorproduktion und Trailer.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Universal/Senator__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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