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Ted 2

Originaltitel: Ted 2__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2015__Regie: Seth MacFarlane__Darsteller: Mark Wahlberg, Amanda Seyfried, Jessica Barth, Giovanni Ribisi, Sam J. Jones, Patrick Warburton, Morgan Freeman, Liam Neeson, Dennis Haysbert, John Slattery, Bill Smitrovich, Michael Dorn u.a.
Ted 2

Die Donnerbuddies sind zurück!

Ich gebe es gerne zu: Ich fand „Ted“ und die Grundidee hinter dem Film einfach nur spitze. Ein Teddybär, der herumhurt, säuft und kifft, für jede Situation einen Spruch drauf hat und einfach nur eine coole Sau ist – Genial! Dazu noch der fiese Humor des Regisseurs und Schöpfers Seth MacFarlane und die schräge Sause war perfekt. Ja, Mila Kunis nervte. Und ja, „Ted“ verhedderte sich immer wieder in den dramaturgischen Fallstricken einer leider arg stinknormalen Romantic Comedy, aber „Ted“ machte Spaß! So richtig. Und vor allem sehr respektlos. Als ein zweiter Teil angekündigt wurde, war ich sofort Feuer und Flamme. Als ich dann erfuhr, dass man Frau Kunis gecancelt hatte, wurde mir gar blümerant ums Herz. „Ted 2“ konnte kommen!

Doch dann die Ernüchterung im Kino. Schon die ersten Gags des Streifens versanden. Sei es die Hochzeit von Ted mit seiner Tami-Lynn oder die anschließende Hochzeitsfeier – kein Gag funktioniert. Der lange Vorspann in Form einer Tanzrevue ist niedlich, aber wo stecken die witzigen Ideen, die Respektlosigkeiten? Was ist hier los? Sperrig geht es weiter: Ted und seine Angetraute streiten, leben sich auseinander. Wo ist Mark Wahlberg alias John? Wo stecken die Fiesheiten?

„Ted 2“ bleibt zerfahren. Ein Kind wollen Ted und Tami-Lynn nun zeugen, um die Beziehung wieder anzuschieben. Die folgenden Szenen um die notwendige Samenspende sind nicht schlecht, setzen aber in einigen Momenten auf popkulturelle Bezüge, die außerhalb der USA keiner weiter versteht. So entstehen eher Fragezeichen denn Lacher. Und dann wird es richtig schlimm. Nach einem Adoptionsversuch wollen die Behörden Ted plötzlich zur Sache erklären. In Abrede stellen, dass er eine Person sei. Was Ted freilich nicht zulassen kann und will. Er will ein Kind mit Tami-Lynn, koste es was es wolle. Oder auch nicht, denn da nicht genug Geld da ist, kann man sich nur eine Anfängerin in Sachen Anwaltschaft leisten…

Ted 2

Ein Bier und zwei potentielle Trinker… Ob Teilen eine Option ist?

Im Grunde also viele Voraussetzungen für scharfe Satire, für harsche Angriffe auf die US-Gesellschaft (die just am Start-Wochenende von „Ted 2“ die Homo-Ehe legalisierte!) und deren Wertevorstellungen. Aber nichts passiert. MacFarlane verpasst Moment um Moment, um mal richtig einen raus zu hauen. Eine echte Anarcho-Komödie zu machen, die vielleicht dennoch etwas zu sagen hat. Doch ausgerechnet die Gerichtsszenen entwickeln keinen Flow, bleiben unwitzig bis ins Mark und man spürt nicht einmal das Bemühen, die altbekannten Klischees derartiger Szenen aufzubrechen.

Spätestens jetzt muss sich „Ted 2“ den Vorwurf gefallen lassen, ziemlich vergurkt zu sein. Leider kommt noch hinzu, dass der Film eine enorme Länge entwickelt. Denn plötzlich wird der Film auch noch zu einem Road Movie. Hier dürfen dann John und die Anwältin anbandeln und unsere Donnerbuddies müssen sich auch so richtig zerstreiten. Obendrein dürfen manch langgezogene Szenen einfach ohne echte Höhepunkte Zeit fressen. Irgendwann verlieren dann Film und Zuschauer das eigentliche Ziel komplett aus den Augen und wird „Ted 2“ nur noch vom Charme des respektlosen Teddys zusammengehalten.

Ted 2

Ted und seine Angetraute wollen ein Kind in die Welt setzen.

Denn Mark Wahlberg wirkt doch sehr zurückgenommen und hat kaum witzige Szenen zugeschanzt bekommen. Amanda Seyfried sieht nett aus, entwickelt aber kaum Profil und wird vom Film selbst irgendwann zur popkulturellen Niete erklärt. Ein Witz, der sich schnell abnutzt. Giovanni Ribisi ist erneut als Bösewicht dabei, hat aber so wenige Szenen abbekommen, dass er für den Film nie wirklich eine Rolle spielt. Zudem wirkt er, als habe er gar keine Lust auf „Ted 2“ und legt seine Figur höchst seltsam an. Morgan Freeman hat wie Liam Neeson eher ein Cameo zu bestreiten, wobei für beide kein einziger brauchbarer Gag abgefallen ist. Neeson darf dann noch die Post-Abspann-Szene befeuern, bei der so richtig klar wird, wie unlustig seine erste Szene schon war.

Natürlich greift nun ein vollkommener Verriss komplett zu kurz, denn „Ted 2“ ist sauber und profund inszeniert, hat einen coolen Soundtrack und brilliert in allen Effekt-Szenen rund um Ted, der hier noch lebendiger als im ersten Teil wirkt. Und zwischen all den Rohrkrepierern findet man freilich auch echte Brüller. So ist die Hommage an „Jurassic Park“ einfach herrlich plump und gerade deshalb so witzig. Die Szene rund um die Improvisations-Stand-Up-Comedy ist brillant in ihrer Fiesheit (und wird durch die deutsche Synchronisation in dem Moment um „German Wings“ sogar noch fieser!). Und der turbulente Showdown auf der Comic Con ist schlicht und ergreifend großartig. Hier greifen Nerd-Bashing, nette Schauwerte und hektischere Actionmomente herrlich ineinander und man wünscht sich, der gesamt Film wäre so gut gewesen.

Ted 2

Ted mag Internet-Pornos.

Doch leider ist er das nicht. „Ted 2“ ist für eine Komödie einfach viel zu lang und viel zu unwitzig. Die Gag-Trefferquote ist eine Katastrophe. Viele Gags versanden einfach, weil sie in anderen Kulturkreisen außerhalb Amerikas nicht funktionieren (wer lacht hier schon über irgendwelche Sportler, Jay Leno oder seltsame „Weiße Nigger“-Laberanfälle?). Andere Gags waren vermutlich schon im Drehbuch faulig. Obendrein haben es ein oder zwei Lacher aus den Trailern nicht in den fertigen Film geschafft. Eine echte Fehlentscheidung. Ansonsten scheitert der Film vor allem daran, dass MacFarlane sich nicht traut, eine echte Anarcho-Komödie zu lancieren. Er bleibt einfach immer in den bekannten Mustern (hier Gerichts- und Road Movie) und traut sich nicht, diese für seine Zwecke auseinanderzunehmen. Die Folge ist, dass nur sein Hauptdarsteller Ted irgendwie respektlos rüberkommen mag. Addiert man dazu noch einige wenige gelungene Einzelszenen und echte Brüller, bleibt letzten Endes dennoch nicht viel…

Die deutsche DVD und Blu-ray zum Film, erscheint am 26. November 2015 von Universal Pictures Home Entertainment. Leider wird nur die FSK-12-Kinofassung und nicht der Extended Cut veröffentlicht.

In diesem Sinne:
freeman


……


Ted 2

Mark Wahlberg und seine plüschiger Begleiter sind wieder da: „Ted 2“

Anno 2012 hatte sich „Ted“ als Überraschungshit entpuppt und seinem Schöpfer Seth MacFarlane die Finanzierung seines bestenfalls mäßig erfolgreichen Wunschprojekts „A Million Ways to Die in the West“ ermöglicht, doch natürlich wollte Universal auch eine Fortsetzung der Erfolgskomödie.

Zum erneut von Patrick Stewart eingesprochenen Kommentar sehen wir das vermeintliche Happy End für den lebendig gewordenen Teddybär Ted: Endlich ehelicht er seine Angebetete Tami-Lynn (Jessica Barth), getraut durch niemand anderen als Sam Jones, Flash Gordon höchstpersönlich. Für Thunder-Buddy und Kumpel John Bennett (Mark Wahlberg) sieht die Lage derzeit ganz anders aus, denn der ist von seiner Traumfrau inzwischen geschieden. Mila Kunis ist aus Schwangerschaftsgründen im realen Leben nicht mehr mit von der Partie, weshalb die im ersten Teil von ihr gespielte Lori nur noch im Dialog vorkommt.

Ein Jahr später sieht die Sache doch wieder ganz anders aus, in der Ehe von Ted und Tami-Lynn kriselt es und die beiden streiten sich. Die Lösung: Ein Baby soll her. Nach einigen Irrungen und Wirrungen (u.a. ein versuchter Samenraub bei Tom Brady) entscheidet sich Ted für John als Samenspender, doch dieser Versuch scheitert an der Unfruchtbarkeit Tami-Lynns, weshalb dem Paar nur die Möglichkeit einer Adoption bleibt. Doch diese Bewerbung hat ungeahnte Konsequenzen: Nicht nur verweigert man ihnen die Adoption, der Staat erkennt Ted nicht als Person an und stuft ihn als Besitz ein, weshalb er seinen Job verliert und die Ehe für ungültig erklärt wird. Damit leitet „Ted 2“ zum Thema der Menschen- und Bürgerrechte über, das hier aber nur weit im Hintergrund mitspielt, trotz eines (MacFarlane-typisch rüden) oberflächlichen Verweises auf die Debatte um die Homo-Ehe.

In der Folge zieht das dynamische Donner-Buddy-Duo aus Ted und John vor Gericht und will mit Hilfe der jungen Anwältin Samantha Jackson (Amanda Seyfried) Teds Bürgerrechte erstreiten, die nebenbei Interesse bei John weckt…

Ted 2

Ted braucht Trost, Donner-Buddy John Bennett (Mark Wahlberg) und Bier sollen helfen

Wie schon der Vorgänger ist „Ted 2“ kein Film der subtilen Komik, dafür aber auf herrliche Weise respektlos: Wenn der Versuch einem motzenden Diner-Kunden eine Lehre zu erteilen in Witzen über Blinde und geistig zurückgebliebene Kinder endet, dann ist das ein Highlight des Films, ebenso Teds frivoles Auftreten vor Gericht oder Freizeitbeschäftigungen wie das Bewerfen von Joggern mit Äpfeln oder die Störung von Impro-Comedy durch unangemessene Themenvorschläge (darunter 9/11, Robin Williams und der Germanwings-Absturz). Allerdings keilt „Ted 2“ in alle Richtungen aus, lässt auch seine Kindsköpfe John und Ted als glückliche, wenn auch etwas minderbemittelte Gestalten dastehen, auch wenn diese immerhin etwas erwachsener geworden sind und die Fortschritte aus Teil eins so nicht negiert werden. Vor allem in Sachen Slapstick beweist MacFarlane wieder Talent, sei es gegenseitiges Piesacken von Ted und John, die wiederholten Auswirkungen von Marihuana auf Johns Psyche oder eine Massenschlägerei auf dem New Yorker Comic-Con, hier ist der Film am stärksten. Doch nicht immer ist die Trefferquote so hoch, ein paar unnötige und flache Gross-Out-Gags wie etwa jenes Chaos in der Samenbank laufen leider ins Leere, da war die Trefferquote beim Erstling wesentlich höher.

Wie schon der Vorgänger lebt auch „Ted 2“ in einem von den 1980ern und frühen 1990ern geprägten Popkulturkosmos, sei es eine musikalische und textliche Anspielung auf eine Schlüsselszene aus „Jurassic Park“, Teds Namenswahl nach „Rocky III“ oder das Nachstellen der „Breakfast Club“-Tanzszene in einer Bibliothek. Ein Gegengewicht bildet da die in Hochkultur versierte Anwältin, die noch nicht einmal weiß, was es bedeutet, dass ihr Name abgekürzt Sam L. Jackson lautet, doch mit Dorian Gray kann man Ted und John nicht kommen: Die fühlen sich als Kenner des Populären überlegen. Es wird fleißig zitiert und meist auch recht amüsant, so wie auch der MacFarlane-Kosmos und der Vorgänger immer wieder aufgerufen wird. Doch letzterer Punkt ist auch ein Problem, da „Ted 2“ in diesen Szenen zwischen charmanter Hommage und dumpfer Nachahmung hin und her navigiert: Die Umwandlung des „That car come out of nowhere“ zu „That barn came out of nowhere“ ist amüsant, das unter umgekehrten Vorzeichen stattfindende Ende (das seine Bezüge zum Erstling ausbuchstabieren muss) dagegen etwas plump, und so ist „Ted 2“ in diesen Referenzen mal mehr, mal weniger pfiffig.

Ted 2

Anwältin Samatha Jackson (Amanda Seyfried) soll Teds Rechte vor Gericht erstreiten

Dabei darf Mark Wahlberg („The Gambler“) in seiner sympathischen Rolle als Durchschnittstyp erneut aufgehen und mit hervorragendem Komiktiming punkten, doch wo es im Erstling um ihn und seine Entwicklung ging, da ist das Sequel auf Teds Geschichte zugeschnitten, den Seth MacFarlane erneut mit starker Stimmleistung einspricht. Jessica Barth („Next“) bekommt dementsprechend auch mehr Screentime als im Vorgänger, bleibt aber doch eine Randfigur, während sich Amanda Seyfried („Veronica Mars“) als unkonventionelle Anwältin, deren Augen auch für eine schräge Gags herhalten müssen, sich harmonisch in den Film einfügt und als echter Gewinn zählen kann. Neben Sam Jones („Driving Force“) und Patrick Warbutton („Get Smart“), die erneut amüsant in ihren Nebenrollen auftrumpfen, umfasst das Ensemble der Neben- und Gastdarsteller dieses Mal unter anderem Talkmaster Jay Leno (als er selbst), Liam Neeson („Run All Night“), Dennis Haysbert („Navy Seals“), John Slattery („Bad Company“), Bill Smitrovich („The November Man“) und Michael Dorn (Worf aus „Star Trek: The Next Generation“), der in den Comic-Con-Szenen natürlich als Klingone verkleidet durch die Szenerie stapft. Morgan Freeman („Olympus Has Fallen“) darf mal was anderes als den Erklärbären spielen und macht das mit Elan, während Giovanni Ribisi („Contraband“) als Donnie zurückkehrt.

Donnie ist inzwischen Hausmeister bei Hasbro, bringt diese dazu im Ted-Prozess gegen den Bären zu arbeiten und will schlussendlich eine ganze Produktionsreihe lebender Teddys unters Volk bringen. Das ist eine Variation des Erstlings, denn natürlich kommt es wieder zum Showdown mit dem durchgeknallten Teddy-Verehrer, doch die Handlung dient hier eh in erster Linie als Folie für die Gags. Was dagegen schwerer wiegt, ist die Tatsache, dass „Ted 2“, mehr noch als der Erstling, in diesem finalen Duell die Witze vernachlässigt für eine wenig aufregende, dieses Mal recht langgezogene Konfrontation, die als konventioneller Showdown wenig aufregend ist, weil der vorige Film nie darauf hinarbeitet.

Ted 2

Teds Ehefrau: Tami-Lynn (Jessica Barth)

Seltsam ist dagegen die Rolle von Hasbro in dem Film, bei der man nie weiß, ob dies jetzt besonders dreistes Product Placement, eine Parodie auf das Unternehmen oder irgendwas dazwischen ist. So ist Donnies Boss bei Hasbro ein rückgratloser Profitgeier und in dessen Pläne involviert, gleichzeitig sieht man die Produkte (des schon im Vorgänger zu Teds Hersteller erklärtem) Unternehmens, doch selten das vom „Ted“-Studio Universal verfilmte „Battleship“, sondern eher jene titelgebenden Roboter aus der „Transformers“-Franchise vom Konkurrenzstudio Paramount.

Ähnlich auch „Ted 2“ eine eigenwillige Komödie, die irgendwo zwischen liebevoller Hommage an und stumpfer Kopie des Vorgängers bleibt, den herrlich abstrusen MacFarlane-Humor beibehält und dabei famose Slapstickeinlagen, schräge Ideen, aber leider auch diverse flache Gross-Out-Gags enthält. Dass das Finale länger als beim Erstling, aber ähnlich gagarm ausfällt, ist auch ein Schwachpunkt von „Ted 2“, der definitiv vergnüglich ist und MacFarlanes „A Million Ways to Die in the West“ überflügelt, aber an seinen Vorgänger nicht heranreicht.

„Ted 2“ läuft seit 25. Juni 2015 in den deutschen Kinos.

© Nils Bothmann (McClane)

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