Wir zelebrieren Actionfilme, die rocken!

Terminator: Genisys

Originaltitel: Terminator: Genisys__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2015__ Regie: Alan Taylor__Darsteller: Arnold Schwarzenegger, Emilia Clarke, Jai Courtney, J.K. Simmons, Matt Smith, Jason Clarke, Sandrine Holt, Byung-hun Lee, Douglas Smith, Aaron V. Williamson, Michael Gladis u.a.
Terminator: Genisys

Arnold Schwarzenegger is back! Dank “Terminator: Genisys” erleben wir die Actionikone noch einmal in ihrer wichtigsten Rolle als T-800.

Die nicht allzu ferne Zukunft. Der Krieg gegen die Maschinen ist vorbei! Den Mannen um John Connor ist es gelungen, den Kern von Skynet lahm zu legen. Sofort brechen die Kriegsmaschinen, die durch die künstliche Intelligenz mit eigenem Bewusstsein gesteuert worden, zusammen. Doch die Menschen haben keinen Grund, sich zu früh zu freuen. Denn Skynet konnte einen Terminator mittels Zeitmaschine ins Jahr 1984 senden, wo er die Mutter von John Connor, Sarah Connor, ausschalten soll, bevor sie den Anführer des Widerstandes gebären kann. John weiß, dass er, um zu diesem Zeitpunkt des Triumphes über die Maschinen zu gelangen, seinen besten Mann, Kyle Reese, losschicken muss, um Sarah vor der Tötungsmaschine zu retten…

Und natürlich muss Reese noch eine ganz andere wichtige Aufgabe erfüllen. Doch davon ahnt der junge Mann noch nichts. Als er gerade seinen Zeitsprung vollführt, bemerkt er gerade noch, dass John Connor urplötzlich attackiert wird. Natürlich kann er nichts mehr machen und wird aus seiner Zeit gerissen. Währenddessen hat er seltsame Visionen von einer glücklichen Kindheit…, die er so nie hatte!

Wenn Kyle Reese nackt in einer Seitengasse von L.A. wieder zu sich kommt, hat der Zuschauer schon eine fette Schlacht zwischen den Menschen und einem ganzen Heer an Terminatoren unterschiedlichster Baureihen hinter sich. Auch den von Skynet ausgelösten Nuklearschlägen durfte er in voller Wuchtigkeit beiwohnen (Hier werden die Anlagen der Kinos mal so richtig durchgeblasen!). Zudem durfte er wissend vor sich hinkichern, als John Connor vor Kyle Reese verschweigt, welche Aufgabe er neben dem Schutz Sarah Connors noch hat. Doch der wahre Fanservice, der beginnt erst jetzt. Sofort bei der Ankunft von Kyle Reese im Los Angeles des Jahres 1984 spürt man, wie liebevoll die Macher den Look des zukunftsweisenden Actioners „Terminator“ nachahmen. Da stimmt in Sachen Ausstattung alles. Manche Szenen des ikonischen Vorgängers werden sogar 1:1 nachgeahmt. Dasselbe passiert rund um den im gleichen Jahr gelandeten Terminator. Auch hier glaubt man fast, eine Wiederholung des Originals zu sehen.

Terminator: Genisys

Arnold Schwarzenegger schafft sie alle!

Doch dann kommt in beiden Erzählsträngen der Twist: Denn es war abzusehen, dass die Bilder aus Kyles Vision, die so gar nicht mit einem Prolog um seine harte Kindheit korrespondierten, auf eine Veränderung der Geschichte hinweisen sollten. So wird er urplötzlich von einem T-1000 attackiert und der T-800 kommt gar nicht dazu, ein paar Punks abzumurksen, weil plötzlich ein gealtertes T-800 Modell vor ihm steht und ihm die Schrauben aus dem Maschinenkörper klöppelt. Dieser Einstieg, dieses ganz allmähliche Loslösen von der bislang bekannten Storyline, funktioniert einfach prächtig und mischt gekonnt Referenzen an die wegweisenden ersten beiden Filme mit immer neuen Informationen zu der alternativen Zeitlinie.

Und der Film lässt es so richtig krachen. Die Konfrontationen der Maschinen untereinander und mit ihren Zielen haben einen Impact, wie man ihn aus bisher keinem der Terminator-Filme kennt. Die Duelle gehen auch dank eines aggressiven Sounddesigns durch Mark und Bein und werden den Kräften der Abrissbirnen auf zwei Beinen endlich einmal richtig gerecht. Dazu kommt, dass der Look von Arnold Schwarzeneggers T-800 logisch absolut nachvollziehbar erklärt wird, während seine Figur in der neuen Storyline ansonsten so manches Geheimnis umweht. Was freilich auch für eine Schlüsselfigur des Franchises gilt. Leider wurde diese Szene durch die bisherigen Trailer zum Film immer wieder fies gespoilert, sie funktioniert aber dennoch verdammt gut und hat eine gehörige Tragweite für die weitere Dramaturgie und diverse philosophische Fragen zum Thema Zeitreisen.

In der Folge ist etwa Sarah Connor gar nicht bereit, auf den definitiv nicht abgeneigten Kyle zuzugehen. Aus absolut nachvollziehbaren Gründen. Die Folge ist, dass die emotionale Komponente einem unvermuteten Pärchen zugeschrieben wird. Nämlich Pops, so wird Arnies T-800 liebevoll genannt, und Sarah. Die beiden entwickeln eine rührende Vater-Sohn-Kiste, die niemals übertrieben wird, eher in Andeutungen verharrt und dennoch mitten ins Herz trifft. Wenn hier der Satz „Beschütze MEINE Sarah“ fällt, verdrückt man sich eine Träne im Knopfloch.

Terminator: Genisys

Die große Schlacht zu Beginn des Filmes bietet amtliche Terminator vs Menschlein Kost!

Auch die Geschichte wird ziemlich geradlinig vorangetrieben. Natürlich geht es auch in der neuen Storyline um die Bedrohung durch Skynet, welches in dieser Zeitlinie auf einem Betriebssystem aufsetzt, das seine allumfassende Vernetzung dem Onlinewahn unserer Gesellschaft verdankt. Hier wird das ganze Franchise dann endlich mal in unser Jahrhundert gehievt. Im Umfeld der sich entwickelnden Geschichte hat „Terminator: Genisys“ dann leider seine schwächsten Momente. Denn der Film muss viel erzählen. Sehr viel. Immerhin muss er eine komplett neue Mythologie entwickeln. Muss Figuren ein wenig umbiegen, andere massiv. Muss neue Figuren einführen und alte Bedrohungen glaubwürdig modernisieren. Hierunter leidet das Tempo des Filmes. Zwar bleibt er immer in Bewegung und wird nicht zu einem existentialistischen Drama, aber die großen Actioneruptionen bleiben in diesem Abschnitt recht lange aus. Zumal dann sogar noch eine weitere Zeitreise stattfinden muss.

Mit dieser legt der Film dann den Schalter um auf groß skalierte Action. Mittendrin Arnold Schwarzenegger, der nun, Storykniff sei Dank, noch weiter gealtert ist und dieses „Altern“ auch für humorige Momente nutzen darf. Allgemein ist das Thema Alter erstaunlich smart in den Film eingebunden worden. Nur der „Old but not obsolete“ Spruch wird ein wenig überstrapaziert. In der Action darf Arnie dann zeigen, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Da dürfen Wände eingerissen und ganze Häuserzeilen gesprengt werden. Eben alles, was dem Kind im Manne Spaß macht. Dazu lanciert Lorne Balfe einen absolut treffenden Score, der wie der Film funktioniert: Da werden ewig bekannte Themen gespielt, leicht variiert und adaptiert und dann in etwas Neues überführt. Wenn etwa Arnies T-800 irgendwann sich selbst benutzt, um einen gegnerischen Hubschrauber abzuschießen, holt Lorne Balfe unter der Regie seines Produzenten Hans Zimmer ein irre aggressives Stück Musik aus dem Köcher und lässt damit den Kinosaal erbeben. Famos!

Terminator: Genisys

Emilia Clarke mal ohne Perücke und Drachen…

Famos umschreibt dann auch die Arbeit der Effektkünstler am Allerbesten. Gerade im Vergleich zu den Trailern und Clips, die man aktuell überall bewundern darf, wurde offensichtlich noch einmal gewaltig an den Effekten geschraubt. Diese sehen absolut perfekt aus. Das beginnt schon bei der nuklearen Katastrophe zu Beginn und mündet direkt in die große Eröffnungsschlacht, bei der man Heerscharen cooler T-800 genießen darf. Auch der von Byung-hun Lee („R.E.D. 2“) mit echter Eisesmiene dargebotene T-1000 erfährt leichte Variationen im Vergleich zu dem Modell aus „T-2“, die für teils abstrus ausgeformte Transformationsstadien sorgen. Cool ist auch die Idee, dass er andere Terminator-Varianten „steuern“ kann. Das absolute Highlight stellt aber das im Trailer irgendwie noch unspektakulär wirkende neue Terminator-Modell dar, das Arnie und Co. ordentlich Kopfzerbrechen bereitet. Dieses scheint durch und durch aus winzigsten Partikeln zu bestehen, die vor allem in der Action für einige wahrhaft verblüffende, so noch nie gesehene Momente sorgen.

In der Action merkt man dem Film an, dass man schon versuchte, so viele Szenen wie möglich ohne CGIs umzusetzen. Dementsprechend sind auch Animatronic-Künstler und ganze Heerscharen an Stuntmen unterwegs und machen wie die Effektkünstler einen tollen Job. Das sorgt für einige echt beeindruckende Actioninfernos, denen aber, PG-13 Ausrichtung sei Dank, ein wenig die finale Wucht/ein gewisser Härtegrad fehlt. Dennoch war ich nach Sichtung des Filmes über die Freigabe sehr erstaunt, denn „Terminator: Genisys“ ist so düster, in seiner Wirkung teils so brachial und in manch bildgestalterischem Element so horrorlastig geraten, dass man die Freigabe kaum nachvollziehen kann. Bricht man es aber rein auf den Brutalitätslevel herunter, fällt schon auf, dass sich die gewalttätigeren Momente alle gegen Maschinen richten und die Menschlein eher sang- und klanglos aus dem Leben scheiden. Richtiggehend peinlich wird es aber in Sachen Nacktheit. Was die ganzen Schatten wirft, die da teilweise auf Ärschen und Busen auftauchen, fragt man sich schon. Und Kyle Reeses Zeitreise bekommt in dem Bestreben, sein Geschlecht zu verbergen, fast schon Austin-Powers-Dimensionen.

Doch letzten Endes kann nicht einmal das den Spaß am neuesten Eintrag in das Terminator-Franchise erden. Was auch an Arnold Schwarzenegger („The Last Stand“) in seiner Paraderolle liegt. Er hat das Wesen seiner Killermaschine einfach mal verinnerlicht und kann auch wieder schön die humorigen Seiten der sich immer weiterentwickelnden Maschine herauskehren. Was im Trailer dahingehend noch relativ platt wirkte, funktioniert im Film weitaus besser, zumal etwa das Lächeln ein köstlich grotesker Prozess ist, bei der die mimischen Anstrengungen VOR dem Lächeln fast noch witziger sind als das Lächeln selbst. Obendrein macht auch sexy Emilia Clarke („Game of Thrones“) als tough-cookie einen hervorragenden Job und ist als Erbin von Linda Hamilton durchaus glaubwürdig aufgestellt. Jai Courtney („Stirb Langsam – Ein guter Tag zum Sterben“) als Kyle Reese bleibt dagegen leider etwas farblos und die Chemie zwischen ihm und Clarke funktioniert auch nicht so gut. J.K. Simmons („Dark Skies“) hat als Cop eher eine kleine Nebenrolle inne, die mir persönlich aber zu sehr auf Comic-Relief ausgelegt war. John-Connor-Darsteller Jason Clarke („Planet der Affen: Revolution“) kann dagegen die Facetten seiner Figur ziemlich gut abdecken, auch wenn er hier und da etwas zu glatt wirkt.

Terminator: Genisys

Vor allem die T-800-Modelle werden sehr horrormäßig umgesetzt…

Last but not least möchte ich anmerken, dass ich den Film in einem IMAX Kino in 3D gesehen habe. Das 3D hatte bereits auf dieser vermutlich besten 3D-Plattform keinen sonderlichen Mehrwert, funktionierte hier aber deutlich besser als vergleichbare Filme auf normalen Leinwänden. Dazu kam ein mörderischer Sound. Wer die Chance hat, dieses Actionbrett in diesem Rahmen zu erleben, sollte diese ergreifen. Es lohnt sich. Das gilt unisono natürlich auch für die normalen Leinwände, denn „Terminator: Genisys“ ist eine wirklich gelungene Neuerfindung (der Film selbst spricht von einem Update!) einer bereits mehr als durchgekauten Story. Dabei ist hier der Weg das Ziel: Das beginnt bei den tollen Referenzen an die Originale, geht über die allmählichen Varianzen im Storyaufbau (im Vergleich zu den Originalen) und kulminiert dann in einer sehr interessanten neuen Geschichte, die, eine kleine Abspannszene deutet es an, durchaus auf weitere Filme ausgedehnt werden könnte und hoffentlich auch wird. Die ganzen in den Klassikern aufgeworfenen Paradoxien kann auch dieser Film nicht erklären oder umschiffen. Und er schafft sich sogar eigene. Aber das gehört bei einem Film mit Zeitreisen ja irgendwie schon zum guten Ton. Mein Fazit: Ich als Fan hatte trotz gelegentlichem dramaturgischen Holpern im Mittelteil und den PG-13-Einschränkungen einfach nur großen Spaß an „Terminator: Genisys“.

„Terminator: Genisys“ ist ab dem 9. Juli in den deutschen Kinos zu sehen, kommt von Paramount und ist mit einer FSK 12 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Paramount Pictures Germany GmbH__Freigabe: FSK 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 9. Juli in den deutschen Kinos

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