Wir zelebrieren Actionfilme, die rocken!

TerrorVision

Originaltitel: TerrorVision__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1986__Regie: Ted Nicolaou__Darsteller: Chad Allen, Diane Franklin, Mary Woronov, Gerrit Graham, Bert Remsen, Jon Gries, Jennifer Richards, Alejandro Rey, Randi Brooks u.a.

TerrorVision Banner

TerrorVision Cover

Das Mediabook-Cover C von “TerrorVision”

Seit rund 70 Jahren lässt sich der Durchschnitts-Amerikaner von seinem Küchen-, Wohn- oder Schlafzimmerspiegel diktieren, wie er sich in den eigenen vier Wänden zu verhalten hat. Er starrt auf die glatte Oberfläche und glaubt, darin einen Artgenossen zu betrachten… ohne zu bemerken, dass eigentlich er es ist, der beobachtet wird. Hinter dem vermeintlichen Spiegel versteckt sich nämlich eine Kamera. Sie fängt heimlich die Verhaltensweisen des arglosen Amerikaners ein und verwertet sie in Form von sich wiederholenden Sketch-Ellipsen und Slapstick-Einlagen. Es entsteht: eine Sitcom! Sie wird nun nach dem Rundfunk-Prinzip an ganz Amerika rückverteilt. Der Amerikaner schaltet seinen Fernseher ein und sieht eine Familie, die seiner eigenen Familie ziemlich ähnlich ist. Er lacht über die Situationskomik, die sich aus den unmöglichsten Zufällen ergibt. Die Verhaltensweisen der Figuren im Fernsehen sind ihm so vertraut, dass er sich mit ihnen identifiziert – und darüber selbst zur Fernsehfigur wird.

Die Idee hinter dem Sitcom-Format basiert darauf, ein möglichst breites Publikum zu erreichen, auf dass die Massen-Indoktrination erfolgreich durchgeführt werden kann. Das Gelingen der Operation ist von einer großflächigen Verbreitung der Empfangsgeräte abhängig. Bedenkt man den Siegeszug des Fernsehgeräts im heimischen Wohnzimmer nach Ende des Zweiten Weltkriegs, so reicht die Aufstiegsphase der „situation comedy“ wohl von den 50ern bis in die 60er Jahre hinein.

Ohne sich explizit damit zu brüsten, trägt die Quasi-Sitcom „TerrorVision“ den überaus prägnanten Charme jener Zeit in sich, obwohl sie eigentlich gar nicht in die Vergangenheit schielen müsste; schließlich startete die Hochphase des Formats mit „Cheers“, „The Bill Cosby Show“, „Wer ist hier der Boss“ oder „Unser lautes Heim“ ungefähr zu der Zeit durch, als die Gebrüder Band die vorliegende Produktion anleierten. Glatte, bunte Studiowände, Warhol’sche Wohnzimmerdekoration und gemalte statt gefilmte Outdoor-Sets sprechen aber eine andere, eine verflossene Sprache. Schon der mit Theremin-ähnlichen Hintergrundchören und femininen Singsang-Refrains ausgestattete Ohrwurm von einem Titelsong gemahnt an die alte „Batman“-Serie, so dass man auf die Sixties eingegroovt wird, noch bevor es richtig losgeht. TV-Moderatorin Medusa (Jennifer Richards) knüpft im Rahmen einer Schwarzweiß-Gruselsendung mit Gummifledermäusen und Plastiksärgen an die Kunstfigur Vampira von Maila Nurmi an. Da ist dann auch der Sprung zur 60er-Bizarro-Sitcom „Addams Family“ nicht mehr fern. An deren Konkurrenz „The Munsters“ wiederum erinnert das Verhältnis zwischen Großvater (Bert Remsen, “Cusack – Der Schweigsame“) und Junge (Chad Allen), wobei ersterer mit seinen an die Uniform gepinnten Mini-Militärfahrzeugen als wandelndes Schlachtfeld zugleich dem Anti-Kriegs-Performer General Hershy Bar nacheifert und den Vietnamkrieg somit ein Jahr nach „Rambo 2“ latent zu Thema macht. Mary Woronov (“Rock ‘n’ Roll High School“) und Gerrit Graham (“City Commando“) wiederum wirken mit ihren maskenhaften Gesichtszügen wie die betont glücklichen Eltern von einem Plakat der 50er, das für ein erfülltes Leben im Vorstadt-Häuschen die Werbetrommel rührt.

Da das junge Gemüse in der Besetzung allerdings aus der Generation MTV rekrutiert wird, kokettiert das Skript mit dem Generationenkonflikt einer dysfunktionalen Familie. Die Tochtergöre mit Punk-Outfit (Diane Franklin) bringt einen vertrottelten Metalhead mit W.A.S.P.-Shirt nach Hause (tumb wie ein verlorenes Mitglied von Bill & Teds „Wyld Stallyns“: Jon Gries, “96 Hours“), während ihre Eltern Swinger-Parties veranstalten und ihre Aufsichtspflicht zugunsten eigener Bedürfnisse verletzen. Zurück bleibt der Kleinste der Familie mit dem nicht immer ganz zurechnungsfähigen Opa, der ihm allerhand Flausen in Bezug auf Waffengewalt in den Kopf setzt.

Schaut in den Trailer zu “TerrorVision”

Bewertet man „TerrorVision“ ausschließlich nach der Qualität seiner „situativen Komik“, gerät er zur verwirrenden, irritierenden, vielleicht sogar verstörenden Angelegenheit. Die gemütliche Comedy-Komfortzone des Zuschauers wird im Stil des bösen Wolfs einfach in alle Winde gepustet. Das Timing ist mies, die Gesichtsausdrücke steif, das Timing katastrophal. Die vom Drehbuch forcierten Situationen – Vorstellung des neuen Freunds, Probleme mit Opa, Erwischen der Eltern in einem peinlichen Moment – sind klassisches Sitcom-Material, oszillieren dabei aber ebenso viel Anti-Witz wie die Rodney-Dangerfield-Sequenz aus „Natural Born Killers“ oder Jackie Vernons nüchterner Amoklauf in „Microwave Massacre“. Und wer sich ernsthaft über Medusas Plastik-Kopfteil amüsieren kann, der hat vermutlich auch damals auf Kindergeburtstagen über Clowns gelacht. Auf funktionale Comedy ist „TerrorVision“ offenbar nicht aus. Die Witzlosigkeit der Familie Putterman hat gewissermaßen System.

Ted Nicolaou ist eher auf eine satirische Abrechnung mit dem amerikanischen Wohnzimmer aus. Erstmals, keineswegs jedoch letztmals in seiner Karriere befasst er sich ausdrücklich mit der Medientechnik, die hinter den Kulissen arbeitet, während die Inhalte konsumiert werden. In „Remote“ ließ er später einen Spezialisten für Fernsteuerungen von der Leine, in „Bad Channels“ eine Radiostation von Außerirdischen besetzen. Im Garten der Puttermans wiederum bastelt ein Fernsehtechniker an der Satellitenschüssel herum. Es geht also nicht darum, eine gute Show zu liefern, sondern um die Aufdeckung des Mediums, das die Show ausstrahlt.

So wird also die irdische Wechselwirkung zwischen Publikum und Showrunner mit einem außerirdischen Element aufgebrochen. Das hässliche Gummimonster, das sich durch verzerrte analoge Frequenzen plötzlich im Wohnzimmer der Familie manifestiert, ist natürlich in Sachen Design ein glasklares Produkt der 80er und bildet damit einen scharfen Kontrast zu seiner Artpop-Umgebung. Dass es (trotz seiner bisweilen statischen Gummi-Erscheinung) dazu in der Lage ist, Menschen zu verflüssigen, zu assimilieren und schließlich sogar nachzuahmen (da wächst dann einfach mal der Kopf eines Opfers aus dem Wulst und grüßt die Unversehrten schleimüberzogen mit einem freundlichen „Hallo“), lässt es in eine nahe Verwandtschaft zu „The Thing“ (1982) schlittern. Mit Blick auf die Sitcom-Thematik kann der muntere Formwandel natürlich als eine Art Imitation des „wahren“ Lebens interpretiert werden: So, wie die Kreatur menschliches Verhalten in sich aufzusaugen beginnt, heftet sich auch das Fernsehen an die Prämisse „It’s funny because it’s true“. Der wertneutrale Blick aus der Meta-Perspektive erlaubt eben einen objektiven Blick auf den Alltag der Menschen. Das ist eine Idee, die prompt im gleichen Jahr von Paul Fusco und Tom Patchett für eine echte und darüber hinaus sehr erfolgreiche Sitcom aufgegriffen wurde: „ALF“.

In diesem doppeldeutigen Spiel mit Medien und TV-Formaten hat „TerrorVision“ trotz des weitgehend missratenen Humors seine Momente. Zumal die Kreatur mit ihren Stielaugen, ihrem schleimigen Riesenmaul und ihrem deformierten (und schlauerweise nie in voller Pracht gezeigten) Körper ein erheiternder Anblick ist, macht es Spaß, die Kids dabei zu beobachten, wie sie es einem Haustier gleich zu domestizieren versuchen. Der trockene, antiklimaktische Schlussakt ernüchtert allerdings abschließend noch einmal und zeigt auf, dass sich Ted Nicolaous T(error)V(ision)-Zapping allenfalls für einen sehr überschaubaren Zuschauerkreis als Kult-Klassiker empfiehlt.

5 von 10

Informationen zur Veröffentlichung von “TerrorVision”

Mediabook

Die Mediabooks zu “TerrorVision”

80s TV

Kinder der 80er! Entstaubt euren Röhrenfernseher, fahrt die Empfangsantenne aus und richtet eure Satellitenschüssel aus – hier kommt TerrorVision! Zugegeben, um die neue Veröffentlichung von Wicked-Vision in vollem Maße genießen zu können, sollte man vielleicht zu zeitgemäßerer Hardware greifen. Ein Blu-ray- oder zumindest ein DVD-Player im Zusammenspiel mit einem HD-Fernseher sollte seinen Zweck erfüllen.

Wie in der Einleitung vielleicht schon angeklungen ist, haben wir es bei der „Limited Collector’s Edition #29“ mit einem Blu-ray-DVD-Set im Mediabook zu tun. Beide Datenträger teilen denselben Inhalt, der aus dem Hauptfilm sowie einigen Extras besteht, die hauptsächlich von Regisseur Red Nicolaou und den damaligen Jungschauspielern Diane Franklin (Suzy) und Jon Gries (OD) begleitet wird, die sich mit wohligen Erinnerungen an die Dreharbeiten erinnern, wie sich nach und nachherausstellt.

Verpackung und Booklet

„TerrorVision“ kann in drei unterschiedlichen Cover-Varianten erworben werden. Bei Cover A handelt es sich um das Originalposter, das zusammen mit dem klangvollen Filmtitel (eine ironische Umwandlung des Akronyms „TV“ für „Television“) wie so oft bei Charles Band am Anfang der Produktionskette gestanden haben soll. Zu sehen ist eine Satellitenschüssel, aus der unter Beleuchtung nächtlicher Blitze ein hässliches Stielauge hervorlugt, während sich im Hintergrund die Fassade einer kleinen Vorstadt abzeichnet. Das Motiv besticht mit seinem Minimalismus und dem dynamischen Zusammenspiel kräftiger Schwarz-, Blau- und Violetttöne. Diese Edition ist auf 555 Einheiten limitiert.

Cover B (222 Stück) und das hier besprochene Cover B (333 Stück) gehen einen völlig anderen Weg, indem sie das Monster jeweils sehr prominent in der oberen Hälfte des Bildes platzieren und darunter eine Collage der beteiligten Darsteller aufführen. Es ist faszinieren, wie ähnlich sich diese beiden Motive sind und wie sie dennoch jeweils eigene Akzente setzen; so ist das Monster jeweils in einer etwas anderen Haltung zu sehen. Auf Cover B steht es unter Strom und hält die Schüssel in einem Tentakel, dafür wiederum überzeugt die C-Variante mit einem nächtlichen Sternenhimmel, der als Bildhintergrund auf dem Mediabook wunderbar zur Geltung kommt. Medusa ist hier auf einem alten Fernseher zu sehen, der von Familie Putterman gehalten wird, während sie auf Cover B recht zentral in der Mitte auf dem TV hockt und von den Puttermans umringt wird. Schwer, hier einen Favoriten auszumachen.

Die Innenflächen des Mediabooks sind mit einer Nahaufnahme der schleimigen Kreatur geschmückt, die uns außerdem auf dem Cover des 24-seitigen Booklets die Zunge herausstreckt (welche übrigens ein wenig wie ein Baby-Godzilla aussieht). David Renske schaut dort in die Fernsehzeitung und findet heraus, dass „Heute im TV: Terror Vision“ läuft. In seinem sechsteiligen Text schildert er nicht einfach nur trocken die Produktionsgeschichte dieses Streifens aus Charles Bands Empire-Schmiede, sondern stellt einen Zusammenhang her zur amerikanischen Lifestyle-Kultur der 80er Jahre, wobei ihm auch nicht die Bezüge zu einer 30 Jahre früheren Zeit nicht entgehen. In diesem Zusammenhang diskutiert er nicht nur die extravagante Ausstattung des Films, sondern listet auch die zitierten Trash-Filme und die musikalischen Einflüsse. Schließlich befasst er sich noch mit der Rezeption in zeitgenössischen Kritiken, die keine Ambitionen zeigen, sich in die künstlerische Vision Nicolaous einzudenken: So wird die karikaturistische Modellierung der Charaktere von der New York Times missverstanden und der Filmdienst rät einmal mehr ab. Auch die Darsteller und der Regisseur werden noch einmal gesondert honoriert, wobei gerade Nicolaous Vorstellung ein wenig zu allgemein geraten ist und in diesem Booklet gerne noch etwas stärker an sein Regiedebüt hätte gebunden werden können.

Ab Seite 15 folgt noch ein brandneues Interview, das Till Bamberg erst in diesem Jahr mit Ted Nicolaou führte. Der steigt gleich mit einer Kurzbiografie seiner Arbeit ein und zeigt sich auch im folgenden sehr gesprächig, was seine Einflüsse, seine Meinung zu „TerrorVision“ und diverse Besetzungsfragen angeht. Ein bisschen Hollywood-Bashing garniert dann noch den Abschluss des Interviews, das ansonsten natürlich ebenso wie Renskes Text von reichlich Screenshots aufgepeppt wird.

Ted Nicolaou befiehlt euch: Schaltet ein bei “TerrorVision”

Die Discs überzeugen mit einem erfrischend gestalteten Menü. Ein Fernseher stimmt mit weißem Rauschen auf das Kommende ein, bevor dann auch schon die Fibonaccis mit dem Titelsong loslegen.

Bild und Ton

Bevor der in 12 Kapitel geteilte Hauptfilm startet, begrüßt uns der Regisseur mit einem Vorwort und beschwört uns, alles zu tun, um diesen Film sehen zu können („buy it, steal it…“). Der Film selbst liegt in 1,85:1 bei 1080p vor und erlaubt es, die herrlich künstlichen und kunstfertig gestalteten Sets in all ihrer Farbenpracht zu genießen. Die exzessiv eingesetzten Türkis-, Orange-, Pink-, Ocker- und Fliedertöne werden stimmungsvoll transportiert und erzeugen wohl genau die Art von Surrealismus, die Nicolaou beim Dreh im Sinn hatte. Tonal steht eine reiche Auswahl zur Verfügung: Jeweils in DTS-HD-Abmischung lässt sich der deutsche Ton in 2.0 Stereo und der englische Ton sogar in 5.1 oder 2.0 Mono auswählen. Als vierte Tonspur wird außerdem ein Audiokommentar geboten, auf dem sich Nicolaou gemeinsam mit seinen beiden Darstellern Diane Franklin und Jon Gries den Film anschaut. Obwohl sich naturgemäß viele Insider-Informationen darin finden lassen, da eben alle Drei bei den Dreharbeiten zugegen waren, handelt es sich eher um ein lockeres Watch-Event, bei dem sich im Grunde mehr erinnert und amüsiert wird als dass es darum ginge, wertvolle Details zu teilen oder gar eine historische Analyse vorzunehmen (was schließlich auch nicht deren Aufgabe ist).

Die Extras

Ebenso wie der Audiokommentar beginnt übrigens auch das mehr als halbstündige Making Of namens „Monster on Demand“ mit der Feststellung, dass im Hause Band vieles seinen Anfang mit einem Poster nimmt. Im folgenden werden viele Beteiligte interviewt und es ergibt sich ein umfangreiches Gesamtbild von der Produktion des Films, aber auch von dem schwierigen Stand, den der Film seit jeher bei der Kritik und einem Teil des Publikums hatte. In einem neu produzierten, 15-minütigen Interview, das von Wicked-Vision produziert wurde, bekommt Ted Nicolaou die Gelegenheit, diese Punkte nochmals ausführlicher darzulegen. Zusammen mit dem Originaltrailer und der Bildergalerie (die einige durchaus interessante Hinter-den-Kulissen-Schnappschüsse aus den Archiven kramt) kommt man so auch ohne den Audiokommentar immerhin auf eine knappe Stunde an Extras. Dass diese ebenso wie Kommentar und Film optional untertitelt sind, versteht sich von selbst.

Bildergalerie zum Film

Alien

Die Außerirdischen in “TerrorVision” sind nicht ganz so knuddelig wie ALF.

Bert Remsen

Grampa (Bert Remsen) weiß genau, wie man mit einer Knarre umgeht.

Swinger

Die Swinger-Partner Mary Woronov und Alejandro Rey schauen sich tief in die Augen. Gerrit Graham schaut im Hintergrund hingegen tief woanders rein.

Dampfbad

Nähere dich niemals einer Frau im Dampfbad auf mehr als 10 Meter. Du weißt nie, was unter der Oberfläche lauert.

Chad Allen

Der kleine Sherman (Chad Allen) hat viel von seinem Großvater geerbt.

Bett

Wenn Swinger-Parties eskalieren…

Medusa

Medusa is in da House!

Monster

Cookie Monster wants Dooooonut!

Sascha Ganser (Vince)

Was hältst du von dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Wicked Vision__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja / Ja

Tagged as: , , , , , , , , , , , , ,

Wie Viele Actionnerds gibt es?

  • Keine Sorge, du bist mit deiner Vorliebe nicht allein! Uns besuchten bereits 5843562 andere Actionnerds