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Thanksgiving

Originaltitel: Thanksgiving__Herstellungsland: USA, Kanada, Australien__Erscheinungsjahr: 2023__Regie: Eli Roth__Darsteller: Rick Hoffman, Gina Gershon, Patrick Dempsey, Milo Manheim, Addison Rae, Nell Verlaque, Karen Cliche, Chris Sandiford, Tim Dillon, Tomaso Sanelli, Mika Amonsen u.a.
Eli Roths Thanksgiving

Eli Roth verwandelte seinen Grindhouse-Fake-Trailer in den Horrorfilm “Thanksgiving”

Im amerikanischen Städtchen Plymouth will eine Familie das alljährlich gefeierte Erntedankfest begehen. Obschon die Festivität einen Feiertag darstellt, wird ein Familienmitglied vom örtlichen Betreiber eines Supermarktes verdonnert, Dienst in dem Laden zu schieben. Denn um vom bevorstehenden Geldregen des nachfolgenden Black Friday ultimativ profitieren zu können, macht er seinen Laden schon an Thanksgiving auf.

Aus vielerlei Gründen endet dieses Vorhaben in einem blutigen Zwischenfall. Ein Jahr später hat das Städtchen noch immer mit den traumatischen Folgen der Blutnacht zu kämpfen. Da kommt es plötzlich wieder zu Todesfällen. Alsbald ist klar: Ein maskierter Killer ist unterwegs, um das Massaker vom Vorjahr blutig zu rächen. Seine Ziele: Die vermeintlich Schuldigen an dem Blutbad.

Schaut in den Film hinein

Horror von Eli Roth

„Thanksgiving“ basiert wie „Machete“ oder „Hobo with a Shotgun“ auf der Fake-Trailer-Sektion zwischen den beiden Filmen „Planet Terror“ und „Death Proof“ des „Grindhouse“-Projektes von Robert Rodriguez und Quentin Tarantino. Wie die anderen Fake-Trailer war auch „Thanksgiving“ eines der eigentlichen Highlights des „Grindhouse“-Vorhabens, weil er – mehr noch als die beiden Hauptfilme – das Wesen der referierten Bahnhofskinofilme genial zusammenfasste. Der von Eli Roth inszenierte Trailer war eine schnell getaktete filmische Slasher-Geschmacklosigkeit, billig und trashy verpackt und mit Herzblut auf die Leinwand gehievt.

Leider verspricht der „Thanksgiving“-Fake-Trailer mehr, als der finale Film von Eli Roth zu halten vermag. Drei Gründe: Erstens verzichtet Eli Roth auf das von den „Grindhouse“-Filmen „zurückgebrachte“ Stilmittel der Alterung des Filmmaterials. Sein Horrorfilm ist glatt, bar jedweder Rollenschäden, Blitzer oder Filmrisse. Das mag die Wenigsten stören, ich persönlich vermisste so ein wenig die schäbige Atmosphäre, die der Trailer dadurch versprühte und die dem Film verdammt gut getan hätte.

Zweitens ist der finale Kinofilm im Vergleich zum Trailer doch deutlich harmloser geraten. Versteht mich nicht falsch: Der Film ist ein echtes Brett, was die Gewalttätigkeiten angeht, aber im Vergleich zu dem sleazy Trailer ist er doch ziemlich abgeschwächt. Vor allem die sexuell konnotierten Gewaltszenen (kopfloser Blowjob für Eli Roth, Penetration eines abgetrennten Schädels) fanden keinen Eingang in den Film.

Der Killer von Thanksgiving

Der Killer von “Thanksgiving” hat viel vor.

Auch der coole Trampolin-Kill mit nacktem Opfer wurde extrem abgemildert. Dabei vor allem um die Nacktheit. Auch ist der Kill bei weitem nicht mehr so sexistisch wie im Trailer. Stark sexuell angehauchte Szenen wie diese passen vermutlich einfach nicht mehr in die heutige Zeit. Gegenüber dem alles initiierenden Projekt ist das Endergebnis aber schon ein ziemlicher Verrat.

Last but not least wird drittens klar, dass das Fehlen jedes Plots im Trailer leider Methode hatte. Es ging bei dem Trailer offensichtlich nur darum, einen Feiertag zu finden, der noch nicht so oft mit Horrorfilmen versehen wurde, und um diesen Plot-Point einen vermeintlichen Slasher zu installieren. Für den finalen Film wurde an dieser Ausgangsidee nicht groß gefeilt.

Infolgedessen hat Eli Roth erneut seine liebe Not damit, die Szenen zwischen den Kills mit Leben zu füllen. Dabei steigt er genial in seinen Film ein. Die sich großartig steigernde Eskalation eines Schäppchenjäger-Events lässt einen zunächst fassungslos den Kopf schütteln, generiert alsbald aufgrund ihrer offensiv ausgespielten Konsumkritik aber einige befreite Kicherer.

Gina Gershon und Patrick Dempsey in Thanksgiving

Gina Gershon und Patrick Dempsey in Thanksgiving.

Nach diesem brillanten Einstieg, der auch die Pace für die nachfolgenden Gewalttätigkeiten setzt, sinkt die Story gewaltig in sich zusammen. Prinzipiell kredenzt uns Eli Roth hier einen ironiefreien Slasher von altem Schrot und Korn. Nur dass er weder eine sympathische Opfermasse noch einen coolen Killer zu bieten hat. Wer beispielsweise hofft, dem Killer könnte eine Mythologie rund um Pilger-Mystik/Rituale angedichtet werden, der sieht sich schnell getäuscht. Der Killer in diesem Film will ein Ereignis von vor einem Jahr rächen. Das ist die einzige Idee hinter dem Plot.

Wäre alles nicht so wild, wenn die Opfer intelligenter agieren würden, wenn der Zuschauer wirklich zum Mitraten eingeladen werden würde oder einem wenigstens das Final Girl nicht komplett am Arsch vorbeiginge. Letzteres ist aber so langweilig und wird so endöde von Nell Verlaque gespielt, dass einem ihr Schicksal vollends egal ist. Zumindest gegen Ende rätselt man als Zuschauer doch ein wenig mehr mit und bekommt einen Täter serviert, der erst dann verdächtig wird, wenn Eli Roth das will. Zumindest hier funktioniert das Drehbuch.

Bis dahin setzen die Schlachtungen der egalen Opfer die Highlights. Und hier lassen sich Roth und sein Special-Effects-Team nicht lumpen. Ausschließlich handgemacht wird hier das Kroppzeugs aufs Gröbste enthauptet, halbiert und in Kreissägen geschmissen. Einige Kills geraten extrem zynisch, wobei vor allem der im Fake-Trailer bereits angedeutete menschliche Truthahn den Höhepunkt setzt. Eine der irrsten Ideen des ganzen Projektes.

Opfer im Slasher von Eli Roth

Austauschbar, egal und sicher bald tot: Opfermasse.

Und es gibt sogar unvermutet clevere Kills. Hier sei vor allem der Mord an einer Diner-Mitarbeiterin genannt, die mitten in der höchsten Not aus interessanten Gründen ihr Handy nicht mehr entsperrt bekommt. Gorehounds bekommen hier eine nette Ladung an blutroten Einlagen, die auch den einen oder anderen Lacher provozieren.

In optischer Hinsicht ist „Thanksgiving“ leider von der langweiligeren Art. Hier vermisst man mehrmals clevere Ideen oder Perspektiven. Ein schwer atmender Cop aus POV-Perspektive, was den Zuschauer sofort an eine Killer-Kamerafahrt im „Halloween“-Stil denken lässt, ist da noch die cleverste Einlage. Zudem scheint es hier und da auch an Budget gefehlt zu haben. Während etwa die erste große Massenszene in dem Supermarkt noch prächtig funktioniert, wirkt eine Parade im Fake-Trailer hingegen deutlich lebendiger und glaubwürdiger als jene im fertigen Film. Auch die aufgefahrenen Schauplätze haben nichts Besonderes und irgendwie denkt man häufiger, dass der glatte Film von den „Grindhouse-Fehlern“ nur profitiert hätte.

In darstellerischer Hinsicht ist hier nicht viel zu holen. Die Darsteller des Freundeskreises der Heldin sind genauso glatt und konturlos geraten wie sie und definieren sich eigentlich nur darüber, wer wann sein Handy am schnellsten draußen hat, um zu chatten oder zu streamen. Wirklich viel mehr erzählen mag Roth über sie nicht.

Interessant ist das Mitwirken von Grey’s Anatomy Mime Patrick Dempsey („Scream 3“), den man in einem Film dieser Couleur vermutlich nicht erwartet hätte. Aber vielleicht will er ja von dem McDreamy-Image weg? In Nebenrollen gibt es Ty Olsson („Zwölf Runden 3“), Gina Gershon („Cagefighter: Worlds Collide“) und Rick Hoffman („Die Todeskandidaten“) zu sehen. Wirklich punkten kann aufgrund größerer Screentime aber nur letzterer.

„Thanksgiving“ krankt an den üblichen Eli-Roth-Problemen

„Thanksgiving“ ist durchaus unterhaltsam. Also zumindest, wenn er die langweiligen Charaktere genüsslich abschlachten und die Leinwand mit Blut und Gedärmen fluten darf. Zwischen diesen Szenen aber tut sich Eli Roth gewohnt schwer, eine spannende Handlung mit glaubwürdigen und interessanten Charakteren zu etablieren. Was für den Fake-Trailer egal war, weil dieser darauf ausgerichtet war, die Highlights eines Slashers herauszuarbeiten und aufs Wesentliche zu verdichten, reicht für den insgesamt recht lang wirkenden „Thanksgiving“ im Filmformat nicht aus.

Man ist nicht wirklich drin in dem eher schlecht geschriebenen Treiben und empfindet alle Szenen abseits des mörderischen Tuns des wenig kultverdächtigen Killers als spannungsfrei, egal und überflüssig. Ab und an braucht es aber auch einfach mal so eine Ladung blutiger Matschereien und entsprechend will man „Thanksgiving“ gar nicht zu böse sein.

5 von 10

Der Horrorfilm ist seit dem 16. November 2023 in den deutschen Kinos zu sehen. Mit einer Freigabe ab 18 ist er ungeschnitten und kommt von Sony Pictures.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Sony Pictures__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 16.11.2023 im Kino

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