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The 2nd – Im Fadenkreuz der Söldner

„Stirb langsam“ auf dem Campus. In the „The 2nd“ tritt Ryan Phillippe in die Fußstapfen von Bruce Willis. Als Ex-Green-Beret, Ex-Delta-Force und Personenschützer Vic Davis will er seinen Sohn für die Weihnachtsferien abholen, als er eine Entführung vereitelt und sich mit einer Söldnertruppe anlegt, deren Anführer von Casper Van Dien gespielt wird.

Originaltitel: The 2nd__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2020__Regie: Brian Skiba__Darsteller: Ryan Phillippe, Casper Van Dien, Jack Griffo, Lexi Simonsen, William Katt, Richard Burgi, Samaire Armstrong, William McNamara, Jennifer Wenger u.a.
The 2nd

In “The 2nd” kriegt es Ryan Phillippe unter anderem mit Chefsöldner Casper Van Dien zu tun

Der zweite Verfassungszusatz, der den Amerikanern das Tragen von Waffen gestattet, ist nicht unumstritten, gerade nach diversen Amokläufen. „The 2nd“ greift das Thema auf, um daraus einen B-Actionfilm zu stricken.

Wobei man von diesem Genrereißer von Brian Skiba („Deadly Excursion“) besser keine politische Lehrstunde erwarten sollte, denn so etwas wie eine Haltung sucht man in „The 2nd“ trotz der Einbindung realen Bildmaterials von Protesten und School Shootings vergebens. Unter den Gegnern des Waffenrechts finden sich Querulanten und Terroristen, die mit Bomben drohen, doch auf der Gegenseite sieht es mit dem Präsidentschaftskandidaten und Senator Bob Jeffers (William Katt) nicht besser aus. Der schwingt rechtspopulistische Reden über die Vorteile des Waffentragens, gräbt eine junge Reporterin unverfroren an und ist gar ungehalten, als sein Personenschützer Vic Davis (Ryan Phillippe) in wegen besagter Bombendrohung evakuiert. In einem Hinterhalt der Second-Amendment-Gegner kommt es zum Tod von Vics Partner, was wohl dramatisch sein soll, im Film aber nie wieder aufgegriffen wird.

Vic hat einen Sohn, der aufs College geht. Sean (Jack Griffo) wurde von Daddy zwar in Reiten, Schießen und Nahkampf geschult, macht im Hauptfach aber doch Theater, was man als nicht allzu cleveren, aber doch ganz gewitzten Seitenhieb zum Thema Männlichkeit durchgehen lassen kann. In seinem Wohnheim wohnt auch Erin (Lexi Simonsen), Tochter eines Richters am Obersten Gerichtshofes, Walton (Randy Charach). Der und seine Kollegen sollen darüber entscheiden, ob der zweite Verfassungszusatz noch zeitgemäß ist, was jedoch einige Söldner beeinflussen wollen. Unter der Leitung ihres Anführers (Casper Van Dien), der sich als Erins neuer Fahrer ausgibt und von den Credits auch nur als The Driver geführt wird, dezimieren sie die Campuswachmannschaft kurz vor den Weihnachtsferien. Der Rest der Studenten ist schon ausgeflogen, nur Erin und Sean warten noch darauf, abgeholt zu werden.

Als Vic seinen Filius einsacken will, kommt ihm das eine oder andere spanisch vor. Nicht zu Unrecht, denn die Söldner wollen Erin entführen und ihren Vater dazu zwingen für eine Abschaffung des Second Amendment zu stimmen. Vic vereitelt das Kidnapping in letzter Sekunde und beginnt einen Privatkrieg gegen die Schurken…

Hauptdarsteller Ryan Phillippe („Reclaim – Auf eigenes Risiko“) fungierte bei „The 2nd“ auch als Produzent und ließ sich die Rolle des Actionhelden auf den durchtrainierten Leib schreiben. Seine Rolle hat zwar trotz Special-Forces-Vergangenheit nicht ganz den Badass-Faktor wie Bryan Mills aus „Taken“ oder Robert McCall aus „The Equalizer“, doch als zupackender Held mit Killerinstinkt und Schwierigkeiten Vatersein macht sich Phillippe mehr als ordentlich. Casper Van Dien („Turbulent Skies“) ist in der Rolle des eiskalt mordenden Schurken etwas eindimensional, aber durchaus cool und gibt einen charismatischen Schurken ab. Jack Griffo („Sharknado 3“) und Lexi Simonsen („Roller World“) als junge Leute in Not (und natürlich auch in Love) sind sympathisch, die Schurkenriege mehr als brauchbar, auch wenn kaum jemand so groß zum Zuge kommt wie Van Dien. Richard Burgi („Decommissioned“) macht sich gut als CIA-Direktor, weitere bekannte Namen sind nur kurz dabei: William Katt („White Ghost“) als leicht overactender Senatoren-Schmierlappen ist nur für den Auftakt am Start, Samaire Armstrong („Rise: Blood Hunter“) als Vics Lebensgefährtin Olivia für gerade einmal zwei Szenen.

The 2nd

Mit Ex-Green-Beret und Ex-Delta-Force Vic Davis (Ryan Phillippe) ist nicht zu spaßen

„The 2nd“ ist ganz klar ein kostengünstiges B-Movie, was man auch an den Locations ersehen kann. Der Campus wird nicht groß bespielt, sondern das Katz-und-Maus-Spiel beschränkt sich auf das Wohnheim von Sean und Erin und nutzt auch von nur wenige Locations aus. Auch sonst ist man gern in Heizkellern, Fabrikgebäuden und anderen kostengünstig zu mietenden Locations unterwegs, sind Büros und Wohnungen meist karg ausgestattet. Das Personal ist reduziert, was vom Drehbuch immerhin halbwegs gut begründet wird, mit einem Überfall auf nächtlicher Straße oder eben dem menschenleeren Campus kurz vor Beginn der Ferien – das (dezente zu bemerkende) Weihnachtssetting und der Kampf des Einzelnen gegen eine bewaffnete Übermacht sind dann auch die Verneigungen vor dem offensichtlichen Vorbild „Stirb langsam“, auch wenn Vic Davis als Ex-Green-Beret und Ex-Delta-Force weniger in der Tradition des Everyman-Helden John McClane steht, sondern eher an die Abräumer aus „Alarmstufe: Rot“ und „Olympus Has Fallen“ erinnert.

„The 2nd“ geht dann allerdings die spannungssteigernde Finesse des Originals ab, denn aus dem Katz-und-Maus-Spiel auf dem Campus wird nur begrenzter Nervenkitzel gewonnen, zumal „The 2nd“ – so wie der deutlich knalligere „Deadly Takeover“ oder der ähnlich mittelmäßige „Mission Open Fire“ – sein Spielfeld im Schlussabschnitt verlässt. Auch in sich geschlossen ist der Film nicht so wirklich: Die wenigen Schurken auf dem Campus werden von der Heldentruppe teilweise mehrmals am Leben gelassen, im Finale ballert Vic dagegen eine kleine Streitmacht in einer einzigen Run-and-Gun-Sequenz nieder. Mag vielleicht auch daran liegen, dass die Eliteschurken (Scharfschützin, nicht totzukriegender Russe, Messerkämpferin usw.) schon im Hauptteil das Zeitliche gesegnet haben, während im Showdown nur noch das B- bis C-Team ran darf. Denn die Bösewichte suchen keine Deckung (oder treten sogar aus ihr heraus), schießen grundsätzlich daneben und/oder versuchen mit einem M16 einhändig präzise zu schießen.

The 2nd

Casper Van Dien spielt den namenlosen, nur als The Driver geführten Anführer der Söldner

So gehört diese Actionszene zu den schwächeren des Films, dessen Schauwerte unterschiedlich gut gestaltet sind. Ist ein Zweikampf zwischen Vic und zwei Schurken in einem Schuttcontainer etwas unübersichtlich, so sind Sequenzen wie das Straßen-Shoot-Out in der Auftaktszene oder das finale Duell der Alphatiere Vic und Driver dagegen mit Schmackes, guter Choreographie und ansprechender Kameraarbeit in Szene gesetzt. Doch es sprechen nicht nur die Schießeisen und die Martial-Arts-Skills, auch eine Verfolgungsjagd mit einem Auto, einem Motorrad und einem Kleintransporter gibt es im letzten Akt zu bewundern, bei der Vic auf und um letztgenanntes Vehikel herumkraxelt. Auch die eine oder andere Explosion gibt es zu bestaunen, mal handgemacht, mal aus dem Rechenknecht stammend.

Vermutlich hätte ein passionierter Actionfilmemacher noch mehr aus dem Stoff herausgeholt als ein eigenschaftsloser Regie-Söldner wie Skiba. Doch immerhin profitiert „The 2nd“ immer noch von der Faszination des „Die Hard“-Szenarios, in dem ein oder mehrere Underdogs gegen eine Übermacht antreten und deren Pläne vereiteln. Sympathisch und erfreulicherweise überhaupt nicht störend sind zudem die ungelenken Flirtversuche zwischen Sean und Erin eingebaut, die Vater-Sohn-Problematik ist okay eingebaut, taugt aber nicht für das große Drama. Nett ist auch die illustre Söldnertruppe, deren Mitglieder noch etwas mehr Profil vertragen könnten, denn so wirken manche nur wie besseres Kanonenfutter. Davon könnte Vic Davis nach dem Willen der Beteiligten demnächst eventuell mehr vor die Flinte bekommen, denn nicht nur überlebt mindestens ein wichtiger Schurke, nicht nur erklärt ein Drahtzieher, dass er nur die Speerspitze der Bewegung sei, nein, die letzte Szene zeigt explizit, dass es noch viel, viel mehr Leute zum Tothauen und Totschießen für unseren Vic gibt.

Aber das Sequel kann durchaus kommen, sofern man das Potential des Ganzen besser ausnutzt. „The 2nd“ ist ein „Die Hard“-Rip-Off, das mehr aus seiner Prämisse machen könnte, sichtbar kostengünstig produziert wurde und dessen Actionszenen unterschiedlich gut inszeniert sind. Der gelungene Anteil der Fights, Schießereien und Verfolgungsjagden hat Druck, die Figuren besitzen Profil und Charme, auch wenn manche davon unterentwickelt ist, und der Film hat durchaus Tempo. Alles in allem ein okayes B-Picture, aber klar mit Luft nach oben.

LEONINE bringt „The 2nd“ ab dem 30. Oktober 2020 heraus. Der Film wurde ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben.

© Nils Bothmann (McClane)

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