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The Attack – Enter the Bunker (+ Videokritik)

Originaltitel: PMC: Deo beongkeo__Herstellungsland: Südkorea__Erscheinungsjahr: 2018__Regie: Kim Byeong-woo__Darsteller: Ha Jeong-woo, Lee Seon-gyoon, Jennifer Ehle, Kevin Durand, Malik Yoba, Spencer Daniels, Jeff Bosley, Markina Brown, Liviu Covalschi, Robert Curtis Brown u.a.

Wir haben eine kurze und knackige Videokritik zu “The Attack” für euch, die von Kritiken zu “SAS: Red Notice“, “Cosmic Sin”, “Crisis” und “Der letzte Samurai” flankiert wird. Trotzdem startet unser Video direkt bei der Kurzkritik zu “The Attack” und wir wünschen viel Spaß damit!

Video: Kritik zu dem Actionknaller “The Attack”

Powerhouse-Action aus Südkorea

The Attack - Enter the Bunker Action aus Südkorea DVD Cover

Die Südkoreaner lassen es in “The Attack” mal wieder scheppern.

Junge, Junge! Wenn die Südkoreaner Action machen wollen, dann heißt es aktuell für Actionfans rund um den Globus nur: Bitte die Sicherheitsgurte anlegen und bei der wilden Fahrt bitte nicht rauslehnen“. „The Attack – Enter the Bunker“ unterstreicht dies eindrücklich, pumpt unentwegt Spannung, ist voller Energie und explodiert teils vor Dynamik.

2024 stehen die USA vor den Präsidentschaftswahlen. Der aktuelle Präsident hat sich durch unpopuläre Entscheidungen ins Aus manövriert und muss befürchten, nicht wiedergewählt zu werden. Sein letztes Ass im Ärmel: Er arbeitet daran, Nordkorea zu entmilitarisieren. Und die Zeichen stehen gut: Ein hochrangiger General Norkoreas will in die USA überlaufen und dem Präsidenten bei diesem Ansinnen unterstützen.

Um den General aus dem Land herauszuholen, stellen die Amerikaner einen internationalen Söldnertrupp unter der Führung des Südkoreaners Ahab zusammen. Dieser soll den Überläufer aus einem Tunnelsystem zwischen Nord- und Südkorea herausholen und in die entmilitarisierte Zone zwischen beiden Ländern bringen. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass nicht nur der General in dem Tunnelsystem verweilt sondern auch der nordkoreanische Diktator höchstselbst!

Will dieser etwa auch überlaufen? Bei den Amerikanern sind die Hirnwindungen noch in Hochbetrieb, da macht Ahab Nägel mit Köpfen. Gemeinsam mit seinen Söldnern setzt er den Diktator fest. Damit sticht Ahab jedoch in ein Wespennest. Die Amerikaner beginnen das Taktieren, die Chinesen wollen massiv mitmischen, Nordkorea entsendet Truppen und in seinem eigenen Team lauert der Verrat…

Schaut in den Actionhammer aus Südkorea hinein

Die gesamte Geschichte von „The Attack“ ist gar nicht einmal so leicht zusammenzufassen. Wie komplex sie ist, zeigt schon, dass der Film seine ersten 25 Minuten braucht, um die Grundsituation zu etablieren. Die Folge ist eine Dialogwüste, bei der man beständig Angst hat, etwas zu verpassen. Und irgendwie entgeistert dieser langsame Einstieg schon ein wenig.

Doch nach diesen 25 Minuten ist die Zündschnur weggebrannt und startet „The Attack“ richtig durch. Hier wird dann auch klar, warum der Einstieg gestaltet werden musste, wie er eben gestaltet wurde. Denn auf dem da errichteten Fundament baut „The Attack“ gekonnt auf und twistet los. Immer neue Interessengruppen stoßen zur Handlung hinzu und stellen den bisherigen Verlauf auf den Kopf. Am Ende, zumindest soviel sei verraten, arbeitet Ahab dann mit einem Leibarzt des verhassten nordkoreanischen Diktators zusammen, während er ansonsten gar nicht mehr weiß, wem er trauen kann.

The Attack - Enter the Bunker Ahab und sein Team

Ahab (2.v.l.) schwört sein internationales Team auf den Einsatz ein.

Die Folge ist eine verschlungene Story, die unentwegt Spannung pumpt, immer interessant bleibt und bis zum Abspann für neue, teils unerwartete Entwicklungen sorgt. Mittendrin mit Ahab eine reizvolle Figur, die kantig, herb und charismatisch rüberkommt, mit dem literarischen Ahab eine interessante Gemeinsamkeit besitzt und richtig in den Film hineinzieht. Die Figuren um Ha Jeong-woos („Ashfall“) Ahab bleiben zwar seltsam konturlos, das liegt aber auch am angeschlagenen Tempo des Streifens, der nach dem langwierigen Einstieg keine Pausen mehr kennt.

Stattdessen geht „The Attack“ nur noch nach vorne. Zu Beginn steigen wuchtige Shootouts in dem Tunnelsystem. Dann wirft Regisseur Kim Byeong-woo eine gewaltige Bombe auf das Setting. Das sieht nun vollkommen anders aus und erlaubt sogar Actionszenen über mehrere Tunnelebenen hinweg. Beständig knallt und scheppert es, steigen Explosionen und brechen Tunnelarme zusammen.

The Attack - Enter the Bunker nordkoreanischer Leibarzt

Der nordkoreanische Leibarzt des Diktators wird zu Ahabs Verbündetem.

Das Interessanteste daran ist nicht etwa die Action per se, sondern wie sie präsentiert wird. Wir erleben sie nämlich komplett aus Sicht von Ahab. Und der sieht der Action eigentlich nur zu, sitzt er doch in einer Räumlichkeit fest und koordiniert seine Männer über diverse Optiksysteme. Sprich: Er blickt auf Bildschirme und wir mit ihm. Den Wesentlichsten zoomt der Regisseur dann ein, macht ihn zum Hauptinhalt und zeigt, was der jeweilige Kamerad von Ahab da gerade erlebt. Der Regisseur nutzt diesen interessanten und in seinen besten Szenen wahrlich packenden Ansatz für immer frische Formen der Darstellung. Mittels Drohnen, agiler Kamerasysteme und Bodycams kreiert er einen perfekten POV-Style, der vor Energie schier zu bersten droht.

Dabei kommen ungemein weitwinklige Kameras zum Einsatz, die irre Perspektiven und Blickwinkel erlauben und immer aufs Neue verblüffen. Getoppt wird das Ganze von einem minutenlangen One-Shot, in dem Menschen aus einem Flugzeug fliegen, Fallschirme besorgen und Leben retten müssen, während rund um sie herum Flugzeuge von Raketen getroffen werden und eine Atombombe explodiert. Der Wahnsinn!

Action satt

Hat hier wer “Action!” gerufen?

Unter diesen actionreichen, enorm dynamischen Bildern, die manchmal ganz gezielt die Orientierung nehmen wollen, ohne jemals in Bourne-Gewackel zu verfallen, tobt ein fantastischer Actionscore, der den Film immer wieder aufs Neue in den Arsch tritt. Von dem wuchtigen Sounddesign, das diverse brachiale Basswände durch das Heimkino walzen lässt, ganz zu schweigen.

„The Attack – Enter the Bunker“ walzt über den Zuschauer hinweg

Sehr faszinierend am südkoreanischen Actionkino finde ich, dass selbiges ein Spielplatz vornehmlich sehr junger Regisseure zu sein scheint. Auch der Regisseur von „The Attack“ verströmt im Making of extreme Jugendlichkeit und lässt einen sofort denken: Ah, daher kommt die irre dynamische Optik. Um den Nachwuchs muss sich Südkorea offensichtlich also keine Gedanken machen und die südkoreanische Filmindustrie fördert das auch und gibt den jungen Kreativen erstaunlich umfangreiche Budgets an die Hand.

Selbiges reichte bei „The Attack – Enter the Bunker“ neben der Ausgestaltung des gewaltigen Tunnelsets sogar für internationale Gesichter in der Besetzung. Bekannter sind dabei Jennifer Ehle („The Professor and the Madman“) und Kevin Durand („Primal“). Gebraucht hätte es sie nicht, aber sie passen gut zum internationalen Ansatz der Story. Selbige macht anfangs die größten Probleme und lässt die große Show nur langsam in Schwung kommen.

Und auch im weiteren Verlauf fragt man sich häufiger, wie jetzt diese und jene Volte ins große Bild passt. Dementsprechend wirkt „The Attack“ immer mal wieder leicht überladen, macht das aber ab Minute 25 mit Verve, Spannung pur, zahlreichen Adrenalin-Einspritzungen in Form fetter Action, hohem Tempo, steilem Score und einer irre frischen Optik mehr als wett! Ein echtes filmisches Powerhouse – nicht mehr, nicht weniger.

08 von 10

Die deutsche DVD / Blu-ray erschien am 22. April 2021 von Koch Media und ist ungeschnitten ab 16 freigegeben. Ein kurzes Making of, eine noch kürzere Featurette und eine kurze Einladung zum Film durch die Hauptdarsteller bilden neben diversen Trailern die Extras.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Koch Media__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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