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The Beach House – Am Strand hört dich niemand schreien!

Originaltitel: The Beach House__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2019__Regie: Jeffrey A. Brown__Darsteller: Liana Liberato, Noah Le Gros, Jake Weber, Maryanne Nagel, Michael Brumfield, Matt Maisto, Steven Corkin u.a.
The Beach House Poster

“The Beach House” steigert sich langsam in einen fiesen Albtraum hinein.

Emily (Liana Liberato „Haunt“) und Randall (Noah Le Gros „A Score to Settle“) reisen gemeinsam zum Strandhaus seiner Eltern. Vor allem Emily möchte die Zeit nutzen, um mit Randall einige klärende Gespräche über die gemeinsame Zukunft zu führen. Vor Ort angekommen, geben sie sich einander hin, nur um am nächsten Morgen bemerken zu müssen, dass sie nicht alleine sind. Mitch (Jake Weber „White House Down“) und Jane (Maryann Nagel), er ein Freund von Randalls Vater, haben sich ebenfalls in dem Haus eingenistet.

Mitch will seiner sterbenskranken Frau eine schöne Zeit am Ozean bereiten. Es wird vermutlich die letzte gemeinsame Reise des Ehepaars. Die beiden Pärchen sind sich sofort sympathisch und man beschließt, gemeinsam in dem Haus zu bleiben. Es folgt eine lange Nacht mit vielen Gesprächen. Als die beiden Pärchen gemeinsam Marihuana konsumieren, passiert Seltsames. Dichter Nebel streift vom Meer kommend über den Ferienort, seltsame Gerüche bahnen sich ihren Weg und Flora und Fauna werden von einem blauen Leuchten erhellt. Erleben die beiden Pärchen einen unvermutet heftigen Trip?

Am nächsten Morgen wacht Emily wie betäubt auf. Jane scheint ebenfalls neben sich zu stehen. Mitch entschwindet im Ozean. Und Emily tritt in eine seltsame Kreatur, die sofort einen riesigen Wurm in ihren Fuß injiziert. Der Erholungsurlaub wird zum Horror-Trip.

Schaut in den Horrorfilm hinein

Ein wenig verwundert schaut man vor allem zu Beginn auf „The Beach House“. Koch Media möchte den Film um Halloween einen Kinorun gewähren. Eine erstaunliche Entscheidung, denn vor allem der Anfang von „The Beach House“ ruft doch überdeutlich: Ich bin eigentlich eine Videopremiere. Vor allem die Optik des Streifens mutet so gar nicht kinotauglich an. Doch während man sich diesen Gedanken hingibt, bemerkt man, dass hinter der schmucklosen, biederen Optik ganz andere Qualitäten lauern.

Zunächst einmal ist der Film von Langfilm-Regie-Debütant und Drehbuchautor Jeffrey A. Brown nicht der typische Horrorschlock. So gut wie nichts deutet in den eingehenden Minuten darauf hin, was für ein Film „The Beach House“ ist. Es gibt keinen Opening-Schock, keine Jump Scares, nichts. Ruhig und bedächtig führt Brown seine vier Hauptfiguren ein und lässt sie trotz offensichtlichen Altersunterschiedes prächtig harmonieren. Lange Einstellungen lassen eine beinahe intime Stimmung aufkommen und man bekommt den Eindruck, man schaue alten Bekannten zu.

The Beach House mit Liana Liberato

Spielt intensiv in “The Beach House”: Liana Liberato.

Mit dem Drogenmissbrauch dreht sich der Film. Die langen, ruhigen Einstellungen generieren nun gemeinsam mit der mal wirklich düsteren, elektronischen Musik eine beinahe verschwörerische Kraft. Langsam wabert der Nebel und wenn die gesamte Umgebung illuminiert wird, ist auch das Empfinden in Richtung der wenig wertigen Optik für kurze Zeit weg. „The Beach House“ beginnt den Zuschauer zu umklammern und zieht den Griff immer enger.

Plötzlich entstehen da Szenen mit verstörender Kraft. Nebel war seit „The Fog“ nicht mehr so beunruhigend und wird hier, Aerosolen gleich, zum alles durchdringenden Infektionsträger. Oder doch nicht? Widerlicher, in einer höchst seltsamen Mutationssequenz seinen Höhepunkt findender Body Horror bricht sich Bahn. Und der Film lässt fortan nicht mehr locker.

Liberato und Le Gros als Pärchen im fiesen Body-Horror-Film

Emily und Randall hatten den Aufenthalt im Strandhaus bedeutend unblutiger geplant.

An der Seite der als Emily ungeheuer intensiv aufspielenden Liana Liberato taumeln wir durch ein Horrorszenario, das atmosphärisch immer dichter wird, sich extrem ungemütlich anfühlt und unter die Haut kriecht wie der fiese Wurm. Und das obendrein immer mehr Spannung pumpt. Man ist richtig drin in dem Film, fragt sich, wie das alles enden soll – und muss leider bemerken, dass dies dem Drehbuchautor ebenfalls nicht wirklich klar war. Das Ende ist einerseits schön verrätselt, andererseits aber so bekannt im Genre, dass es doch ein wenig abtörnend anmutet. Aber der Trip zu diesem Ende war einfach klasse!

„The Beach House“ setzt einen schönen Kontrapunkt zum aktuellen Horrorkino

„The Beach House“ ist ein Horrorfilm, wie es ihn aktuell nur noch selten zu sehen gibt. Der Low-Budget-Film setzt auf seine Figuren, lässt sich Zeit für seine Geschichte und eskaliert dann mit Bedacht, aber ungemein treffsicher durch. Kein einziger plumper Jump-Scare, keine CGI-Kreaturen, keine dämlichen Jokes durchbrechen die weirde Spannung. Das Vierpersonenstück „The Beach House“ macht den Zuschauer langsam zum Teil seiner Welt und verstört ihn dann nachhaltig mit fiesen Einfällen und ebensolchen Bildern.

Das lässt irgendwann problemlos über den nicht sonderlich wertigen Look und das eher langweilige Setting hinwegsehen. Beim wenig peppigen, abrupten Ende funktioniert das aber leider nicht so gut. Hier wären ein fataler Twist mehr, ein das intime Szenario öffnender Ansatz oder Vertiefungen der immer wieder durchblitzenden „Body Snatchers“-Ansätze toll gewesen. Das Ergebnis mag kein Horror für die Ewigkeit sein, aber zur Generierung einer fiesen Atmosphäre fürs Social-Distancing-Halloween-Fest reicht es locker!

07 von 10

Koch Media bringt den Film am 22. Oktober 2020 in die deutschen Kinos.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Koch Media__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu-ray/DVD: Nein/Nein, ab 22.10.2020 in deutschen Kinos

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