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The Beast

Originaltitel: Biseuteo__Herstellungsland: Südkorea__Erscheinungsjahr: 2019__Regie: Jung-Ho Lee__Darsteller: Sung-min Lee, Jae-myung Yoo, Seong-Bong Ahn, Daniel Choi, Ho-jung Kim, Ja-Yeon Ok u.a.
The Beast DVD Cover

“Wer ist das Biest?”, fragt man sich häufiger bei “The Beast”.

Han-su Jeong ist ein echter Hardboiled Cop, dem zur Klärung seiner Fälle alles recht ist. Da werden Zeugen verdroschen, Beweise manipuliert und so mancher Fieswicht landet schonmal nackt in einem Grab und bekommt dabei die Lektion seines Lebens eingetrichtert. Doch Jeongs aktueller Fall stellt ihn vor eine echte Herausforderung. Eine 17-jährige Entführte taucht fein säuberlich in ihre Einzelteile zerlegt und in Plastiktüten verpackt wieder auf.

Bei seinen Ermittlungen pfuscht Jeong immer wieder seinem Kollegen Min-tae Han ins Handwerk. Der ist in der Ausübung seines Jobs normalerweise gesetzestreuer, hat aber dieses Mal auch einen Anreiz, mit unlauteren Methoden zu arbeiten. Denn derjenige, der diesen Fall aufklärt, sieht einer sicheren Beförderung entgegen.

Da kommt es Jeong gerade recht, als eine ehemalige Informantin von ihm auftaucht und erklärt, wichtige Erkenntnisse in Bezug auf den Entführungsfall zu haben. Doch Jeong zahlt für diese Informationen einen hohen Preis. Die Dame ermordet nämlich direkt vor seinen Augen einen Kerl, der sie einst in den Knast brachte. Von Jeong verlangt sie, als ihr Alibi für die Tatzeit zu fungieren. Jeong willigt ein und kommt mit den Aussagen der Frau tatsächlich deutlich in dem Fall voran. Doch Han kommt Jeongs unlauteren Methoden mehr und mehr auf die Schliche und auch der Killer denkt nicht im geringsten daran, sich einfach so schnappen zu lassen.

Schaut in den südkoreanischen Thriller hinein

„The Beast“ basiert auf dem französischen Thriller „36 tödliche Rivalen“ von Olivier Marchal. In diesem lieferten sich die französischen Superstars Daniel Auteuil und Gérard Depardieu ein Duell um die Position des Chefs der Pariser Polizei. Den Weg dahin sollte die Aufklärung einer Reihe von Raubüberfällen ebnen. Diese Konkurrenzsituation lässt beide Cops mehrfach moralisch straucheln und mündet in eine Katastrophe. Dieses Grundgerüst übernahm nun Jung-Ho Lee für seinen Film „The Beast“, zu dem er auch das Drehbuch verfasste. Im Vergleich zu dem ohnehin düsteren Vorbild riss er die Regler noch deutlicher in Richtung Düsternis und Verkommenheit des Menschen auf.

„The Beast“ verzichtet dabei auf den klassischen Helden. Präsentiert stattdessen durchweg eigennützige Charaktere, die angesichts der Gewalttätigkeit um sich herum vollkommen abgestumpft und längst auf den falschen Weg abgebogen sind. Der düstere Thriller fokussiert dabei überdeutlich auf die von Sung-min Lee eindringlich gespielte Abwärtsspirale des Cops Jeong. Lee spielt den sperrigen Charakter formidabel und schafft es, dass man niemals vollends die Bindung zu dem zunehmend schwieriger werdenden Charakter verliert. Jae-myung Yoo wird dagegen als Han deutlich zurückgenommen. Was schade ist, da Yoo ebenfalls sehr nuanciert aufspielt und mit Lee eine saustarke Chemie hat.

The Beast und bad cops

Han (li.) und Jeong Aug’ in Aug’…

Ein kleiner Clou gelingt dem Film mit der Figur des Killers. Zunächst konfrontiert „The Beast“ den Zuschauer mit einem overacteten Over-the-Top-Täter, der gar nicht zum Ton des bisherigen Filmes passen will, nur um dann fies zu twisten. Und einen Täter zu präsentieren, der seine Gefährlichkeit hinter einer beschützenswerten, total normalen Fassade versteckt. Leider ordnet „The Beast“ auch den Killer deutlich unter Jeong an, so dass auch diese Figur nicht vollends zur Entfaltung kommt. Total daneben ist leider die vierte wichtige Figur im Film: Die Informantin von Jeong. Diese wird von ihrer Darstellerin so extrem überzogen gespielt, dass sie einem total auf die Nerven geht.

Schwierig ist zudem, dass sich der deutlich zu lang ausgefallene Thriller immer wieder in Nebenschauplätzen verliert. Infolgedessen nicht straff genug auf seinen Höhepunkt zuarbeitet und den Zuschauer immer wieder von der Kette lässt. Der eine oder andere langatmige Moment ist die Folge.

The Beast - ein Thriller aus Südkorea

Jeongs Informantin spielt ein mieses Spiel…

Hier kann zumindest die Optik für etwas Ausgleich sorgen. „The Beast“ setzt auf eine formidable Finsteroptik. Kaum ein Sonnenstrahl verirrt sich in die Bilderwelten des südkoreanischen Thrillers. Nebel wabert durch die Sets. Konturen verwischen in der Dunkelheit wie die Grenzen zwischen Gut und Böse in der Handlung. Die Musik des Filmes verrichtet einen unauffälligen Dienst, funktioniert aber glücklicherweise in den Suspense-Momenten richtig gut. Action darf man sich von „The Beast“ keine erwarten. Im Mittelteil gibt es eine etwas unmotiviert wirkende Massenprügelei mit plötzlichen kleinen Härten, aber ansonsten toben hier die Kämpfe eher im Inneren der Protagonisten.

„The Beast“ ist ein finsteres Biest von einem Thriller

„Who is the Beast?“ wurde vom Marketing im Umfeld des Filmes recht schlau gefragt. Ist es der Serienkiller, der 14 Menschen bestialisch abgeschlachtet haben soll? Ist es der Cop, der auf Recht und Gerechtigkeit scheißt, um einen Fall zu lösen? Oder ist es der Cop, der für die eigene Karriere gar über eine Vielzahl an Leichen geht? Im Verlauf des Filmes fällt es immer schwerer, diese Frage zu beantworten, denn alle Charaktere von „The Beast“ begeben sich in eine verhängnisvolle Abwärtsspirale, über die irgendwann keiner mehr irgendeine Art von Kontrolle zu haben scheint.

Das ist schwere, in Teilen extrem spannende Kost, die von den männlichen Hauptdarstellern eindringlich gespielt wird, optisch genauso düster wie die Seelen der Hauptfiguren geraten ist und dank eines finsteren Finales auch über den Film hinaus nachwirkt. Doch die Wirkung des Thrillers wäre sicherlich noch einmal eine andere gewesen, hätte man einen deutlicheren Fokus auf das starke Hauptdarstellergespann und die Dynamik ihrer Figuren untereinander gelegt. Auch hätte „The Beast“ gut und gerne 20 Minuten kürzer sein dürfen, wenn nicht sogar müssen. Gerade im Mittelteil hängt die Spannung doch einige Male durch. Kleinere Overacting-Ausrutscher schmälern die Wirkung hier und da zusätzlich.

06 von 10

Die deutsche DVD / Blu-ray von „The Beast“ erschien am 5. März 2020 von Constantin Film. Der Film kommt ohne Extras und ist mit einer FSK 16 ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Constantin Film__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__ Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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