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The Christmas Chronicles

Originaltitel: The Christmas Chronicles__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2018__Regie: Clay Katis__Darsteller: Kurt Russell, Darby Camp, Judah Lewis, Kimberly Williams-Paisley, Oliver Hudson, Lamorne Morris, Martin Roach, Jesse Gervasi, David Kohlsmith, Kaitlyn Airdrie, Jack Bona, Lauren Collins, Steve Van Zandt, Goldie Hawn u.a.
The Christmas Chronicles

Kurt Russell gibt den Weihnachtsmann in “The Christmas Chronicles”

Auch ein neuer Player im Mediengeschäft wie Netflix will saisonale Trends ausnutzen und Kunden ein maßgeschneidertes Feiertagsprogramm bieten. Warum nicht auch in Weihnachtsfilme investieren und dabei auf das alte Rezept setzen, dass man einen Actionstar in einen Familienfilm packt? Im Fall von Netflix hört das Ergebnis auf den Namen „The Christmas Chronicles“.

Der Name des Films leitet sich von einer Tradition der Protagonistenfamilie Pierce ab: Jedes Weihnachten nimmt vor allem Vater Doug (Oliver Hudson), manchmal aber auch Mutter Claire (Kimberly Williams-Paisley) das Geschehen auf Video auf, sodass man beim anfänglichen Zusammenschnitt besagter Video-Chronik der Familie beim Wachsen zusehen kann, bis zu jenem Punkt, an dem Sohnemann Teddy (Judah Lewis) und Tochter Kate (Darby Camp) Teenager sind. In der Gegenwart des Jahres 2018 fehlt aber einer: Doug ist verstorben, womit für den üblichen Herzschmerz-Background gesorgt ist, der im Laufe der turbulenten Handlung überwunden wird.

Während Claire überarbeitet ist, gehen die Kinder jeweils anders mit der Situation um. Kate schmeißt sich in den Holiday-Spirit und nimmt Wunschvideos für den Weihnachtsmann auf, während Teddy mit seinen Freunden um die Häuser zieht, die vom Drehbuch noch nicht einmal Namen bekommen. Dafür agieren sie sich auf eine Weise aus, die jedem Puritaner die Schockröte ins Gesicht treibt, denn Kids, die sich ausagieren müssen, klauen hier einfach Autos. Kate nimmt eine solche Aktion auf Video auf und kann Teddy schließlich erpressen, dass er ihr dabei hilft, als sie den Weihnachtsmann beim Betreten des Pierce-Wohnzimmers filmen will.

Zu Teddys Erstaunen können die beiden tatsächlich Santa Claus (Kurt Russell) aufzeichnen und sogar in dessen draußen geparkten Schlitten einsteigen. Dummerweise verschreckt ihre Anwesenheit den Vollbartträger, sodass dieser Rentiere und Geschenke verliert. Gemeinsam müssen sie beides wiederbeschaffen, um das Weihnachtsfest noch zu retten…

The Christmas Chronicles

Bilder aus glücklicheren Tagen: Die Pierce-Familie vereint

Während andere Netflix-Projekte (siehe „The Irishman“ oder „6 Underground“) auf das große Kino abzielen, da ist „The Christmas Chronicles“ eher zuckersüßer TV-Kitsch, wie ihn in den USA der Hallmark-Channel anbietet. Also wird hier jedes erdenkliche Klischees ausgepackt, wenn Nutellafratz Kate und Teddy, der zornige Teen mit dem Herz am rechten Fleck, lernen mit dem Verlust des Vaters umzugehen, wie man halt so reift, wenn man Santa innerhalb einer Nacht helfen muss Rentiere, Schlitten und Geschenke wiederzubekommen. Die Geschwister nähern sich wieder an und sowieso wird hier jeder glücklich bis zum Brechreiz, darunter auch die Cops, die Santa erstmal einsperren, als der vollmundig behauptet der Weihnachtsmann zu sein und das Fest retten zu müssen.

Auch in Sachen Budget sieht das hier eher nach Wegwerf-TV aus, was sich auch in den Animationen von Santas Elfen zeigt, die bestenfalls Mittelklasse-CGI bieten. Auch die familienfreundlichen Actionszenen mit Schlittenflug durch die Lüfte, Rentierritt durch die Lüfte oder Spritzfahrt (an deren Ende das Auto für einen kleinen Crash abhebt) sind biederes Handwerk, aufregend für die U12-Zielgruppe, aber für niemanden sonst. Und natürlich wird jedes amerikanische Weihnachtsklischee bemüht, von der Santa-Werkstatt mit den Elfen über den Verzehr von Milch und Keksen bis hin zu der Tatsache, dass böse Jungs nur Kohlenstücke als Geschenk bekommen. Während man diese Checkliste abarbeitet und nur beim „Ho Ho Ho“ ironisch hinterfragt, ist nicht viel Platz für eine echte Handlung, denn die besteht nur aus dem Einsammeln der verlorenen Gegenstände, die durch Widrigkeiten wie Straßengangster oder die Einknastung Santas etwas erschwert wird.

The Christmas Chronicles

Santa Claus (Kurt Russell) muss Weihnachten retten

Aber Regisseur Clay Katis („Angry Birds – Der Film“) und Drehbuchautor Matt Lieberman („Free Guy“) ist eh nur an einer Aneinanderreihung von Episoden gelegen, die manchmal mehr, meist weniger gelungene Einfälle bebildern sollen. So legt Santa in seiner Zelle eine Blues-Rock-Nummer hin, begleitet von musikalisch begabten Knastis auf herbeigezauberten Geschenk-Musikinstrumenten, so kommen Santa-Gadgets zum Einsatz, etwa ein Messgerät, dass den Stand der Weihnachtsstimmung anzeigt – ist die zu niedrig, dann häufen sich Verbrechen und Gewalttaten. Die meisten dieser Gags sind eher kindisch, oft verunfallt und so gut wie nie feinsinnig, sieht man von der amüsanten Enthüllung ab, dass Mrs. Claus von Goldie Hawn („Ein Vogel auf dem Drahtseil“) gespielt wird.

Dieser Gag bietet sich natürlich auch an, ist „The Christmas Chronicles“ doch voll auf Kurt Russell („Once Upon a Time in Hollywood“) zugeschnitten und jener das Pfund, mit dem dieser schlappe Klamauk-Familienkitsch noch punkten kann: Als etwas rauer, aber doch komplett gutherziger Weihnachtsmann, der gegenwärtige und vergangene Weihnachtswünsche seines Gegenübers kennt, macht er darstellerisch eine gute Figur, so desolat der Rest des Films auch ist. Judah Lewis („Summer of 84“) und Darby Camp („NOS4A2“) als Teen-Hauptfiguren sind dagegen höchst mittelprächtig und austauschbar, unter den sonstigen Nebenrollengesichtern dürfte man allenfalls noch Larmone Morris („Jumanji – The Next Level“) kennen, der einen jener Cops spielt, die Santa hops nehmen.

Das Konzept von „The Christmas Chronicles“, ein Actionstar in einem Familienfilm mit Weihnachts- und Fantasy-Elementen, klingt nach einem Mix aus „Versprochen ist versprochen“ und „Zahnfee auf Bewährung“ und das Ergebnis sieht dann auch wie eine Kombination von deren schlechtesten Eigenschaften aus: Ein Nichts an Handlung, gefüllt mit den vorhersehbarsten Weihnachtsklischees, reichlich Kitsch und stereotypen Figuren, müde Gags und maue Effekte – da kann auch Kurt Russell kaum etwas ausrichten, der sich immerhin richtig Mühe gibt.

Seit dem 22. November 2018 kann man „The Christmas Chronicles“ als Netflix-Eigenproduktion bei dem Anbieter streamen. Eine offizielle FSK-Prüfung ist nicht bei der Behörde gelistet, Netflix gibt ihn als freigegeben ab 6 Jahren an.

© Nils Bothmann (McClane)

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