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The Cold Light of Day

Originaltitel: Cold Light of Day, The__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2012__Regie: Mabrouk El Mechri__Darsteller: Bruce Willis, Henry Cavill, Sigourney Weaver, Jim Piddock, Rafi Gavron, Caroline Goodall, Óscar Jaenada, Joseph Mawle, Shira Scott, Emma Hamilton, Roschdy Zem, Colm Meaney u.a.
The Cold Light of Day

Bruce Willis als Vater des Helden in “The Cold Light of Day”

Will Shaw macht bei seiner Familie in Spanien Urlaub. Hier besucht er seinen Vater, seine Mutter und seinen jüngeren Bruder, mit denen er einen gemeinsamen Segeltörn unternehmen will. Schon früh kommt es vor allem zwischen Will und seinem Vater Martin zu Spannungen. Nicht ohne Grund, denn Will scheint geistig ständig abwesend zu sein. Was auch nicht verwundert, da Wills Firma daheim in den USA vor dem Bankrott steht. Als es an Bord des Segelschiffes zu einem Unfall kommt, nutzt Will die Gelegenheit, um sich für ein paar Momente abzusetzen und an Land zu schwimmen. Als er sich kurz darauf wieder zum elterlichen Schiff zurückorientiert, ist seine Familie verschwunden! Besorgt beginnt Will nach ihnen zu suchen, ohne Erfolg. Als die örtliche Polizei sich sehr zwielichtig verhält und Will gar attackiert, springt auf einmal Martin aus dem Unterholz und rettet Will. Er teilt seinem Sohn mit, dass der Rest der Familie entführt wurde, sich wohl alles um den Inhalt eines Koffers drehe und man ebenjenen beschaffen müsse, um die Familie zu retten. Zudem sei Martin ein Ex-CIA Agent, der jahrelang die Drecksarbeit für die Agency gemacht habe. Kaum hat Will all diese Informationen schlucken müssen und mit Martin eine Art Schlachtplan für das weitere Vorgehen ausgeheckt, geht ein Treffen mit einem Vorgesetzten von Martin gründlich schief und beginnt die große Hetzjagd …

Mit “JCVD” legte der Regisseur Mabrouk El Mechri vor einigen Jahren eine formidable, absurd witzige und international vielbeachtete Regiearbeit hin und man kam nicht umhin, sich zu fragen, ob dieser auf einer einfach brillant abgefahrenen Idee beruhende Filmstreich ein neues Regiegenie auf die Welt losgelassen hatte, oder ob “JCVD” ein Schicksal als glanzvolles, aber einsames Highlight in der Vita des Regisseurs beschieden sein würde. Nunja, wie so oft liegt die Wahrheit vermutlich auch hier irgendwo genau in der Mitte. Denn genau da ist nun auch „The Cold Light of Day“ anzusiedeln, der handlungstechnisch recht uninspiriert an das altbekannte Motiv vom Ottonormalbürger, der über sich hinauswachsen muss und dabei zwischen alle Fronten und Geheimdienste dieser Welt gerät, anknüpft. Diese Beliebig- und Austauschbarkeit ist es dann auch, die „The Cold Light of Day“ alle Möglichkeiten nimmt, aus sich selbst heraus bzw. aus seiner Story heraus spannend zu sein.

The Cold Light of Day

Bruce Willis als Martin Shaw in “The Cold Light of Day”

Alles an dem Streifen hat man so oder ähnlich bereits vielfach gesehen. Mal besser, mal schlechter. Schade ist, dass trotz der reizvollen Ausgangssituation – Familie entführt; Vater CIA Agent mit vielen Feinden; Hauptcharakter kennt sich null in dem Land aus, spricht nicht einmal ansatzweise die Landessprache – auch noch ein dämlicher McGuffin in Kofferform installiert werden muss, der zum einen recht überflüssig anmutet und zum anderen immer dann recht unbeholfen eingebunden wird, wenn das Drehbuch nicht mehr weiß, wie es zur nächsten Actionszene kommen soll. Gut, damit erfüllt der McGuffin-Koffer komplett seinen Dienst, ABER es hätte ihn schlichtweg nicht gebraucht. Was man auch an dessen Einsatz merkt. Fast schon beliebig taucht das Ding auf, verschwindet in Kofferräumen, ist plötzlich wieder da, mal hat ihn der, mal der … Und warum alle so scharf darauf sind, erfährt man ebenso wenig wie den ganzen storytechnischen Sinn hinter der Kofferhatz. Und wenn dann auch noch der Mossad nach ihm sucht, ist man vollends raus …

Dafür muss man Mabrouk El Mechri zugute halten, dass er nach einer kurzen, enorm funktionalen und auf das Notwendigste beschränkten Exposition extrem schnell zur Sache kommt und dann auch wahrlich keinerlei Verschnaufpausen mehr einlegt. Einmal angerollt ist „The Cold Light of Day“ wirklich durchweg in Bewegung und wird rein aus dieser kinetischen Kraft eine den Film tragende Grundspannung erzeugt, die einen auch über diverse Logiklöcher hinwegsehen lässt. Hier zeigt der Regisseur dann auch, das trotz kleiner erzählerischer Wendungen – etwa wenn kurz vorm Showdown innerhalb eines Satzes aus böse plötzlich gut wird – die Kraft der Bilder sein wahres Markenzeichen zu werden scheint. Da wäre zum einen die großartige Bebilderung der Urlaubsmomente zu Beginn, die einen direkt nach Spanien katapultiert. Dann setzt es großartige Kameraspielereien mit Spiegeln. Und einige enorm coole Kamerabewegungen zeigen auf, dass “JCVD” zumindest optisch kein Zufallsprodukt war. Einzig in Sachen Action lässt die Inszenierung zu wünschen übrig, denn hier kommt wie gewohnt die Shaky Cam zum Einsatz und diese lässt einige Actionmomente wirklich nur erahnen.

The Cold Light of Day

Sigourney Weaver als Jägerin des Helden

Das ist freilich schade, zumal die Action eben ungefähr nach 20 Minuten die Regie übernimmt und in vielfältiger Form auf den Zuschauer niedergeht. Schießereien, heftigere Karambolagen, Zufußverfolgungsjagden, Abseilaktionen und eine coole Autoverfolgungsjagd lassen neben diversen Keilereien Stimmung aufkommen. Was dabei gefällt, ist, dass Will immer ein Jedermann bleibt und nie zum Actionhero mutiert. Am Ende sieht er so ramponiert aus, dass er eher an einen Brocken Fleisch denn an den stattlichen Henry Cavill erinnert. Leider fehlt es der Action neben der Übersicht auch an wirklich spektakulären Momenten. Fast alle Actionszenen verpuffen irgendwie unpointiert und lassen immer den letzten echten Aha Moment vermissen, der sie von anderen Filmen abheben würde.

Das liegt zu einem gewissen Teil aber auch daran, dass man mit Cavills Will nie so recht warm wird. Das wiederum lässt sich darüber begründen, dass zum einen die Charakterzeichnung des Helden extrem schwach ausgefallen ist und zum anderen Cavill häufiger sehr überfordert wirkt. Eine gewisse Ausstrahlung würde ich ihm nicht absprechen, sehr wohl aber wirkliches schauspielerisches Talent. So fehlen dann immer wieder die Momente, wo man als Zuschauer mit dem Heldencharakter mitfiebert, wodurch einen dann eben auch die Action seltsam kalt lässt. Selbst eine kleine Spanierin, die man Cavill plötzlich recht unmotiviert an die Seite stellt, macht dessen Will nicht interessanter. Was daran liegt, dass auch Verónica Echegui extrem blass und langweilig rüberkommt. In Nebenrollen werden dann Bruce Willis und Sigourney Weaver  verheizt. Willis lässt im Einstieg kurz sein Charisma aufblitzen und darf sich auch kurz mit ein paar Bäddies wammsen, leider hat er aber nur eine ziemlich kleine Nebenrolle abbekommen, die er im Standgas ausfüllt. Sigourney Weaver wiederholt derweil ihren Auftritt aus „Paul“, nur ohne ironische Brechungen. Stattdessen mit versteinerter, finsterer Miene. Allerdings gerät sie so zu einem ziemlich miesen Bösewicht, was dem Film ziemlich gut tut. Vor allem, wenn sie im Finale fast schon wie bei einem Amoklauf alles umnietet, was ihren Weg kreuzt. Doch leider hat sie viel zu wenig Screentime, um wirklich etwas ausrichten zu können und wirkt letztlich total unterfordert.

The Cold Light of Day

In welchem Film hast du nochmal einen Helikopter mit einem Auto abgeschossen?

Was bleibt, ist ein Film, der jetzt vielleicht schlechter klingt, als er ist. In Wirklichkeit ist „The Cold Light of Day“ einer jener Filme, der wirklich niemandem weh tut, über seine gesamte Laufzeit hinweg irre kurzweilig unterhält, richtig Druck und Tempo macht und mit einigen optischen Leckerlies und einem mehr als ordentlichen Score aufwartet. Leider ist er aber auch schrecklich belanglos und egal! Das liegt vor allem an dem blassen Hauptdarsteller und einer Story, die gerne Haken schlagen würde, sich dabei aber teils grandios verhebt (Ist Willis Figur nun eigentlich Verräter oder Held? Hey, er wird von Willis gespielt, er muss ein Held sein, oder?) und immer wieder Themen anreißt, um sie hernach blitzschnell wieder fallen zu lassen. Obendrein ist die wirklich enorm dicht gedrängte Action einfach zu arm an Höhepunkten, um wirklich im Gedächtnis zu bleiben. Solide Unterhaltung mit Höhen und Tiefen also, die im Grunde eigentlich nur dann wirklich enttäuscht, wenn man sich von ihrem Macher eine weitere Großtat ähnlich seines voller Verve abgefeuerten “JCVD” erwartet hat. Doch man sollte Mabrouk El Mechri noch Zeit geben, sich (und bessere Drehbücher) zu finden.

Der Film läuft seit 3. Mai 2012 in den deutschen Kinos.

In diesem Sinne:
freeman

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