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The Condemned 2

Originaltitel: The Condemned 2: Desert Prey__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2015__Regie: Roel Reiné__Darsteller: Randy Orton, Eric Roberts, Wes Studi, Steven Michael Quezada, Monique Candelaria, Matthew Page, Michael Sheets, Dylan Kenin, Stafford Douglas, Alex Knight u.a.
The Condemned 2

WWE-Superstar Randy Orton beerbt in “The Condemned 2” Stone Cold Steve Austin und trifft auf Eric Roberts

„Die Todeskandidaten“ aka „The Condemned“ entpuppte sich bei seiner Veröffentlichung als spaßige B-Action auf des „Running Mans“ Spuren und legte für seinen Hauptdarsteller Steve Austin den Grundstein für eine ganze Reihe an Action-DTV-Streifen – inklusive einer prominenten Nebenrolle in dem Ensemble-Actionhit „The Expendables“. Da nimmt es fast ein wenig Wunder, dass es beinahe acht Jahre brauchte, bis die produzierenden WWE-Studios einen Nachfolger hinterher schoben.

Dabei gingen sofort alle Alarmglocken an, als es hieß, dass „The Condemned 2“ den WWE-Superstar Randy Orton mit dem Regisseur Roel Reine zusammenführen würde. Immerhin hatten beide schon die Fortsetzung zu „12 Runden“, ein anderes WWE-Franchise, grundlegend verbockt. Doch glücklicherweise kann ich an dieser Stelle bereits Entwarnung geben, denn „The Condemned 2: Desert Prey“ entpuppt sich als flotte B-Action mit zum Ende hin enormem Spektakel-Wert.

Der Kopfgeldjäger Will Tanner ist mit seiner Mannschaft aus topp trainierten Kollegen unterwegs, um dem Fieswicht Cyrus Merrick das Handwerk zu legen. Der veranstaltet geschmacklose Wettstreite, bei denen es um kaum weniger als das Leben unschuldiger Unbeteiligter geht. Als Tanner und seine Mannen zuschlagen, kommt es zu einem Unfall. Tanner killt Merrick in Notwehr, muss sich dafür aber umgehend vor Gericht verantworten.

Selbiges suspendiert den Kopfgeldjäger und verhängt eine drakonische Bewährungsstrafe. Merrick kommt dieses Urteil sehr gelegen. Er hat ohnehin keinen Bock mehr auf seinen Job. Er schlüpft bei seinem Vater unter und verrichtet hier Gelegenheitsjobs, unter anderem als Pannenhelfer. Als solcher begegnet er eines Tages seinem liegen gebliebenen Ex-Kollegen Michaels. Nach einem belanglosen Small Talk will der Will an die Gurgel. Will gelingt es zwar, Michaels zu stoppen, er kann sich aber überhaupt keinen Reim darauf machen, warum sein ehemaliger Mitstreiter ihn töten wollte.

Da taucht mit Lange ein weiteres Ex-Teammitglied von Will auf. Er gibt vor, zu wissen, was hier gespielt werde. Doch auch er nutzt einen Moment der Unachtsamkeit Wills und schlägt zu. Will kann sich auch diesmal seiner Haut erwehren… und Lange ein paar Informationen abtrotzen. Er und andere Ex-Kameraden wurden gezwungen, Will umzubringen. Tun sie das nicht, würden ihre Familien getötet werden. Des Weiteren muss Will es bis zu einem gewissen Zeitpunkt an einen ganz bestimmten Ort schaffen, dann ist er aus der Misere raus…

Blöderweise lädt „The Condemned 2“ seine Zuschauer nicht dazu ein, mit der Hauptfigur mitzurätseln. Viel zu früh legt das Drehbuch bereits offen, was hier Phase ist. So ist man Will beständig um Meilen voraus und verschenkt Autor Alan B. McElroy allzu offenherzig die Möglichkeit, den Film mit einer ordentlichen Spannungskurve punkten zu lassen. Der hangelt sich stattdessen von einer Konfrontation Wills mit einem seiner Ex-Kameraden zur nächsten. Das sorgt punktuell für Spannung und Drive, lässt den Film zwischen diesen Momenten aber durchaus auch mal durchhängen.

The Condemned 2

Drohnen und deren Blick auf die Welt spielen eine große Rolle in “The Condemned 2”.

Was auch nicht durch eine interessante Figurenzeichnung oder dergleichen ausgeglichen werden kann. Über Will Tanner und alle anderen Protagonisten erfährt man in der Folge so gut wie gar nichts. Die meisten Charaktere kennzeichnen sich höchstens über ihre Skills im Umgang mit Waffen. Dennoch identifiziert man sich ganz gut mit dem wuchtigen Helden Will, da sein Darsteller Randy Orton schon über eine gehörige Portion Ausstrahlung verfügt und als Gehetzter mit vielen Fragezeichen im Kopf ordentlich funktioniert.

Dass sich seine Gegner vornehmlich aus hervorragend trainierten Kämpen zusammensetzen, steht dem Film ebenfalls sehr gut. So verkommen sie nicht zum Fallobst und wird der Held auch ordentlich gefordert. Was dann natürlich Roel Reine („Im Fadenkreuz: Seal Team 8“) alle Möglichkeiten gibt, zu zeigen, warum er aktuell als echter Hot Shot im B-Actionbereich gilt. Beginnt er dabei noch recht verhalten mit der Stürmung von Merricks Unterschlupf, legt er im weiteren Verlauf immer noch eine Schippe mehr drauf. Sind die ersten Auseinandersetzungen also noch simple Mano-a-Mano-Duelle, dürfen in späteren Konfrontationen fette Feuerbälle aufsteigen und Unschuldige mitten in die Schusslinie geraten. So manche Actionszene ist sogar durchaus innovativ geraten, etwa wenn ein Typ in einem hochgezüchteten Buggy unsere Helden in einer Tankstelle belagert…

The Condemned 2

Cooles Vater-Sohn-Gespann: Eric Roberts und Randy Orton.

Die dynamische Kamera Reines bebildert die Action immer tadellos und der Schnitt bringt ordentlich Tempo in die Konfrontationen. Zwar wäre es schön gewesen, wenn man Orton noch deutlich physischer hätte werden lassen, aber der Gute macht auch in Sachen Waffenhandling einen guten Job. Gegen Ende kracht und scheppert es dann ordentlich, auch wenn der Showdown an und für sich leider ein wenig zerfahren wirkt. Die Härten sind über den gesamten Film hinweg gut gesetzt und hier und da platzt sogar mal ein echter Blutbeutel.

Gedreht in New Mexico suchte man sich vornehmlich wüstenartige Areale, die direkt den Look des Filmes vorgeben: Dementsprechend wird „The Condemned 2“ von Sepiafarben beherrscht und die Areale gestalten sich weitläufig und sehr ansprechend. Die für den filmischen Verlauf recht bedeutenden Drohnen, die endlich einmal einen „Menschenjagdfilm“ ermöglichen, in dem NICHT andauernd irgendwelche Lumpen zwischen irgendwelchen Kamerabildern hin und her switchen, werden auch für tolle Luftaufnahmen genutzt und lassen den Film noch einmal um ein Vielfaches wertiger wirken. Der flotte Score macht den insgesamt fetzigen Eindruck des Streifens perfekt.

The Condemned 2

Roel Reine weiß, was Actionfans sehen wollen.

Der Vorgänger von „The Condemned 2“, der immerhin in einem Dialog kurz erwähnt wird, versuchte sich bekanntermaßen auch in milder Medienkritik. Derartige Ambitionen hat die Fortsetzung auf keinen Fall. Die setzt lieber auf Zynik in ordentlichen Dosen (natürlich wird wieder auf Leben und Tod gewettet, was hier sogar für logische Fehler sorgt!) und konzentriert sich auf Bewegung satt. Hetzt also ihren Helden von Action-Schauplatz zu Action-Schauplatz, haut hier ein paar hübsche Action-Momente raus und übertrumpft dabei sogar das Original.

Allgemein wirkt der vor allem optisch höchst souveräne „The Condemned 2“ runder als sein Vorgänger und kann eigentlich nur in Sachen Oberbösewicht nicht mithalten. Der rollt einfach nur mit den Augen, ist kein Stück bedrohlich und wird leider nicht von Eric Roberts („Hunt to Kill“) oder Wes Studi („Geronimo“) gegeben. Die haben beide nur kleinere Nebenrollen, wobei vor allem Roberts herrlich relaxed aufspielt und für den einen oder anderen Schmunzler sorgt. Das macht trotz diverser Problemherde (schwacher Showdown, vorhersehbare Story, unglückliche Dramaturgie, Klischeefiguren) definitiv nicht perfekte, aber allemal unterhaltsame und – dank einer Nettolaufzeit von gerade mal 80 Minuten – knackig kurze Actionkost der Güteklasse B, in der nicht einmal Platz für eine Romanze des Helden bleibt.

Über eine Veröffentlichung in Deutschland ist mir nichts bekannt. Allgemein sieht es da mit den aktuellen WWE-Produktionen eher mau aus. Zumindest kann man den Film im Originalton bei Amazon Prime bestaunen. Oder man ordert sich die DVD aus UK. Die kommt von Lionsgate und ist mit einer Freigabe ab 15 ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label der UK-VÖ: Lionsgate__Freigabe: ab 15__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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