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The Crime

Originaltitel: Sweeney, The__Herstellungsland: Großbritannien__Erscheinungsjahr: 2012__Regie: Nick Love__Darsteller: Damian Lewis, Hayley Atwell, Ray Winstone, Allen Leech, Paul Anderson, Alan Ford, Steven Mackintosh, Ben Drew, Steven Waddington, Mark Killeen, Kara Tointon u.a.
The Crime

Harte Bullen gegen harte Gangster in “The Crime”

„The Crime“ heißt eigentlich „The Sweeney“ und basiert auf einer gleichnamigen britischen TV Serie, die unter dem deutschen Titel „Die Füchse“ auch im hiesigen TV lief. Den deutschen Titel wollte man vermutlich nicht heranziehen, weil die Serie dann doch einige Jährchen auf dem Buckel hat und seit den 80igern kaum noch im TV lief. Man glaubte also vermutlich nicht, an eventuell vorhandene positive Erinnerungen beim Zielpublikum anknüpfen zu können. Und „The Sweeney“ war dem Verleih dann wohl wieder zuuuu englisch. Der Begriff, der im Übrigen für „Sondereinsatztruppe“ steht, musste also einfacherem Englisch weichen. Man wählte „The Crime“ und hatte einen der nichtssagenden Titel aller Zeiten auf der Habenseite. Zum Glück ist der Film deutlich besser als sein „deutscher“ Titel.

Darin dreht sich alles um „The Sweeney“, eine Sondereinsatztruppe von Scotland Yard, die in London wie ein Rollkommando durch die Unterwelt fährt und – mitsamt ordentlich Kollateralschaden – den bösen Buben das Fürchten lehrt. Gerade hat man wieder einen bewaffneten Überfall vereitelt und dabei mit etwas übertriebener Härte hingelangt. Zudem ist etwas von der Beute des Überfalls „irgendwie“ verschwunden. Die Folge: The Sweeney bekommen einen Aufseher verpasst. Das Pikante: Jack Regan, der inoffizielle Kopf von „The Sweeney“, bumst dessen Frau, wovon der neue Bürohengst mit „Spitzelfunktion“ freilich nichts ahnt. Regan nutzt derweil alle Möglichkeiten, um mittels Verletzung diverser Vorschriften alle Aufmerksamkeit des Aufsehers auf sich zu ziehen. Nicht die beste Idee, denn bei seinem neuen Fall, einem Überfall auf einen Juwelenladen mit Todesfolge, langt Regan ordentlich daneben und buchtet einen Unschuldigen ein. Damit begibt sich Regan in eine unaufhaltsame Abwärtsspirale, an deren Ende der Tod eines Kollegen und ein Knastaufenthalt für den harten Cop stehen. Nur sein bester Kumpel George Carter hält noch zu ihm und stellt sich mit Jack gegen die mörderischen Juwelendiebe …

„The Crime“ ist ein hardboiled Copthriller alter Schule, der die sattsam bekannte Mär vom regelbrechenden, raubeinigen Cop auf seinem Kreuzzug gegen das Verbrechen in moderne, eiskalte Bilder packt. Dabei bedient der Film gekonnt die bekanntesten Topoi des Genres: Der Held ist ein einsamer Wolf, der sich von niemandem etwas sagen lässt. Seine Kollegen halten wie eine verschworene Gemeinschaft zu ihm, decken gar seine Fremdfickerei! Es gibt einen netten Chef, der Jacks Methoden zwar nicht gut heißt, aber sieht, dass sie funktionieren. Und es gibt die bösen Systemtreuen. Interne Ermittler und verbohrte Vorgesetzte, die mit dem fast schon reaktionären Vorgehen Jacks nichts anfangen können und den Cop absägen wollen. Dabei mag „The Crime“ den Versatzstücken des Genres nicht viel Neues abgewinnen, überrascht aber mit der Konsequenz, mit der er manches Genreklischee umsetzt. Wenn etwa Jacks Abwärtstrend beginnt, lässt „The Crime“ ihn wirklich richtig leiden: Hilflos muss er zuschauen, wie seine Kollegen getötet werden. Irgendwann scheint er sogar zu resignieren und einmal im Knast angekommen, ist er seines Lebens nicht mehr sicher. Konsequent schreitet „The Crime“ also voran und schickt seine Charaktere einmal durch die Hölle.

The Crime

Der Cop Jack Regan schießt gerne quer …

Aus jenen ragt vor allem Ray Winstone („The Departed“) als Jack Regan mit aller Wucht heraus! Gegen seinen Cop mutet ein Dirty Harry geradezu handzahm an. Für Jack existieren scheinbar gar keine Regeln mehr und nur gegenüber seinen direkten Kollegen und seinem eigentlichen Chef ist er in Ansätzen loyal. Spätestens, wenn es darum geht, wie er an Informationen zu geplanten Überfällen/Verbrechen kommt, verlässt er vollends den rechten Pfad. Wenn er dann bei Verhaftungen richtig hinlangt, unterscheidet er sich in seinen Methoden wirklich kaum noch von den Gangstern. Doch Winstone spult keine Dirty Harry Performance ab. Dank seines nuancierten Spiels wird Jack Regan zu einem wirklich lebendigen Charakter, der vor allem im Zusammenspiel mit Hayley Atwells („Captain America“) Charakter Nancy zu einem echten Menschen wird. Wenn das Raubein, der Einzelgänger plötzlich Gefühle entwickelt, sich eine Beziehung wünscht und höchst verletzlich wirkt, wenn er seine Nancy bittet, mit ihm zusammenzuziehen, dann ist Jack Regan ganz weit weg vom reaktionären Supercop. Diese Ambivalenz der Figur ist ein höchst effektiver Motor für „The Crime“, der aber auch abseits seiner starken Hauptfigur richtig rund läuft!

Denn die Geschichte von „The Crime“ ist aus sich heraus schon sehr spannend und wird mit ordentlichem Tempo vorangetrieben. Die Ermittlungsarbeit von „The Sweeney“ in Sachen Raubmord tritt dabei eine Whodunit Handlung los, die sich auch einige falsche Fährten und Finten erlaubt. Sind dann die Täter bekannt, hat es „The Crime“ längst geschafft, die Ermittlungsarbeiten in ein persönliches Drama umzulenken, weshalb die finale Konfrontation zwischen Cops und Gangstern in ein eher intimes Duell mündet …

The Crime

Jack ist selbst mit seinem besten Kumpel eher selten einer Meinung.

Mit trotzdem sehr ordentlich inszenierter Action! Und allgemein zündet „The Crime“ in regelmäßigen Abständen kleinere Actionintermezzos, die durchweg auf Realismus und Härte getrimmt sind. Zwar mutet es zunächst etwas komisch an, wenn Teile von „The Sweeney“ zum Duell mit schwerbewaffneten Gangstern mit Rundhölzern losziehen, aufgrund des recht organisierten Vorgehens der Eingreiftruppe macht genau das dann aber durchaus Sinn, da sich die Leute mit den Rundhölzern um bereits entwaffnete Gangster „kümmern“. Die Eingreiftruppe bricht dabei mit Baggern durch Häuserwände, bringt durchaus auch großkalibrige Waffen zu Einsätzen mit und ist recht rigoros in ihrem Vorgehen. Die größte Actionsequenz erinnert in ihrer Aufmachung stark an die Straßenballerei in „Heat“, erreicht aber leider nicht ganz deren Wucht. Kurze Autoverfolgungsjagden, etwas Blechschaden und diverse Shootouts runden das Actionbouquet trefflich ab und lassen keine Langeweile aufkommen. Dem realistischeren Actionansatz geschuldet ist die Tatsache, dass Big Bang Szenen oder unglaubwürdige Stunts in „The Crime“ vollends Pause haben.

The Crime

George im Kreuzfeuer

Actionreich und spannend, „The Crime“ ist ein Copthriller, wie er heute scheinbar gar nicht mehr gemacht wird. Knallharte Cops treffen auf ebensolche Gangster. Kompromisse werden keine gemacht. Gnadenlos treffen die Fronten aufeinander in einem in vornehmlich sehr kalten Bildern inszenierten London, dem man scheinbar alle warmen Farben ausgetrieben zu haben scheint. Unter den absolut kinotauglichen Bildern, die kein Stück an die TV-Serien-Vorlage denken lassen, wummert ein zunächst eher düsterer, beatlastiger, elektronischer Score, der mit zunehmender Laufzeit ein ziemlich cooles, dann auch von Bläsern und Streichern untermaltes Hauptthema aufzufahren versteht. Eigentlicher Star der ganzen Unternehmung aber sind die interessant gezeichneten Figuren und die starken Darsteller! Selbst der vornehmlich als Musiker „Plan B“ bekannte Ben Drew liefert eine beachtliche Performance als Jacks bester Kumpel George ab. Mehr hätte man auch gerne von Damian Lewis als Chef von Jack gesehen. Und damit abschließend zu den kleinen Härchen in der Suppe: Irgendwie hätte man sich bei der Auflösung des Filmes einen gewissen Knalleffekt erhofft und im Mittelteil ist „The Crime“ hier und da auch ein wenig zu lang geraten. Viel mehr kann man aber nicht wirklich bemängeln.

Die deutsche DVD/Blu-ray von „The Crime“ kommt von Universum Film und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten. Sowohl DVD als auch Blu-ray halten eine ganze Wagenladung an Extras zum Film bereit!

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: SquareOne/Universum__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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