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The Debt Collector 2

Originaltitel: Debt Collectors__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2020__Regie: Jesse V. Johnson__Darsteller: Scott Adkins, Louis Mandylor, Vladimir Kulich, Marina Sirtis, Ski Carr, Vernon Wells, Mayling Ng, Josef Cannon, Cuete Yeska u.a.
The Debt Collector 2

Jesse V. Johnson schickt Scott Adkins und Louis Mandylor erneut zum Geldeintreiben: “The Debt Collector 2”

Es ist schon ein Hickhack: Jesse V. Johnsons „The Debt Collector“ wurde in Deutschland als „Pay Day“ veröffentlicht, die Fortsetzung läuft jedoch als „The Debt Collector 2“. Im Original wählte man dagegen nicht die klassische Sequelbetitelung, sondern brachte den Film als „Debt Collectors“ heraus.

Damit der Film allerdings überhaupt erst möglich wurde, musste man das Finale des Erstlings mehr als großzügig umdichten. Ergo sind die Geldeintreiber Sue (Louis Mandylor) und French (Scott Adkins) ihren Schussverletzungen am Ende des Vorgängers nicht erlegen, was vor allem in Sues Fall an ein Wunder grenzt, zumindest in Frenchs Fall ohne Wissen um das Überleben des jeweils anderen. Der profilierte Fighter staunt nicht schlecht, als Sue irgendwann quicklebendig in der Bar auftaucht, in der er als Rausschmeißer tätig ist. Da Frenchs Maßnahmen gegen raubeinige Gäste allerdings das Mobiliar zu sehr in Anspruch nehmen, verliert den Job just an dem Tag.

Doch passenderweise hat Sue einen Job, bei dem er Hilfe braucht. Für seinen Boss Tommy (Vladimir Kulich) sollen die beiden innerhalb von zwei Tagen Knete bei drei säumigen Schuldnern eintreiben. Dass ihnen dabei zwei Aufpasser hinterherfahren, ist jedoch ein Anzeichen dafür, dass an dem Job mehr als nur das Tagesgeschäft des Geldeintreibers dran ist…

„The Debt Collector 2“ mag entstanden sein, da der Vorgänger in den Videotheken und beim Streaming einträchtig genug war, aber diverse Beteiligte scheinen auch Spaß an der Sache zu haben. Besonders deutlich wird das bei Louis Mandylor („The Doorman“), dem das Duo aus Regisseur und Drehbuchautor Jesse V. Johnson („The Mercenary“) und Co-Autor Stu Small („Avengement“) mehr Raum als im Erstling gibt, die Mandylor mit viel Freude an der Wise-Guy-Attitüde ausnutzt. Als inzwischen pazifistischer, inzwischen trockener, aber immer noch großmäuliger Möchtegerngangster ist Mandylor gut aufgelegt. Auch Scott Adkins („Legacy of Lies“), dessen French inzwischen als Wüterich mit kurzer Lunte auftritt, macht sich gut in seiner Rolle, während Vladimir Kulich („Der 13te Krieger“) als dritter Rückkehrer meist nur am Tisch sitzen und telefonieren muss. Der Rest vom Fest ist auch okay, wobei die einzigen bekannteren Gesichter Marina Sirtis („Spaceshift – Waxwork II“) als Las-Vegas-Crime-Größe und Vernon Wells („Phantom Kommando“) als zwielichtigem Werkstattbesitzer gehören.

The Debt Collector 2

French (Scott Adkins) und Sue (Louis Mandylor) sind wieder im Einsatz

Wenig geändert hat sich am Rezept, welches den Vorgänger mit all seinen Eigenheiten, Stärken und Schwächen noch einmal aufkocht. So bleibt das Ganze in erster Linie eine Nummernrevue, die etwas besser verzahnt ist, da „The Debt Collector 2“ schon früher als sein Vorgänger klar macht, was im Busch ist. Das ändert aber wenig daran, dass der grobe Verlauf der gleiche ist: Sue und French klappern die Schuldner ab, käbbeln sich untereinander und am Ende steht der Moment der Wahrheit inklusive großem Abräumen an. Auch in sich ähneln die Episoden einander: Egal ob der oder die zur Zahlung Aufgeforderte nun in einem Nachtclub, einem Box-Gym oder einer Werkstatt residiert, erst wird etwas verhandelt, früher oder später stehen seine oder ihre Schergen parat, um das Geld entweder zu verteidigen oder zurückzuholen, und dann gibt es auf die Drömmsel.

Wieder einmal ist die Action deutlich bodenständiger in Szene gesetzt als in anderen Adkins/Johnson-Kooperationen wie „Triple Threat“ oder „Accident Man“, gerade die Kickerfähigkeiten des Actionstars darf man nach der Barschlägerei am Anfang kaum bewundern. Oft sind eher bodenständige Fäusteleien angesagt (einmal sogar im Boxring), außerdem stehen die Verfolgung eines Parkourläufers sowie die Endballerei auf dem Plan – bei letzterer geht zwar viel zu Bruch, sie ist aber etwas unschön statisch inszeniert und auch nicht optimal geschnitten. So bleibt „The Debt Collector 2“ actiontechnisch etwas hinter dem Vorgänger zurück. Immerhin: Die Streitigkeiten, ob denn nun MMA oder Boxen besser sei, erinnern an jene seligen Tage, in denen Roddy Piper und Billy Blanks ähnliche Meinungsverschiedenheiten in „Back in Action“ und „Tough and Deadly“ austrugen. Auch Sue und French klären dies irgendwann handgreiflich in einer Seitenstraßen-Wemmserei, die als Hommage an „Sie leben“ gedacht ist. Choreographiert wurde die Action erneut von Luke LaFontaine („Savage Dog“).

The Debt Collector 2

Der Running Gag: Sue nennt seinen Kompagnon gegen dessen Willen immer “Frenchie”

Geblieben ist auch der uneinheitliche Ton zwischen Buddy-Comedy, tragischem Gangsterschicksal und Tarantino-artigen Plappereien über Alltägliches, Erhabenes und Belangloses. So vergleichen French und Sue ihre Nahtoderfahrungen, käbbeln sich bezüglich (mangelnder) Aufmerksamkeit beim Stakeout oder reden ganz ernsthaft über das Schicksal von Sues Tochter oder den Ehrenkodex als Geldeintreiber. Das wirkt erneut eher zerfahren, auch wenn der Film im Gegensatz zum Vorgänger nicht erst zum Finale umschwenkt, sondern diesen Mix aus Komik und Tragik komplett durchziehen will – was die Mischung aber nicht sauberer macht, denn Johnson und Small sind da schreiberisch leider nicht ganz auf dem Niveau ihrer Vorbilder.

Insofern liefert „The Debt Collector 2” mehr vom Gleichen und ist somit auf dem Niveau des Vorgängers. Die einzelnen Vignetten des Geldeintreibergeschäfts sind dieses Mal etwas mehr durch das Script zusammengehalten, der Ton kippt nicht, sondern schwankt durchweg zwischen Gangster-Comedy und tragischem Männerkino, dafür gibt es weniger Action als im Erstling. Eine Lektion haben die Beteiligten aber gelernt: Das Ende lässt direkt Raum für ein Sequel, damit man weitermachen kann, sollte auch „The Debt Collector 2“ genug Geld abwerfen.

Hierzulande hat Koch Media den Film auf DVD und Blu-Ray herausgebracht, sowohl einzeln als auch im Doppelpack mit dem Vorgänger. „The Debt Collector 2“ ist ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben, in Sachen Bonus gibt es Trailer und eine Bildergallerie.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Koch Media__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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