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the Devil’s Carnival

Originaltitel: the Devil´s Carnival__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2012__Regie: Darren Lynn Bousman__ Darsteller: Sean Patrick Flanery, Jessica Lowndes, Briana Evigan, Dayton Callie, Terrance Zdunich, Marc Senter, Emilie Autumn, Ivan L. Moody, Nivek Ogre, Paul Sorvino, Alexa Vega, Bill Moseley, …
Das amerikanische Poster- und Covermotiv.

Das amerikanische Postermotiv.

In Gestalt seines hier nun zur Besprechung vorliegenden, knapp 55-minütigen sowie komplett unabhängig (also frei jeglicher Studio-Einflüsse) finanzierten Projekts „the Devil´s Carnival“ (2012) bekräftigt Regisseur Darren Lynn Bousman erneut seine Reputation als ein gleichermaßen interessanter wie abwechslungsreicher Genre-Filmemacher. Zuvor hatte er mit den ersten drei „Saw“-Fortsetzungen jene Erfolgs-Franchise entscheidend mitgeprägt, hatte die hervorragende „Fear Itself“-Anthology-Episode „New Year´s Day“ umgesetzt, ebenso wie das packende „Mother´s Day“-Remake und den okkulten Grusel-Thriller „11-11-11“ – während er sich bei seiner aktuellen Veröffentlichung „the Barrens“ indes mit der alten amerikanischen „Jersey Devil“-Legende beschäftigte. Sein herausragendstes Werk ist und bleibt jedoch (vollkommen fraglos) „Repo! The Genetic Opera” – eine wunderbar groteske wie originelle, auf dem gleichnamigen Bühnenstück und Kurzfilm basierende „Sci-Fi-Horror-Industrial-Rock-Oper“ aus dem Jahre 2008, welche er in Kollaboration mit Terrance Zdunich realisierte und die sich seither (u.a. per „Midnight Screenings“ in kleineren Programmkinos) durchaus einen gewissen „Kult-Movie-Status“ erwerben bzw. aufbauen konnte…

In der Zeit nach „Repo!“ gingen Bousman und Zdunich lange mit diversen ähnlich gearteten Ideen und Konzepten schwanger: Da ein direktes Sequel (nicht allein nur aufgrund des nicht sehr großen kommerziellen Erfolgs) eher unwahrscheinlich schien, kam man irgendwann auf einen „spontanen Gedanken“ zurück, welchen Bousman rund 12 Jahre zuvor mal gehabt hatte – nämlich den an eine Art düsteres Musical im Zirkus-Ambiente. Was im Folgenden eingangs noch als ein nur wenige Minuten umfassender „Short“ ausgearbeitet wurde, entwickelte sich binnen Wochen jedoch schrittweise hin zu einem deutlich umfangreicheren Vorhaben – mit der Hölle in Form eines Karnevals, dem Teufel höchstpersönlich als „Ringmaster“ inmitten eben jenes Handlungskonstrukts sowie drei einzelnen (sich aber gelegentlich überschneidenden) Geschichten als Inhalt, die allesamt gesungen werden und jeweils auf einer bestimmten Fabel des griechischen Dichters Äsop beruhen. Quasi „Tales from the Crypt“ trifft „the Anti-Glee“, wie es Bousman mal charakterisierte – welcher übrigens einen stolzen Teil des bloß 100.000 Dollar betragenden Budgets „aus eigener Tasche“ zahlte und die Produktion letzten Endes im Laufe einer einzigen Winter-Woche in L.A. (mit reger Unterstützung zahlreicher „früherer Weggefährten“) in Szene setzte…

Eröffnet wird mit Gott (Paul Sorvino) im Himmel, wie dieser „eher beiläufig“ zur Kenntnis nimmt, dass drei seiner „weniger geglückten Kreationen“ unmittelbar davor stehen, von ihrem Schicksal ereilt zu werden: Ms. Merrywood (Briana Evigan) ist eine Diebin, die nach einem misslungenen „Coup“ im Kugelhagel der Cops stirbt, Tamara (Jessica Lowndes) fällt ihrem gewalttätigen Freund zum Opfer und der trauernde Vater John (Sean Patrick Flanery) begeht Selbstmord, um dem „Schmerz des Verlusts“ seines Sohnes Daniel (Tillman Norsworthy) zu entfliehen. Unabhängig voneinander kommen sie daraufhin jedoch innerhalb der Örtlichkeiten eines seltsamen „Zirkus-Jahrmarkts“ wieder zu sich – wo erstere prompt auf unterschiedliche (platzierte) Schmuckstücke aufmerksam wird, die sie förmlich in Richtung eines Zeltes führen, in dem angeblich ein riesiger Diamant ausgestellt wird. Parallel dazu begibt sich John (derweil) auf die Suche nach Daniel, welchen er auf einmal ganz in seiner Nähe wähnt – und die verunsicherte Tamara begegnet relativ bald schon dem Messerwerfer „the Scorpion“ (Marc Senter), der bei ihr sogleich seinen „speziellen Charme“ spielen lässt und sie sogar dazu überreden kann, gemeinsam mit ihm als Teil seines „nervenkitzelnden Showacts“ aufzutreten…

In der Zwischenzeit ist es Merrywood gelungen, den übergroßen Edelstein endlich zu Gesicht zu bekommen: Dieser befindet sich zwar in der Obhut „the Twins“ (Nivek Ogre) – doch bietet der ihr plötzlich (unverhofft) die Möglichkeit an, das Objekt ihrer Begierde durch gezielte Münz-Würfe tatsächlich gewinnen zu können. Während sie sich fortan immer stärker in diese Chance hineinsteigert, ohne dabei allerdings „potentielle Konsequenzen“ mit in Betracht zu ziehen, irrt John weiterhin übers Gelände – genährt von der Hoffnung, seinen Sohn irgendwie wieder in die Arme schließen zu können. Jener hat seinen Weg unterdessen bis in die Gemächer Luzifers (Zdunich) gefunden, wo Gottes Antagonist dem Kind nun Fabeln vorliest, die sowohl zu Charaktereigenschaften der „Neuzugänge“ passen als auch (im übertragenen Sinne) die Sachlagen widerspiegeln, in welche er sie verstrickt hat: Es handelt sich bei diesen nämlich schlichtweg um „Tests“, die entweder zu Bestrafungen oder einer gewissen Art von „Erlösung“ führen – je nachdem, ob derjenige etwas aus seinem vorherigen (gescheiterten) Leben gelernt hat oder nicht. Um die „Koordination der Umsetzung“ kümmert sich immerzu sein Assistent, der „Ticket-Keeper“ (Dayton Callie) – und der wiederum kann dafür auf die Dienste etlicher engagierter wie treuer „Carny-Minions“ (u.a. Emilie Autumn, Alexa Vega und Bill Moseley) zurückgreifen…

Trotz einiger Ähnlichkeiten zwischen „the Devil´s Carnival“ und „Repo!“ – wie z.B. der Stil der Lieder, der Look des Produktionsdesigns oder die Mitwirkung mehrerer Cast&Crew-Mitglieder in beiden Projekten – gibt es durchaus markante Unterschiede zwischen den Filmen, weshalb man beileibe nicht von einem „neuerlichen Aufguss“ (oder so) sprechen kann. Statt eines „Dark-Future-Vibes“ beschwor Bousman im Vorliegenden eher eine fast schon retro anmutende Basis-Stimmung herauf – was in erster Linie daran liegt, dass solche „Dinge“ bzw. Motive wie etwa Wanderzirkusse (zumindest meiner Denk- und Anschauungsweise nach) heutzutage einfach kaum mehr „zeitgemäß“ sind. Die zu vernehmenden Klänge, zu sehenden Kulissen und Kostüme – bei denen mir übrigens kurz das Stichwort Burlesque in den Sinn kam: Die Inspiration „vergangener Tage“ war für mich persönlich nicht zu verkennen. Auch dieses Mal veranstaltete Bousman „Road Shows“ in zahlreichen nordamerikanischen Städten, bei denen er nicht nur das Werk an sich in ausgewählten Lichtspielhäusern vorführte, sondern dem Publikum überdies ein interaktives multimediales Erlebnis bot – komplett mit Tanz, Gesang, Q&As, Meet&Greets und vielen weiteren Elementen: Ein ebenso kreatives wie erfolgreiches Unterfangen, welches die geneigten Zuschauer prima zu unterhalten wusste und den Produzenten zugleich beim Decken ihrer investierten Kosten half…

Zum käuflichen Erwerb wurde der Streifen von Bousman und Co. (ab Oktober 2012) in zwei verschiedenen Varianten angeboten: Zum einen in der so genannten „Ringmaster´s Edition“, eine über die eigene Website vertriebene sowie auf 6660 Exemplare limitierte DVD/BluRay-Kombination (von der die Nr. 1293 nun bei mir im Regal steht) – zum anderen in Form der in „Hot Topic“-Läden zu findenden „Sinner´s Edition“, welche indes eine DVD des Films (plus Bonusmaterial natürlich) sowie eine Audio-CD mit dem kompletten Soundtrack enthält. Die insgesamt rund ein Dutzend Songs, allesamt Schöpfungen des Gespanns Saar Hendelman und Terrence Zdunich, sind (textlich wie musikalisch) Zweck-entsprechend eigenwillig, kommen hinsichtlich Tempo und Beschaffenheit einigermaßen abwechslungsreich sowie an „typische Zirkusklänge“ angelehnt daher, wurden (seitens ihrer Präsentation) anständig choreographiert und transportieren die erzählte Geschichte perfekt. Obgleich kein „wahrer Ohrwurm“ (á la „Zydrate Anatomy“ aus „Repo!“) auszumachen ist, sind dennoch mehrere überaus gelungene Stücke zu verzeichnen – allen voran „A Penny for a Tale“ von Ivan Moody, „Grief“ von Sean Patrick Flanery, „Beautiful Stranger“ von Briana Evigan und Nivek Ogre sowie „Grace for Sale“ von Zdunich himself. Vieles hängt vom subjektiven Geschmack ab – klar – allerdings ist die generelle Qualität des Gebotenen wohl kaum zu leugnen und vermochte mich so mancher Beteiligter obendrein gesanglich unerwartet positiv zu überraschen…

U.a. dank seines guten Rufs und diverser hilfreicher „Connections“ innerhalb der Branche ist es Bousman geglückt, ein feines Cast-Ensemble zusammenzustellen: In einer der Hauptrollen agiert Sean Patrick Flanery („the Boondock Saints“) solide, obgleich mit einigen erkennbaren Schwächen behaftet, während Jessica Lowndes („Altitude“) die naive Tamara ebenso achtbar verkörpert wie Briana Evigan („Step Up 2: the Streets“) die gierige Ms. Merrywood – und einen im Zuge dessen mit ihrer tollen Stimme geradezu verblüfft. Marc Senter („the Lost“) ist creepy-cool wie eh und je, Dayton Callie (TV´s „Sons of Anarchy”) klasse als der (neben anderen Dingen) mit der Einhaltung der 666 „Haus-Regeln“ betraute „Ticket Keeper“, Alexa Vega („Spy Kids“) ist als „aufgedrehte“ Wick echt gern gesehen sowie „Five Finger Death Punch“-Sänger Ivan L. Moody erstaunlich charismatisch und „klangvoll“ in der Rolle des „Hobo Clowns“. Darüber hinaus feiert (Subkultur-) Sängerin, Musikerin und Autorin Emilie Autumn (als „Painted Doll“) ein zufrieden stellendes Filmdebüt und sind in Nebenparts solch vertraute Gesichter wie Bill Moseley („the Devil´s Rejects“), Paul Sorvino („GoodFellas“), J LaRose („Saw 3“) sowie „Slipknot´s“ Shawn Crahan und „Skinny Puppy´s“ Nivek Ogre auszumachen. Es ist jedoch mal wieder Terrance Zdunich höchstpersönlich, der in Gestalt seiner Figur (Luzifer) und „markanten Leinwandpräsenz“ allen die Show stiehlt – es wäre wirklich wünschenswert, ihn in Zukunft häufiger (im Rahmen eben dieses Mediums hier) „anzutreffen“…

Trotz der verhältnismäßig vielen Charaktere – speziell im Kontext der vergleichsweise kurzen Laufzeit betrachtet – haben Bousman und Zdunich jedem ihrer (augenfällig sehr geschätzten) Protagonisten mindestens einen individuellen „Moment to shine“ zugestanden. Die Handlung erfüllt ihren angedachten Zweck, ohne dabei „groß in die Tiefe zu gehen“, und wartet mit netten Interpretationen der drei Fabeln „the Devil and his Due”, „the Dog and her Reflection” sowie „the Scorpion and the Frog” auf – auch wenn mir Tamara´s konkrete Sünde noch immer nicht gänzlich schlüssig ist. Bousman hat wahrlich ein Maximum aus seinem kleinen Budget herausgeholt: Make-up-Arbeit, Kostüme und Kulissen sind hervorragend (gedreht wurde übrigens in einem echten Zirkus), Cinematographer Joseph White („Silent Night“) hat etliche feine Perspektiven und Kamera-Bewegungen eingefangen bzw. arrangiert, die Sets wurden stimmungsvoll ausgeleuchtet und die kräftig-bunten Farbtöne erfreuen das Auge in nahezu jeder Einstellung. Die Regie-Leistung an sich ist ebenfalls nicht zu beanstanden. Am Ende dieser unterhaltsamen und sich genau im richtigen Tempo entfaltenden knappen Stunde wird die „Tür“ für eine Fortsetzung schließlich weit offen gelassen – was aber von Anfang an mit zur „umfassenden Idee“ gehörte und woraus auch nie ein Hehl gemacht wurde. Ich für meinen Teil freue mich jedenfalls darauf, den „eingeschlagenen Weg“ (in Zukunft) weiter mitverfolgen zu können und drücke den Verantwortlichen fest die Daumen, dass sie schon bald alle dafür notwendigen „Möglichkeiten und Mittel“ beisammen haben…

Fazit:  Originell, kurzweilig, optisch ansprechend, prima besetzt und handwerklich kompetent in Szene gesetzt, ist das ebenso melodisch-klangvolle wie düster-atmosphärische Anthology-Musical „the Devil´s Carnival” (Episode One, 2012) fraglos kein Film für jedermann – für ein spezielles „Nieschen-Publikum“ indes jedoch ein klares „Must-See“, ganz so wie „Repo! The Genetic Opera“ vier Jahre zuvor. Mit viel Herzblut und Talent haben Darren Lynn Bousman und Terrance Zdunich erneut ein erfreulich ungewöhnliches Projekt konzipiert und realisiert, für das ihnen auf jeden Fall eine Menge Respekt und Anerkennung gebührt…

starke

In den USA ist der Film seit Oktober 2012 zu haben – und zwar in zwei verschiedenen Varianten: Zum einen in der so genannten „Ringmaster´s Edition“, eine über Bousman´s eigene Website vertriebene sowie auf 6660 Exemplare limitierte DVD/BluRay-Kombination – zum anderen in Form der in „Hot Topic“-Läden zu findenden „Sinner´s Edition“, welche eine DVD des Films sowie eine Audio-CD mit dem kompletten Soundtrack enthält. Weitere Veröffentlichungen sind mir bislang noch nicht bekannt.

Stefan Seidl

DC3

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DC2

Copyright des Postermotivs und der Bilder: Empire Film & Ent. Group / Execution Style Ent. / Virgil Films & Ent.__Freigabe der US-Veröffentlichung: Unrated__Geschnitten: nein__Blu Ray/DVD: ja/ja

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