Wir zelebrieren Actionfilme, die rocken!

The Expendables

Originaltitel: Expendables, The__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2010__Regie: Sylvester Stallone__Darsteller: Sylvester Stallone, Jason Statham, Jet Li, Dolph Lundgren, Eric Roberts, Randy Couture, Steve Austin, David Zayas, Giselle Itié, Terry Crews, Mickey Rourke, Bruce Willis, Gary Daniels, Arnold Schwarzenegger, Charisma Carpenter u.a.
Expendables

Sylvester Stallone rief und Arnold Schwarzenegger, Bruce Willis, Dolph Lundgren, Gary Daniels, Jason Statham, Jet Li, Mickey Rourke und Steve Austin kamen …

Was habe ich erwartet? Einen unterhaltsamen Actionfilm, der kein Meisterwerk sein wird, aber durch seine außergewöhnliche Besetzung Kultstatus erlangen dürfte. Was habe ich gesehen? Einen überaus unterhaltsamen, witzigen und charmanten Actionfilm, der zwar kein Meisterwerk ist, aber für mich in nahezu jeder Szene Kultstatus erreicht.

Der Film ist von Anfang an einfach mehr, als ich mir hätte träumen lassen. Die Trailer ließen nur erahnen, was da an Action und gelungenen Dialogen auf uns zurollte. Ich hatte große Zweifel, wie der “Nachwuchsstar” Jason Statham in einen Film mit alten Haudegen passen wird. Die Einstiegsszenen und letztlich der gesamte Film machen klar: Statham und besonders Stallone harmonieren ganz prächtig und erinnern fast an Kultpaare wie z.B. Gibson/Glover in Lethal Weapon.

Generell kann man bei dieser darstellerischen Besetzung nur mit der Zunge schnalzen. Zwar spielten Filme mit Jet Li oder auch Dolph Lundgren bei mir bisher nahezu keine Rolle, aber sie alle passen wie die Faust aufs Auge zusammen in diesen Film. Immer geprägt von herrlichen kleinen Dialogen/Streitereien zwischen groß und klein (Lundgren/Li) oder auch zwischen Statham und Stallone bzw. auch Rourke.

Genau davon lebt der Film, es ist nicht nur die Action, es ist die Einheit dieses Darsteller-Sammelsuriums, das beim immer wieder gern gesehen klassischen Bösewicht Eric Roberts anfängt und irgendwo bei Terry Crews aufhört (der in der zweiten Filmhälfte Szenen hatte, bei denen der ganze Kinosaal lachte).

Aber auch Lundgren sorgte bei einigen Zuschauern sicher für Tränen in den Augen mit seinen herrlich coolen Sprüchen als “etwas abgedrehter” Fiesling. Die bereits häufiger kritisierte, nachgedrehte Szene mit Stallone, Willis und Schwarzenegger empfand ich gar nicht als so übel. Es fügt sich vielleicht nicht ganz harmonisch ein und kurz vorm Abschied finde ich den Text von Arnie nicht so gelungen, aber sonst fand auch diese Szene nicht nur bei mir Anerkennung.

Was gibt es nun eigentlich an The Expendables zu kritisieren? Ich hätte nicht gedacht, dass mich das stören könnte, aber tatsächlich war es so: Die CGI Effekte – sie waren nicht perfekt und nehmen dem Film etwas Charme und den gewissen Look. Außerdem war ich von der Musik etwas enttäuscht. Die wird einem Actionspektakel einfach nicht ganz gerecht. Gerade wenn im Trailer Guns N’ Roses zu hören sind, wartet man hier etwas vergeblich auf richtige Musikkracher. Das heißt nicht, dass die Musik hier schlecht ist, aber ihr fehlt der letzte Kick (oder Tick).

Vermutlich wird The Expendables keinen Oscar gewinnen. Die Story ist nicht geschaffen, um als großes Meisterwerk in die Geschichte einzugehen. Aber Kultfilme bestechen eben oft mit ganz anderen Eigenschaften, auch heute noch. Und so blicken wir vielleicht in 10 oder 20 Jahren wehmütig auf diesen Film zurück, wenn Vin Diesel in Twelve and the Furious herum kurvt. Ich weiß schon jetzt, dass ich die Texte dieses Stallone-Werks vermutlich irgendwann auswendig kann, nach etlichen Sichtungen, die kommen werden.

So schafft es zum ersten Mal seit The Dark Knight wieder ein Film, dass ich richtig begeistert aus dem Kino gehe und mich noch einen Tag später ein besonderes Gefühl umschleicht. Es war nicht der Gigantismus von Avatar, der mich ins Kino locken konnte, es waren teils gealterte Stars, die ihre Durchbrüche schon feierten, als ich das Wort “Action” noch nicht schreiben konnte. Ich habe sicherlich noch nicht alles geschrieben, was mir dazu einfallen würde, aber es muss ja auch mal Schluss sein.

© vstverstaerker



Vor fünf Jahren noch wäre niemandem in den Sinn gekommen, dass die daniederliegende Karriere des Sylvester Stallone noch einmal einen neuen Frühling erleben würde, der an die Klassiker der 80er nicht nur heranreicht, sondern sie nahezu übertrifft. Nach seinem grandiosen Doppelcomeback mit dem edlen Nostalgiehammer „Rocky Balboa” und dem ultrabrutalen Oldschool-Kracher „John Rambo” setzt Sly jetzt noch einen drauf und präsentiert mit „The Expendables” ein Allstar-Projekt, das seine größten Hits qualitativ noch in den Schatten stellt. Die Genrelegende hat es sich mit dem im Internet vorab ungemein gehypten und herbeigesehnten Söldnerfilm nicht nur auf die Fahnen geschrieben, in Zeiten jugendfreier Rechenknecht-Action und windiger Hänflinge in Heldenkostümen die testosteronschwangere alte Genre-Schule der muskelbepackten Haudraufs zu reaktiveren, sondern zu diesem Zweck auch noch einen seinesgleichen suchenden Cast versammelt, der die Recken von einst mit den Helden von heute zum ultimativen Actionkracher zusammenführt: Neben Sly selbst treten aus der Riege der altgedienten Haudegen Dolph Lundgren, Mickey Rourke, Eric Roberts, Gary Daniels sowie in Cameos Bruce Willis und Arnold Schwarzenegger an. Zur Staffelübergabe an die Jugend mischen Jason Statham und Steve Austin mit und Hongkong-Superstar Jet Li, der zwischen beiden Gruppen steht, komplettiert die überwältigende Besetzung. Dass bei weitem nicht jeder Genreheld von Rang und Namen an Bord ist, vor allem Steven Seagal, Jean-Claude Van Damme, Chuck Norris und Michael Dudikoff zur Vervollständigung fehlen – geschenkt. Personell schreibt „The Expendables” absolute Genregeschichte.

Expendables

Barney Ross und seine Expendables.

Stallone, der neben der Hauptrolle auch einmal mehr die Regie übernahm und am Drehbuch mitschrieb, legte sein Allstar-Fest ganz als Hommage ans große Actionkino der 80er-Jahre an, lässt seinen Streifen in der schönen neuen Filmwelt künstlichen CGI-Mülls und „Bourne”scher Inszenierungshektik wie eine regelrechte Zeitreise in die goldene Ära der Ein-Mann-Armee-Muskelmänner, sarkastischen Oneliner und riesigen Showdowns wirken und zelebriert dies als Experte seines Faches in einer Perfektion, die selbst Überklassiker der Marke „Phantom-Kommando” beinahe alt aussehen lässt. Verhältnismäßig schlicht ist entsprechend die Story: Die titelgebende Söldnereinheit soll einen südamerikanischen Diktator eliminieren und gerät dabei mit korrupten CIA-Kräften aneinander. Eine ausführlichere Beschreibung wäre schon zu viel des Guten, denn hier geht es einzig und allein um das Abfeiern der vor der Kamera noch einmal zu Höchstform auflaufenden Legenden.

Stallone schafft es, jeden in gebotener Ausgiebigkeit zu seinem Recht kommen zu lassen: Zwar sind er und Jason Statham klar als Hauptdarstellerduo gewichtet, doch auch der Rest der Actionheroen bekommt seine Glanzszenen und bedankt sich mit sensationellen Vorstellungen. Vor allem Dolph Lundgren als eiskalter und megaböse Sprüche im Minutentakt raushauender Brutalo-Söldner ist absolut grandios und empfiehlt sich mit seiner charismatischen Performance für weitere Kinoeinsätze – wenn der Schwedenhammer so freudig aufspielt wie hier, hat er größeres verdient als wieder in den B-Movie-Sumpf für die heimische Glotzkomode zurückzukehren. Im Nachhinein besehen ist es nur gut, dass Jean-Claude Van Damme, dem Stallone die Rolle ursprünglich anbot, sich mittlerweile fürs Actionkino zu fein ist und nur noch substanzvolle Rollen sucht (was ihn erstaunlicherweise nicht davon abhält, sich gerade eben durch einen dritten „Universal Soldier” zu ballern), denn Lundgren ist das heimliche Highlight des Films.

Ebenso glanzvoll treten Mickey Rourke und Eric Roberts in Erscheinung: Rourke, für seine beeindruckende Leistung in „The Wrestler” letztes Jahr oscarnominiert und GoldenGlobe-prämiert, hält sich aus den Kampfhandlungen raus, hinterlässt in einer gleichzeitig obercoolen und nachdenklichen Nebenrolle als von den Schrecken seiner Vergangenheit gezeichneter Ex-„Expendable” aber nicht minder bleibenden Eindruck als seine Kollegen im Kugelhagel. Und Roberts gibt seinen Oberfiesling so lustvoll und überzeugend, dass man sich keinen Besseren für die Rolle wünschen könnte. Stallone selbst hat sich, nun da Schwarzenegger in Kalifornien regiert und Willis genremäßig weiterhin breit aufgestellt ist, ohnehin mit seinen letzten Regiearbeiten zum King of Kings und letzten Fels in der Brandung der Oldschool-Actionhelden aufgeschwungen und inszeniert sich entsprechend glänzend als darstellerisches Herzstück des Films. Trotz seiner 64 Jahre kämpft, schießt und springt Sly durch die Szenerie wie zu seinen besten Zeiten, trägt seinen gestählten (mit welchen Mittelchen, ist an dieser Stelle irrelevant) Körper zur Schau und bekommt in Sachen Coolness nur Konkurrenz von Jason Statham, dem einzigen Mann, der sich, wo man die einstigen Mithoffnungen The Rock und Vin Diesel weitgehend abschreiben kann, über die Jahre mit Filmen wie „Transporter”, „Crank” und „Death Race” als würdiger Erbe des Prädikats „Actionheld” erwiesen hat. Dass die Parts der beiden dementsprechend gleichgroß angelegt sind, ist absolut gerecht und Statham zieht die gewohnte obergeile Statham-Show ab: Der Mann ist die Zukunft.

Am wenigsten von allen großen Namen fällt Jet Li auf: Er ist für ein paar an sich platte, aber flott gebrachte Witze aufgrund seiner Körpergröße gut, tritt ein bisschen um sich und darf auch einen längeren Fight gegen Dolph Lundgren meistern, agiert an sich aber auf Autopilot. Dass seine Präsenz in einem groß angelegten Kino-Actioner keine Ausnahme- sondern eine Regelerscheinung darstellt, kontribuiert hieran zusätzlich. Ganz anders verhält es sich da mit Gary Daniels: Dessen zu großen PM-Entertainment-Zeiten in den 90ern für zahlreiche Videotheken-Highlights der Marke „Recoil” gute Karriere endete mehr oder weniger 2001 mit „Diamond Cut Diamond”. Alles, was danach großteils an Nebenrollen kam, verschwendete sein Talent: Sowohl 2004 in der Obergurke „Retrograde” an der Seite von Dolph Lundgren als auch 2005 im brauchbaren „Submerged” neben Steven Seagal wurde der begnadete Kicker gnadenlos verheizt. In „Expendables” nun ist seine Rolle zwar auch vergleichsweise klein, aber er darf nicht nur zeigen, was er kämpferisch noch immer kann, sondern glänzt wie Kollege Dolph, von dem er sich in einer Szene aufs königlichste verbal bashen lassen darf, mit einer Präsenz, die ihn für weitere ähnlich gelagerte Parts auch in größeren Produktion empfiehlt. Wer in Hollywood in Zukunft einen überzeugenden Chef-Handlanger des Oberfieslings casten muss, sollte getrost den Gary in Betracht ziehen. Soweit zur Legendenriege. Aus dem Kreise der Jüngeren macht vor allem Wrestlingstar „Stone Cold” Steve Austin als brutale Kampfmaschine eine solide Figur, während Randy Couture und Terry Crews im „Expendables”-Team blass bleiben und auch kaum stattfinden. Hier hätte Sly ruhig zwei größere Genrenamen casten können – doch in der Beziehung wagt man es ja kaum, zu meckern.

Den magischsten darstellerischen Moment stellt freilich die geschichtsträchtige Sequenz in der Kirche da, in der zum ersten Mal die großen Drei des Actionkinos Sylvester Stallone, Bruce Willis und Arnold Schwarzenegger zusammen vor die Kamera treten. Die Begegnung ist ein einziges Fest von Anspielungen auf die gemeinsame Vergangenheit von Sly und Arnie sowie die politischen Ambitionen der Steirischen Eiche. Willis bleibt hier beinahe blass, denn in den paar Minuten, die Schwarzenegger seinen Gouverneursjob noch einmal für die Schauspielerei eintauscht, gehört der Film ganz und gar ihm – inklusive herrlich überzogenem Auftritt und Abgang. Pure Magie.

Expendables

Sly alias Barney in brenzliger Situation …

Nun wäre freilich auch die hochkarätigste Actionhelden-Crew nichts ohne hochkarätige Action und in dieser Beziehung lässt Regisseur Sly die Fetzen fliegen, dass selbst sein großartiger „John Rambo” dagegen abstinkt: Prügeleien, Messerkämpfe, Martial Arts, Shootouts, Verfolgungsjagden, riesige Explosionen – „The Expendables” hat alles, was des Genrefans Herz begehrt, und abgesehen von ein wenig CGI-Verstärkung beim Feuerzauber ist alles wundervoll oldschool. Hier führen echte Leute echte Stunts aus, fighten Schauspieler, die auch fighten können und dafür weder Doubles noch Drähte brauchen und wird echtes Gerät anstatt seelenloser Computeranimationen zerlegt. Der Abwechslungsreichtum der Actionpalette ist wahrlich beeindruckend, alles was man in einem Actionfilm auffahren kann, führt Stallone hier zusammen. Jet Lis Kampfeinsätze choreographierte Maestro Corey Yuen, die harten, teils splattrigen Shootouts werden ihrem R-Rating mehr als gerecht, wobei die Brutalitäten weitaus actiondienlicher und weniger selbstzweckhaft als in „John Rambo”, somit um ein vielfaches eleganter, eingewoben werden. Und spätestens wenn der Showdown anrollt, ist der Zuschauer absolut in die 80s zurückversetzt: Klassisch etappenhaft aufgebaut, haut man sich erst in einem unterirdischen Labyrinth in Zweikämpfen auf die Fresse, jagt anschließend die Villa der Bösen in die Luft und meistert dann eine Megaschießerei, die selbst im Vergleich zu den Filmen von einst ihresgleichen sucht. Die Martial-Arts-Fights Li vs. Lundgren und Li + Statham vs. Daniels sind zudem freilich von gewichtiger genrehistorischer Relevanz.

Gar nicht genug Lob aussprechen kann man bei alldem dem Inszenierungsstil Stallones: Er verunstaltet das Spektakel nicht mit „Bourne”scher Stakkato-Wackel-Hektik, dreht aber auch nicht statisch wie anno dazumal, sondern präsentiert die Action unheimlich schnell, dynamisch und durchaus modern. Hier ist reichlich Bewegung in der Kamera und die Schnittfrequenz ist hoch – dennoch geht die Übersicht so gut wie nie verloren. Absolut großartig!

Nun wäre eine Reanimation des 80s-Actionkinos freilich nichts ohne coole Sprüche am laufenden Band und an denen herrscht in den „Expendables” wahrlich kein Mangel. Die zynischsten kriegt Lundgren in den Mund gelegt, die coolsten Sly selbst, durch die ständigen verbalen Sticheleien der Truppe untereinander ist der humoristische Anteil jedenfalls konstant hoch.

Ein feines Händchen bewies Sly auch für den Soundtrack: Man zelebriert sich selbst zu Classic-Rock-Klängen von Creedence Clearwater Revival bis Thin Lizzy, deren „The Boys Are Back In Town” den programmatischen Schlusspunkt setzt. Besonders stark ist eine traumhaft gefilmte Flugsequenz zu den Klängen von „Mississippi Queen”. Einmal mehr: Pure Magie.

Fazit: Man sollte meinen, die Großtaten „Rocky Balboa” und „John Rambo” seien nicht mehr zu übertreffen, doch mit „The Expendables” schafft Sylvester Stallone den nahezu ultimativen Actionfilm: Die 80er-Jahre leben wieder auf in einem Schaulaufen der größten Helden von einst, die sich in einem perfekt getimten Oldschool-Feuerwerk aus coolen Onelinern und traumhaft inszeniertem, ausuferndem Actionkrawall austoben dürfen. Es ist nicht übertrieben, zu konstatieren, dass hier ein wahres Meisterwerk des Actionkinos vorliegt. Mehr kann sich kein 80s-Genrefan wünschen. Gigantisch!

© Ed Hunter



Es ist Zeit, einen Strich zu ziehen unter dreißig Jahre Geschichte. Der Metal, eine mit dem Actionfilm sehr verbrüderte Form der Musik, hat es bereits vorgemacht: Metallica, Anthrax, Slayer und Megadeth, die “Big Four” des Heavy Metal, waren einstmals zum Teil erbitterte Feinde, denen allerdings niemals die Achtung voreinander abhanden gekommen ist. Der Respekt hat sie 2010 zusammengeführt; erstmals in ihrer Karriere touren sie gemeinsam und schaukeln sich dabei gegenseitig die Eier. Die Welt des Metals ist zu einer Einheit verschmolzen, der Geist der seligen 80er Jahre ist präsenter denn je.

Stallone trägt weiter dazu bei, 2010 zum Jahr der Bruderschaft zu machen. Den “Expendables” bei der Arbeit zuzuschauen, ist indes eine zutiefst induktive Erfahrung. Das hat sogar das Marketing begriffen: da schlagen einem im Trailer die nicht enden wollenden Namen von Schauspielern entgegen, die sich früher oder in jüngster Zeit um das Genre “Action” (im klassischen, puristischen Sinn) verdient gemacht haben, da werden die Bodycounts auf den Postern als Tabellen gleich mitgeliefert. Die induktiv-statistische Rechnung, mit der Sylvester Stallone als Initiator kalkuliert, lautet wie folgt:

Axiom I: Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger, Bruce Willis, Jet Li, Jason Statham, Dolph Lundgren, Eric Roberts u.v.m. haben das Genre “Action” in den letzten dreißig Jahren quantitativ und qualitativ entscheidend mitgeprägt.

Axiom II: Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger, Bruce Willis, Jet Li, Jason Statham, Dolph Lundgren, Eric Roberts u.v.m. spielen mit in “The Expendables”.

Ableitung aus Axiom I und II = Theorem: “The Expendables” hat alles an Bord, was nötig ist, um zu zeigen, was in den letzten dreißig Jahren im Genre “Action” von Bedeutung war.

In der Tat genügt der reine Blick in die Darstellerliste, um ganze Meere von liebsamen Männererinnerungen zu enteisen. Alleine schon durch die Besetzung werden Rückbezüge zu Genreklassikern entwickelt, die im fertigen Film gar in Rivalitäten ausarten. Treffen etwa zwei der männlichen Legenden im Kampf aufeinander, so kämpfen nicht nur die Darsteller miteinander, sondern auch deren Filmografien: würde, um mit Dolph Lundgren vs. Jet Li beim offensichtlichsten Zweikampf des Films zu bleiben, ein Andrew Scott (“Universal Soldier”) gegen einen Wong Fei Hung (“Once Upon A Time In China”) gewinnen? Wer bliebe Sieger, träfen Frank Castle (“The Punisher”) und Kit Li (“Total Risk”) aufeinander? Oder Nikolai Cherenko (“The Mechanik”) und Han Sing (“Romeo Must Die”)?

Dieser Teil der Maschine ist ein Selbstläufer, für den es keine gute Regie braucht, und so ist Stallones größte Leistung auch schon seine offensichtliche Zugkraft als “Action-Meister”, mit der mehr als die halbe Miete bereits eingeholt ist. Nichts gibt mehr Zeugnis davon ab als eine kurze Cameoszene mit Willis und Schwarzenegger. Lundgren und Li müssen schon noch kämpfen, um miteinander in Verbindung gebracht zu werden, bei Stallone und Schwarzenegger dagegen braucht es bloß wenige Worte und schon werden alte Feindschaften in neuer Freundschaft frisch entflammt. Schwarzenegger ist der Einzige, der Stallone nicht untersteht, sondern ihm ebenbürtig ist, so suggeriert es das Treffen. Der jüngere Willis, dessen John McClane in “Stirb Langsam” gegenüber der Reagan-Ära schon Anflüge von Postmodernität mit sich brachte, fungiert nur noch als Fäden ziehende Macht. Der König des “Smirkens”, Willis’ unnachahmliches Schmunzeln, betont die kuriose Situation, diese zwei Legenden in einer Kirche vor sich stehen zu haben und sie bei einer Mischung aus gegenseitiger Bewunderung und Schwanzvergleich zu beobachten. Es wird bestimmt eine Kunst für sich gewesen sein, Schwarzenegger ins Boot zu holen, doch die Versammlung der Crew bleibt Stallones einziger echter Geniestreich.

Expendables

“Wie jetzt, Apfel vom Kopf schießen?”

Es wiegt nämlich schwer, dass es Stallone nicht gelingt, mehr von derartigen Spannungsnetzen zu spinnen. 80er-Haudegen gegen Newcomer, alte Rivalen aus gemeinsamen Filmen, klassische Good Guys gegen klassische Bad Guys – die Konstellation hielt Unmengen von Szenarien bereit. Immerhin nun müssen sich Alphatiere, die sich sonst an der Spitze der Nahrungskette sehen, diesmal in Handlangerrollen und erbärmlich unheldenhaften Todesszenen beweisen – soziologisch betrachtet liegt hier wohl der Film des Jahres vor. Bei einem dermaßen testosterongeladenen Ensemblestück ist die Rollenverteilung das heiligste Zentrum, die dunkle Materie, an die man doch nur ein Feuerzeug halten muss, um sie zu entflammen, aber obwohl die Rollenzuordnung handlungstechnisch Sinn macht, so ergeben sich aus ihr, wenn überhaupt, doch leider eher zufällige Reibungen, die beileibe nicht das Zündpotenzial haben, das man hätte herausholen können.

In der Folge wirken nahezu alle Gäste verschenkt. Stallone selbst bleibt erwartungsgemäß das Gerüst, das den Rest zusammenhält. Seine Figur ist zuverlässig, konstant, stark, intelligent… unauffällig. Neben ihm treten vier Darsteller in Erscheinung und hinterlassen so etwas wie einen Eindruck: Lundgren, Li, Statham und Rourke. Bei Lundgren und Li ist es eine Mischung aus kruden optischen Klischees (blonder, hohler Hüne / zwergenhafter Chinese) und dem Versuch, neue, schräge Figuren zu entwickeln. Lundgrens Überläuferfigur ist eine tragikomische Gestalt und in gewisser Weise eine Parodie auf seinen “Universal Soldier”, wirkt er doch wie ein verirrter Soldat, dem jedes Gespür für Moral abhanden gekommen ist und der ihm fremde Menschen als “Insekten” betrachtet und entsprechend behandelt, was eine gar köstliche Szene um einen Schuhabdruck im Gesicht zur Folge hat. Er bietet die vielleicht größte Leistung dieses Films. Li hingegen funktioniert als körperlicher Gegensatz zu den vielen Hünen, die Stallone sonst um sich versammelt hat. In puncto Charakterzeichnung wird Lis Figur mit am weitesten gezeichnet, allerdings wird die Anlage nicht einmal ansatzweise ausreichend genutzt. Es hätte wesentlich mehr Szenen geben müssen, in denen Li die Vorteile seiner Wendigkeit hätte ausspielen können, und die einzige große Kampfszene, die ihm gewährt wird, geht im Schnitterausch vollkommen unter. Der Schnitt, er ist nochmals ein ganz eigenes Problem, denn die martialische Kraft und die physische Präsenz, die all die Filme aus den 80er Jahren umwehten, sie ist versunken, irgendwo zwischen den einzelnen Schnitten. Niemand hat spektakuläre Choreografien erwartet, abgesehen vielleicht bei Li und seinem persönlichen Choreografen Corey Yuen, doch von der Kamera vollständig eingefangene minimalistische Bewegungen, die den unermesslichen Erfahrungsschatz der Crew zum Ausdruck gebracht hätten, wären die bessere Wahl gewesen.

Statham und Rourke indes wurden im Vorfeld offenbar sorgfältig studiert und spielen die Charaktere, die man von ihnen gewohnt ist, was anfangs ein wenig zu vorhersehbar ist, später jedoch zu großen Momenten führt. Statham funktioniert dabei besser als Rourke, denn Rourke hat seine emotionale Entblätterung dank “The Wrestler” und “Sin City” bereits hinter sich; sein Monolog über die Seele birgt keine neuen Erkenntnisse mehr, liest sich aber dennoch sehr schön. Statham, mit der neben Stallone wohl größten Rolle gesegnet, beginnt unauffällig, steigert sich mit zunehmender Laufzeit jedoch enorm und zieht mit einer wundervollen Szene den Schlussstrich, in der die unbeholfene, steife, aber ebenso herrlich komische Poesie seiner auf Stunts basierenden Arbeit als Actiondarsteller auf den Punkt gebracht wird. Weiterhin wird an seinem Beispiel das Frauenbild in “Expendables” festgemacht (in einem allerdings recht verlassen wirkenden Subplot um Charisma Carpenter) und die Distanz seiner Generation zur 80er-Generation verdeutlicht (Stallone: “Du überschätzt die Intensität unserer Beziehung”).

Optisch und handwerklich bleibt ganz bewusst alles eher grau in grau. Spektakuläre Schauwerte wie in der Bruckheimer-Blaupause “The Rock” sind nicht so ganz das Ding Stallones, er setzt auf bodenständige Sets, überwiegend handgemachte Stunts und Pyrotechnik. Dramaturgisch kurzweilig inszeniert, wird am Ende allerdings ein “das war’s schon?”-Gefühl freigesetzt – einerseits, weil man beim Abspann immer noch auf eine ganz besondere Kracherszene wartet, andererseits, weil Stallone seine Action über weite Strecken sehr im Zaum hält, um ganz am Schluss so richtig die Sau rauszulassen. Die Bruckheimerschule suggeriert dem Konsumentenhirn inzwischen, dass dieser erste Über-Höhepunkt noch nicht alles gewesen sein kann, sondern jetzt erst der Startpunkt in die Wege geleitet wurde für das totale Riesenfinale. Einerseits ist es schön, dass “The Expendables” diesen Trend rückgängig zu machen versucht, andererseits wäre es sinnig gewesen, ausgerechnet in diesen Momenten auf gröbere CGI-Unterstützung zu verzichten.

Es wird immerhin nicht der Fehler gemacht, die mehr als löchrige Story vor den Cast zu setzen. Sie ist Mittel zum Zweck, ganz so wie es sein sollte. Der Diktator möchte gerne Dinge sagen, Befehle erteilen und sich als Anführer beweisen, doch weder die Formation um Stallone noch die um seinen Gegenspieler Roberts (leider “nur” in seinem Baddie-Standardmodus) gibt ihm dazu Gelegenheit. Alles, was dem Diktator entfährt, ist inhaltsloses Blabla. Er wird zur Witzfigur, denn der Krieg wird zwischen wichtigeren und größeren Persönlichkeiten ausgetragen.

Expendables

Jason Statham lässt es in “The Expendables” krachen!

“The Expendables” ist also keineswegs ein Film, dem die Ironie fehlen würde, wie mancherorts in negativ anschwingenden Kritiken zu lesen ist. Man muss nicht immer ein komödiantisches Feuerwerk abbrennen, um ironisch zu sein, und Stallones Reunion-Projekt ist ironisch in jeder seiner Minuten, auch in den ernsten. Das Problem liegt eher darin, dass es Stallone nicht gelingt, das Beste aus seinem erlesenen Rohmaterial herauszuholen. Daher wird fast jeder heiß sein auf einen zweiten Teil – die einen, um mehr vom selben zu bekommen, die anderen, um sich zu überzeugen, dass man so viele harte Männer auch besser mischen kann. Und dann sind da ja noch bislang ungenutzte Joker wie Van Damme, Biehn, Norris, Seagal, Yun Fat, Dudikoff, Hauer, Snipes…

© Sascha Ganser aka Vince



Jedem Actionfan war der Film schon früh ein Begriff, wollte Stallone doch mit dem Werk die 80s und 90s Actionfilme wieder auferstehen lassen. Dies kann man als Fan nur gutheißen, denn zu dieser Zeit wurden eben einfach die besten Genre-Filme gedreht. Dazu versammelte Stallone alteingesessene Darsteller, aber auch die Actionhoffnungen von heute und morgen zu einer von Testosteron überkochenden Truppe. Der erste Trailer versprach großes und der Film konnte nur ein richtig deftiges Actionbrett werden.

Die Story ist im Grunde schnell erzählt. Sylvester Stallone spielt den Söldner Barney Ross. Einen Mann, der für Geld alles zu tun bereit ist. Zur Durchführung der Einsätze hat er ein Team von hartgesottenen Spezialisten hinter sich, die ihm in kaum etwas nachstehen: der Messerspezialist Lee Christmas (Jason Statham), der Martial-Arts-Experte Yin Yang (Jet Li), der Waffenspezialist Hale Ceasar (Terry Crews), der fast schon intellektuell wirkende Zerstörungsfachmann Toll Road (Randy Couture) und der Scharfschütze Gunnar Jensen (Dolph Lundgren).

Expendables

Entweder ist hier Nebel oder ich hab grauen Star …

Eines Tages bietet ein Mann namens Church (Bruce Willis) der Gruppe einen lukrativen Job an. Zunächst scheint dies ein Auftrag nach Schema F zu sein, auch wenn sie einen Diktator einer südamerikanischen Inselrepublik stürzen sollen. Doch die Unternehmung stellt sich schnell als komplexe Verstrickung heraus, die bis in hohe CIA-Kreise hineinreicht. Das ursprüngliche Ziel, General Garza (David Zayas), ist nur eine Marionette des Ex-CIA-Agenten Monroe (Eric Roberts). Zudem entdeckt der abgebrühte Barney menschliche Regungen in sich, als er die Freiheitskämpferin und Tochter des Generals Sandra (Giselle Itie) kennenlernt. Denn als das geplante Vorhaben bereits in der Auskundschaftung der Insel schief geht, gerät Sandra in ernste Schwierigkeiten. Barney will den Job zunächst als gescheitert abstempeln und mit etwas anderem weitermachen. Aber Ex-Expendable Tool redet Barney ins Gewissen, worauf er mit der ganzen Truppe aufbricht, um den Job doch noch zu einem zufriedenstellenden Ende zu bringen.

Zugegeben, die Story klingt natürlich abgedroschen. Aber was anderes hatte man irgendwo auch gar nicht erwartet. Das Storykonstrukt ist solide, erinnert an viele Genrevertreter der damaligen Zeit und ist dazu mit reichlich Action durchzogen. Schusswechsel mit jeder Menge blutigen Einschüssen, Verfolgungsjagden oder gar ein Flugzeug, das spektakulär einen Bootssteg zerlegt. Hier bekommt man als Actionfreund wirklich was geboten.

Das tolle daran ist, dass die Action auch wirklich als Action funktioniert. Was heute in vielen Filmen als Action verkauft wird, ist in der Regel ein bisschen Rumgehüpfe mit viel CGI, aber für mich und auch viele andere Fans ist das in der Regel nicht die Definition von Action. „The Expendables“ besinnt sich auf tolle Schusswechsel und bildschirmfüllende Explosionen der Marke „Handgemacht ist doch besser“. Dadurch wirkt der Film zu jeder Zeit bodenständig und grundsolide, was im Actionbereich in jedem Fall als Kompliment verstanden werden kann, denn es gibt eben keine abgehobenen Szenen bei denen man unweigerlich mit den Augen rollen muss.

Dazu gefällt auch die Härte des Films. Von Kürzungen für niedrige Freigaben wurde „The Expendables“ dann ja auch Gott sei Dank verschont und so darf Lundgren in der Anfangssequenz auch direkt mal einen somalischen Piraten in 2 Hälften zerschießen. Diese Gewaltspitzen ziehen sich durch bis zum Finale, wirken aber nie zu übertrieben, sondern sind in der Regel in den jeweiligen Szenen angemessen. Der Showdown wurde ebenfalls hübsch klassisch inszeniert (ich liebe Filme mit großen Schießereien im Finish) und ist wahrlich ausufernd. Mehr als die Hälfte des stattlichen Bodycounts wird wohl im Finale produziert und der Film zeigt sich auch hier stellenweise hübsch kreativ in seiner Action.

Zudem lautet die unmissverständliche Message des Films: Sexszenen sind tabu, solange wir dicke Wummen und große Messer parat haben. Find ich gut! Störend sind hingegen die etwas unpassenden CGI-Flammen im Finale. Auch das CGI-Blut stört in manchen Szenen ein wenig, doch man bemerkt es im Prinzip kaum, da es auch genug echten Saft gibt.

Der Film funktioniert in erster Linie über seine Charaktere. Zwar bleibt die Truppe um Stallone, bis auf Statham und Lundgren, im Ganzen doch irgendwo ein wenig blass, aber schon allein das Auftreten der Schauspieler ist in vielen Szenen einfach richtig stark. Allem voran sei hier das ultimative Treffen zwischen Willis, Schwarzenegger und Stallone zu nennen. Arnie haut einen Seitenhieb nach dem anderen gegen Stallone raus, doch der schlägt im Abschluss des Gesprächs mit einer witzigen Gouverneurs-Schelte zurück. Willis gibt sich dabei gewohnt spitzbübisch. Eine tolle, gar fantastische Szene, schon jetzt legendär. Jeder der Darsteller im Film wird quasi für sich genommen zur Actionikone hochstilisiert. Das freut natürlich vor allem die Fans. Leider geht B-Movie Darsteller Gary Daniels aber ein klein wenig unter.

Expendables

Feueröfen statt Rollstühle …

Zwar ist der Handlungsstrang um Statham und eine Geliebte, die von ihrem aktuellen Macker schlecht behandelt wird, dann wirklich etwas zu klischeebeladen und dient lediglich als Vehikel für eine (gelungene) Prügelszene mit Statham und einer Gruppe Basketballspieler, aber das verzeiht man dem Film ebenso wie das nur rudimentäre Eingliedern von Mickey Rourkes Figur.

Ich hätte mir zwar gewünscht, dass die Figurenverbundenheit ein wenig größer geschrieben wird, aber im Prinzip ist das, was geboten wurde, schon recht ordentlich, vor allem für ein solches Actionvehikel. Die coolen One-Liner, die wirklich jeder hier im Film an der ein oder anderen Stelle abfeuert, sind dafür immer wieder treffsicher und zeugen so insgesamt von einem stimmigen, Spaß machenden Drehbuch.

Der Soundtrack gibt sich wie erwartet recht bombastisch und stimmungsvoll und integriert neben den orchestralen Tönen auch schöne Songs von „Creedence Clearwater Revival„ und „Thin Lizzy“ in den Film. Insgesamt nichts Besonderes oder mit hohem Wiedererkennungswert, aber es passt wunderbar zum Film.

Stallone inszeniert nah an seinem „Rambo 4“-Stil. Im Grunde tauscht er nur ein paar Werte aus. Statt Rambo gibt es nun ein markiges Team und statt Birma eine fiktive Insel. Der Bösewicht wird sogar sehr ähnlich wie in „Rambo 4“ eingeführt, doch das Schauspiel von Eric Roberts kommt trotzdem viel besser an als das des quasi namenlosen Asiaten in „Rambo 4“.

Stallones Stil funktioniert auch hier wunderbar und er beweist mit „The Expendables“ erneut, dass er es als Filmemacher wirklich drauf hat. Neben all der Action findet der Film auch immer wieder Zeit für ein paar ruhigere Szenen, was in jedem Fall gelungen ist und den Film so noch mehr vom Hollywood Einheitsbrei abhebt. Actionfans müssen sich den Film in jedem Fall ansehen!

© C4rter



Als Sylvester Stallone im November 2008 seine neueste Produktion “The Expendables” ankündigte, gingen die Ohren der Actionfans weit auf. Eine Story um einige Söldner, die einen Diktator und seine Armee von einer unbekannten Insel pusten müssen – so etwas mal wieder im Kino zu sehen, damit rechnete eigentlich keiner. Als dann beinahe im Wochentakt der Cast um eine Actionikone nach der anderen erweitert wurde, begann die Qual – die Qual des Abwartens auf den Release…

Barney Ross (Sylvester Stallone) ist der Leader der Expendables, einer Gruppe von Söldnern, die, sofern die Kasse stimmt, beinahe jeden Auftrag überall auf der Welt annehmen. Als CIA-Mann Mr. Church (Bruce Willis) Ross ein Himmelfahrtskommando anbietet, nimmt dieser an. Die Mission der Expendables: Die Insel Vilena von ihrem üblen Diktator befreien…

Die Story könnte aus einem alten B-Streifen der Achtziger stammen, so simpel ist diese gestrickt. Doch wenn die Action stimmt, darf die Story ruhig sehr rudimentär gestaltet sein. Und, der Faktor Action ist effektiv groß genug, um den Zuschauer von allen Plotholes abzulenken…

Als erstes, Stallone hat einen wirklich außerordentlichen Cast zusammengestellt, was wohl auch die Hauptattraktion des Films ist. Jason Statham wäre populär genug, um einen Film auch alleine tragen zu können, ordnet sich hier jedoch problemlos der Gruppe unter, kommt aber in den Genuss der Hauptrolle neben Stallone. Dieser nimmt sich selbst oft aus dem Scheinwerferlicht, um auch seinen Mitstreitern einiges an Screentime zu ermöglichen. Jet Li prügelt sich in bester Wushu-Manier durch seine Gegner und Randy Couture und Terry Crews passen hervorragend unter diese Riege der Actionlegenden. Mickey Rourke spielt den Mann im Hintergrund, den Tattoo-Meister und Ex-Expendable, der dem Team die Aufträge organisiert. Rourke spielt in den wenigen Minuten seines Auftritts klasse. Am meisten profitiert von Slys Aufruf hat aber meines Erachtens Dolph Lundgren. Der Schwede liefert eine richtig geile Performance ab, darf stellenweise richtig fies agieren und lässt den primitiven Actionfreund des öfteren fies grinsen. Schön, hat er den Weg auf die Leinwand wieder gefunden. Mit Lundgren darf wieder zu rechnen sein.

Auf Seiten der Bad Guys steht Eric Roberts natürlich zu oberst. Der Mann, der auf Fieslinge programmiert zu sein scheint, spielt für den Zuschauer den typischen Big Boss der Bad Boys. Eindimensional, charakterlich keine Tiefe – und das ist in diesem Falle auch sehr gut so. “Stone Cold” Steve Austin spielt seinen Handlanger und darf stets mit seiner Präsenz überzeugen. Gary Daniels Screentime ist leider um Einiges kürzer ausgefallen, aber bei diesem Staraufgebot muss einfach irgendwo ein Abstrich gemacht werden. Ach ja, da spielt doch auch noch etwas Weibliches eine größere Rolle. Giselle Itié ist an Bord und darf die plärrende Schönheit spielen, die von Slys Mannen gerettet werden muss. Mehr gibt’s dazu nicht zu sagen, denn in diesem Film spielen Frauen keine großen Rollen. This is a man’s world.

Und dann gibt’s ja noch zwei Cameos zu bewundern. Bruce Willis und Arnold Schwarzenegger. Beide sind zusammen mit Sly in einer Szene zu bewundern und vor allem Schwarzenegger und Stallone spielen praktisch ein verbales Ping Pong. Herrlich Slys Anspielungen auf Schwarzeneggers Politkarriere – ebenso der Konkurrenzkampf zwischen den beiden, bei dem Arnold sich wie im richtigen Leben zurückzieht und Sly den Vortritt lässt. Ganz große Szene.

Expendables

Hmmmm, Barbecue!

Action ist die Hauptkost dieses Filmgerichts. Der Auftrag zu Beginn des Films lässt erahnen, was noch kommen wird. Expendables ist laut, sehr laut – und geizt nicht mit Gewalt. Zwar wird der Gewaltfaktor eines “John Rambo” nicht übertroffen (das geht meine Erachtens auch kaum), aber abgetrennte oder weggeschossene Gliedmassen, Messerwunden, Explosionen, Schusswunden – der Actionfreund bekommt die volle Ladung ab. Es war ein totales Vergnügen. Richtig gut kamen die “Eins gegen Eins”-Szenen rüber. Die Fights hatten Drive, wirkten auch nicht wahnsinnig verwackelt, wurden jedoch schnell geschnitten. Vor allem Würfe und Bodenfights gibt es mehrere zu bewundern – hier ist offensichtlich ein größerer MMA-Einfluss vorhanden.

Fazit: The Expendables ist die Rückkehr des großen, harten und einfachen Actionkinos. Ein Testosteron-Rausch sondergleichen, dem man jedoch nur vorwerfen kann, nicht wirklich originell zu sein und in wenigen Fällen auf CGI zurückzugreifen, obwohl es nicht nötig wäre. Egal. Weg mit Twilight und all dem Zeugs. Das Actionkino lebt wieder. Für mich bisher DER Film des Jahres.

© DomPatHug

In Deutschland erschien sowohl die Kinofassung als auch der wesentlich runder wirkende, leicht melancholischer angehauchte Director’s Cut auf reichhaltig ausgestatteten Blu Rays und DVDs von dem Label Splendid Home Entertainment. Vor allem das epische Making Of ist mehr als nur einen Blick wert! Die Scheiben sind mit einer FSK 18 Freigabe ungeschnitten! Vorsicht vor den ebenfalls kursierenden FSK 16 Datenträgern …

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love 

Copyright aller Filmbilder/Label: Splendid Home Entertainment__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten:Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

Tagged as: , , , , , , , , , , ,

Wie Viele Actionnerds gibt es?

  • Keine Sorge, du bist mit deiner Vorliebe nicht allein! Uns besuchten bereits 4864970 andere Actionnerds