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The Fighters 3: No Surrender

Originaltitel: Never Back Down 3__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: Michael Jai White__Darsteller: Michael Jai White, Gillian White, JeeJa Yanin, Josh Barnett, Stephen Quadros, Brahim Achabbakhe, Ron Smoorenburg, Nathan Jones, Esai Morales, Tony Jaa u.a.
The Fighters 3

Michael Jai White kickt sich durch den Plot von “The Fighters 3”, den er als Regisseur selbst in Szene setzt.

Der MMA-Fighter Case Walker tingelt seit geraumer Zeit durch die Regionalligen seines Sportes. Er hat die Schnauze voll von den Veränderungen in der MMA. Von Doping, Schiebereien und Wettgeschäften. Er will seinen Sport nur noch nach seinen Regeln bestreiten. Ein wirklich einträgliches Leben ist ihm so nicht vergönnt, der Respekt seiner Gegner, denen er nach den Fights sogar Tipps für die Verbesserung ihrer Skills gibt, schon.

Eines Tages begegnet er seinem alten Kumpel Brody James. Ehemaliger Champion der Ultimate Fighting Liga. Der rennt schon einige Zeit seiner Form hinterher, allerdings hat er einen großen Gig an Land gezogen: Einen Titelkampf in der etwas ominösen MMA-Liga PFC. Sein Gegner ist deren unbesiegter Champ… und das Antrittsgeld mit zwei Millionen gigantisch. Er bittet Case, mit ihm zu dem Fight gen Bangkok zu reisen und ihn vor Ort sechs Wochen lang bis zu der Auseinandersetzung zu trainieren. Widerwillig stimmt Case der Bitte zu.

Vor Ort bemerkt er schnell, dass sein Kumpel nur mit halbem Herzen bei der Sache ist und abgelenkt wirkt. Der hat in Wirklichkeit nur herausgefunden, gegen wen er da tatsächlich antreten muss: Ein mit Steroiden hochgezüchteter Zuchtbulle mit verdammt kurzer Zündschnur… Derweil muss der Besitzer der PFC bemerken, dass der anberaumte Titelfight keine Zuschauer zieht. Als eine alte Konfrontation von Case mit ein paar Cops viral geht und millionenfach geklickt wird, kommt ihm eine Idee: Er will Brody aus dem Weg schaffen und einen Fight zwischen seinem Champion und Case anleiern…

„Keep it simple“. Regisseur Michael Jai White, der die Teenie-Klopperei „The Fighter“ aka „Never Back Down“ ab dem zweiten Teil übernommen hatte, versucht diesen Ansatz zu seinem Leitmotto zu machen. Sein zweiter Beitrag zum Franchise ist dementsprechend eine Abfolge aus Aktionen und Reaktionen, die ordentlich zugespitzt werden und in einen weithin vorhersehbaren, aber absolut befriedigenden Showdown münden. Vollends begeistern kann die Story des Filmes aber nicht. Während die Chose schnell angeschoben wird, verheddert sich der Film mit seiner Ankunft in Thailand nämlich in diversen nichtssagenden Momenten.

So sieht man Brody und Case nie trainieren. Case pumpt sich derweil lieber selbst auf, vollführt Sparrings mit Fallobstgegnern und beginnt junge Twentysomethings zu trainieren. Zwar wird mit der Zeit deutlich, warum der Film diesen seltsamen Weg geht, als Zuschauer fragt man sich aber lange Zeit schon, ob „The Fighter 3“ seine eigene Story vergessen hat. Dazu kommt, dass in diesem Abschnitt aufgeworfene Drehbuchideen teilweise gar nicht zu Ende gebracht werden und Cases Entscheidungen hier und da recht willkürlich und wenig nachvollziehbar wirken. So manche Einlagen hängen gar vollends in der dramaturgischen Luft.

The Fighters 3

Michael Jai White und seine Ehefrau Gillian White geben ein knuffiges Liebespärchen ab.

Zudem vergisst der Film seinen Bösewicht. Der wird von dem Riesen Nathan Jones („Mad Max: Fury Road“) gewütet, entwickelt aber mangels Screentime niemals eine spürbare Bedrohung und wird ziemlich verheizt. Das liegt auch daran, dass Esai Morales („Jarhead 2“) einen aalglatten Gentleman-Bösewicht geben soll, der die eigentliche Gefahr darstellt. Aber auch er bekommt einfach nicht genug Raum, um sich irgendwie entfalten zu können.

Derweil schlägt sich Michael Jai White („Falcon Rising“) als Case richtig gut. Wie schon in Teil zwei entwirft er einen sympathischen Charakter, der seinen eigenen Weg wider aller Widerstände geht und sich so gut wie nicht verbiegen lässt. Er sorgt auch für ein paar angenehm schräge, humorige Momente. So ist sein tapsiges Flirtgebaren in der angenehm glaubwürdigen Liebesgeschichte mit der Managerin seines Kumpels einfach großartig. Was auch an der tollen Chemie zwischen White und seiner Reallife-Ehepartnerin Gillian White liegt. Doch auch die den Film durchziehenden Verwechslungswitzchen sind einfach spitze.

The Fighters 3

Case Walker mit seinen zwei Schützlingen.

Als Cases Buddy Brody spielt UFC-Fighter Josh Barnett erstaunlich stark auf und mit Tony Jaa („Return of the Warrior“) und JeeJa Yanin („Fighting Beat 3“) gelangen White zwei kleine Besetzungscoups, die aber leider nur in winzigen Nebenrollen punkten dürfen. Während Jaas Auftritte eher komischer Natur sind und richtig gut funktionieren, darf Yanin in ihren Szenen amtlich hinlangen und auch einen schönen Fight bestreiten.

Apropos Fights. Darum geht es ja in dem Franchise. Diese sind leider ein zweischneidiges Schwert. Vor allem zu Beginn werden sie durch diverse technische Mätzchen in ihrem Flow behindert. Der erste Fight etwa wird durch nett gesetzte und eigentlich toll anzusehende Slow-Motion-Einlagen ganz schön ausgebremst. Im nächsten Fight dienen Zwischenschnitte auf eine Kata (=stilisierter Kampf gegen einen imaginären Gegner) von Case als hübsche Verdeutlichung, wie er hier geübte Schrittabfolgen und Schlagserien in einem echten Kampf umsetzt. Tolle Idee, nett inszeniert, aber der eigentliche Fight leidet unter dieser Idee sehr. Entwickelt keinen Rhythmus und keinen Druck.

Irgendwie beginnt man spätestens nach dem zweiten Fight Schlimmes zu ahnen. Doch fortan steigern sich die Fights beständig und verzichten auf zu viele Spielereien. Ein kleines Highlight ist ein Sparringskampf zwischen Case und Brody, in dem eine megadynamische Kamera ordentlich Tempo in die versiert choreografierte und von Könnern dargebotene Action bringt. Der eigentliche Höhepunkt ist aber der fette Endkampf, der angenehm knackig kurz ausfällt, dadurch nicht in die allzu übliche Martial-Arts-Schlusskampf-Dramaturgie verfällt und sogar in Sachen Austragungsort den Klischees ein kleines Schnippchen schlägt.

The Fighters 3

Der hünenhafte Champ der PFC macht Case das Leben schwer.

Obendrein ist der höchst souveräne Stil von White einfach beeindruckend. Da fällt gar nicht groß auf, dass sein Gegner Jones im eigentlichen Sinne kein großer Techniker ist. Er soll seine Physis wirken lassen und das klappt einwandfrei. Das Problem ist allerdings das Gleiche wie bei „The Fighters 2: Beatdown“: So richtig mitreißend ist das alles nicht. Das liegt zum einen daran, dass Cases Gegner nicht ausreichend als Bösewichte installiert wurden, und zum anderen daran, dass es immer wieder so wirkt, als fahre Michael Jai White in den Kampfsportszenen mit angezogener Handbremse. Als seien die zwischen wuchtig und elegant rangierenden Aktionen nur ein Teaser dahingehend, was der Kampfsportler eigentlich abzuliefern vermag.

Kurzum: Man fühlt sich von „The Fighter 3: No Surrender“ aka „Never Back Down 3“ gut unterhalten. Man schmunzelt über den schrägen Humor, genießt Michael Jai Whites Körperbeherrschung und wippt bei dem coolen Soundtrack entspannt mit den Füßen. Dafür hätten die Story deutlich entschlackt und die Bösewichter richtig dämonisiert werden müssen. Eine Fokussierung auf das Training von Case und Brody hätte den Film definitiv mehr auf Spur gebracht und das Hoppla-Hopp-Finish, das zu einem 0815-Friede-Freude-Eierkuchen-Ende führt, fühlt sich auch nicht wirklich richtig an. Das Ende vom Lied ist ein mit schönen Bildern aus Thailand aufwartender, unterhaltsamer, sympathischer, gut choreografierter Martial-Arts-Actioner, bei dem man aber auf dem heimischen Sofa nie mitfightet…

Die deutsche DVD (eine Blu-ray sind die Actionfans nicht mehr wert) erschien am 9. Juni 2016 von Sony Pictures Home Entertainment. Diese ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten und hat außer dem Trailer zum Film nur seltsam deplatziert wirkende Trailer von christlich motivierten Schmachtfetzen zu bieten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Sony Pictures Home Entertainment__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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