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The First Avenger: Civil War

Originaltitel: Captain America: Civil War__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: Anthony Russo, Joe Russo__Darsteller: Chris Evans, Robert Downey Jr., Scarlett Johansson, Sebastian Stan, Anthony Mackie, Don Cheadle, Jeremy Renner, Chadwick Boseman, Paul Bettany, Elizabeth Olsen, Paul Rudd, Emily VanCamp, Daniel Brühl, Tom Holland, Frank Grillo, William Hurt, Martin Freeman, Marisa Tomei, John Slattery, John Kani, Jim Rash u.a.
The First Avenger: Civil War

Bürgerkrieg im Hause Marvel: In „The First Avenger: Civil War“ zerstreiten sich die Superhelden

Waren die bisherigen Soloreihen um Marvel-Helden trotz Bezüge zum Rest des Cinematic Universe durchaus autark, so ist „Captain America: Civil War“ wesentlich stärker mit den Geschehnissen aus „Avengers: Age of Ultron“ verzahnt, ist ebenso Sequel zu diesem Film wie zu „Captain America: The Winter Soldier“.

Hatte sich der erste Teil noch als Kriegsabenteuer mit Steampunkanleihen präsentiert und die Fortsetzung als Politthriller mit Anlehnung an die 1970er, so betritt „Civil War“ mehr das Feld von Agententhrillern der Marke Bond und Bourne. Die Avengers-Eingreiftruppe von Steve Rogers (Chris Evans) alias Captain America, bestehend aus Natasha Romanoff (Scarlett Johansson) alias Black Widow, Sam Wilson (Anthony Mackie) alias Falcon und Wanda Maximoff (Elizabeth Olsen) alias Scarlet Witch stellt den Schurken Crossbones (Frank Grillo), früher Brock Lumlow, als dieser mit seiner Schurkentruppe einen biologischen Kampfstoff aus einem Labor in Lagos stehlen will. Die Operation gelingt, doch es sterben mehrere Zivilisten bei der Aktion, während der Film mit dem Thema der Selbstmordweste aktuellen Diskursen immerhin kurz Tribut zollt.

In Verbindung mit den Showdown-Verwüstungen aus „The Avengers“, dessen Sequel und „Captain America 2“ macht dies das Maß voll. Thaddeus Ross (William Hurt), für die Avengers-Initiative verantwortlicher Staatssekretär, präsentiert den vier in den Fall Verwickelten sowie den weiteren Avengers Tony Stark (Robert Downey Jr.) alias Iron Man, James Rhodes alias War Machine (Don Cheadle) und Vision (Paul Bettany) einen Gesetzesentwurf. Demnach sollen die Avengers nicht mehr unabhängig agieren, sondern nur auf Geheiß der Vereinten Nationen, was für Spannungen innerhalb der Gruppe sorgt. Tony befürwortet eine Maßregelung der Avengers, Steve befürchtet eine Schwächung oder Korrumpierung durch die Politik, womit sich die beiden als Wortführer herauskristallisieren.

Als ein Bombenanschlag auf jene UN-Konferenz verübt wird, die sich mit dem Gesetzesentwurf befasst, und Steves früherer bester Freund Bucky Barnes (Sebastian Stan), der jetzige Winter Soldier, für die Tat verantwortlich gemacht wird, verschärft sich die Lage. Denn Steve will die Verhaftung eigenmächtig vornehmen, da er nicht an die Schuld seines Freundes glaubt und ihn vor dem Tod bei einem Zugriff der Behörden bewahren will…

The First Avenger: Civil War

Captain America (Chris Evans) mit Hawkeye (Jeremy Renner), Scarlet Witch (Elizabeth Olsen) und Bucky Barnes (Sebastian Stan)

Angesichts der Ausgangslage könnte man befürchten, dass „Civil War“ nur ein verkappter „Avengers“-Film, kein „Captain America“-Sequel ist. Und tatsächlich ist der Film stärker übergreifend ins MCU eingebunden, gibt mehreren Marvel-Helden Raum. Jedoch ist der Cap die klare Hauptfigur des Films: Seine Entscheidungen treiben den Film an, in dem eher Tony als Quasi-Antagonist aufgebaut wird, weniger Fiesling Helmut Zemo (Daniel Brühl), der manipulierend eingreift und Öl ins Feuer gießt. Zemos Agenda mag überraschen, seine Motive sind nicht übermäßig originell, aber nachvollziehbar und passen in den Kontext des Films. Vor allem aber lenkt er als Katalysator des Konflikts nicht zu weit von diesem ab, denn die Spaltung der Avengers und ihre unterschiedlichen Wertvorstellungen sind das Hauptthema.
Die größte Stärke von „Civil War“ liegt sicher darin die Welt nicht einfach in richtig und falsch einzuteilen. Sowohl Tony als auch Steve haben nachvollziehbare Standpunkte, denen man folgen kann, da sie zwei Seiten eines unauflösbaren Dilemmas repräsentieren: Kompensiert der Sieg der Avengers die Verluste unter den Normalsterblichen? Aber rettet ihr Eingreifen nicht mehr Menschen? Ist das verstärkte Aufkommen von Superhelden auch für das verstärkte Auftreten von Superschurken verantwortlich? Auf diese Frage gibt „Civil War“ keine eindeutige Antwort, sondern lässt den Zuschauer abwägen. Auch die Auflösung des Konflikts stellt eher eine Pattsituation unter besonderen Vorzeichen dar, die dem Sujet aber durchaus angemessen ist.

Gleichzeitig beweist Marvel gleich in zweierlei Hinsicht, dass sich das Studio die Kritik an „Avengers: Age of Ultron“ im Speziellen und Comicverfilmungen im Allgemeinen zu Herzen genommen hat. Zum einen arbeitet der Film gegen die Überfrachtung mit Figuren und Handlungssträngen an. Die Heldenneuzugänge, nämlich Peter Parker (Tom Holland) alias Spider-Man und T’Challa (Chadwick Boseman) alias Black Panther, werden in gebührender Kürze eingeführt, Peters Ansetzen zu einer Origin-Story wird in einer ironischen Volte abgewürgt. Es wird nicht krampfhaft jede Figur des MCU in den Film eingebaut, die vorhandenen Subplots dagegen bereichern den Film, etwa wie jener Strang um Scarlet Witch und Vision, bei der erstere ihre Rolle bei den Avengers und ihre Verantwortung für Todesfälle abwägt, während letzterer erste menschliche Seiten an sich entdeckt, beides entwickelt im Kontext der Haupthandlung. Am eindringlichsten beschäftigt sich der Film allerdings mit Steve Rogers, was eben auch erklärt, warum er als dritter „Captain America“-Teil geführt wird. Vor allem ein persönlicher Verlust treibt den Cap zu weiterem Ungehorsam an, während Sprücheklopfer Tony Stark unerwartet ernst geworden ist. Gelegentliche schnippische Kommentare seinerseits sorgen jedoch für ein paar humorige Einlagen, ähnlich wie auch wohldosierte Ironie, etwa wenn Spider-Mans großes Mundwerk während einer Kampfsequenz thematisiert wird.

The First Avenger: Civil War

War Machine alias James Rhodes (Don Cheadle) ist natürlich auf der Seite von Iron Man Stark (Robert Downey Jr.)

Die Action- und Kampfsequenzen sind der zweite Punkt, an dem „Civil War“ gegen Ermüdungserscheinungen des Genres arbeitet. Keine Flugobjekte über umkämpften Metropolen, keine Kanonenfutterhorden von Gegnern. Stattdessen sind die Kämpfe (für Superheldenverhältnisse) wesentlich geerdeter, lassen Helden untereinander oder gegen bewaffnete menschliche Gegner antreten. Im Bourne-Style mit Shaky Cam und schnellem Schnitt, aber ohne Übersichtsverlust kreieren die Gebrüder Russo eine Mittendrin-statt-nur-dabei-Ästhetik, bei der sie von dem versierten Spiro Razatos („The Expendables“) sowie den „John Wick“-Regisseuren David Leitch und Chad Stahelski als Stunt-Koordinatoren und Second-Unit-Regisseuren unterstützt werden. Mit stark choreographierten Martial-Arts-Kämpfen, Schießereien und Verfolgungsjagden wartet der Film auf und setzt auf erfreulich viele praktische Effekte, auch wenn Energiestrahlen, fliegende Eisenmänner und dergleichen als state-of-the-art-CGI umgesetzt werden. Größtes Set Piece ist eine Superhelden-Battle-Royale am Leipziger Flughafen, die zu Beginn des letzten Drittels als ausladendes, aber nie ermüdendes Spektakel für den großen Actionhöhepunkt sorgt.

Was darauf folgt, ist ein teilweise überraschendes, insgesamt konsequentes Auserzählen der begonnenen Konflikte, dessen Showdown kleiner und intimer ist, was eigentlich eine begrüßenswerte Entwicklung ist, aber etwas antiklimaktisch wirkt. Auch wenn das Ende von „Civil War“ sicherlich Einfluss auf das MCU hat und einen Abschluss bietet, so traut sich der Film allerdings dann doch nicht allzu einschneidende Veränderungen des Marvel-Kosmos zu. Zwar spielt „Civil War“ mit einer entsprechenden Erwartungshaltung, etwa wenn eine Figur von einem tauben linken Körperseite (und damit dem Vorzeichen eines Schlaganfalls) spricht, doch es wäre schön, würde er dann Nägel mit Köpfen machen, etwas mehr wagen. Gerade nachdem „Captain America 2“ in nicht weniger als der Zerschlagung von S.H.I.E.L.D. endete, hätte man sich für den Clash der Superhelden einen noch bedeutsameren Schlusspunkt gewünscht.

The First Avenger: Civil War

Black Panther (Chadwick Boseman) mischt als Neuzugang mit

Doch der Konflikt bleibt ebenso nachvollziehbar wie nachhaltig, was auch an den beiden Hauptdarstellern liegt. Chris Evans („Final Call“) spielt glaubwürdig den Posterboy, dessen Ideale sich erneut mit der Komplexität von Politik beißen, als hin- und hergerissenen Helden, während Robert Downey Jr. („Sherlock Holmes“) hier als gezeichneter, geknickter Quasi-Antagonist eine genauso verständliche Gegenposition einnimmt. Scarlett Johansson („Hail, Caesar!“), Anthony Mackie („Pain & Gain“), Sebastian Stan („Gone“) und Elizabeth Olsen („Godzilla“) liefern sehr guten Support als weitere prominente Bürgerkriegsteilnehmer, während Paul Bettany („Priest“), Jeremy Renner („Kill the Messenger“) und Paul Rudd („Ant-Man“) in eher kleinen Parts mit Elan dabei sind. Nur Don Cheadle („Brooklyn’s Finest“) bleibt immer etwas außen vor, während unter den Neuzugängen vor allem Chadwick Boseman („Gods of Egypt“) heraussticht. Tom Holland („Im Herzen der See“) ist ein okayer Spiderman, Daniel Brühl („Das Bourne Ultimatum“) als Schurke ohne Superkräfte eine gelungene Ergänzung. Emily VanCamp („No Good Deed“) kommt leider etwas kurz, da der Subplot um ihr Verhältnis zum Cap in Rekordzeit abgewickelt wird, so wie auch Frank Grillo („Homefront“) leider nur in der Auftaktszene dabei ist, während in prominenten Nebenrollen die schon aus dem MCU bekannten William Hurt („Mr. Brooks“) und John Slattery („Ted 2“) sowie die Neuzugänge Martin Freeman („Hot Fuzz“) und Mariso Tomei („Parker Kane“) ihr Gesicht zeigen. Nach Danny Pudi hat mit Jim Rash der nächste „Community“-Kollege der Regisseure einen Cameo und der von Stan Lee ist natürlich obligatorisch.

„Civil War“ balanciert seine meist stark choreographierte und dynamisch inszenierte Action mit einem nachvollziehbaren und daher packenden Clash zweier Weltanschauungen und Wertesysteme, vertreten durch Captain America und Iron Man. Das sorgt für einen Bürgerkrieg, der Schauwerte und emotionales Drama verbindet, aber in seinem letzten Drittel größere Einschnitte im MCU vornehmen könnte: Der Wille zu mehr Veränderung ist da, könnte aber noch konsequenter umgesetzt werden, nicht zuletzt, da man sich die Kritik an Filmen wie „Avengers: Age of Ultron“ zu Herzen genommen hat. Daher ist „Civil War“ nicht ganz so famos wie der zweite Cap-Film, aber immerhin dicht dran.

Der Film startet unter dem Titel „The First Avenger: Civil War“ am 28. April in den deutschen Kinos.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Walt Disney__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 28.4.2016 in den deutschen Kinos

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