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the Forest

Originaltitel: the Forest __ Herstellungsland: USA__ Erscheinungsjahr: 2016__ Regie: Jason Zada__ Darsteller: Natalie Dormer, Taylor Kinney, Yukiyoshi Ozawa, Eoin Macken, Rina Takasaki, Stephanie Vogt, Noriko Sakura, Yûho Yamashita, Terry Diab, Jozef Aoki,

Das Covermotiv des deutschen Mediabooks.

Das Covermotiv des deutschen Mediabooks.

Das amerikanische Kino-Postermotiv.

Das amerikanische Kino-Postermotiv.

In Japan gibt es einen sich über eine Fläche von rund 35 km² erstreckenden Wald, um den sich zahlreiche „düstere Mythen“ ranken: Auf der nördlichen Seite am Fuße des heiligen Berges Fuji gelegen sowie den Namen „Aokigahara Jukai“ tragend, hat dieser Ort über die Jahre hinweg als sogenannter „Suicide Forest“ internationale Bekanntheit erlangt – nicht unerheblich dank Seichō Matsumoto´s 1960 erschienen Romans „Nami no tō“ („der Wellenturm“) sowie des 2015er Gus Van Sant Dramas „See of Trees“ (mit Matthew McConaughey, Naomi Watts und Ken Watanabe). Einst sollen Familien ältere, kranke oder auf sonstige Weise geschwächte Angehörige zu Zeiten von Kriegen oder Hungersnöten zum Sterben dorthin gebracht haben – heutzutage übt die Gegend auf Menschen mit Suizid-Absichten eine hohe „Anziehungskraft“ aus. Zwischen 50 und 100 Selbstmorde pro Jahr sollen es sein – worüber hinaus (angeblich) ein durch die geologische Beschaffenheit der Region existierendes „abnormales“ Magnetfeld für störende Auswirkungen auf Kompasse und elektronische Geräte sorgt, kaum Tiere in dem Gebiet anzutreffen sind sowie es aufgrund der hohen Baumdichte am Boden immerzu relativ dunkel, geräuscharm und schwer ist, sich zu orientieren. Im „vom Aberglauben genährten Volksmund“ finden in diesem Kontext überdies nicht selten Geister bzw. „unruhige Seelen“ Erwähnung: Ein geradezu perfektes „Fundament“ für einen atmosphärisch-unheimlichen Horror-Streifen…

U.a. hatte sich Steven R. Monroe mit „Grave Halloween“ 2013 bereits mal (eher schlecht als recht) an einer diese reizvolle Materie aufgreifenden Genre-Produktion versucht – allerdings soll es im Folgenden hier nun um die 2016er Veröffentlichung „the Forest“ gehen: Ihres Zeichens das für zirka zehn Millionen Dollar realisierte Kino-Debüt Jason Zadas, welches samt eines Jugend-freundlichen „PG-13“-Ratings sowie mit zwei vorrangig für ihre Auftritte in Serien wie „Game of Thrones“ und „Chicago Fire“ geschätzten Akteuren in den Hauptrollen weltweit etwas mehr als das 3,7-fache seiner Kosten einzuspielen vermochte. Im Mittelpunkt der von den Drehbuchautoren Ben Katai („30 Days of Night: Dark Days“), Nick Antosca („the Cottage“) sowie der sonst als Schriftstellerin tätigen Sarah Cornwell („What I had before I had you“) verfassten Handlung steht die Amerikanerin Sara (Natalie Dormer), welche zu Beginn darüber informiert wird, dass ihre aktuell in Fernost als Lehrerin arbeitende Zwillingsschwester Jess (ebenfalls Dormer, nur mit schwarzen Haaren) bei einer Klassenfahrt zum Mount Fuji spurlos verschwunden sei – und da man sie beim Betreten des Aokigahara-Waldes gesehen hätte, gehe man inzwischen (nach ihrer ausgebliebenen Rückkehr) „vom Schlimmsten“ aus. Wer sich als Zuschauer nun fragt, warum keine weiterführenden Suchbemühungen eingeleitet wurden: Aufgrund des schwierigen Terrains und der Häufigkeit dieser Sachlage ist es tatsächlich so, dass die Behörden da jeweils nur in einem eingeschränkten Maße tätig werden…

Der Einstieg gefiel mir richtig gut: Sara bricht sogleich nach Tokio auf, während einem schön bündige Flashbacks einige zentrale Background-Details preisgeben – u.a. dass Jess seit jeher tendenziell depressiv veranlagt war sowie Probleme „regelrecht angezogen“ habe; entgegen ihrer bodenständigen, glücklich verheirateten, ihr wann immer nötig zu Hilfe eilenden Schwester, welche sich (basierend auf ihrer „gespürten Verbindung zueinander“) weiterhin sicher ist, dass die Vermisste noch unter den Lebenden weilt. Als sie die Schule besucht, an der Jess unterrichtet hat, löst das bei einigen Mädchen prompt Panik und Schrecken aus, da jene sie auf den ersten Blick für eine Gespenster-Erscheinung halten: Auf mehr als nur der evidenten Ebene funktioniert diese unheilschwangere Sequenz prima und mündet darin, dass Sara eine Reihe von Erläuterungen der besagten Zusammenhänge erhält und sich daraufhin dann umgehend auf den noch zu bewältigenden (rund 150 km umfassenden) Weg begibt. Nach ihrem Eintreffen wird sie in einem im Keller des lokalen Visitor-Centers eingerichteten Übergangs-Leichenaufbewahrungsraum stracks von einem (mauen) „Jump-Scare“ heimgesucht, am Abend kreuzt eine Gruppe Jugendlicher vor ihr die Straße und betritt schweigsam die Dunkelheit zwischen den Bäumen – und im Flur ihres Hotels rempelt sie (bei plötzlich zu flackern anfangender Beleuchtung) eine unheimliche alte Dame an: Semi-effektive Einzel-Momente, die leider nicht allzu inspirierter Natur sind…

Deutlich besser meistert der Film indes eine wichtige Schlüsselszene – nämlich Sara´s Kennenlernen des Reise-Journalisten Aiden (Taylor Kinney), der aktuell gerade den Ranger Michi (Yukiyoshi Ozawa) bei dessen Patrouillen durch das Gelände begleitet, um darüber in seiner Kolumne zu schreiben. Als er von dem Grund ihres Aufenthalts erfährt, bietet er ihr an, dass sie sich ihnen am kommenden Tag ja anschließen könne – und bittet sie im Gegenzug darum, ihre Story für einen künftigen Artikel verwenden zu dürfen. In Anbetracht ihrer limitierten Optionen willigt sie ein und berichtet ihm u.a. davon, dass Jess (anders als sie selbst) „viel Schlechtes“ miterlebt hätte – inklusive des Tods ihrer Eltern in ihrer Kindheit, beim Auffinden deren Leichen Sara damals die Augen geschlossen gehalten, Jess dagegen jedoch direkt hingesehen habe: Ein seitens einer Rückblende veranschaulichtes traumatisches Ereignis – bei dem sich ihre Schilderung und die zugehörigen Bilder allerdings nicht decken. Das Publikum merkt, dass sie offenkundig doch nicht so „gefestigt“ wie bis dato eigentlich angenommen ist – was simultan einen potentiellen „Angriffspunkt“ markiert, denn den Überlieferungen nach heißt es, dass wenn man auch nur „mit einem Hauch von Traurigkeit“ die offiziellen Pfade im Aokigahara verlässt, eben jene Empfindungen (durch verschiedene einen negativ beeinflussende Sinneseindrücke) eine derartige Potenzierung erfahren, dass der- oder diejenige für sich selbst irgendwann keinen anderen Ausweg mehr als Selbstmord sieht…

Auf ihrer Suche trifft das Trio im Wald auf so manches, das speziellen wahren Begebenheiten vor Ort entspricht, so wie man es von Fotos und/oder aus Artikeln zu dem Thema her kennt – wie z.B. um Bäume gewickelte oder sonstwie gespannte bzw. auf dem Boden liegende Seile und Bänder, die entweder zur Orientierung dienen, falls sich einer doch noch umentscheidet, oder zum schnelleren (späteren) Entdecken der Leichen. Überdies stoßen sie auf einen erhängten, länger bereits verwesenden Körper und begegnen jemandem, dem seine konkrete Absicht scheinbar weiter im Unklaren ist und der sich deshalb in ein mitgebrachtes Zelt zurückgezogen hat. Gegen Nachmittag erspähen sie dann ein weiteres solches, welches Sara sofort als das von Jess identifiziert – bloß ist von jener selbst in der näheren Umgebung keinerlei Spur auszumachen. Angesichts des baldigen Sonnenuntergangs drängt Michi darauf, „an der Stelle“ bis zum nächsten Morgen erst einmal abzubrechen – was für Sara allerdings nicht in Frage kommt: Unabhängig seiner warnenden Worte will sie bleiben und auf eine mögliche Wiederkehr ihrer Schwester warten. Beunruhigt marschiert Michi los – u.a. um mehr Leute zu mobilisieren – während sich Aiden ebenfalls zum Übernächtigen durchringt, um ihr Gesellschaft zu leisten sowie auf sie aufzupassen. Am entzündeten Lagerfeuer unterhalten sie sich noch etwas, bevor sie sich letztlich niederlegen: Sie in Jess’ hinterlassenem Stoff-Iglu – er ein paar Meter entfernt in seinem Schlafsack…

In jener Nacht wandelt sich der Film von einem zum Übernatürlichen hin tendierenden Drama zu einer Kombination aus psychologischem Horror und traditionellem Geister-Spuk. Was ist real – und was nichts weiter als Einbildung? Michi hatte ihr erklärt, dass Halluzinationen hier keine Seltenheit wären – dass der eigene (gezielt manipulierte) Verstand durchaus mit einem „gewisse Spielchen“ treiben könnte. Neben der immer stärker werdenden Unsicherheit, ob sie Aiden denn tatsächlich vertrauen kann, beginnen sie obendrein makabre Visionen zu plagen – u.a. von einem mysteriösen Schulmädchen (Rina Takasaki) und dem zuvor gefundenen Toten. Zunehmend steigen Paranoia und Panik in ihr auf, einzelne Lügen ihres Begleiters gelangen zum Vorschein und im Rahmen eines erzwungenen Auseinandersetzens mit dem Schicksal ihrer Eltern holen sie bestimmte „Schatten ihrer Vergangenheit“ ein. Wirklich tiefschürfend vollzieht sich das Ganze allerdings nicht – weshalb die angestrebte Intensität der betreffenden Einwirkungen und Offenbarungen nur selten erreicht wird. Statt sich stärker auf solche „inhaltlichen Felder“ wie Depressionen, Kindheitstraumata oder sonstige „seelische Abgründe“ zu konzentrieren, schlugen die Verantwortlichen eine oberflächlich-gängigere Richtung ein – nämlich die entlang der „Bahnen“ einer klassischen „Yurei“-Geschichte (siehe dazu bspw. das „the Grudge“-Remake), einschließlich einer Vielzahl der schon ausnehmend bekannten bzw. gewohnten „stilistischen Zutaten“ (à la verzerrte CGI-Fratzen)…

In der Hauptrolle schlägt sich die charismatische Britin Natalie Dormer („the Hunger Games: Mockingjay 1&2“) wacker: Ergiebig wird ihre Figur seitens des Skripts eingeführt – worüber hinaus es ihrer Darbietung klar mitzuverdanken ist, dass einem Sara (trotz ihrer Beharrlichkeit und einigen ihrer Verhaltensweisen) auch innerhalb des fortschreitenden Geschehens nicht „egal“ wird. In kurz gehaltenen Rückblenden, die Sara beim Interagieren mit Jess zeigen, ist Dormer besonders glaubwürdig und gut. Schade nur, dass beide Charaktere nicht noch reichhaltiger (also sozusagen „über den Genre-Standard hinaus“) ausgestaltet wurden – was ebenso auf die Parts von Taylor Kinney („Zero Dark Thirty“) und Yukiyoshi Ozawa („the Hidden Blade“) zutrifft, die jeweils zufrieden stellend agieren, aber schlichtweg nichts Substanzielles beizutragen haben. Ein weiterer „zentraler Protagonist“ ist quasi der Aokigahara selbst, welcher zwar keine konkreten „äußeren Bedrohungen“ aufbietet – wohl allerdings „individuelle Dämonen“ der ihn betretenden Menschen freizusetzen vermag. Überwiegend in Serbien gedreht, war ich enttäuscht von der Unausgeprägtheit der generierten Atmosphäre des Schauplatzes: Obgleich die Unübersichtlichkeit des Terrains, das ständig nur gedämpfte Licht sowie gelegentliche Nebelschwaden kein unbedingt behagliches Gefühl vermitteln, ist insgesamt jedoch kaum wahrhaft Gänsehaut-auslösendes zu registrieren. Filme wie „the Blair Witch Project“ oder sogar „YellowBrickRoad“ haben das besser hinbekommen…

Eventuell wollte Regisseur Zada den Wald bewusst „eher natürlich“ präsentieren, um die Gegebenheit zu unterstreichen, dass es sich ja um einen real existierenden Ort handelt – und/oder um einen stärkeren Kontrast zu den „paranormalen Elementen“ zu erzeugen. Die Sache ist bloß, dass er bei eben jenen wiederholt auf arg uninspiriert-konventionelle „Schock-Momente“ zurückgegriffen hat, die man inzwischen einfach bereits zu Genüge kennt. Relativ unbeeindruckend bebildert von Cinematographer Mattias Troelstrup („Don Verdean“) sowie zumindest mit einem soliden Sounddesign und einem erfreulich unaufdringlichen Score Bear McCrearys („10 Cloverfield Lane“) untermalt, gelingt es nur einer Handvoll (hier nicht weiter zu spoilernde) Szenen, rundum prima zu überzeugen. Dass nicht mehr aus der eigentlich überaus creepy-potentialreichen Materie herausgeholt wurde, ist im Grunde genommen echt ärgerlich: Verdient hätte sie (und das Publikum) nämlich wesentlich mehr als nur einen derart berechenbar-unoriginellen 08/15-Horror-Streifen. In diesem Sinne mutet leider auch das Finale nicht so „erschütternd“ an, wie es mit Sicherheit beabsichtigt war – und derjenige, der auf die Idee für die allerletzten Sekunden vorm Einsetzen des Abspanns gekommen ist, gehört meines Erachtens regelrecht geohrfeigt. Naja, immerhin hat „the Forest“ – welcher übrigens von David S. Goyer („Man of Steel“) mitproduziert wurde – einige ansprechend ins Auge fallende Poster- und Cover-Motive zu bieten…

knappe

Hierzulande erscheint der Film Anfang Juni 2016 auf DVD, BluRay sowie in Form eines “limitierten Mediabooks” (samt DVD, BluRay und Booklet) – und das ungeschnitten mit einer “FSK-16”-Freigabe aus dem Hause “Splendid/WVG”…

Stefan Seidlthe Forest

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the Forest

Copyright der Cover-/Poster-Motive und der Pics: AI-Film / Lava Bear Films / Gramercy Pictures (US) / Splendid Film/WVG (D)__ Infos zur deutschen VÖ:__ Freigabe: FSK-16__ Geschnitten: nein__ DVD/BluRay: ja/ja

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Categorised in: Psychohorror, Sonstige Highlights

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