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The Hit List

Originaltitel: The Hit List__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2011__Regie: William Kaufman__Darsteller: Cuba Gooding Jr., Cole Hauser, Jonathan LaPaglia, Ginny Weirick, Sean Cook, Drew Waters, Michael Papajohn, Brandon O’Neill, J.P. O’Shaughnessy, David Andriole, Daniel Brockley, Holt Boggs, Ron Balicki, Matt McColm u.a.
The Hit List

Cuba Gooding Jr. auf den Spuren von Tom Cruise in William Kaufmans „The Hit List“

Das Debütscript der Brüder Chad und Evan Law war das zu „Hero Wanted“ mit Cuba Gooding Jr. und auch der nächste Film, den das ausschließlich im B-Action- und -Thriller-Bereich tätige Duo verfasste, hatte den mittlerweile im B-Segment angesiedelten Oscarpreisträger in einer der Hauptrollen.

Doch obwohl Profikiller Jonas Arbor (Cuba Gooding Jr.) in der Szene vor den Credits (deren Gestaltung ein wenig an Bondfilme erinnert) auftaucht, so fokussiert sich der Film zunächst auf Allan Campbell (Cole Hauser), der gerade einen richtig beschissenen Tag hat: Die sicher geglaubte Beförderung versagt sein Boss Fred Gates (Jeff Mooring) ihm und gibt den Posten an den arschigen Kollegen Brian Felzner (Sean Cook), dem Kredithai Dom Estacado (Brandon O’Neill) schuldet er Geld und ist dafür schon verprügelt worden, und als er nach Hause kommt, erwischt er seine Frau Sydney (Ginny Weirick) mit seinem besten Freund Mike Dodd (Drew Waters). Allan ist ein Jedermann, eine Identifikationsfigur und einer der im Actionfilm eher seltenen Normalbürger in der Heldenrolle.

Allan beschließt sich die Hucke vollzusaufen und sucht die nächste Bar auf, in der auf Jonas trifft und mit diesem ein Gespräch anfängt – während der Zuschauer bereits Vorwissen über dessen Job genießt. Allan erzählt von seinen Problemen und bekommt von Jonas auf den Kopf zugesagt, dass er selbst daran schuld sei. Natürlich glaubt Allan ihm nicht, als er von seiner Profession erzählt und macht scheinbar im Scherz mit, als der todkranke und dadurch zum Freigeist gewordene Jonas ihn auffordert eine Todesliste zu schreiben, auf der Allan Gates, Felzner, Estacado, Mike und Sydney einträgt. Das hat ein wenig von „Strangers on a Train“, wenn der Normalbürger den Psychopathen nicht für voll nimmt, der es mit seinen absurden Plänen aber völlig ernst meint.

Am Ende des Abends pennt Allan betrunken in seinem Auto ein und Jonas verschwindet mit der Liste. Für den gebeutelten Ingenieur erfolgt ein wahrhaft böses Erwachen, als er am nächsten Morgen feststellen muss, dass Gates noch in der Nacht ermordet wurde und Jonas die Liste abarbeitet…

The Hit List

Verhängnisvolle Zufallsbekanntschaft: Jonas Arbor (Cuba Gooding Jr.) und Allan Campbell (Cole Hauser)

Trotz der an Hitchcock erinnernden Prämisse ist das deutliche Vorbild von „The Hit List“ das Michael-Mann-Meisterwerk „Collateral“, als dessen B-Variante hier Killer und Kleinbürger aufeinandertreffen und über weite Strecken des Films miteinander agieren. Auf der einen Seite der Auftragsmörder, durch die tödliche Krankheit vollkommen enthemmt und mit einer Mischung aus Skrupellosigkeit und Idealismus unterwegs: Einen unsympathischen, homophoben Moderator erledigt er ebenso wie alle, die seinen neuen „Freund“ verletzt haben und geht dafür auch gerne über weitere Leichen. Gleichzeitig sucht er den Tod, stellt Allan die Aufgabe ihn aufzuhalten, ähnlich wie die Titelfigur aus „Hitcher“ oder diverse Gothic-Schurken. Auf der anderen Seite steht Allan, den das Drehbuch bewusst unheroisch zeichnet, dessen Vorwürfe noch nicht einmal bestätigt werden: Ob Felzner tatsächlich Allans Idee geklaut hat oder dieser sich das nicht bloß einbildet, löst der Film nicht auf, ebenso wenig die Frage, ob Gates ihm die Beförderung tatsächlich versprochen hatte oder nur (wie Gates selbst behauptet) nur sagte, dass er Allans Arbeit schätze. Der Kredithai mag fies sein, das Geld schuldet Allan ihm trotzdem und auch der (vermeintliche) Ehebruch ist in erster Linie ein Hilferuf Sydneys angesichts der erkalteten Ehe.

So wird Jonas tatsächlich zum Mentor des Kleingeistes, der lernen muss was passiert, wenn jemand seine dunkelsten Gedanken in die Tat umsetzt, der endlich aktiv werden und Verantwortung übernehmen muss. Es ist etwas schade, dass die reizvolle Prämisse für ein eher standardisiertes Katz-und-Maus-Spiel genutzt wird, dass leider manchen Gedanken nicht zu Ende denkt: Dass Jonas ohne viel Vorbereitung die Gewohnheiten und Terminpläne seiner Opfer kennt, mag man noch hinnehmen, schade ist jedoch das ungenutzte Potential anderer Ansätze. Allan gerät nur kurz in den Verdacht die Morde begangen zu haben, die Regierungsagenten, die den abtrünnigen Geheimdienstkiller Jonas jagen, tragen kaum etwas zur Handlung bei, sieht man von dem netten Schlussbild ab. Immerhin ist William Kaufmans Film angenehm kurz und hat ein hohes Tempo, auch wenn man verschmerzen muss, dass der Held am Ende mit dem ältesten Trick der Menschheitsgeschichte gewinnt.

The Hit List

Profikiller Jonas spielt in einer anderen Liga als Normalbürger Allan

William Kaufman erwies sich davor („Sinners and Saints“) und danach („The Marine 4“) bereits als versierter Actionregisseur, beschränkt sich hier allerdings auf eine ganz schicke Verfolgungsjagd und eine kurze Ballerei in der Mitte, ehe der Film schließlich in einem famosen, ein wenig an „Terminator“ erinnernden Final-Shoot-Out in einem Polizeirevier mündet. Mit blutigen Einschüssen, relativ hohem Bodycount und erfreulich übersichtlicher Montage setzt Kaufman einen effektvollen Schlusspunkt, der zudem auch ganz gut den Kontrast der Hauptfiguren ausarbeitet: Übermann Jonas dezimiert im Alleingang die gegnerischen Cops, während Allan zu fliehen versucht und allein dadurch eine Chance erhält, dass die Polizisten Jonas verwunden können.

„The Hit List“ profitiert auch von seinen Hauptdarstellern. Cole Hauser („Jarhead 2“) ist in der Hauptrolle eine dankbare Identifikationsfigur, während Cuba Gooding Jr. („One in the Chamber“) ein wenig zum Overacting neigt, was aber durchaus mit seiner Figur des Killers, der über menschlichen Verhaltensweisen und -regeln steht, harmoniert, was auch an seinem Sprüchen wie „I just skip to the end credits of other people‘s lives“ und dem „Would it be funny“-Running-Gag zu sehen ist. Ginny Weirick („Ninja Cheerleaders“) in der weiblichen Hauptrolle ist okay, Jonathan LaPaglia („Moonlight“) als ermittelnder Detective setzt Akzente und in einer Nebenrollen konnte William Kaufman seinen „The Prodigy“-Hauptdarsteller Holt Boggs unterbringen.

Die Prämisse ist interessant, die wenigen Actionszenen haben Druck und das Hauptdarstellerduo macht einen guten Job, doch trotz interessanter Ansätze bleibt „The Hit List“ nicht mehr als eine solide B-Variante von „Collateral“: Zu vorhersehbar läuft die Geschichte ab, manche Plotstränge laufen ins Nichts oder werden sträflich unterentwickelt, etwa die Verdachtsmomente in Richtung Allan. Schade drum, denn inszenatorisch ist Kaufmans Film durchaus gelungen.

© Nils Bothmann (McClane)



The Hit List

Killer Jonas ist mit allen Wassern gewaschen

Allan Campbell erlebt einen der schlimmsten Tage seines Lebens und betrinkt sich daraufhin in einer Bar. Ein mysteriöser Fremder tritt an ihn heran und verwickelt ihn in ein Gespräch. Im betrunkenen Zustand übergibt Allan dem Mann, der sich als Profikiller ausgibt, eine Hit List mit fünf Namen von Personen, die dieser für ihn umbringen soll. Als Allan am nächsten Tag erfährt, dass sein Chef, der auf der Hit List stand, getötet wurde, wird ihm klar, dass aus dem anfänglichen Spaß bitterer Ernst geworden ist…

Ich weiß schon, warum ich mich niemals betrinke. Solche Dinge können mir nicht passieren. Allan steckt also mächtig in der Klemme, denn nachdem er seine Frau und seinen besten Freund zusammen im Bett erwischt hat, hat er auch ihre Namen – wie er dachte – zum Spaß auf die Hit List setzen lassen.

Cuba Gooding Jr. („Machete Kills“) glänzt als fieser Bad Guy, der sich wohl so mehr oder minder für den Killer der Killer überhaupt hält. Cole Hauser („Silent Assassins – Lautlose Killer“) spielt die Rolle des verzweifelten Ehemannes, dem klar wird, das er einen schweren Fehler begangen hat, ebenfalls überzeugend. Ebenfalls bekannt wird Serienfans der mittlerweile wohl in die Jahre gekommene Jonathan LaPaglia sein (u. a. bekannt aus der mittelmäßigen Sci-Fi-Serie “Seven Days”), der hier einen Cop mimen darf. Was er auch recht überzeugend macht.

Ich würde den Film als eine recht gelungene Mischung aus Drama und Actionthriller sehen, den Regisseur William Kaufman recht gut vorantreibt, hier und da vielleicht ein klein wenig Ideen klaut, was dem Film jedoch kaum schadet. Die Action sitzt vor allem in der zweiten Hälfte und ist dort durchaus vorhanden, ich würde sagen, ein kleiner Tick mehr als beim “Gesetz der Rache”. Es gibt u. a. eine recht halsbrecherische Verfolgungsjagd, ein zwei Explosionen (die allerdings etwas größer sein könnten, große Flammenzungen wie man sie aus den 90er Jahre-Krachern kennt, vermisst man dann doch) und einen ziemlich bleigeladenen Showdown. Langweilig wird es also nicht, man sollte jedoch auch nicht mit zu hohen Erwartungen an den Film herangehen, denn für ein richtig großes Actionfeuerwerk reicht es dann doch nicht ganz. Wohl aber für einen recht spannendes Action-Thrillerdrama mit einigen netten Actioneinlagen nebst erwähntem Baller-Showdown…

Einmalige Sichtung sollte eigentlich kein Thriller- und/oder- Actionfreund bereuen, denk ich.

© Cinefreak

Hierzulande ist „The Hit List“ nur auf DVD erschienen, ungekürzt ab 18 Jahren bei Sony und ohne Bonusmaterial.

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