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The Hunt (2020)

Mit „The Hunt“ nimmt sich das Blumhouse-Studio dem Genre des Menschenjagdfilms an. In diesem Mix aus Action und Horrorthriller erwacht eine Gruppe von Menschen in einem Wald und muss feststellen, dass Unbekannte sie zur Jagdbeute auserkoren haben. Die einzige Gemeinsamkeit der einander unbekannten Opfer scheinen ihre politischen Ansichten zu sein.

Originaltitel: The Hunt__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2020__Regie: Craig Zobel__Darsteller: Betty Gilpin, Emma Roberts, Ethan Suplee, Hilary Swank, J.C. MacKenzie, Justin Hartley, Glenn Howerton, Ike Barinholtz, Amy Madigan, Teri Wyble, Macon Blair u.a.
The Hunt

Menschenjagd zwischen Action und Horrorthriller aus dem Hause Blumhouse: “The Hunt”

Menschenjagdfilme gibt es immer wieder. Manche, wie „Harte Ziele“ und „Surviving the Game“, sind Actionfilme, andere, wie „Ready or Not“ oder „Happy Hunting“, dagegen eher Horrorthriller. Der reichlich generisch betitelte „The Hunt“ der einschlägigen Produktionsfirma Blumhouse setzt sich nun zwischen diese beiden Genrestühle.

Dabei reichte es für Craig Zobels („Compliance“) Film noch vor Start zum veritablen Aufreger. Erst wurde der Film wegen eines Amoklaufs aus Pietätsgründen verschoben, fast zeitgleich dann ungesehen zum Politikum, dem ausgerechnet US-Präsident Donald Trump nach Trailer-Sichtung Rassismus vorwarf, womit der Mann sein Nichtverständnis des Begriffs vorführte. Denn hier jagen weiße Amerikaner andere weiße Amerikaner (eine Ausnahme bestätigt nur die Regel), aber der wunde Punkt liegt ganz woanders: Die Eingangsszene deutet an, dass hier Liberale Jagd auf eine Horde Deplorables machen, das Ganze eventuell sogar als jährliches Ritual zelebrieren. Das mag bei der eher liberal eingestellten Firma Blumhouse auf den ersten Blick sinnig scheinen, aber an dieser Stelle muss man sich schon fragen: Ist man im Menschenjagdfilm nicht üblicherweise auf der Seite der Gejagten?

Zwölf Opfer gibt es jedenfalls, eines muss schon auf dem Flug zum Ziel dran glauben. Der Rest erwacht gefesselt und geknebelt im Wald, findet aber bald einen Container mit Waffen – und einem Schwein. Kaum hat sich das Grüppchen jedoch ausgerüstet, da wird auch schon das Feuer auf die Truppe eröffnet. Dabei hat „The Hunt“ sichtlichen Spaß daran, dass auch bekanntere Namen und Gesichter unerwartet früh und unerwartet derbe den Löffel abgeben und dass man den Zuschauer durch die Inszenierung bezüglich der potentiellen Hauptfigur täuscht, während die Reaktionen der Beute, die andere als Schneeflocken beschimpft und sich auf den zweiten Verfassungszusatz bezüglich Waffentragen beruft, schnell klarmacht, dass hier tatsächlich Konservative und Rechte zum Abschuss freigegeben sind.

Unter der schnell reichlich dezimierten Truppe stellt sich allerdings Crystal (Betty Gilpin) als ebenso toughe wie überlebensfähige Kämpferin heraus. Mit ihren verbliebenen Mitgejagten macht sie sich daran herauszufinden, was eigentlich gespielt wird, wer Jagd auf sie macht und warum nicht alles auf dem Spielfeld so ist, wie es scheint…

Zum Skandalfilm reicht es bei „The Hunt“ dann nach dem anfänglichen Sturm im Wasserglas nicht mehr, denn es ist nicht so, dass der Film irgendeine politische Partei ergreifen würde. Beide Gruppierungen wirken gleich lächerlich, egal ob es sich dabei um Verschwörungstheorien herausschreiende Rednecks handelt oder selbstzufriedene Elitevertreter, die ihre Opfer beim Fangschuss wissen lassen, dass der Klimawandel übrigens real sei. „The Hunt“ kippt die Buzz Words im Minutentakt über dem Publikum aus, von Deplorables über Crisis Actors bis hin zum vermeintlich gottgegebenen Recht auf Waffenbesitz. Ein paar Storyvolten beziehen sich auf die negativen Folgen von Social-Media-Shitstorms, die aber beide verbitterten Lager auf unterschiedliche Weise betreffen. Ähnlich wie „Team America“ von Trey Parker und Matt Stone keilt auch „The Hunt“ in jede erdenkliche Richtung aus und will, dass alle ihr Fett wegbekommen, hat dadurch aber auch keinerlei Aussage, außer vielleicht der, dass man es mit der medialen Anfeindung nicht übertreiben und die Gräben zwischen den Lagern wieder zuschütten solle – nur ist dieser laute, schrille Film vielleicht nicht der beste Überbringer einer solchen Botschaft.

The Hunt

Crystal (Betty Gilpin) erweist sich als äußerst wehrhaft

Ein großes Problem bei diesem Groteskenkabinett ist dann allerdings die Tatsache, dass es in der Unsympathenparade keine wirklich Identifikationsfigur gibt. Weder die selbstgerechten (und über weite Strecken nicht gezeigten) Jäger noch die keifenden Gejagten laden zum Mitfiebern ein. Bleibt also Crystal, aber die ist Teflon, denn jede menschliche Regung perlt an ihr ab. Sie hat zwar krasse Überlebensskills, auf die selbst die Heldin von „You’re Next“ neidisch wäre, erscheint aber phasenweise als zutiefst gestörte Person, etwa wenn sie ihre Version der Fabel vom Hasen und der Schildkröte vorträgt. Man erfährt so gut wie nichts über sie, was der Film wohl der finalen Überraschung wegen tut, aber so auch jede Sympathie für die Protagonistin räubert. Und dann ist der besagte Twist noch nicht einmal besonders sensationell. *SPOILER* Dass die wehrhafte Ex-Soldatin durch eine Verwechslung in die Sache hineingeraten ist, birgt zwar eine gewisse Ironie, denn die Jäger führen durch Betriebsblindheit ihren eigenen Untergang herbei. Allerdings wird die Heldin somit vollends zur Chiffre, eine unpolitische, gefühllose Tötungsmaschine, die am Ende als Siegerin vom Feld geht – das ist als Pointe fast schon gruselig. *SPOILER ENDE*

The Hunt

Hilfe, Polizei? Die Gejagten wollen dem Alptraum möglichst schnell entkommen

Das zweite große Problem liegt darin, dass „The Hunt“ große Teile seines Beute-Personals schon zum Auftakt hin wegputzt. So folgen auf das große Gemetzel dann diverse Parts, die man freundlich als Verschnaufpausen und weniger freundlich als Durststrecken bezeichnen kann – hier interagieren die stereotypen Pappkameraden miteinander, hier wird man mit den ziellosen Anspielungen und Referenzen bombardiert. Die längste Verschnaufpause/Durststrecke kommt vorm Showdown, wenn eine lange Rückblende die Hintergründe der Jagd erläutert, aber weniger Aha-Effekte liefert als intendiert. Ähnlich sieht es mit der Identität der letzten Schurkin aus, welche deren Gesicht der Film zwar bis dahin nicht zeigt, deren Darstellerin allerdings schon mit Blick auf die Besetzungsliste klar ist.

Allerdings folgt man über weite Strecken einer bewusst ausdrucks- und emotionsarm guckenden wie sprechenden Betty Gilpin („Stuber“), die damit tut, was Script und Regie von ihr verlangen, aber auch dementsprechend wenig Eindruck schindet. In mehr oder weniger großen Nebenrollen geben dagegen Leute wie Hilary Swank („Buffy – Der Vampir-Killer“), Ethan Suplee („Motherless Brooklyn“), Ike Barinholtz („Bright“), Amy Madigan („Straßen in Flammen“) und Emma Roberts („Paradise Hills“) dem Affen ordentlich Zucker und spielen die grotesken Politberserker auf beiden Seiten immerhin mit großer Freude.

The Hunt

Die Beute darf sich zwecks Selbstverteidigung vor der Jagd bewaffnen

Und wenn es bei „The Hunt“ dann mal zur Sache geht, dann kann sich das durchaus sehen lassen. Das Stuntteam um Hank Amos („X-Men: Dark Phoenix“), Heidi Moneymaker („John Wick 3“) und Travis Caverhill („Bloodshot“) sowie die Effektleute hängen sich rein, um Schusswechsel, Fights und diverse Tötungen mit Gekröse und Schauwerten auszustatten. Opfer tapern in Fallgruben und Sprengfallen, Absätze werden in Augen gedroschen, Flüchtende mit Pfeilen in Nadelkissen verwandelt – hier wird blutig gestorben, wenn auch dosiert und nicht überhart. Die meisten Actionszenen sind eher kurz, abgesehen vom finalen Fight, bei dem sich die Kontrahentinnen durch ein Landhaus prügeln und die Einrichtung wahlweise demolieren oder als Waffe benutzen. In diesen Szenen hat „The Hunt“ dann die typischen Schauwerte eines knalligen Menschenjagdfilms – schade nur, dass er sie etwas sparsam einsetzt werden.

Hübsch anzuschauen und einigermaßen kurzweilig ist Zobels Film unterm Strich dann immerhin, nur leider verpackt er seine Action- und Metzelschauwerte dann in eine ziellose Politparabel, deren Twists selten so gut funktionieren wie gedacht. Der Mangel an Sympathiefiguren oder auch nur echten Charakteren in dieser versuchten Satire tut dann sein Übriges – „The Hunt“ nutzt sein Potential nicht aus, was schade ist, denn Look und Krawallszenen stimmen schon.

Die Pechsträhne von „The Hunt“ hielt auch beim Kinostart 2020 an. Da zum geplanten Release die Corona-Pandemie ausbrach, wurde er in den USA direkt als Leih-VoD zum Kinoticketpreis angeboten. In Deutschland geht Universal nun ähnlich vor und bietet den Film seit 14. Mai zum digitalen Leihen an. Wer ein Autokino in der Nähe hat, kann den Film dort auch auf Großleinwand sehen, denn dort wurde der Kinostart eingehalten.

© Nils Bothmann (McClane)

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