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The Last Days on Mars

Originaltitel: The Last Days on Mars__Herstellungsland: Großbritannien, Irland__Erscheinungsjahr: 2013__Regie: Ruairi Robinson__Darsteller: Liev Schreiber, Romola Garai, Elias Koteas, Olivia Williams, Johnny Harris, Goran Kostic, Tom Cullen, Yusra Warsama u.a.
The Last Days on Mars

Liev Schreiber im Sci-Fi-Horror-Mash-Up “The Last Days on Mars”

Für ein achtköpfiges Team von Wissenschaftlern geht ein sechsmonatiger Aufenthalt auf dem Mars zu Ende. Obwohl sich einige bereits wieder nach ihrer Heimat und ihren Familien sehnen, spürt man auch eine gehörige Portion Unzufriedenheit unter den Teammitgliedern. Eigentlich sollte man nämlich nach Spuren von Leben auf dem Mars Ausschau halten, doch diese Mission ist mal so richtig gründlich gescheitert. Die daraus resultierende Unzufriedenheit schlägt bei manchen Wissenschaftlern gar in latente Aggressivität um.

Als einer der Wissenschaftler plötzlich an- kündigt, nach einem kaputten Sensor auf der Marsoberfläche gucken zu wollen, werden seine Kollegen sofort misstrauisch. Sie durchsuchen die Forschungsergebnisse des soeben durch eine Luftschleuse Verschwundenen. Und sie finden eine Gesteinsprobe, die bakterielles Leben in sich trägt! Fast zeitgleich bezahlt der Wissenschaftler seine Entdeckung mit dem Leben, als er am Fundort der Probe verunglückt. Dabei kommt er in Kontakt mit den Bakterien, die seinen toten Körper übernehmen und versuchen, sich zu verbreiten. Mit tödlichen Folgen für die anderen Wissenschaftler…

The Last Days on Mars

Liev Schreiber gibt den Helden in “The Last Days on Mars”

„The Last Days on Mars“ macht vor allem zu Beginn einfach alles richtig! Die Ausstattung ist wertig, die Effekte funktionieren, die Darsteller treffen den intendierten Ton punktgenau und die langsamen, schleichenden Kamerafahrten bauen in Verbindung mit dem zurückhaltenden Soundtrack eine latent bedrohliche Atmosphäre auf. Auch wenn die ersten Untoten im wirklich creepy Maskendesign durch die Gänge schlurfen, kommt ordentlich Stimmung auf. Nicht nur optisch erinnern sie frappierend an Zombies, eine (harmlos bebilderte) Fressszene verstärkt diesen Eindruck nur noch. Doch die durch die Bakterien gelenkten Körper sind keine simplen Zombies, denn sie sind in der Lage, Werkzeuge praxisgerecht zu nutzen und sogar mit Sprengstoff vermögen sie zu hantieren.

Schade ist allerdings, dass man um die Infizierten herum keine eigene Mythologie aufbaut. Stattdessen reißt man viele Punkte an, denkt sie aber nicht zu Ende. Warum sind die Untoten so begierig auf Wasser? Warum töten die Bakterien potentielle Wirtskörper erst, bevor sie sich richtig in ihnen ausbreiten? Was hat es mit den angedeuteten Mutationen der Befallenen auf sich? Kurzum: Eigentlich wünscht man sich mit Auftauchen des Bakteriums eine Szene, in der ein Wissenschaftler durchs Mikroskop starrt und wenigstens versucht, das Bakterium irgendwie pseudowissenschaftlich zu erklären. Wo kommt es her? Warum ist es im Inneren des Marses?…

The Last Days on Mars

Diese Zombies können sogar mit Werkzeug hantieren…

Stattdessen versteift sich „The Last Days on Mars“ im Mittelteil auf Gang-Geschleiche in der wissenschaftlichen Basisstation auf dem Mars. Das hat aufgrund der düsteren Bildkompo- sitionen durchaus einen gruseligen Effekt, wirklich packen will einen das Gebotene aber nicht. Auch ein paar echte Jump Scares vermisst man. In diesem Abschnitt hat man zunehmend das Gefühl, dass der Film weitaus mehr sein könnte als er letztlich ist. Die gesamte Ausgangslage hat soviel mehr Potential, einzig es wird einfach nicht ausgenutzt.

An den Darstellern liegt das im Übrigen nicht wirklich, eher an den arg simpel gezeichneten Figuren, die zudem immer dümmer agieren. Mit Liev Schreiber („X-Men Origins: Wolverine“) übernimmt hier mal einer aus Hollywoods ewiger zweiter Garde die Hauptrolle und er gibt rein physisch und vom Auftreten her einen ordentlichen Helden ab. Was allerdings die seltsamen Panikattacken rund um seinen Charakter bringen sollen bzw. was sie ihm für zusätzliche Dimensionen verleihen sollen, dass erschließt sich zu keiner Sekunde. Olivia Williams („Sabotage“) darf derweil eine Art Neuinterpretation einer arg angepissten Ripley aus „Alien“ geben, ihre Figur bleibt aber komplett in diesem Modus hängen und wirkt so extrem eindimensional. Elias Koteas („Shooter“) wird als Chef der Crew viel zu flott aus dem Spiel genommen und Romola Garai („Abbitte“) steht immer mal attraktiv in einer Ecke herum. Die anderen Darsteller verkörpern größtenteils vollkommen nichtssagende und überflüssige Figuren.

The Last Days on Mars

… was ihm als ersten klar wird.

Das interessanteste Element an „The Last Days on Mars“ ist die noch immer nicht häufig gesehene Kombination aus Horror und Science Fiction. Leider fällt dem Drehbuch nicht viel ein, um daraus einen spannenden Plot zu entwerfen. Vielmehr erinnert der Film stark an einen Wiedergänger von „Apollo 18“, der im Grunde die gleiche Ausgangsprämisse hatte (also bakteriologisches Leben, welches das menschliche in lebensfeindlicher Umgebung zu übernehmen beginnt) und sie im kleineren Rahmen sehr ähnlich und oftmals effektiver durchzog. Auch „The Thing“ kommt einem freilich in den Sinn, winkt allenthalben aber aus weiter Ferne und schaut gnädig auf beide Filme herab. In Sachen Ausstattung und Effekte übertrifft „The Last Days on Mars“ den kleiner skalierten „Apollo 18“ deutlich. Unfreiwillig komisch ist, dass sich „The Last Days on Mars“ selbst schon einen gewissen wissenschaftlichen Anstrich gibt (die Fahrzeuge, die Raumanzüge und die Stationen auf dem Mars wirken schon sehr glaubwürdig), dann allerdings die verminderte Schwerkraft auf dem Planeten vollkommen ausblendet! Der größte Pferdefuß an an dem Film ist jedoch seine Spannungskurve: Baut Regisseur Ruairi Robinson zu Beginn noch gekonnt Spannung auf, geht ihm diese im Mittelteil des Streifens dank klischeehafter und sattsam bekannter Abläufe mehr und mehr verloren. Kurz vor dem Showdown entlässt er seine Zuschauer urplötzlich komplett aus der Umklammerung und fährt die Spannung mittels sinnloser Dialoge auf ein Minimum zurück. Eine seltsame Vollbremsung, von der sich der Film nicht mehr erholt. Am Ende bleibt solide Unterhaltung, die aber deutlich mehr hätte reißen können…

Die deutsche DVD/Blu-ray erscheint am 15. August 2014 von Universum Film. Der Hauptfilm wurde mit einer erstaunlichen FSK 12 Freigabe freigegeben, DVD und Blu-ray tragen wegen der Extras aber eine FSK 16 Freigabe. Interviews mit Cast und Crew, eine Visual Effects Featurette und eine B-Roll zum Film runden das Paket ab.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Universum Film__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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