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The Last Sentinel

Originaltitel: The Last Sentinel__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2007__Regie: Jesse V. Johnson__Darsteller: Don ‘The Dragon’ Wilson, Katee Sackhoff, Bokeem Woodbine, Keith David, Peter Allas, Matthew R. Anderson, Steven Bauer, Joe Hess, Maddy Howard, Erken Ialgashev, David Mattey u.a.
The Last Sentinel

Don Wilson keilt sich durch den Jesse V. Johnson Kracher “The Last Sentinel”

In einer postapokalyptischen Welt haben die Maschinen den Kampf gegen die Menschheit scheinbar gewonnen und selbige fast vollständig ausgerottet. Nur noch wenige streifen durch die zerstörten Gebiete, die einmal bewohnt wurden von der Krankheit Mensch. Einer von ihnen ist Tallis. Doch Tallis würde von „normalen“ Menschen sicher eher als Cyborg denn als Mensch bezeichnet werden, auch wenn er nur ein einziges kybernetisches Element in sich trägt und das ist eine Art Sonde im linken Auge. Tallis gehörte zu der letzten Welle menschlichen Widerstandes gegen die Kampfdrohnen der Maschinen. Doch seine gesamte Einheit wurde mir nichts dir nichts komplett ausgelöscht. Nun versucht er nur noch zu überleben, bis ihm eine junge Frau über den Weg läuft, die eine Möglichkeit zu kennen scheint, die Maschinen auszuschalten. Tallis Lebensgeister sind geweckt …

„The Last Sentinel“ bedient sich recht ungeniert bei den großen Post Apokalypse Reißern des Genres und mutet daher wie ein Widergänger von „Nemesis“, „Cyborg“ oder „American Cyborg“ an, ohne einem der Franchises irgendetwas Neues hinzufügen zu wollen. Regisseur und Drehbuchautor Jesse V. Johnson ging es einzig und allein um eine passable Grundlage für einen nicht enden wollenden Actionreigen und den hat er letztendlich auch gefunden. Dabei gelingt es ihm sogar – wie schon bei „Pit Fighter“ – die Hintergründe seiner Hauptfigur recht lange im Dunkel zu lassen und sie wie die Gründe für die Apokalypse erst allmählich vor dem Auge des Zuschauers aufzudröseln. So hat Jesse V. Johnson bis kurz vor Schluss durchaus etwas zu erzählen, doch dann gehen ihm ein wenig die Pferde durch. Denn hier installiert er plötzlich aus dem Nichts eine neue Bedrohung für Tallis und Co., gerät die zu zerstörende Drohnenbefehlsbasis zu einem PC mit einer CD-Rom und steht Tallis wie von Wunderhand auf einmal vor dem Anführer aller Drohnen, ohne dies je gewollt zu haben. Hier merkt man, dass Johnson einfach schnell den Sack zu machen wollte, denn der Showdown gerät zu einer höchst holprigen und leicht planlosen Angelegenheit.

The Last Sentinel

Don Wilson und Bokeem Woodbine kämpfen gegen die Maschinen in “The Last Sentinel”.

Was vermutlich auch mit der offenkundigen Budgetknappheit zu tun haben dürfte. Zunächst einmal muss man konstatieren, dass Johnson aufgrund seiner durchaus vorhandenen Erfahrungen als Second Unit Regisseur und als Stuntdirector wirklich großer Hollywoodblockbuster ein Auge für gute Bilder entwickelt hat und sich auf den Sets einiges an Professionalität abgeschaut haben muss. Denn bei aller Trostlosigkeit der Sets zerstörter Landschaften gelingen ihm Bilder, die man in einem Film dieser Preisklasse niemals erwartet hätte. Dabei steckt er die eingangs erwähnten Vorbilder allesamt mühelos in die Tasche und präsentiert herrlich kaputte, recht düstere Impressionen einer zerstörten Welt, die auch vor einer gewissen Detailfreude nicht halt macht: Verweste Gerippe hier, Zeugen der alten Zivilisation da … Johnson versteht es einfach, seine Filme nicht billig wirken zu lassen.

Problematisch wird es dann leider in der Königsdisziplin und das ist in diesem Falle die Action. Hier merkt man, dass Johnson wirklich unter einer starken Budgetrestriktion litt. Denn viele der Shootouts sind so statisch und undynamisch geraten, dass man sich fast in einer 08/15 Don Wilson Gurke wähnt, deren Action irgendwie immer genauso ausschaute. Die Rede ist von Szenen, in denen die Helden ohne jede Deckung auf die Gegner zu rennen und nie getroffen werden, irgendwann zurückballern und irgendwie auch nichts treffen, bis man auf Nahkampfdistanz gekommen ist und ein wenig unspektakulär kickt. Hier hätten mindestens zwei weitere Kameras spannungsfördernde Perspektiven liefern können und wäre der Cutter einfach deutlich mehr gefordert gewesen. Es kann einfach nicht sein, dass man als Zuschauer sowohl Gegnern als auch Helden beim Denken zusehen kann und sich nur fragt, warum die nicht endlich ballern. Und derartige Momente hat es leider einige. Sehr peinlich geraten auch wieder die Fights vom Dragon Don. Eine Choreographie ist hier ebenso wenig zu erkennen wie flüssige Bewegungsabläufe oder irgendein stringenter Zusammenhang. Traurig auch der Endfight gegen die Oberdrohne, bei dem fett mit Samuraischwertern geposed wird, wirklich zum Einsatz kommen sie aber nicht. Ist „The Last Sentinel“ also eine Don Wilson Actiongurke wie gewohnt?

The Last Sentinel

Don Wilson mal ausnahmsweise mit ordentlicher Frisur …

Nur bedingt, denn hier und da blitzt Jesse V. Johnsons Können einfach genial auf. Der erste nicht enden wollende Shootout im Soldat James Ryan Look macht gehörig Laune, ist herrlich knallig umgesetzt, greift auf fette Feuerbälle zurück und bedient sich einer amtlichen Härte, bei der schon mal Köpfe explodieren oder Soldaten sehr krasse Durchschüsse und Headshots verpasst bekommen. Hier ist Johnson in seinem Element, inszeniert druckvoll und dynamisch und kann den geifernden Actionafficionado mühelos zufrieden stellen. Auch verwendet er die „Kamerarüttler“, die man schon aus „Pit Fighter“ kennt, und die den Feuergefechten zusätzliche Wucht verleihen. Hier und da offenbart er aber auch Ansätze, die in Richtung „Bourne“ gehen, hier aber rein finanzielle Hintergründe haben werden und eben das Schmalspurbudget bestmöglich verbergen sollen. Das klappt anständig, passt als Stilmittel aber nicht immer auf diesen Streifen. Technisch interessant ist auch der Score zum Film, der mit fett aufgezogenen Chorälen die Action immer passend untermalt und mal so gar nicht nach B-Film klingt! Dickes Ding und einfach megakultig heroisch …

Darstellerisch braucht man von „The Last Sentinel“ nicht mehr und nicht weniger als Magerkost erwarten. Don – the Dragon – Wilson („Lion Strike“) hat mir als stille Kampfmaschine ganz gut gefallen und hier und da blitzte sogar so etwas wie Charisma auf, da auch er mittlerweile keinen Hehl mehr aus seinem Alter macht. Im Großen und Ganzen fährt er aber die gewohnte Donschiene und das ist nun einmal kein Qualitätskriterium. Obendrein ist imo er einer der Hauptschuldigen für so manch undynamische Actionszene, da er mit seinem geerdeten Kampfstil einfach keine Highlights setzen kann/will und es auch nicht tut …

Katee Sackhoff kennt man mittlerweile nur zu gut als kämpferische Starbuck in „Battlestar Galactica“ und hier wie dort wuchtet sie sich mit einer äußerst sympathischen Performance durch den Film und spielt den Don ohne große Mühen an die Wand. Dass Johnson sie irgendwann recht ungelenk aus dem Film nimmt, nur um sie am Ende im Showdown komplett zu verschenken, ist ein echter Verlust für den Streifen. In den Nebenrollen findet man dann einige Johnson Regulars. So Steven Bauer („Pit Fighter“) und Dominique Vandenberg („Alien Agent“), die aber beide maximal bessere Cameos bestreiten. In weiteren, ebenfalls sehr kurzen Rollen, geben sich Keith David („Pitch Black“), Bokeem Woodbine („Total Recall 2012“) und Kicker Jerry Trimble („The Master“) die Ehre.

The Last Sentinel

Die zerstörte Welt des Filmes macht wirklich Laune!

Einen wirklich negativen Punkt muss man dringend noch benennen. Johnson hatte den seltsamen Einfall, den Waffen der Menschen eine KI zu verpassen. Diese äußert sich dahingehend, dass sie wie KITT aus „Knight Rider“ immer wieder einmal Zwiegespräche mit den Helden halten. Das mutet anfangs noch wie eine nette Idee an, geht einem aufgrund des Dünnpfiffs, den die Waffen verbrechen, aber irgendwann nur noch auf den Senkel. Highlight bildet dahingehend eine Szene, in der Don und Katee in Deckung abwarten, während ein Trupp Drohnen an ihnen vorbeiläuft. Auf einmal meint die Waffe in normaler Lautstärke: Sie haben uns wohl entdeckt … DANACH haben die Drohnen die beiden Helden dann wirklich entdeckt … Schlimm … ganz schlimm.

Dennoch ist Johnson bei allen Mängeln, die eben irgendwo auch auf seine Kappe gehen, der Hauptgrund für das Gelingen der Mission „The Last Sentinel“. Er hat seinen Streifen weitgehend absolut im Griff, inszeniert straff und ohne großen Leerlauf (die angedeutete Liebesgeschichte zwischen Katee und Don ist so sinnlos, dass sie auch umgehend wieder fallen gelassen wird), errichtet eine nett düstere Atmosphäre und schafft es, seinen Streifen weitaus besser aussehen zu lassen, als das dem Gros der derzeit aktuellen B-Schinken zusammen genommen gelingen will. Johnson holt optisch wirklich das Maximum aus seinen Budgets heraus, Drehbuch und Schauspielführung bleiben dabei aber (noch?) auf der Strecke.

Die DVD zum Film kommt von MIG und ist mit einer FSK 16 uncut (es existieren auch Angaben über eine FSK 18 Leih DVD, deren Freigabe aber auf der hier dargebotenen Trailershow beruht) und hat leider keine so runde Synchronisation an Bord. Insbesondere Don Wilsons Stimme ist ab und an sehr suboptimal in der Betonung und auch Starbuck tönt ganz anders als gewohnt. Schade … Ansonsten ist die DVD aber technisch absolut gelungen.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: MIG__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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