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The Marine 4: Moving Target

Originaltitel: The Marine 4: Moving Target__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2014__Regie: William Kaufman__Darsteller: Mike ‘The Miz’ Mizanin, Melissa Roxburgh, Paul McGillion, Danielle Moinet, Curtis Caravaggio, Matthew MacCaull, Josh Blacker, Fraser Aitcheson, Primo Allon u.a.
The Marine 4: Moving Target

Der neueste Ausstoß der WWE Studios heißt “The Marine 4” und fährt Daueraction satt auf. Mittendrin: “The Miz”

Der Autor dieser Zeilen ist ca. vor einem Jahr wieder zu einem kleinen Wrestling-Aficionado mutiert. Als solchem ist mir inzwischen freilich auch „The Miz“ ein Begriff. Was vor dem Goutieren von „The Marine 3“ noch nicht der Fall war. Zum Glück, denn sonst hätte ich den Film eventuell ein wenig anders gesehen. In „The Marine 3“ gefiel mir der WWE-Superstar nämlich ziemlich gut. Er war physisch präsent und kam gar nicht so unsympathisch rüber. Das Bild hat sich inzwischen leicht gedreht, denn im Rahmen der WWE-Storylines ist „The Miz“ schon ein absoluter Unsympath. Als solcher darf er aktuell eine köstliche Geschichte um sich und sein persönliches Double Damien Sandow bestreiten. Nachdem Damien für „The Miz“ einige Male Prügel einstecken musste und auch von seinem „Geldgeber“ ordentlich unterdrückt wurde, strebt Sandow inzwischen nach Unabhängigkeit. Im Zuge dessen will er gar den Namen und die Special Moves seines ehemaligen „Arbeitgebers“ vertraglich zugesichert bekommen. Dass der A-Lister, wie sich „The Miz“ wegen seinen „The Marine“-Auftritten auch bezeichnet, das nicht gerne sieht, dürfte wohl jedem klar sein…

Doch das Publikum steht eindeutig zu Sandow, was eben auch die Wahrnehmung von „The Miz“ noch einmal um ein Vielfaches negativiert. Nun ist freilich alles an der großen Stuntshow WWE genau das: Eine riesige Show. Sich im Ring befehdende Sportler sind hinter den Kulissen beste Freunde und auch über Mike „The Miz“ Mizanin halten sich hartnäckige Gerüchte, dass er abseits des Ringes einer der offensten und sympathischsten Stars des Wrestling-Zirkus’ sein soll. Dennoch, während ich die Blu-ray von „The Miz’“ neuem Film „The Marine 4: Moving Target“ einlege, verspüre ich doch ziemliche Ressentiments gegen den Wrestler und kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass ein Film mit einem solchen Helden wirklich kicken kann… Doch ich lag komplett falsch! Denn das B-Actionvehikel der WWE Studios für den Wrestling-Star entpuppte sich als fantastisch unterhaltender Actionböller!

Die Story des Streifens ist dabei wirklich flott abgehakt. Ex-Marine Jake Carter ist nach den Ereignissen in „The Marine 3: Homefront“ einem Sicherheitsdienst beigetreten und soll bei seinem ersten Auftrag eine junge Whistleblowerin vor gefährlichen Söldnern beschützen. Olivia Tanis hat nämlich Beweise für wissentlichen Pfusch an Ausrüstungsgegenständen der US-Armee gesammelt. Als Schuldigen will sie die „Genesis Defense Corporation“, den wichtigsten Waffenlieferanten der USA, vor den Pranger des Untersuchungsausschusses des Senats zerren. Dass „Genesis“ da etwas dagegen hat, dürfte jedem klar sein, der inzwischen schon den einen oder anderen Actionfilm gesehen hat. Die Firma eröffnet die Jagd auf Olivia, der trotz massivem Personenschutzes ziemlich schnell nur ein einziger Verbündeter bleibt: Jake Carter…

Diese Story wird in „The Marine 4: Moving Target“ in den ersten zehn Minuten in flotten Schritten installiert und entwickelt sich ab diesem Zeitpunkt weder weiter noch wird sie umfangreicher oder hat irgendwelche Twists in petto. Regisseur William Kaufman („Sinners and Saints“) lässt die Story Story sein und zündet einfach eine Actionszene nach der anderen. Direkt in die Etablierung der Ausgangsstory platzt die erste Actionszene. In dieser wird der Sicherheitskonvoi, der Olivia zum Ort ihrer Aussage bringen soll, komplett auseinandergenommen. Der Actionfan bemerkt sofort frohlockend, dass die Söldnerhalunken, die Olivia „einbremsen“ sollen, in großer Zahl angerückt sind, was für den weiteren Verlauf einen beachtlichen Bodycount andeutet. Dass die Kerle wirklich ausnahmslos auf automatische Großkaliber setzen, lässt den Actionfan nur noch mehr grinsen.

The Marine 4: Moving Target

Jake Carter muss als besserer Bodyguard eine Whistleblowerin beschützen.

Jack und Olivia können sich zu einem Safe House retten, das schnell zum Schauplatz der zweiten großen Actionszene mutiert. Von hier geht es zu einem Polizeirevier, das in einer dritten, ausladenden Actionszene zerlegt wird. Hier geht der Bodycount doch sprunghaft nach oben. Absolut positiv fiel auf, dass der Film entgegen seines Trailers keine reine Wald- und Wiesenhatz geworden ist. Kaufman bemüht sich spürbar um abwechslungsreiche Schauplätze für seine Action… Actionszene vier geht flüssig aus dem Polizeirevier-Geballer hervor. Jack und Olivia flüchten mit einem Truck vor ihren Verfolgern. Währenddessen wird sich wieder ausgiebig mit automatischen Sturmgewehren beharkt.

Und dann steigt auch schon der Showdown. Diesen zelebriert Kaufmann über 20 Minuten hinweg und präsentiert ihn als einen Mix aus Menschenjagd-Streifen und Rambo-Guerilla-Taktiken. Spätestens jetzt sollte eigentlich jeder Actionfan nur noch frohlocken. Denn „The Marine 4: Moving Target“, der bisher schon alles andere als zimperlich mit seinem menschlichem Figureninterieur umging, legt noch einmal einige Schippen drauf und dürfte die FSK in manchem Moment durchaus hart schlucken lassen haben. Jetzt werden Genicke gebrochen, Kehlen aufgeschlitzt und das Blut benetzt den Waldboden. Die Kopfschüsse sitzen und die eine oder andere Falle von Jake sorgt sogar für leicht splattrige Momente! Dazu kommen wirklich brutale Infights, in denen „The Miz“ zwar nicht auf seine Wrestling-Moves, dafür auf ziemlich effektive Kampfsportskills zurückgreifen darf. Der Showdown rockt, und zwar richtig!

Leider merkt man gerade in der Action immer wieder auch, dass „The Marine 4: Moving Target“ nicht zu viel kosten durfte. Dementsprechend wird zwar viel geballert und gestorben, aber richtig aufwändige Actionszenen, fette Explosionen oder gigantische Shootouts bleiben leider aus. Während die gefühlt zu Tausenden durch die Luft fliegenden Kugeln an Autos und Gebäuden noch sichtbare und oldschoolig getrickste Trefferwirkungen hinterlassen dürfen, sind die Treffereffekte bei den Menschen ein seltsam unentschlossener Mix aus CGI-Effekten und wirklich saftig aufplatzenden Bloodpacks. Während bei allen Kopfschüssen ausschließlich auf CGI und damit eine einheitliche Linie gesetzt wird, schien man sich bei den Körpertreffern nicht einig geworden zu sein. Dementsprechend gibt es hier ohne erkennbares Muster oder offenkundig werdenden Grund mal das eine, mal das andere zu sehen. Wobei die CGI-Effekte merklich abfallen. Ein weiteres Problem in den Actionszenen ist, dass in dem Film wirklich soviel geballert wird, dass es irgendwann selbst im Rahmen der Logik des Actiongenres einfach unrealistisch ist, dass über lange Strecken wirklich gar nichts getroffen wird. Der Bodycount ist zwar hoch, dennoch hätte er alleine aufgrund des massiven Munitionsverbrauchs etwa 3-4 mal so hoch sein müssen. Das erinnerte mich an selige „Nu-Image“-Zeiten, wo auch immer niemand irgendwas getroffen hat…

The Marine 4: Moving Target

Olivia ist leider genauso schutzlos wie nervig.

Doch das ist in diesem Fall wirklich mal Meckern auf hohem Niveau. Denn sowohl die Menge der Actionszenen, ihre jeweilige Länge und ihre Verteilung über den Film ist absolut klasse! Es wird einiges an Abwechslung geboten, der Film transportiert eine angenehme Grundhärte und erinnert in vielen Momenten an die alten Kracher längst vergessener Zeiten. Mike „The Miz“ Mizanin macht dabei in der Action eine tolle Figur. Sein Waffenhandling überzeugt, seine Fights haben Schmackes und in dem ewigen Gerenne und Gehetze ist der topfitte WWE-Superstar eine sichere Bank. Schauspielern muss er in dieser Abfolge von Actionszenen kein Stück. Seine Figur definiert sich alleine über ihre Taten und dabei kommt „The Miz“ ausreichend sympathisch rüber. Was man über Melissa Roxburgh als Olivia nicht sagen kann. Die Figur ist so zickig und nervig angelegt, dass man sich mehr als einmal fragt, warum Jake Carter sie nicht eigenhändig umnietet. Und Frau Roxburgh schafft es auch nicht wirklich, ihrer Figur etwas Charisma oder Glaubwürdigkeit einzuimpfen. Josh Blacker („Elysium“) und Matthew MacCaull geben die Bad-Ass-Doppelspitze und machen eigentlich einen guten Job, haben aber natürlich das Problem, dass sie gegen den unverwundbaren Jake Carter nicht wirklich wie professionelle Killer rüberkommen. Hier hätte man auch abseits der Verfolgungsjagd für etwas Kollateralschaden sorgen sollen, um die beiden stärker zu dämonisieren. In den Reihen der Verfolger gibt die Wrestling Diva Danielle Moinet alias Summer Rae ihr Filmdebüt, hat aber das gleiche Problem wie die anderen Bösewichter von „The Marine 4: Moving Target“: Sie kommt nie so wirklich im Film an und entwickelt auch keine Gefährlichkeit, hat aber zumindest einen knackig kurzen, netten Fight gegen „The Miz“.

Kurzum: Fehlerlos ist „The Marine 4: Moving Target“ weiß Gott nicht. Selbst in der Daueraction des Streifens hakt es ab und an. Dennoch gefällt, wie konsequent Regisseur William Kaufman seinen Film auf Old School trimmt. Story, Charakterentwicklung oder hochtrabende Dialoge sind ihm vollkommen egal. Er drückt einfach permanent aufs Gaspedal und reiht Actionszene an Actionszene. In diesen bietet er für den Helden eine große Gegnerschar auf, die Kaufmann sogar mehrmals aufstockt, damit es nicht langweilig wird. Die Action inszeniert der Regisseur zupackend und ohne Mätzchen. Schnittgewusel und Wackelkamera bleiben außen vor. Das Tempo der Action des mit gedeckten, kalten Farben arbeitenden, in Kanada inszenierten Streifens stimmt trotzdem (auch wenn so mancher Regisseur „moderner“ Action das kaum glauben wird). Die wenigen Minuten zwischen den Actioneinlagen leiten gekonnt und kurzweilig zur nächsten Actioneskalation hin. In „Jake Carter“ hat der Film einen sehr sympathischen Helden, was es leicht macht, für die flott montierten, mit stylischen, extrem hart geschnittenen Szenenübergängen arbeitenden 90 Minuten Laufzeit das affige Gehabe der WWE-Kunstfigur „The Miz“ auszublenden. Klar, wie gewohnt werden einige Actionfans monieren, dass der Film auf CGI-Blut setzt und keine fette Explosionen auffährt, weshalb die alten Klassiker eh hunderttausendmal besser sind. Und es sei ihnen gegönnt. Ich kann derweil über „The Marine 4: Moving Target“ nur folgendes sagen: Genauso muss B-Action heute aussehen: Geradlinig, actionreich, brutal, kurzweilig…

Die DVD/Blu-ray zum Film kommt am 7. Mai 2015 von Twentieth Century Fox Home Entertainment und ist mit einer FSK 18 Freigabe ungeschnitten. Beide Scheiben haben kleinere Featurettes zum Film an Bord.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Twentieth Century Fox Home Entertainment__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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