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The Order

Originaltitel: The Order__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2001__Regie: Sheldon Lettich__Darsteller: Jean-Claude Van Damme, Charlton Heston, Sofia Milos, Brian Thompson, Ben Cross, Vernon Dobtcheff, Sasson Gabai, Alon Abutbul, Joey Tomaska, Peter Malota u.a.
The Order Cover

In “The Order” lässt Jean-Claude Van Damme den Tempelberg wackeln.

Ursprünglich schwebte den Produzenten von „The Order“ ein „Black Rain“ in Israel vor. Ein Cop, am liebsten gespielt von Bruce Willis, sollte in einem Mordfall in New York ermitteln. Die Spuren sollten ihn dann gen Israel führen, wo er in Jerusalem auf die verschiedensten Mentalitäten und Religionsanhänger treffen sollte. Doch Willis hatte keine Lust auf den Film. Das Drehbuch sagte auch sonst kaum jemandem zu. Bis Sheldon Lettich und Jean-Claude Van Damme an Bord kamen.

Die veränderten das Drehbuch grundsätzlich und machten aus „The Order“ das, was uns heute als Film vorliegt. In dem dreht sich alles um den Kunstdieb Rudy. Der hat all sein Wissen über Artefakte und Co. von seinem Vater, einem echten Geschichtsprofessor. Dem ist unlängst eine wichtige Entdeckung gelungen. Er hat das finale Kapitel der heiligen Schrift einer Sekte namens „The Order“ gefunden. Dieses Kapitel stellt nicht nur die Sekte selbst und deren Ansichten infrage, sondern beherbergt auch Hinweise auf einen großen Schatz.

Kurz darauf wird Rudys Vater, der sich in Israel einem befreundeten Historiker anvertraute, entführt. Sofort bricht Rudy gen Israel auf, um seinen Vater zu befreien. Freilich hat in Israel niemand auf einen Kunstdieb wie Rudy gewartet und so sieht er sich von Tag eins seines Aufenthaltes an verfolgt. Die Polizei heftet sich ebenso an seine Fersen wie Schergen von „The Order“. Ganz allmählich kommt Rudy seinem entführten Vater immer näher. Und die Zeit drängt, denn der Anführer von „The Order“ plant einen großen Anschlag mitten in Jerusalem.

Schaut in “The Order” mit Jean-Claude Van Damme hinein

Es ist nicht so, dass die Story von „The Order“ allzu viel Sinn machen würde, aber der immer wieder durchscheinende Humor und ein ordentliches Tempo halten den Film immer am Laufen und verschaffen Jean-Claude Van Damme („Harte Ziele“) seine ganz eigene „Indiana Jones“-Variation. Der wuchtet sich mit verschmitztem Lächeln durch die Szenerien und beweist in vielen Szenen gutes komödiantisches Timing.

Regisseur Sheldon Lettich („Perfect Target“) sorgt derweil dafür, dass sein Star alle paar Minuten in Actionszenen verwickelt wird, die mit erstaunlich viel Abwechslung punkten. So sehen wir Van Damme zu Beginn als Kreuzritter fechten, bei einem brillant getimten, witzigen Kunstdiebstahl mit anschließender Entdeckung durch Sicherheitsleute, bei Zufuß-Verfolgungsjagden, bei einer Motorradverfolgungsjagd, bei einer Autoverfolgungsjagd und in einer beeindruckenden Actionsequenz auf dem Flughafen von Jerusalem. Zwischendurch darf Jean-Claude Van Damme alle paar Minuten seine Signature Moves präsentieren und seine Fans in flott in Szene gesetzten und rasant montierten Martial-Arts-Einlagen zufriedenstellen.

The Order mit Sofia Milos und Jean-Claude Van Damme

Rudy lässt nix anbrennen…

Der dabei präsentierte Aufwand beeindruckt nachhaltig. Mehr noch: Viele der Szenen entstanden tatsächlich live vor Ort in Jerusalem. Was einfach nur irre viel Respekt abringt. Dies ist den guten Verbindungen der Produzenten Avi und Danny Lerner in Israel zu verdanken, die für „The Order“ eine unglaubliche Drehgenehmigung nach der anderen zu organisieren wussten. Und alleine die lang und breit zelebrierten Schauwerte Jerusalems pumpen enorm viel Flair in den Actioner.

Die aufwändigsten Actionszenen – etwa Explosionen und irgendwann zu gefährlich werdende Verfolgungsjagden – konnte man trotz aller Beziehungen nicht direkt vor Ort drehen. Dafür baute man Teile Jerusalems in Bulgarien nach und punktete auch hier mit Detailfreude und irrem Aufwand. Bedenkt man dann, dass Lettich für den Film nur 20 Millionen Dollar zur Verfügung standen, beeindruckt der Look des Filmes nur noch mehr. Was allerdings auch an der schwelgerischen Kameraarbeit und der wirklich gelungenen Lichtsetzung von „The Order“ liegt.

The Order mit Jean-Claude Van Damme und Brian Thompson

Jean-Claude Van Damme muss am Ende gegen Brian Thompson ran.

Jean-Claude Van Damme macht seine etwas andere Rolle sichtbar viel Spaß. Doch auch seine Co-Stars wissen durchaus zu gefallen. Allen voran Sofia Milos als israelische Polizistin, die zunächst damit beschäftigt ist, Rudy durch die engen Gassen Jerusalems zu jagen, um hernach mehr und mehr mit ihm zusammenzuarbeiten. Die Mimin, die später mit „CSI Miami“ einen größeren Hit landen sollte, spielt relaxed auf und macht an der Seite von Van Damme eine starke Figur.

Auf der Seite der Bösewichter sind mit Ben Cross („The Hurricane Heist“) und Brian Thompson („Hired to Kill“) beliebte Fiesfressen zu sehen, die aber leider in der Konzeption des Filmes zu kurz kommen und ihre Rollen nicht ausreichend fies angelegt bekommen. In Nebenrollen sind alte Jean-Claude Van Damme „Dauerfeinde“ zu erleben. Beispielsweise Michel Qissi („Bloodchamp“), den Van Damme unter anderem in „Kickboxer“ und „Leon“ zusammenfalten durfte, und Peter Malota, dem Van Damme unter anderem in „Double Impact“ eine vor die Kauleiste dübelte. Malota gab seinem Buddy Jean-Claude im Übrigen in „Kill’em All – Tötet sie!“ sogar Regieanweisungen.

The Order mit Jean-Claude Van Damme und Peter Malota

Jean-Claude kickt Peter Malota.

Eine weitere interessante Personalie stellt die Verpflichtung von Charlton Heston („Planet der Affen“) dar. Der Altstar hat zwar nur einen Kurzauftritt in „The Order“, sein Charisma tut dem Film aber ebenfalls verdammt gut. Als Stuntman von Jean-Claude Van Damme fungierte in „The Order“ David Leitch. Regisseur von „John Wick“, „Atomic Blonde“ und „Deadpool 2“. Zudem hat er eine kleine Nebenrolle in „The Order“ inne und soll hinter den Kulissen bei diversen Fights und Stunts bereits in umfangreichem Maße Hand angelegt haben.

“The Order” ist eine neuerliche Entdeckung wert

„The Order“ mag in erster Linie anspruchslose B-Action liefern, atmet in diversen Bildern aber immer wieder Kinoflair. Was vor allem an dem Drehort Jerusalem liegt. Ins Kino schaffte es „The Order“ aber nicht mehr. Jean-Claude Van Damme war mit Filmen wie „Replicant“ oder „Der Legionär“ bereits in den DTV-Markt „abgerutscht“, weswegen es nur noch wenige seiner Filme auf die große Leinwand schafften. „The Order“ erwischte dieses Schicksal ebenfalls.

Als der Film erschien, wurde er zudem von vielen Fans als Rückschritt begriffen. Man wollte Van Damme dann doch lieber in harter Action ohne Wenn und Aber sehen. Das konnte „The Order“ nicht bieten. Heute, gut 18 Jahre später, ist der Film durchaus eine Wiederentdeckung wert. Kein zeitgenössischer B-Film kann aktuell derartige Schauwerte bieten. Zudem ist die Taktung der durchaus auch aufwändigen Action in „The Oder“ schon enorm. Laut Überlieferung wollte der Produzent alle zehn Minuten Action. Diesen Wunsch erfüllten ihm Van Damme und Lettich gerne.

Zudem fällt es heute dank Filmen wie „JCVD“ nicht mehr so schwer, Van Damme auch in einer gelösteren Rolle zu sehen. Von daher sei empfohlen, alle Vorbehalte gegen „The Order“ für 90 Minuten über Bord zu werfen und dem Film eine neuerliche Chance zu geben. Klar, zu einem Meisterwerk ist der Film nach wie vor nicht gereift. Dafür ist die Story einfach zu käsig und so manche Situation fühlt sich einfach zu kindisch an. Aber trotzdem unterhält „The Order“ doch sehr ordentlich.

6 von 10

Bislang gab es den Film „nur“ auf DVD zu erwerben. Koch Media hat sich nun des Filmes angenommen (Veröffentlichung am 28. März 2019) und spendierte ihm gar ein hübsches Mediabook. Dafür ließen sich die Koch Medianer auch nicht lumpen und produzierten neben einem bereits vorhandenen informativen Making Of (22 Minuten) neues Bonusmaterial! Zum einen erinnert sich hier Jean-Claude Van Damme an den Dreh (16 Minuten) und zum anderen liefert Regisseur Sheldon Lettich in einem 72 Minuten langem Interview ein ganzes Füllhorn an interessanten Anekdoten zum Film. Eine 20-minütige Bildergalerie – unter anderem mit Fotos aus dem Privatfundus von Lettich – rundet die Extras ab.

In diesem Sinne:
freeman

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