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The Outpost – Überleben ist alles (mit Videokritik)

Originaltitel: The Outpost__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2020__Regie: Rod Lurie__Darsteller: Orlando Bloom, Scott Eastwood, Caleb Landry Jones, Jacob Scipio, Milo Gibson, Jack Kesy, Alexander Arnold, Celina Sinden, Cory Hardrict u.a.

Endlich wieder Kino! Zwar ziehen die Verleiher noch immer nicht so wirklich mit, aber hier und da kommen dann doch mal Filme, die einen in die Lichtspielhäuser locken. Seit dem 17. September 2020 läuft der actionreiche Kriegsfilm „The Outpost – Überleben ist alles“. Wir haben das gute Stück für euch Probe geguckt. Unsere Videokritik erklärt, was euch bei dem Actioner erwartet. Wer kein Video gucken mag, findet unter dem Video unsere Kritik zum Nachlesen.

Unsere Videokritik zu „The Outpost – Überleben ist alles“

The Outpost - Überleben ist alles deutsches Kinoplakat

In “The Outpost – Überleben ist alles” gehen Scott Eastwood und Orlando Bloom durch die Hölle.

Der Kampf auf verlorenem Posten – Darum geht es in „The Outpost“

2006 beginnen die Amerikaner im Norden Afghanistans Stützpunkte zu errichten. Das Ziel: Berührungspunkte mit den Einheimischen aufbauen und die Nachschublinien der Taliban unterbrechen. Einer dieser Stützpunkte, Camp Keating, befindet sich mitten im Hindukusch. In einem Kessel, der den Stützpunkt so angreifbar macht, dass er im Sprachgebrauch der Soldaten auch als Camp Custer bezeichnet wird. Nach General Custer, der einst am Little Big Horn in ähnlich schlechter Ausgangslage ein blutiges Fiasko erlebte.

Was wir nun erleben, erinnert in seinem Aufbau stark an Michael Bays „13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi“. Sprich, wir sind dabei, wie neue Soldaten als Verstärkung in das Camp verbracht werden. Wie sie sich in die hier vorherrschende Normalität eingliedern und schnell feststellen müssen, dass sie, sollte es in dem Tal zu Kampfhandlungen kommen, in mehr als nur einer Hinsicht unterlegen wären. Die Folge ist eine stetig in der Luft flirrende Ungewissheit und Angst, die so manchem mehr als nur auf das Gemüt schlägt.

In mehreren Kapiteln, die mit den Namen der jeweils ranghöchsten Vorgesetzten überschrieben sind, widmet sich „The Outpost“ also zunächst den alltäglichen Routinen der Charaktere. Auf den morgendlichen Beschuss aus den Bergen folgt eine Sitzung mit den Stammesältesten angrenzender Dörfer. Man macht sich gegenseitig Versprechungen, die keine der beiden Seiten halten wird. Es schließen sich für die Soldaten etwas Drill, Waffenpflege oder Patrouillengänge an. Nach Dienstschluss dürfen die Männer dann einfach wieder kleine Kinder sein, nur um sich am Morgen wieder beschießen zu lassen.

Schaut in den Kriegsfilm mit Orlando Bloom hinein

So weit, so Standard. Leider vergisst „The Outpost – Überleben ist alles“ in diesem Abschnitt seine Figuren. Im gefühlten Sekundentakt bombardiert der Film den Zuschauer mit neuen Namen und Gesichtern, ohne einem der Soldaten einen Background mit zu geben. Die jungen Kerle bleiben einem durch die Bank fremd. Nur die bekannteren Gesichter wie Orlando Bloom („Zulu“) und Scott Eastwood („Pacific Rim: Uprising“) verfangen aufgrund ebenjenes Bekanntheitsgrades. Zu erzählen weiß das Drehbuch von „The Outpost“ nichts über sie. Weshalb auch man nie so wirklich in die Bedrohungssituation hineinfindet. Einfach weil einem die Charaktere reichlich egal sind.

Was hingegen bereits in der ersten Einführungsstunde auffällt, ist, mit welchem Elan Regisseur Rod Lurie („Die letzte Festung“) seinen Film in Szene setzt. Er bedient sich einer ultradynamischen und höchst beweglichen Steadycam, die immer mitten in die Situationen hineingeht. So wird sogar das tägliche Ritual des Scheiße-Verbrennens zur Actionszene. Auch ein paar erstaunliche Drohnenflüge bekommt man hier auf die Netzhaut gebrannt. Actiontechnisch ist in der Einführung nicht viel los. Ab und an brechen Schüsse, das war’s.

The Outpost mit Orlando Bloom

Orlando Bloom spielt einen der Stützpunktchefs…

Und dann bricht der schicksalhafte Morgen des 3. Oktobers 2009 an. Wie gewohnt verkündet der afghanische Dolmetscher das Ende des Stützpunktes. Wie gewohnt lachen die Soldaten darüber. Doch dann werden sie der Ernsthaftigkeit der Lage gewahr: Hunderte Taliban strömen über die Berghänge auf das Camp zu. Eine erbitterte, eine blutige Schlacht beginnt.

Die sich in einer schier nicht enden wollenden Actionszene auf der großen Leinwand und mit Sinn für Schauwerte entlädt. Beständig peitschen Schüsse durch die Luft, Explosionen detonieren, Menschen fallen und verrecken elendig. Und Lurie schmeißt den Zuschauer dank seiner starken Optik mittenrein. Lässt ihn mit den Soldaten um ihr Leben kämpfen. Wenn der jetzt noch wüsste, wer die Leute sind, mit denen er da kämpfen soll, was sie bewegt, was sie ausmacht, die Szene wäre übergroß. So ist sie ganz okay.

Scott Eastwood im Talibanfeuer

Scott Eastwoods Filmfigur gerät unter heftiges Taliban-Feuer.

Vor allem, weil man eben auch auf Details achtet. Es fehlt an Härte, an Intensität. Das wenige Blut bleibt auf heftige Verletzungen und deren Versorgung beschränkt. Irgendwie stehen die Soldaten teils mitten in Explosionsherden und schütteln deren Wirkung wie ein Hund ab, der den Staub aus seinem Fell schüttelt. Dass die Taliban einfach nur eine gesichtslose Masse bleiben und kein echter Bösewicht installiert wird, den man als Zuschauer hassen kann, schadet der Spannung und dem Involvement ebenfalls. Und trotzdem: Die Actionszene geht gut nach vorne. Es war halt nur mehr drin.

Erstaunlich ist auch, dass sich die präsentierten Soldaten nie einen wirklichen Kopf um die Bestie Krieg machen. Hier wird nichts hinterfragt. Was befohlen wird, wird getan. Und im großen Showdown werden aus Einzelgängern große Helden, die sich schier um den Verstand schreien und infolgedessen Herkules-Kräfte entwickeln. „The Outpost – Überleben ist alles“ ist auch dank seines leicht dokumentarisch anmutenden Stils keine Heldenshow geworden, aber ein Antikriegsfilm ist er definitiv auch nicht. Pathos gibt es ergo einiges, dankenswerterweise hält sich der Patriotismus aber komplett in Grenzen.

„The Outpost“ nimmt nicht so sehr mit, wie er könnte

„The Outpost – Überleben ist alles“ zerfällt überdeutlich in zwei Teile. Der erste Teil beschäftigt sich mit den Routinen der Soldaten in einer lebensfeindlichen Umwelt. Der zweite Teil powert dann richtig heftig los. Dabei schlägt der zweite Teil nicht wie erhofft beim Zuschauer ein, weil der erste Teil seine Schuldigkeit nicht erfüllt.

Er ist zwar sehr gut gespielt, nie langweilig und technisch ebenso sauber in Szene gesetzt wie der zweite Teil (in beiden fallen die Millennium-typischen, schwachen CGI-Explosionen immer wieder mal störend auf), aber er schafft es nicht, Charaktere zum Mitfiebern aufzubauen. In der Folge verfängt weder die flirrende Anspannung der Soldaten im ersten Teil noch das Verrecken derselben im zweiten Teil so, wie es das sollte.

Richtig interessant wird es im Abspann. Da erfährt man dann vollkommen überraschend, dass in dem Film einige der Soldaten, die am 3. Oktober 2009 am Hindukusch durch die Hölle gingen, sich in „The Outpost – Überleben ist alles“ selbst spielten. Sie erklären, wie sich infolgedessen die Dreharbeiten für sie anfühlten und wie diese sie teils in die Vergangenheit zurückversetzten. Ein erstaunlicher Schachzug der Macher.

06 von 10

Der Film ist seit dem 17. September 2020 in den deutschen Kinos zu sehen, kommt von Telepool und ist mit einer Freigabe ab 16 ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Telepool__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu-ray/DVD: Nein/Nein, seit dem 17.9.2020 in den Kinos

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