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The Perfect Weapon

Originaltitel: The Perfect Weapon__Herstellungsland: Schweden, USA__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: Titus Paar__Darsteller: Sasha Jackson, Steven Seagal, Johnny Messner, Richard Tyson, Vernon Wells, Kimberly Battista, Lance E. Nichols, Adrian Lockett, Titus Paar, Sandra Yap, Philip Fornah u.a.
The Perfect Weapon

Ja, das im Vordergrund soll Johnny Messner sein. Und nein, Steven Seagal hat keine Hauptrolle in “The Perfect Weapon”

In der nahen Zukunft ist in einer einfach „Der Staat“ genannten, totalitären Gesellschaft dank permanenter Überwachung die Kriminalitätsrate auf annähernd Null gesunken. Wer Ärger macht oder gegen das System aufbegehrt, muss mit unliebsamem Besuch erbarmungsloser Assassinen rechnen. Axon, Codename Condor, ist einer dieser Assassinen. Mit eiskalter Präzision ist er zu einem der Besten seines Faches aufgestiegen.

Als er jedoch eines Tages einen hochrangigen Vertreter des Widerstandes ausschaltet, begegnet er einer jungen Frau. Diese löst irgendetwas in ihm aus. Flashbacks einer lange vergessen geglaubten Liebe verwirren Axon. Darum lässt er die Dame auch am Leben, entgegen seiner Befehle, keinerlei Zeugen zu hinterlassen. Zum Dank wird er einer Neukonditionierung unterzogen, die all seine Erinnerungen löschen und ihn wieder zu einer perfekten Waffe machen soll.

Doch die Neuprogrammierung schlägt fehl. Axon befreit sich, metzelt sich durch die Schergen des Systems, befreit auch die junge Frau und tritt mit ihr die Flucht nach vorne an. Schnell wird den beiden aber bewusst, dass sie nur eine Chance auf ein friedliches Leben haben werden, wenn sie gemeinsam mit dem Widerstand den Staat zu Fall bringen…

Es ist schon erstaunlich, wie sehr man sich als leidgeprüfter B-Actionfan inzwischen über Storys freut, die schlicht und einfach ihren Stiefel durchziehen, ohne zig Nebenfiguren und Nebenhandlungen aufzubauen. „The Perfect Weapon“ ist ein solcher geradlinig erzählter Film, der sich ganz allmählich zu der Erkenntnis hinarbeitet, dass man den totalitären Staat bekämpfen muss, um friedlich und selbstbestimmt leben zu können. Zwar erlaubt sich das Drehbuch zum Ende hin kleinere Volten, die wirken aber durchaus durchdacht und funktionieren ganz ordentlich. Unvorhersehbar sind sie freilich nicht und auch ein Drehbuch-Oscar ist in weiter Ferne – auch dank diverser dämlicher Dialoge.

Interessant ist die Wirkung des Looks des Filmes. Der schaut auf den ersten Blick einfach nur spottbillig aus. Dafür sorgt schon der viel zu cleane Digitallook. Auf den zweiten Blick schaut der Film immer noch extrem billig und abgeranzt aus, auch weil die Schauplätze der Handlung nicht viel hermachen, doch spätestens jetzt fällt die überbordende Komplementärfarben-Optik ins Auge, die dem Film einen nett entrückten Gesamteindruck verleiht. Der Film wirkt nun zwar nicht – wie vom Drehbuch intendiert – wie ein Science-Fiction-Film, entwickelt aber eine ganz eigene Atmosphäre und überzeugt als Erzählung aus einer „anderen Welt“.

Ebenso interessant ist, dass die in der Billigoptik gezündete Gewalt noch einen Zacken harscher und derber wirkt, als sie es ohnehin schon ist. „The Perfect Weapon“ ist nämlich kein Kind von Traurigkeit. Da setzt es saftende Einschusslöcher (handgemacht!), Metallstangen werden so durch Unterkiefer getrieben, dass sie zur Augenhöhle wieder herauskommen, und mit einem Taser wird mal eben ein Kopf zum Explodieren gebracht. Zwischendurch werden Schädeldecken weg geballert und Hirne klatschen an Wände. Wenn dann irgendwann Axon gefoltert wird, gibt es auch Schlenker in Richtung Torture Porn, wenn in wenig erquickenden Einstellungen Zehennägel ausgerissen und mit derselben Zange (wie unhygienisch!!!) Zähne gezogen werden. Halleluja!

The Perfect Weapon

Das Aikido-Moppel und sein Brotmesser.

Derart angeheizt und mit einer längeren Actionszene im Mittelteil verwöhnt, bei der zudem ein netter Martial-Arts-Fight gezündet wird, fiebert man dem Showdown nur so entgegen… Und dann reißt „The Perfect Weapon“ in einer hilflosen Abfolge von verhunzten Finalsequenzen mit dem Arsch ein, was er zuvor an freudiger Erregung beim Zuschauer aufgebaut hat.

Da stapft der Held beim Oberlump rein. Dem Zuschauer wird ein Bodycount von mindestens zehn Mann versprochen. Am Ende killt Axon einen Lump und lässt sich hernach durch die Stube des Bösewichts werfen. Wenig später schaut er beim vermeintlich wahren Oberlump vorbei, nur um auch hier gerade mal zwei Personen zu killen und wieder zum ersten Oberlump zurück zu latschen. Der wird unspektakulär ausgeschaltet und plötzlich läuft da eine Armada an Henchmen auf, um gegen den Helden anzutreten. Da alle Oberlumpen bereits über den Jordan gegangen sind, bewundert man ein wenig die Loyalität der Henchmen, freut sich aber dennoch auf das große Gemetzel. Schnitt. Alle tot. Wat? Echt jetzt?

Dieser „Showdown“ ist wirklich der Inbegriff einer totalen Antiklimax. Man fühlt sich als Zuschauer von dem Film regelrecht um seinen Spaß betrogen. So fällt es dann auch schwer, wirklich viel Positives darüber zu berichten. Mehr noch, ernüchtert von dem beknackten Ende, fällt auch auf, wie blöde und schlecht der eigentlich als ganz nett empfundene Einstieg wirklich war. Kurzum: Der Film versaut es sich mal so richtig mit dem Zuschauer.

The Perfect Weapon

Leider war für Sasha Jacksons Outfit zu viel Budget übrig…

Was am Ende bleibt, ist ein Film, der sich selbst im Weg steht. Nach nettem Auftakt und derber Action in preisgünstiger, aber erstaunlich gut funktionierender Optik, verweigert „The Perfect Weapon“ dem Zuschauer die finalen Money Shots und besitzt echt die Frechheit, eine Fortsetzung in den Raum zu stellen. Der vermeintliche Star, Steven Seagal („Killing Salazar“), ist in den ersten 60 Minuten so gut wie gar nicht zu sehen. Seine Auftritte mehren sich zwar in Richtung Finale, steigen aber immer im selben Setting, präsentieren ihn beim Massieren und Abknutschen nackter Damen, die, wenn sie zehn Jahre älter wären, vermutlich halb so alt wie der Aikido-Goatee wären, und lassen ihn ganz viel, ziemlich improvisiert wirkenden Müll erzählen. Einmal erhebt sich Steven Seagal zum Kämpfen, zeigt aber bis auf zwei Arm-Ruderschläge und einem Low-Kick gar nichts. Letzteren bekommt ein ziemlich passiv wirkender Johnny Messner („Weaponized“) als Axon mitten in die Eier. Davon abgesehen wirkt Messner in seinem Spiel – auch dank einer unglücklich aussehenden Glatze – als sei Dominic Purcell fünf Minuten vor Drehbeginn abgesprungen und als habe die Produktion schnell ein Lookalike gesucht. In Nebenrollen dilettieren sich Richard Tyson („No Bad Days“) und Vernon Wells („Gnadenlose Rache“) einen ab und das sexy Hascherl Sasha Jackson („Jarhead 3“) treibt neben dem unkonventionellen Soundtrack (Industrial, Heavy Metal, sphärische Indiesongs und Dance!!!) zumindest ansatzweise den Puls hoch. Dank No-Nudity-Clause endet aber auch dieses Anheizen mit einem Coitus Interruptus. Wie der ganze Film…

So bleibt nur eine Szene von „The Perfect Weapon“ wirklich in Erinnerung. Das ist jene, in der Seagal nach „Machete“ erneut beweist, dass nur ein Steven Seagal einen Steven Seagal umbringen kann. Sehet und staunet!

3 von 10

In Deutschland erscheint der Film am 14. April von dem Label Falcom Media auf DVD und Blu-ray. Beantragt wurde eine imo unrealistische FSK 16 Freigabe. Dieses Review basiert auf der in den USA erschienenen Code-1-DVD (es gibt auch eine Blu-ray mit dem Regionalcode A) von dem Label Momentum Pictures. Diese wirkte in der „Not Rated“-Form ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Falcom Media__Freigabe: FSK 16 beantragt__Geschnitten: ???__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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