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The Purge: Anarchy

Originaltitel: The Purge: Anarchy__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2014__Regie: James DeMonaco__Produzent: Michael Bay u.a.__Darsteller: Frank Grillo, Michael K. Williams, Zach Gilford, Kiele Sanchez, Zoë Soul, Carmen Ejogo, Cortney Palm, Carla Jimenez, Edwin Hodge, Nicholas Gonzalez, Amy Paffrath u.a.
The Purge: Anarchy

Michael Bay produzierte eine alptraumhafte Nacht im Jahre 2023: “The Purge: Anarchy”

2023. Ein Jahr nachdem die Familie Sandin bei der Purge-Nacht durch die Hölle gegangen ist, gehört die Purge nach wie vor zu einer unumstößlichen Institution in Amerika. In der Nacht vom 21. auf den 22. März werden alle Regeln und Gesetze außer Kraft gesetzt und die Nation bereinigt sich sozusagen selbst. Fehden werden beendet, Streitigkeiten endgültig geklärt, Animositäten ausgeräumt… Und das meist mit tödlichen Folgen. Viele Amerikaner nutzen die Nacht aber auch, um das Biest in sich zu erwecken und den niederen Instinkten nachzugeben. Dabei machen sie meist Jagd auf die Ausgestoßenen der Gesellschaft, jene, die durch das soziale Netz gefallen sind. Die Folge: Eine Gesellschaft, die stark und scheinbar gesund ist. Mit niedrigen Kriminalitätsraten und ebensolchen Arbeits- losenquoten.

Dieses Mal folgen wir anfänglich drei Parteien durch die „Säuberungs-Nacht“. Da wären zum einen Eva und ihre Tochter Cali. Die beiden leben am Existenzminimum in einem sozialen Brennpunkt und müssen neben den alltäglichen Herausforderungen auch noch den todkranken Vater Evas irgendwie durchbringen. Die beiden wollen die Purge mit einem gemeinsamen Abendbrot begehen und sich in ihrer Wohnung verbarrikadieren. Doch der Plan wird von einem Einsatzkommando gestört, welches das Haus der beiden stürmt und die Bewohner entweder umbringt oder verschleppt. Gerade als Eva und Cali erschossen werden sollen, greift Leo ein. Der Einzelgänger ist eigentlich unterwegs, um zu purgen und damit eine ihm widerfahrene Ungerechtigkeit zu rächen. Doch der Ex-Cop kann nicht mit ansehen, wie die beiden einfach erschossen werden sollen und mischt sich ein.

Als er mit den beiden Geretteten zu seinem Transportvehikel zurückkehrt, stolpert man über Shane und Liz. Die beiden sind ausgerechnet mitten in der Purge-Nacht mit ihrem Wagen liegengeblieben und versuchen nun alles, um die Nacht zu überstehen. Leo wird zum Schutzbefohlenen der kleinen Gruppe und willigt ein, ihnen allen zu helfen. Seine eigene Mission jedoch hat er noch nicht vergessen…

The Purge: Anarchy

Nerven leider ohne Ende: Eva und Cali.

Die Michael Bay Produktion „The Purge“ sorgte im Jahre 2013 für einiges Aufsehen. Die Grundidee des Filmes saß einfach auf den Punkt und versprach einen garstigen kleinen Reißer mit ordentlicher sozialkritischer Komponente. Viele Kritiker monierten jedoch, dass sich der Film zu sehr auf seiner Idee ausruhe und diverse Möglichkeiten zur Vertiefung des Szenarios ausließe. Dementsprechend hoffte man auf die bald angekündigte Fortsetzung „The Purge: Anarchy“. Deren Öffnung des Szenarios auf eine ganze Stadt im „Purge-Ausnahme- zustand“ ließ im Vorfeld diverse frohlockende Stimmen aufkommen. Doch die Rechnung geht nicht wirklich auf.

„The Purge: Anarchy“ hat ziemlich große Probleme, dem grimmigen Original auch nur in einer Kategorie das Wasser zu reichen. James deMonaco, der schon „The Purge“ inszeniert hatte, bekommt vor allem mit seinem Figureninterieur gewaltige Probleme. Während der Einzelgänger Leo noch prächtig funktioniert und als alleinige Identifikationsfigur den Film mühelos hätte tragen können, wird ihm erstaunlich früh (viel zu früh!) ein Quartett belangloser und teils nerviger Figuren ans Bein gebunden, das ihn durchweg ausbremst und verhindert, dass er sich jemals voll entfalten kann. Während die Figuren Shane und Liz noch einigermaßen in Ordnung gehen, vor allem weil sich Liz von einer ziemlichen Zicke zum wehrhaften Weibchen mausern darf, sind Eva und Cali ein einziger konzeptioneller Offenbarungseid. Gutmenschen ins Quadrat, ewig salbadernd, teilweise vollkommen unlogisch handelnd und in Gestalt der Teenietochter Liz auch noch beständig dermaßen altklug daher quatschend, dass man sich permanent fragt, warum Leo nicht beiden eine Kugel verpasst. Beide Figuren dürfen dann in den Spannungsmomenten auch noch über nicht vorhandene Lufthuckel stolpern und auch sonst ganz viele „spannungsbringende“ Momente generieren.

The Purge: Anarchy

Frank Grillo macht als Leo Laune.

In Sachen Spannung wird zudem schnell offenkundig, dass das auf einen Schauplatz verdichtete Original dem Nachfolger haushoch überlegen ist. Denn während DeMonaco in „The Purge“ auf engstem Raum noch an der Spannungskurve drehen konnte, wie es ihm beliebte, muss er in seiner Fortsetzung seine Zuschauer immer wieder vom Haken lassen, weil er beständig erst neue Bedrohungsszenerien und Brandherde etablieren muss. Das wirkt mal gehetzt, mal unlogisch, mal vom Zufall befeuert und immer ein wenig angestrengt. Die Ursache hierfür ist, dass es die EINE große Bedrohung für unsere Helden nicht gibt. Stattdessen kommen immer neue Parteien zum Zug, die auch immer wieder aufs Neue erklären dürfen, warum sie nun Jagd auf die Heldengruppe machen. Mit zunehmender Laufzeit geraten die Gefahrensituationen immer grotesker, was „The Purge: Anarchy“ unangenehm überzeichnet wirken lässt und die Sozialkritik mit der wirklich extrem groben Kelle verteilt.

Gleichzeitig hat „The Purge: Anarchy“ auch einige hübsche neue Elemente. So wird angedeutet, dass auch die Regierung an der Purge partizipiert. Zudem gibt es eine Widerstandsgruppe, die gegen die Purge aufbegehrt und die „Mächtigen“ hinter dieser Institution ins Visier nimmt. Leider bleiben beide neuen Ansätze unterentwickelt und werden einfach nur punktuell für reichlich spannungsbefreite Momente verheizt.

The Purge: Anarchy

Leo und seine Schutzbefohlenen.

Bei aller Kritik sollte man freilich nicht unterschlagen, dass das Tempo von „The Purge: Anarchy“ absolut stimmig ist. Die bedrohlichen Momente gehen in hoher Schlagzahl auf die Figuren und den Zuschauer hernieder und sie sind freilich deutlich größer angelegt als im Original. Da fahren brennende Busse durch menschenleere Straßen, da wird großkalibrig geballert, bis die Rohre glühen, Miniguns kommen zum Einsatz, kleinere Explosionen erhellen die Nacht und der Bodycount geht doch ordentlich nach oben. Diese actionreichen Momente sind ordentlich inszeniert, wenngleich der CGI-Bluteinsatz ein wenig zu offensichtlich geraten ist. Schade ist allerdings, dass keines der Actionszenarios wirklich packend oder spektakulär daherkommt. Und wenn die Figuren teils gefühlte hundert Schuss abgeben und nichts treffen, erinnert sich der Actionfan beinahe gerührt an uralte „Nu-Image“-Filme.

In der Action macht vor allem Frank Grillo („Intersections“) eine gute Figur. Abseits der actionreichen Momente wird die Wirkung seiner Figur aber durch die nervigen Nebenfiguren deutlich geschmälert. Carmen Ejogo (Eva), Zoë Soul (Cali), Zach Gilford (Shane) und Kiele Sanchez (Liz) spielen zwar ordentlich, werden aber vom Drehbuch auf die bereits erwähnten nervigen Sidekicks reduziert und machen als solche keinen echten Spaß. Und sie sind einem so egal, dass man deren Ableben meist mit einem Achselzucken und einer gleichzeitigen Erleichterung zur Kenntnis nimmt.

Inszenatorisch ist „The Purge: Anarchy“ sehr solide umgesetzt, auch der Soundtrack zum Film sorgt für Stimmung, aber dem Original kann das deutlich größere Sequel definitiv nicht das Wasser reichen. Will man im Duktus der Kritiker von „The Purge“ bleiben, muss man auch hier konstatieren, dass die Grundidee das Reizvollste am ganzen Film ist. Im Vergleich zum ersten Teil will es dem Film aber zusätzlich nicht gelingen, eine durchgehende Spannungskurve zu installieren. Stattdessen gibt es aufeinanderfolgende Bedrohungsszenarien, die jede für sich erst einmal entworfen und dann auch meist noch erklärt werden müssen. Zwar kommt man schnell von einer Bedrohung zur nächsten, irgendwann wirkt „The Purge: Anarchy“ aber eher wie eine Nummernrevue und weniger wie ein garstiger Beitrag zur Diskussion rund um das Auseinanderdriften der sozialen Schichten. Gerade diese Momente, die das Original definitiv bereicherten, verkommen im Sequel zu regelrecht grotesken, kaum ernstzunehmenden Parodien auf sich selbst. Das einzige, was von den gesellschaftskritischen Kommentaren her besser funktioniert, ist die Pervertierung des verfassungsmäßigen Rechts der Amerikaner auf Waffen. Dieses Element gewinnt alleine schon durch das weitaus größere Setting an Brisanz…

„The Purge: Anarchy“ ist ab dem 31. Juli 2014 in den deutschen Kinos, kommt von Universal Pictures und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Universal Pictures__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 31. Juli 2014 im Kino

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Categorised in: Psychohorror, Reviews

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