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The Riffs – Die Gewalt sind wir

Originaltitel: 1990: I guerrieri del Bronx__Herstellungsland: Italien__Erscheinungsjahr: 1982__Regie: Enzo G. Castellari__Darsteller: Vic Morrow, Christopher Connelly, Fred Williamson, Mark Gregory, Stefania Girolami Goodwin, Ennio Girolami, George Eastman, Joshua Sinclair, Betty Dessy, Rocco Lerro, Massimo Vanni, Enzo G. Castellari u.a.
The Riffs - Die Gewalt sind wir

Italienische Endzeitaction von Enzo G. Castellari: „The Riffs – Die Gewalt sind wir“

Spätestens nach dem Erfolg von „Mad Max 2“ war das italienische Rip-Off-Kino sehr an kostengünstigen Endzeitreißern interessiert, die dort zu einem beliebten Genre in den 1980ern wurden.

In Enzo G. Castellaris „1990: The Bronx Warriors“, hierzulande als „The Riffs – Die Gewalt sind wir“ veröffentlicht, standen allerdings zwei andere Kassenhits Pate. Zum einen John Carpenters „Die Klapperschlange“, demzufolge New York in der nahen Zukunft ein Ort des Verbrechens ist. In diesem Falle ist es nur die Bronx, die auch kein Freiluftgefängnis darstellt, aber zu einem Gangterritorium geworden ist, das die Polizei kaum noch kontrolliert. Zum anderen Walter Hills „The Warriors“, denn auch hier kämpfen bunt kostümierte Gangs um die Vorherrschaft in diesem Gebiet, abseits der normalen Rechtsordnung nach eigenen Regeln und Gesetzen lebend.

Eine der führenden Gangs sind die Riders unter der Führung von Trash (Mark Gregory). Die sehen dann schon nach Endzeitbikern Marke „Mad Max“ aus und haben hübsch leuchtende Plastiktotenschädel vorn an ihre Feuerstühle gepappt. Diese Bande rettet eines Tages Ann (Stefania Girolami Goodwin) vor Banditen, nachdem diese aus dem wohlhabenden Manhattan geflohen ist, wo sie eigentlich Erbin der Manhattan Corporation werden sollte. Doch da dieser Großkonzern natürlich das kapitalistische Böse verkörpert, das er im (Action-)Kino eigentlich immer darstellt, wollte sie, die reinen Herzens ist, natürlich nichts damit zu tun haben und ging lieber stiften, ab in die Zone der Gesetzlosen.

Wie es die (etwas verquere) Logik des Films so will, kann die Manhattan Corporation aber keinen gewogeneren Konzernchef einsetzen, sondern braucht Ann aus welchen Gründen auch immer zurück. Also heuert man den Ex-Cop Hammer (Vic Morrow) an um Unfrieden unter den Gangs zu stiften und Ann zurückzubringen…

The Riffs - Die Gewalt sind wir

Ein Mann wie ein Baum bzw. eine Mimik wie Totholz: Trash (Mark Gregory)

„Bronx Warriors“ ist Italoaction zwischen Ambitionen und Trash-Einschlag. Für einen Dreh (zumindest der Außenszenen) im echten New York war jedenfalls genug Knete da, weshalb die Riders auch ein paar Mal am Hudson River stehen und Wahrzeichen New Yorks zu sehen sind, damit man das auch beweisen kann. Für Ausflüge außerhalb der Bronx reicht es dann allerdings nicht wirklich, weshalb das finstere Konzerngesocks immer nur in Innenräumen abhängt und über das weitere Vorgehen beratschlagt, wobei die aktive Fieslingsrolle eh dem skrupellosen Hammer anhängt, der aber Unterstützung in Form von Ausrüstung und Polizei von den anderen Schurken erhält.

Diesen Übelwicht verkörpert Vic Morrow („Dirty Mary Crazy Larry“) dann auch mit Laune und gelegentlicher Lust am Overacting. Mit noch mehr Elan ist Fred Williamson („Metropolis 2000“) als Chef einer anderen Gang dran, mit dem gewohnten Bad-Ass-Charme, der vieler seiner Auftritte jener Ära kennzeichnet. Mit George Eastman („Fireflash – Der Tag nach dem Ende“) als weiterem Gangleader ist noch ein bekanntes Italogesicht dabei, aber er hat wenig zu tun. Stattdessen darf man öfter Mark Gregory („Thunder“) zuschauen, dessen eigenwillige Mischung aus jungenhaftem Gesicht, übermuskulösem Körper und an Gesichtslähmung erinnerndem Mienenspiel eher zur Belustigung beiträgt. Kaum besser ist da seine Filmpartnerin Stefania Girolami Goodwin („Sindbad – Herr der sieben Meere“), die Tochter von Regisseur Enzo G. Castellari, die auch nicht durch besonders lebendiges Schauspiel auffällt.

Doch hier geht es weniger um schauspielerische Qualitäten, sondern mehr um Action und da kann „Bronx Warriors“ durchaus punkten. Die nächste Keilerei ist selten mehr als einige Minuten entfernt, wobei man sich am liebsten mit Fäusten, Stich- und Hiebwaffen beharkt, während nur hin und wieder mal die Wumme zum Einsatz kommt und das meist auf Fieslingsseite, denn die Gangs haben keine Schusswaffen. Im Showdown rückt die Polizei dann noch mit berittenen Flammenwerfertruppen an, was für erfreulich aufwändige Action niedriger Budgetklasse sorgt, die Castellari sauber, wenn auch etwas bieder einfängt: Die Kamera bleibt meist statisch, die Choreographie ist solide, aber selten sonderlich dynamisch und so kommt das Gebotene selten über Bodenständiges hinaus.

The Riffs - Die Gewalt sind wir

Ein untrügliches Zeichen, dass man Italo-Action der 1980er schaut? Fred Williamson prügelt sich mit George Eastman

Mehr Kreativität steckten Castellari und sein Team dann in die Ausstattung der Locations und Gangs, auch wenn letztere manchmal deutlich von den erwähnten Vorbildfilmen inspiriert sind. Sind die Riders noch Rockertruppen, die teilweise etwas sinnfrei angebrachte NS-Symbole tragen, so ist die Gang der der Tigers, angeführt von The Ogre (Fred Williamson) an den Blaxploitationfilm angelegt, wobei ihre bunt angemalten Automobile manchmal an Gangsterfilme früherer Dekaden erinnern. Es gibt eine mit Hockeyschlägern bewaffnete Nahkämpfergang und primitive Plünderer, aber auch eine Gang, deren Auftreten und Kampfstil sich an Hollywoodmusicals orientiert. Und in einer Szene kommt der Soundtrack nicht aus dem Off, sondern von einem Trommler, der ohne erfindlichen Grund am Ufer des Hudson River sitzt und das Geschehen klanglich untermalt.

Was „Bronx Warriors“ dagegen etwas fehlt, ist der Drive. Die Actionszenen sind in eine etwas belanglose Geschichte gebettet, deren Intrigen letztlich egal sind, weil meistens nur Ann aus den Händen von irgendwem gerettet werden soll und man sich dabei verbrüdert oder zerstreitet. Wenn wichtige Figuren dran glauben müssen, passiert das fast nebenbei (vor allem sehr auffällig im Showdown) und mit Logik hat es der Film dann auch nur bedingt. Warum etwa kann man Trash einen Mord anhängen, indem man seinen Streitkolben irgendwo platziert, obwohl sein Zacherl mehr oder minder baugleich zu denen vom Rest der Gang ist? Warum nehmen sowohl Trash als auch The Ogre für wichtige Missionen nur ein, zwei Gefolgsleute mit, wenn ihnen eine Vielzahl von Gegnern droht? Und warum müssen die Corporation-Schurken auf Hammers Intrigen bauen anstatt direkt die Polizei für ihre Zwecke einzusetzen?

Alles Fragen, nach deren Antwort man besser nicht sucht. Aber trotz etwas schlappem Storytelling und der eher routinierten Actioninszenierung liefert „Bronx Warriors“ brauchbaren Italokrawall, der vor allem im Finale gut aufdreht, Atmosphäre besitzt und mit einigen Designideen aufwarten kann, trotz offensichtlicher Inspiration bei großen Vorbildern. Aber besser gut geklaut als schlecht selbst erfunden.

Knappe:

In Deutschland hat X-Cess den Film ungekürzt und ungeprüft auf DVD veröffentlicht, während alle anderen DVD- und VHS-Fassungen um einige Handlungspassagen verkürzt waren. Das Bonusmaterial der X-Cess DVD umfasst verschiedene Trailer und Galerien. Die DVD ist sowohl einzeln als auch in einer Trilogie-Box erhält, welche auch die offizielle Fortsetzung sowie „The Riffs III“ enthält, den allerdings die deutsche Titelgebung zum Pseudosequel machte.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: X-Cess Entertainment__FSK Freigabe: ungeprüft__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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