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the Sight

Originaltitel: the Sight__ Herstellungsland: USA/UK__ Erscheinungsjahr: 2000__ Regie: Paul W.S. Anderson__ Darsteller: Andrew McCarthy, Amanda Redman, Kevin Tighe, Jessica Oyelowo, Maurice Roëves, Honor Blackman, Edie Falco, Jason Isaacs, …
the Sight

Das deutsche Covermotiv von “the Sight”.

“People don’t like people who see dead people.”

Nach dem überraschend großen Erfolg von M. Night Shyamalan´s “the Sixth Sense” an den weltweiten Kinokassen im Jahre 1999, den ich mir bis heute übrigens (gerade angesichts der in meinen Augen doch eher mäßigen Qualität eben jenes “supernatural Thrillers”) noch immer nicht umfassend erklären kann, erschienen in der Folgezeit diverse ähnlich konzipierte bzw. geartete Produktionen – zu denen David Koepp´s (meiner Meinung nach bloß ungenügend gewürdigter) “Stir of Echoes” übrigens nicht gezählt werden darf, denn obgleich später (außer auf einigen Festivals) veröffentlicht, ist jener tatsächlich etwas früher als sein weitläufig bekannterer “Genre-Kollege” entstanden. Im Vorliegenden soll es hier nun aber um “the Sight” (2000) gehen – einem von Paul W.S. Anderson (“Event Horizon”) im Auftrag der britischen “Sky Broadcasting AG” sowie des amerikanischen “20th Century Fox Television”-Senders verfasster, produzierter und in Szene gesetzter Pilotfilm für eine letztlich nie realisierte Fernsehserie, welche sich (aller Voraussicht nach) “im Windschatten” des genannten “Vorbilds” bewegt hätte…

Michael Lewis (Andrew McCarthy) ist ein aufstrebender New Yorker Architekt, der seit einiger Zeit unter einer Reihe bizarrer Albträume leidet, in denen u.a. ermordete Kinder vorkommen und deren Ursprung er sich einfach nicht erklären kann – schließlich geht es ihm, abgesehen von jenen nächtlichen Heimsuchungen, im Allgemeinen eigentlich ganz gut. Besonders in Sachen Karriere schreitet sein Leben momentan in weiten Schritten in eine erfreuliche Richtung voran: Kürzlich war es ihm und seinem Geschäftspartner Jake (Kevin Tighe) nämlich erst gelungen, einen lukrativen wie prestigeträchtigen Deal “an Land zu ziehen” – nämlich die Renovierung des alt-ehrwürdigen “Arcadia”-Hotels im Zentrum Londons, welches lange leer stand und nun das Potential in sich birgt, ihm den internationalen Durchbruch auf dem Gebiet seiner Profession zu bescheren…

In der britischen Hauptstadt eingetroffen, begibt er sich umgehend an die planerischen Vorbereitungen der eigentlichen Arbeiten – aber auch dort reißen die Träume nicht ab; werden stattdessen gar noch intensiver. Zudem lassen ihn merkwürdige Erscheinungen Schrägstrich Visionen nicht zur Ruhe kommen: Bspw. trifft er eines Nachts innerhalb der alten Gemäuer auf ein kleines Mädchen, das ihm schnell noch die Frage “Can you help me?” stellt, bevor sie spurlos verschwindet. Nervlich entsprechend angespannt, verschlimmert sich seine Verfassung einen neuerlichen Zacken, als er auf dem Heimweg eine alte Dame (Honor Blackman) anfährt, welche plötzlich direkt vor seinem Wagen auf die Straße getreten war: Ohne eine Chance gehabt zu haben, den Unfall noch abzuwenden, verstirbt sie, die seltsamerweise seinen Namen kennt, mit den Worten “You mustn’t worry, Michael… I know you can be strong.” in seinen Armen…

Es dauert nicht lange, da wird Michael von ihrem Anwalt kontaktiert, der ihm berichtet, dass ihr das “Arcadia” gehörte und sie von Anfang an speziell ihn für den Job verlangt hatte. Zusätzlich überreicht ihm jener (im Namen seiner Klientin) einen Brief sowie den Schlüssel zu einem “geheimnisvollen Zimmer” des Gebäudes: In ersterem eröffnet sie ihm, dass er (wie sie zuvor) über “das Zweite Gesicht” verfügen würde – also die “zwischen den Welten gefangenen Toten” sehen und mit ihnen interagieren könne – in letzterem erscheint sie ihm gar “leibhaftig” als Geist; quasi als Beweis ihrer Zeilen. Bevor sie daraufhin eine beeindruckende Spiral-Treppe “dem göttlichen Licht entgegen” hinaufschreitet, erklärt sie ihm noch, dass es nun an ihm liegen würde, den “rastlosen Seelen” zu helfen, um jenen den “ewigen Frieden” zu ermöglichen…

Zurück bleibt ein ziemlich verwirrter Michael, der ab sofort von 21 Verstorbenen begleitet wird, unter denen sich sowohl die ihm hilfreich zur Seite stehende Isobel (Jessica Oyelowo) als auch das kleine Mädchen aus dem “Arcadia” befinden, welches (wie sich herausstellt) kürzlich einem in der Stadt wütenden Serienkiller zum Opfer gefallen war. Sobald er sich einigermaßen “gesammelt” und mit dieser Gegebenheit mehr oder minder abgefunden hat, begreift er, dass jener aktuelle Fall nun wohl seine “Feuertaufe” darstellen soll: Gemeinsam mit den Getöteten sowie Jake und der Polizistin Pryce (Amanda Redman), welcher er die “spezifischen Details” natürlich verschweigt, geht er fortan den gelieferten Hinweisen nach – und kommt so dem Täter auf die Spur, der anscheinend eine alte Mordserie aus der Nachkriegszeit kopiert. Erwartungsgemäß bringen ihn seine Ermittlungen zunehmend selbst in Gefahr – überdies avanciert er aufgrund seiner genauen Kenntnisse rasch zum Hauptverdächtigen der Behörden…

“the Sight” feierte am 29. Oktober 2000 seine Premiere auf dem US-TV-Sender “FX”. Warum die eigentlich angedachte Serie (wie bereits erwähnt) nie “grünes Licht” erhielt, obgleich die Verantwortlichen bei “Sky” angeblich ein nicht unerhebliches Interesse an dem Projekt (in seiner Gänze) bekundeten, vermag ich leider nicht zu sagen. Vielleicht hat es mit zum “finalen Scheitern” beigetragen, dass es sich um eine britisch-amerikanische Co-Produktion handelte und sich solche Business-Verbindungen in der Vergangenheit des Öfteren schon als “kompliziert” entpuppten – ich weiß es nicht. Umschreiben kann man diesen übernatürlichen Mystery-Thriller jedenfalls in etwa als eine Kombination aus einigen klassischen “Grusel-Archetypen”, einer Veröffentlichung aus der “Chris-Carter-Schmiede” (vgl. “the X-Files”) sowie der zu jener Zeit generell ja angesagten “den Toten Unterstützung leisten”-Materie. Es ist offensichtlich, dass diese Show, wäre sie denn umgesetzt worden und auf Sendung gegangen, auffällig viele Elemente aufgewiesen hätte, die verschiedene seither entstandene Serien (teils recht prominent) aufgegriffen haben – man betrachte da nur mal “the Dead Zone” (2002), “Medium” (2005) und “Ghost Whisperer” (2005)…

Im Sinne eines eigenständigen Spielfilms, als welcher er im Folgenden in etlichen Ländern auf DVD herausgebracht wurde, leidet der Streifen in unterschiedlichen Bereichen sowohl an so mancher Ausprägung seiner “TV-Herkunft” als auch an seiner ursprünglichen Konzeption als “Einstiegsepisode” einer eigentlich ja (u.a. hinsichtlich der Handlungsentfaltung) längerfristig ausgerichteten Reihe. Demgemäß oberflächlich ist die Charakterzeichnung ausgefallen – da man erst einmal nur die notwendigsten Informationen zu den einzelnen Protagonisten geboten erhält – ebenso wie diverse Storylines, die bloß angerissen werden (sprich: ohne Auflösung verbleiben), wie z.B. die sich um Isobel und die 21 anderen “unruhigen Seelen” rankenden. Obendrein endet die gesamte Angelegenheit mit einem riesigen “Cliffhanger”, der eine ganz neue “Ebene” der Geschichte preisgibt: In den Abspann entlassen wird man nämlich in Form einer post-apokalyptischen Vision, welche Michael inmitten eines verwüsteten sowie meterhoch mit Sand bedeckten New Yorker Straßenzugs stehend zeigt. Zuvor hatten ihn zwei dunkel gekleidete Gestalten (Edie Falco und Jason Isaacs) aus einiger Entfernung heraus beobachtet sowie die Feststellung “He doesnt know how special he is…” ausgesprochen – was eventuell auf eine existierende Organisation ähnlich jener in TV´s “Millennium” hindeuten mag, an sich aber rein als Spekulation meinerseits zu werten ist…

Andrew McCarthy, welcher ja zu den “Ur-Mitgliedern” des ’80er-Jahre “Brat Packs” Hollywoods gehörte, ist bis heute noch immer primär für seine Beteiligung an Werken wie “Pretty in Pink”, “Mannequin”, “Less than Zero” oder “Weekend at Bernie´s” bekannt – bevor es in den ’90ern deutlich ruhiger um ihn wurde und man ihn zuletzt vor allem in TV-Produktionen á la “Kingdom Hospital” oder “Lipstick Jungle” zu Gesicht bekam. Er agiert solide, das will ich ihm mal lassen – doch bin ich mir nicht sicher, ob das ausgereicht hätte, um als Lead einer Serie dieser Art auf Dauer bestehen zu können: Dazu fehlt es ihm einfach zu sehr an Charisma und “Nachhaltigkeit”. Amanda Redman (“Sexy Beast”) portraitiert die resolute Polizistin überzeugend – ihr Vorgesetzter wird von Maurice Roëves (“Macbeth”) verkörpert. Als Isobel hat mir Jessica Oyelowo (“Captive”) gefallen – was allerdings eher an ihrer Schönheit und Ausstrahlung als an ihrer konkreten Performance lag. Die weiteren Nebenrollen wurden u.a. mit Kevin Tighe (“Men of War“), Alexander Armstrong (“Match Point”) sowie einigen talentierten Kinderdarstellern mehrheitlich ordentlich besetzt. Des Weiteren habe ich mich gefreut, Honor Blackman (“Pussy Galore” aus “Goldfinger”) erneut mal wieder vor der Kamera agieren zu sehen – jedenfalls in einem Werk, das mich interessiert. Die Auftritte Jason Isaacs’ (TV´s “the OA“) und Edie Falcos (TV´s “Oz”) sind derweil bloß reine Cameos…

Paul W.S. Anderson war noch nie für die Qualität seiner Drehbücher bekannt: Seine Stärken lassen sich maßgeblich im Bereich der Optik und Umsetzung der entsprechenden Vorlagen verorten – und auch “the Sight” markiert da keine Ausnahme. Ungeniert bedient sich sein Skript einer langen Reihe altbekannter “Genre-Versatzstücke” – was den Überraschung- und Originalitäts-Faktor jeweils merklich mindert. Zudem wartet es ebenso mit nicht gerade hochwertigen Dialogen auf – vermag allerdings (zumindest punktuell) einige nette Einfälle und Szenarien aufzubieten, die aus den sonstigen inhaltlichen Geschehnissen positiv herausragen. Betrachten wir aber erst einmal das “tendenziell Negative”: So wirkt es bspw. “leicht merkwürdig”, dass die beiden Amerikaner im präsentierten Umfang in die britischen Ermittlungen mit eingebunden werden – während die Verhaftung Michaels bei mir unweigerlich die Frage heraufbeschwor, warum jener seine Unschuld nicht einfach dadurch belegt, dass er den zuständigen Behörden den Nachweis seines Aufenthalts in einem anderen Land zum Zeitpunkt der Morde liefert (etwa anhand seiner Einreise-Daten). Und warum eigentlich ist es (scheinbar ja weit verbreitet) so, dass die Geister der Getöteten zwar auf bestimmte Dinge aufmerksam machen sowie hilfreiche Hinweise beisteuern können, wenn es um die Suche nach ihrem Killer geht – sie die konkrete Identität jener Person dagegen aber nie “verraten”…?

Die mauen Charakterzeichnungen resultieren weitestgehend daraus, dass man sich das Preisgeben etlicher Hintergründe (etwa hinsichtlich der 21 Geister) wohl für künftige Episoden aufsparen wollte: Diverse Handlungsfäden verbleiben offen bzw. nicht sonderlich fest miteinander verwoben. Einige “Comic Relief”-Beigaben und “ungewohnte britische Begebenheiten” (wie dass Polizisten dort das Tragen von Waffen vorab ausdrücklich genehmigen lassen müssen) wussten mir indes ebenso zuzusagen wie gewisse eingebundene “Jenseits-Vorstellungen” (unter ihnen eine “Himmelstreppe” sowie “das Licht am Ende des Tunnels”) und so manch ein gen Lewis Carroll´s “Alice in Wonderland” gerichteter Verweis nicht allzu aufdringlicher Beschaffenheit (u.a. via Namen, Örtlichkeiten und speziell ausgewählten Requisiten). Der mit Mystery- und Horror-Elementen angereicherte Einstieg wird im fortschreitenden Verlauf übrigens zunehmend von traditionellen “Krimi-Zusätzen” überlagert: Die Jagd auf den Kindermörder und das Verhindern weiterer Taten rückt anwachsend stärker in den Vordergrund – was ich ein wenig “herkömmlich” und schade fand, obgleich die “Auflösung” (in Bezug auf den Killer) zum Glück nicht allzu offensichtlich zu durchschauen ist…

Inszenatorisch kann man “frei heraus” von einem “typischen Paul W.S. Anderson Flick” sprechen: Cinematographer David Johnson (“Resident Evil: Extinction”) arrangierte einige coole Kamerafahrten und fing verschiedene anregende Bildkompositionen ein, welche (besonders in Verbindung mit dem inspirierten Einsatz von passenden Farbfiltern sowie der stimmigen Ausleuchtung der Schauplätze) dem Ganzen einen modernen Look verpassen und zugleich beim Aufbau einer “kühlen Atmosphäre” behilflich sind. Die “visuellen Spielereien” nehmen allerdings nie überhand, sondern fügen sich ergiebig in den (vom klangvollen Score Jocelyn Pooks “unterstrichenen”) Kontext ein – was gleichermaßen für die gebotenen Effekte und vereinzelten (mäßig erfolgreichen) “Jump Scares” gilt. Anderson ist es gelungen, einige einem positiv in Erinnerung verbleibende Momente zu kreieren – wie z.B. die apokalyptische Schluss-Einstellung, eine an einem Spielplatz angesiedelte Szene, auf dem sich die ermordeten Kinder treffen, die Beerdigung eines der jungen Opfer (im Beisein des betreffenden Mädchens, wohlgemerkt) oder eine in den zweiten Weltkrieg zurückreichende Sequenz, die eine Frau aufzeigt, welche damals in der U-Bahn bei der Bombardierung Londons ums Leben kam und seither noch immer keinen “Frieden” zu finden vermochte…

Fraglos haben wir es hier mal wieder mit “Style over Substance” zutun. Das Hauptproblem ist jedoch, dass der Film (trotz seines verhältnismäßig zügigen Tempos) den “Idealkurs” gelegentlich nicht unbedingt optimal halten kann und bisweilen irgendwie leicht “ins Stocken gerät” – und das unabhängig der auf die früher mal angedachten “Werbe-Blöcke” hindeutenden, zirka jede Viertelstunde auftretenden “Mini-Cliffhanger” (inklusive anschließender “Fade to Blacks”). Ohne einem genügend ausgeprägten Spannungsgrad werden einem die eher lahmen Serienkiller-Aspekte der Geschichte mit der Zeit immer deutlicher gewahr: Nicht nur deshalb enttäuscht der sich in der Kanalisation unter den Straßen der Millionen-Metropole entfaltende (recht konventionell gestrickte) Showdown. Man hätte sich schlichtweg mehr als diesen “08/15”-Plot-Strang im Fokus Schrägstrich Zentrum der Geschehnisse gewünscht. Dass das durchaus möglich gewesen wäre, beweisen ja einige hoffnungsvolle, leider jedoch (zumindest im Rahmen dieser “ersten” 85 Minuten) “zu halbherzig aufgegriffene” Ansätze. Letzten Endes ist “the Sight” also ein routiniert und optisch ansprechend in Szene gesetzter, eine Reihe Mystery-, Thriller- und Horror-Elemente solide miteinander verknüpfender “Serien-Pilot” in Spielfilmlänge, der für sich allein (in der vorliegenden Form) aber doch etwas zu “holprig”, oberflächlich und uneigenständig daherkommt, um wahrhaft empfohlen zu werden…

zu verorten nahe der Grenze zur

Während “the Sight” hierzulande seit 2004 auf DVD erhältlich ist, sind mir bis heute (07/2019) generell noch keine Infos hinsichtlich einer Veröffentlichung auf BluRay bekannt...

Stefan Seidlthe Sight

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the Sight

Copyright des “the Sight” Covermotivs sowie der Screenshots: 20th Century Fox Television / Impact Pictures / Sky Productions / Planet Media Home Ent., Koch Media GmbH (D)__ Infos zur dt. VÖ:__ Freigabe: FSK-12__ DVD/BluRay: ja/nein

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