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The Swordsman

Originaltitel: Geomgaek__Herstellungsland: Südkorea__Erscheinungsjahr: 2020__Regie: Choi Jae-hoon__Darsteller: Hyuk Jang, Kim Hyeon-soo, Joe Taslim, Jeong Man-sik, Lee Na-gyeong, Lee Min-hyuk, Choi Jin-ho, Ji Seung-hyeon, Ji Gun-woo, Gong Sang-ah, Sin Jae-hwan u.a.
The Swordsman Mediabook-Cover

“The Swordsman” setzt die beeindruckende Liste an Actionern aus Südkorea fort.

Vor Jahren konnte der versierte Schwertkämpfer Tae-yul nicht verhindern, dass sein König gestürzt wurde. Zudem wurde der junge Krieger schwer verletzt. Mit einem ihm anvertrauten Kind gelang ihm dennoch die Flucht. 15 Jahre später lebt Tae-yul mit der inzwischen 15-jährigen Tae-ok zurückgezogen von den Menschen ein einsames, aber einigermaßen erfülltes Leben. Doch die alte Verletzung macht Tae-yul zu schaffen. Splitter seines damals geborstenen Schwertes wandern so ungünstig, dass er zu erblinden droht.

Um diese Erblindung aufzuhalten, will Tae-ok besondere Kräuter in der nahe gelegenen Stadt beschaffen. Tae-yul, der ihr nur selten von der Seite weicht, bricht darum mit seinem Vorsatz, sich von anderen Menschen fernzuhalten. Hätte er mal lieber auf seinen Bauch gehört. In der Stadt wird nämlich das Leben beider komplett auf den Kopf gestellt.

Ein Adliger sichert sich die Dienste von Tae-ok als Hausmädchen. Im Gegenzug erhält diese die heilenden Kräuter. Was weder Tae-ok noch Tae-yul ahnen: Der Adlige will Tae-ok als eine Art Schutzschild für seine Tochter. Denn fiese Ausländer terrorisieren das Land und versklaven bevorzugt die Angehörigen der herrschenden Eliten. Es kommt, wie es kommen musste: Tae-ok wird eines Tages verschleppt und der inzwischen nahezu blinde Tae-yul muss alles daran setzen, sie zu befreien.

Schaut in den Schwertkampf-Actionfilm aus Südkorea hinein

„The Swordsman“ macht es dem Zuschauer zu Beginn eine ganze Weile schwer, richtig in dessen Welt einzutauchen. Gezielt hält der Film Informationen zurück und lässt den Zuschauer hier und da über Motive der handelnden Figuren und Zusammenhänge im Unklaren. Glücklicherweise geht die Rechnung durchaus auf. Immer mehr zieht der Film nach einem leicht spröden Beginn den Zuschauer in die Story hinein. Der ertappt sich mehrfach dabei, wie er versucht, sich die Zusammenhänge zusammenzureimen.

Das Drehbuch zum Film nutzt diese Anlage der Geschichte, um bis in die letzten Minuten hinein kleinere Überraschungen und Verwicklungen zu präsentieren, die die Spannung oben halten. Interessanterweise ist „The Swordsman“ für einen südkoreanischen Actioner im historischen Setting erstaunlich kurz geraten. Der eigentlich schlichten Geschichte schadet das aufgrund ihrer Aufmachung kein Stück und sie wirkt sehr rund auserzählt, die Figuren hätten dafür aber deutlich mehr Speck auf den Rippen haben dürfen. Vor allem die recht charismatisch wirkenden Bösewichter hätten von etwas mehr Hintergrund vermutlich deutlich profitiert.

The Swordsman Tae-yul in Action

Tae-yul droht zu erblinden, hat aber nichts von seinen Fighting-Skills verloren.

In technischer Hinsicht überrascht „The Swordsman“ in vielerlei Hinsicht. Er wirkt optisch – gerade im Vergleich zu ähnlichen Genre-Werken aus Südkorea – eher nüchtern und aufgrund seines digitalen, glatten Looks immer mal wieder wenig filmisch. Regie-Debütant Choi Jae-hoon arbeitet zudem mit sehr gedeckten Farben und schwelgt gar nicht wie gewohnt in den Sets und der stimmigen Ausstattung. Alles reichlich ungewohnt, aber vermutlich auch gerade deshalb nicht ohne Reiz. Auch der Score kommt häufiger aus Synthesizern, was man bei dieser Art Film eher weniger gewohnt ist. Ein echtes Meisterwerk ist der traumhaft schön gestaltete Vorspann.

Interessant ist auch, wie der Film geschnitten ist. Während manche Dialoge beinahe statisch wirken und in ihrem Schnitt-Gegenschnitt-Verfahren eher an TV-Serien erinnern, werden andere, wichtigere Dialoge fast zu Kämpfen, so schnell wird dann umgeschnitten. Einen ganzen Zacken legt der Film in der echten Action zu. Sobald hier ein Schwert aus der Scheide gezogen wird, geht die Dynamik durchweg nach oben.

Joe Taslim im Südorea-Schwertkampf-Actionfilm

Joe Taslim führt die Lumpen in “The Swordsman” an.

Die Kamera fährt an Schneiden entlang, fliegt um die Fighter, man hört wie Sehnen und Fleisch zerschnitten werden und die Musik gibt den Takt für die flott choreografierten Schwertkämpfe vor. Diese erinnern in ihrer Optik häufiger an chinesische Wuxia-Streifen, inklusive Wirework-Momenten und physikalisch unmöglichen Moves. Klasse sind die Wiegeschritte von Tae-yul, mit denen er häufiger die Kämpfe eröffnet und die die ohnehin sehr tänzerisch anmutenden Fights noch eleganter aussehen lassen. Krass hingegen die Schnelligkeit des Kämpfers, der teils über den Screen zu rasen scheint.

In der Action ist „The Swordsman“ um Abwechslung bemüht. So kämpft Tae-yul zu Beginn eher mit seinem Knüppel, bevor er dann irgendwann mal das Schwert zieht. Nach eher kleineren Mano-a-Mano-Duellen trifft er dann vermehrt auf immer größere Gegnerhorden: Darunter Ninjas, königliche Krieger und sogar Musketiere. Der Blutzoll bleibt in Maßen, hier und da wird sichtlich mit CGI-Blut geschmoddert. Gerade die eigentlich coole Kampfszene zwischen Tae-yul und den Musketieren leidet unter nicht perfekten CGI-Blutfontänen.

The Swordsman mit Hyuk Jang

Tae-yul stellt sich den Entführern seiner Tochter.

Darstellerisch ist „The Swordsman“ ganz auf Hauptdarsteller Hyuk Jang („IRIS – Der Spion aus der Kälte“) zugeschnitten. Der spielt seinen Schwertkämpfer mit melancholischer Grundnote und derart krassem Understatement, dass alle Figuren um ihn herum overacted wirken. Ohne dass der Film ein Overacting-Problem hätte. Ich persönlich hätte mir die Zeichnung der Beziehung zwischen Tae-yul und Tae-ok (Hyeon-soo Kim) noch etwas intensiver gewünscht. Hier hat „The Swordsman“ etwas Potential für mehr Involvierung liegen gelassen. Die Nebendarsteller spielen durchweg ordentlich, vor allem Joe Taslim („The Raid“) macht als übersouveräner Oberbösewicht richtig Laune.

„The Swordsman“ steigert sich immer mehr

„The Swordsman“ schafft es bravourös, den Zuschauer nach einem etwas spröden Start mehr und mehr zu packen und glänzend zu unterhalten. Immer wieder sorgen kleinere Enthüllungen für zusätzliche Spannungs- und Erkenntnisschübe. Das hält die an und für sich eigentlich simple Story am Leben und den Zuschauer im Film.

Vor allem Action- und Wuxiafans werden von „The Swordsman“ mit Sicherheit nicht enttäuscht. Zwar braucht der Historien-Actioner auch in dieser Sparte eine Weile, bis er in Schwung kommt, aber rollt die Action einmal, schaut man zunehmend begeisterter den ungemein dynamisch in Szene gesetzten Schwertkampfeinlagen zu. In Richtung Finale nehmen die Actionszenen in Sachen Qualität und Umfang immer mehr zu und rangieren zwischen locker leicht und elegant auf der einen Seite sowie ungemein physisch und wuchtig auf der anderen Seite.

07 von 10

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film erscheint am 14. Mai 2021 von Capelight Pictures und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten. Ein einstündiges Behind the Scenes – unkommentiert, aber mit untertitelten Interviews mit den Hauptdarstellern – ist in der Extra-Sektion zu finden.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Capelight Pictures__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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