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The Vatican Tapes

Originaltitel: The Vatican Tapes__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2015__Regie: Mark Neveldine__Darsteller: Olivia Taylor Dudley, John Patrick Amedori, Dougray Scott, Michael Peña, Michael Pare, Peter Andersson, Djimon Hounsou, Kathleen Robertson, Sam Upton, Cas Anvar, Michael Halsey, Daniel Bernhardt u.a.
The Vatican Tapes DVD Cover

Nicht einmal der “Crank”-Macher kann mit “The Vatican Tapes” dem Besessenheitsthema neue Seiten abringen.

Gerade noch feierte Angela Geburtstag, als sie sich im Krankenhaus wiederfindet. Beim Anschneiden der Geburtstagstorte kam es zu einem Unfall und sie schnitt sich tief in den Finger. Die Verletzung ist schnell genäht, doch damit beginnt in „The Vatican Tapes“ erst das große Unheil. Denn Angela vollzieht nun eine Wesensveränderung. Sie wird rüder im Umgang mit anderen und befleißigt sich einer teils unpassend derben Sprache.

Bei einer Autofahrt greift sie dann unvermittelt ihrem Vater ins Lenkrad. Nach dem heftigen Crash liegt sie für Monate im Koma. Gerade als ihr Vater die lebenserhaltenden Maschinen abstellen lässt, kommt plötzlich wieder Leben in Angela. Ein Wunder, so scheint es. Vielmehr scheint nun allerdings Angelas Veränderung manifest geworden zu sein und sich von Tag zu Tag zu verstärken. Plötzlich kann sie Menschen einflüstern, sich selbst umzubringen.

Als Pater Lozano laut seine Vermutung ausspricht, dass das Mädchen, welches er schon vor dessen extremen Veränderungen kennenlernen durfte, besessen sei, wird auch die Kirche hellhörig.

Schaut in den Horrorfilm mit Michael Pare hinein

Ich muss zum wiederholten Male vorweg schicken, dass ich definitiv kein Fan von Besessenheitsgeschichten bin. Die aufgefahrenen Klischees langweilen mich, der ewige gleiche Tand um Exorzismen nervt mich und die gefühlt ewig gleichen Wesensveränderungen der Besessenen erreichen und gruseln mich nicht. Trotzdem musste ich „The Vatican Tapes“ eine Chance geben. Denn dem Macher, Mark Neveldine, eines der Masterminds hinter den großartigen „Crank“-Filmen, traute ich zu, dem Thema etwas Neues abgewinnen zu können. Leider sollte ich mich täuschen.

Denn das einzig interessante Element des Filmes, nämlich dass die Kirche seit langer Zeit ungewöhnliche Ereignisse aufzeichnet und als die titelgebenden „The Vatican Tapes“ archiviert, spielt für den Film keinerlei Rolle. Der versteift sich stattdessen vollkommen auf seine Exorzismus-Story und hätte den „The Vatican Tapes“-Ansatz überhaupt nicht gebraucht. Freilich hätte man aus dem Ansatz eine Anthologie entwickeln können, blöderweise zündete der Start am Boxoffice aber null und so blieb eben kaum mehr als ein hübscher Titel für einen öden Grusler.

The Vatican Tapes mit Olivia Taylor Dudley

Kaum ein Dämon würde um sie einen Bogen machen: Olivia Taylor Dudley.

Was „The Vatican Tapes“ auf jeden Fall von seinen Genre-Vorbildern der Marke „Der Exorzist“ abhebt, ist die von Neveldine gewohnte, fiebrige Inszenierung. Die Schnittfrequenz ist hoch, die Kamera fliegt mal am Boden entlang, mal an der Decke. Sie umkreist die Charaktere, fliegt auf sie zu und von ihnen weg. Die Perspektiven sind schräg. Das Bild zittert. Neveldine hat seinen „Crank“-Stil definitiv nicht verlernt.

Nur das, was er bebildert, ist von fiebrig eben weit entfernt. Im Grunde gelingen Neveldine storyseitig nur zwei interessant Szenen. In der einen beendet Angela einen Exorzismus auf drastische, stark getrickste Art und Weise. Bei der zweiten Szene handelt es sich um das Finale, das angenehm fies geraten ist, aber leider auch nicht so richtig durcheskalieren darf.

Davon abgesehen arbeiten sich Regie und Drehbuch durchgehend an den sattsam bekannten Versatzstücken des Besessenheitsfilmes ab. Es wird mit fremden Zungen gesprochen, große Raben kreisen, Betten werden verrückt und rund um die besessene Angela scheint alles und jeder durchzudrehen. Natürlich zweifeln alle an den Besessenheitstheorien derjenigen, die den Durchblick zu haben glauben. Natürlich knickt man irgendwann doch ein und natürlich werden sogleich Priester entsendet, um dem Spuk ein Ende zu setzen. Wie spannend – nicht.

Horror mit Dougray Scott

Dougray Scott kann nur hilflos zugucken…

Den Schauspielern kann man dabei gar keine großen Vorwürfe machen, denn Olivia Taylor Dudley („Chillerama“) als Angela, Dougray Scott („The Rezort“) als Angelas Vater und Michael Peña („Operation: 12 Strong“) als Pater spielen solide auf und erfüllen ihre schwach gezeichneten Figuren durchaus mit Leben. Bekannte Gesichter wie Djimon Hounsou („Shazam!“) als Geistlicher und Michael Paré („Puppet Master – Das tödlichste Reich“) als Cop werten den Cast zusätzlich auf, werden vom Drehbuch aber nicht gebührend mit Screentime bedacht. Auch hier dürfte der Grund sein, dass das Skript von Christopher Borrelli und Michael C. Martin zu den Nebenfiguren nichts zu sagen hat. Laut imdb ist auch Daniel Bernhardt (“Atomic Blonde“) für einige Minisekündchen zu sehen. Mir ist er aber nicht bewusst aufgefallen.

„The Vatican Tapes“ macht einen nicht besessen

Das größte Problem des Filmes ist, dass er, um seinen finalen Twist funktionieren lassen zu können, im Vorfeld so gut wie nichts verraten darf. Und das kommt „The Vatican Tapes“ teuer zu stehen, weil er lange Zeit nicht einmal als Besessenheitsfilm wirklich zu funktionieren vermag. Es fehlt das große Gewese darum, welcher Dämon da warum in Angela haust. Und der darf eigentlich auch nie so richtig auf die Pauke hauen – Ekeleffekte und Splatter haben somit komplett Pause. Stattdessen gibt es Pausenfüller um Pausenfüller, bei denen Neveldine sogar vergisst, die Zuschauer zu erschrecken. Jump Scares? Fiese Atmosphäre? Gruselige Momente? Spannung? Fiese Verrenkungen oder gar innovative Horrormomente? Nicht in „The Vatican Tapes“. Der ist am Ende nicht mehr als ein fiebrig inszeniertes Nichts.

03 von 10

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film ist mit einer FSK 16 uncut und kommt von Universum Film.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Universum Film__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__ Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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Categorised in: Creepy Hauntings, Reviews

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