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The Way – Der Weg des Drachen

Originaltitel: Put__Herstellungsland: Russland__Erscheinungsjahr: 2009__ Regie: Vladimir Pasichnik__Darsteller: Dzhamal Azhigirey, Aleksandr Baranov, Aleksandr Barinov, Ekaterina Bestuzheva, Jane Black, David Bueno, Giovanni Capitello, Irina Chashchina, Vladimir Denisov, Michael Madsen u.a.
The Way

Schwachsinn ins Quadrat mit Michael Madsen in einem Cameo: “The Way”

„The Way – Der Weg des Drachen“ – was für ein Titel! Zumal für einen Film aus russischer Produktion. Ok, für den deutschen Zusatz kann der Originalfilm nix. Man sollte ihm also nicht vorhalten, dass es in dem Film weder um Drachen noch um Martial-Arts-Künstler geht, die den Weg des Drachen beschreiten. Was man ihm aber vorhalten kann, ist, dass er vollkommener Kokolores ist. Mit ganz viel seltsamem Geschwurbel.

Alles beginnt in China. Oder Thailand. So genau erkennt man das nicht, weil alle Akteure Thais sind, sich im Hintergrund aber die chinesische Mauer entlangschlängelt. Auf jeden Fall öffnen hier ein paar Kids den Löwenkäfig einer Art Wanderzirkus. Das Tier kommt frei und der Junge, der das Tier freigelassen hat, wird von den Dorfbewohnern zum Dank ordentlich zusammengetreten. Da kommt ein russisch aussehender Mönch vorbei und rettet ihn. Er schleppt ihn zur chinesischen Mauer und übergibt ihn seinen Kampfmönch-Freunden zum Training. Der Junge wächst heran und wird zum stattlichen Kämpfer. Derweil wird der von ihm befreite Tiger immer mehr zum Problemtiger – der Ziegen reißt und Babys klaut. Der Kämpfer stellt sich darum dem Tier und tritt es tot.

Schöner Einstiege. Ein wenig martialisch und urtümlich, aber hey. Gesprochen wird auch nicht in den ersten zehn Minuten. Während einen das hier direkt ein wenig stört, wird man im weiteren Verlauf noch froh sein, wenn mal die Fresse gehalten wird. Doch ich greife vor… Auf jeden Fall spielen jetzt sowohl der Kämpfer als auch der Geist des Tigers keine Rolle mehr. Stattdessen springen wir urplötzlich nach Russland. Hier lernen wir Aleks kennen. Der hat gerade einen blonden Fickschlitten vor dem Ersaufen bewahrt. Dieser erinnert ihn stark an eine junge Dame, auf die er mal als junger Mann stand. Es beginnt eine laaaaange, vollkommen ziellose Rückblende, die nun Aleks Geschichte aufrollt. Auch wenn sie keinen interessiert.

Wir erfahren, dass er in einer russischen Bande Mitglied war und da viel Scheiße baute. Ferner fabuliert der Film von einer Judo-Schule, die Aleks auf den rechten Weg brachte, und von einer Freundschaft zu einem guten Kumpel, die scheiterte, als dieser von ein paar Lumpen erschossen wurde. Irgendwann da lernte Aleks auch den blonden Fickschlitten kennen. Der sich irgendwann mit einem „Ich bin stumm“ von ihm verabschiedet und ab sofort für den Film keine Rolle mehr spielt. Echt sinnige Rückblende. Doch die hat nun gerade erst begonnen.

Auf einmal ist Aleks nun in der russischen Armee. Die sucht nach einer Einheit besonders mutiger Typen, die auf einer ostasiatischen Insel ein Drogenkartell beseitigen sollen. Aleks und drei Kameraden, die mal kurz ungehorsam waren und dafür bestraft werden sollen, erhalten die Möglichkeit, den Auftrag durchzuziehen oder einzufahren. Natürlich wollen sie auf die Insel. Es folgt ein langes Training in Kampfsport und Meditation. In dessen Verlauf ganz ganz viel Dünnes gelabert wird. Danach sind unsere Helden für den Einsatz bereit.

Kurz darauf landen sie auf einem amerikanischen!!! Flugzeugträger, damit der sie auf die Insel bringen kann. Schon toll, wie die ganze Welt auf Mütterchen Russland hört, wenn es hustet. Als amerikanischer Kapitän schaut Michael Madsen („Piranhaconda“) vorbei. Der Mime, der sich inzwischen für wirklich gar nichts mehr zu schade zu sein scheint, ist ungefähr 60 Sekunden im Bild und verpisst sich dann wohlweislich aus dem Film.

Der kommt kurz darauf auf der Insel an. Plötzlich geht es um einen Maulwurf. Der spielte bis dahin keine Rolle, aber wenn man schon einmal auf der Insel ist, kann man auch einen Maulwurf in der Heimat enttarnen. Das macht man mittels außerkörperlicher Erfahrungen und morpht irgendwann sein Gesicht um, damit man vom Feind nicht erkannt wird. Dann schmeißen Elefanten Motorräder durch die Gegend und rennen Bambushütten um und irgendwann brennt auf der Insel ordentlich der Wald. Aleks pocht sich mit irgendwelchen Thais, die wohl wieder Chinesen darstellen sollen, und irgendwie taucht eine Type im Film auf, die eine alte Ausgabe des tigerbefreienden Jungen vom Anfang sein könnte. Oder auch nicht. Wen juckt das schon? Rübe runter, russischer Hardrock an, Ende. Toller Film. Nicht.

„The Way“ wechselt im Laufe seiner Handlung wirklich so oft die Richtung, dass man den Titel beinahe als eine Art Verhöhnung begreifen muss. Vom Martial-Arts-Einstieg zu einer Art Coming-of-Age-Story. Von da über eine Lovestory zum Militär. Und dann von der militärischen Ausbilderei in den Dschungel, wo das Drogenkartell auf einmal egal wird und unsere russischen Helden irgendwie in den Köpfen der Gegner herumspuken. Was das alles mit dem blonden Fickschlitten zu Beginn zu tun hat, mochte mir keine Szene des Streifens verraten. Aber schön, dass wir mal drüber geredet haben.

Sonst fiel noch auf, dass in dem Film wirklich keiner Schauspielern konnte, alle ziemlich dumme Dialogzeilen auskotzen mussten und sich der Kameramann einen Gag daraus zu machen schien, nichtssagende Gesichter ganz lange bei der Tätigkeit des Nichtssagens abzufilmen. „The Way“ ist teilweise wirklich haarsträubend mies montiert. Die darunter laufende Musik berührt einen derart peinlich, dass man freiwillig den Ton ausschaltet (Highlight ist ein „Mama“-Song unter dem Nähen einer offenen Wunde!). Zumindest die Action ist ganz nett inszeniert, auch wenn man nie so wirklich weiß, warum sich hier gerade wer mit wem keilt und wer da nun warum gewonnen hat.

Das ergibt unter dem Strich heillos verquasten Blöd- und Unsinn, den man sich wohl schön saufen muss und dann vermutlich immer noch nix kapiert. Zumindest stimmen bei dem Film die Production Values, denn wie vom aktuellen russischen Kino gewohnt, sieht der Film durchaus anständig aus und betreibt einiges an Aufwand. Wirklich retten kann das „The Way“ aber nicht einmal ansatzweise.

Die deutsche DVD erschien sowohl als „The Way – Der Weg des Drachen“ von SchroederMedia und als Neuauflage mit dem Titel „Death Commando“ von Savoy Film. Mit einer FSK 16 Freigabe ist der Streifen uncut. In Deutschland ist er btw. auch Teil der “Chechenia Warrior”-Reihe, die es an und für sich nicht gibt, aber für den deutschen Markt vier thematisch ungefähr ähnlich gelagerte russsische Actionstreifen miteinander vereint.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: SchroederMedia__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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