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Three Kings – Es ist schön König zu sein

Originaltitel: Three Kings__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1999__Regie: David O. Russell__Darsteller: Mark Wahlberg, George Clooney, Ice Cube, Spike Jonze, Cliff Curtis, Nora Dunn, Jamie Kennedy, Saïd Taghmaoui, Mykelti Williamson, Holt McCannaly, Judy Greer u.a.

Three Kings Mark Wahlberg George Clooney Ice Cube
Three Kings spielt zum Ende des Golfkrieges und präsentiert ein Land, das sich in einer Art Schockzustand befindet. Saddam hat in einen Waffenstillstand eingewilligt. Die irakische Bevölkerung lehnt sich gegen den Diktator auf, der diese Bestrebungen brutal niederschlagen lässt. Mittendrin: Die Amerikaner, die sich aufgrund der Waffenruhe aus allem heraushalten, relativ unbeteiligt ihrem Tagwerk nachgehen und eine ganze Region mehr oder weniger sich selbst überlassen, während sie von den Einheimischen als Befreier und Freiheitsbringer gesehen werden. Dieses seltsame Gefühl der Verunsicherung eines ganzen Landes transportiert Three Kings hervorragend und nutzt die Situation für ein paar sehr giftige Spitzen gegen die Amerikaner.

Ein Medienkrieg sei der Golfkrieg, stellt ein US-General irgendwann regungslos fest und ergibt sich in sein Schicksal, eine Art Medienhure zu sein. Derweil regiert um ihn herum scheinbar Inkompetenz und Chaos vom Allerfeinsten. Die amerikanischen Truppen ziehen durch ein kaputtes Land, Verhaftungen von saddamtreuen Irakern dienen als Beschäftigungstherapie und so recht weiß eigentlich NIEMAND, um was es eigentlich in dem ausgefochtenen Krieg ging. Öl kann es nicht gewesen sein, denn das verbrennt gerade eindrucksvoll am Horizont. Stoff genug für eine fiese Satire und David O. Russell holt zu Beginn seines Filmes alles aus den ihn zur Verfügung stehenden Möglichkeiten heraus und entwirft ein megagalliges Szenario, in dem irgendwann vier gelangweilte Amerikaner losziehen, um ihr ganz persönliches Glück zu finden und vielleicht doch noch etwas von dem Krieg zu haben, von dem sie bisher eher in Radiosendungen oder TV Übertragungen gehört haben.

Grundlage für ihre Wallfahrt ins Glück ist eine Karte, die sie im Rektum eines verhafteten Irakers gefunden haben, die anscheinend die Lage der geheimen Bunker Saddams abbildet. Hier soll der Diktator die in Kuwait gestohlenen Goldbestände des Landes eingelagert haben. Kurzerhand beschließt man, die Karte auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen und wird in einem Dorf tatsächlich fündig. Koffer voller Gold erwarten die Amerikaner, doch auch eine ganze Wagenladung an hilfsbedürftigen Rebellen, die gegen Saddam aufbegehren und auf ihren sicheren Tod zusteuern.

Genau diese Rebellen nutzt O. Russell, um seine zunächst recht egoistisch angehauchten Soldaten aufzubrechen und ihnen ein menschlicheres Gesicht zu geben. An diesem Punkt gerät ihm dann sein Streifen zu beliebig, zu harmlos, denn im Grunde will eigentlich niemand sehen, wie aus diesem wilden Trupp eine Heerschar an Menschenfreunden wird, zumal es den Figuren auch nicht so wirklich stehen will, konfligiert die neue und humane Seite doch sehr mit der zunächst so schlitzohrigen und frechen Charakterzeichnung.

Da wäre George Clooneys Figur. Diese will von dem Krieg eigentlich gar nichts wissen, bumst sich quer durch die Medienhuren der amerikanischen Sendeanstalten und macht per se in dem ihm fremden Land, was sie will. Oder Mark Wahlbergs Figur, die menschlichste im Schatzsucherquartett, die für eine sichere Zukunft ihrer kleinen Familie ganz schnell zum zynischen Drecksack werden kann, zumal ihr der gewonnene Krieg eh nur noch auf die Eier geht. Und deren schlichter Kumpel, gespielt von Ausnahmeregisseur Spike Jonze, ist nicht mal schlau genug, um nicht gegen den Wind zu spucken. Allerdings ist er in seiner grenzenlosen Dummheit einer der Showstealer des ganzen Filmes, denn seine herrlich naiven Fragen und Ansichten sind ein Quell humoristischer Freude und stellen die Unfähigkeit der Amerikaner, in diesem Szenario sinnvoll und menschlich zu agieren, vollkommen bloß. Einzig Ice Cubes Figur will nie so recht im Film ankommen. Was auch an den schauspielerischen Limitierungen des Rappers liegt, der gleichwohl DENNOCH hier seine beste darstellerische Leistung überhaupt abliefert, schafft er es doch, nicht einmal zu nerven. Ein Kunststück, dass ihm nie wieder gelingen sollte. Doch auch Cubes Figur ist von Anfang an nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht … ein Abenteurer in eigener Sache …

Und am Ende sind alle ganz große Heilsbringer. Im Grunde sind sie besser als alle anderen Amerikaner zusammen. Denn sie lernten den Irak auch von einer anderen Seite kennen. Zwar werden sie von den Irakern permanent abgezockt, dennoch entstehen freundschaftliche Bindungen. Das ist durchaus nachvollziehbar gezeichnet und trotzdem ist das Ende dann einfach zu süßlich … Hier hätte O Russell noch einmal ordentlich auf die Pauke hauen sollen. Aber vielleicht hatte er auch die Schnauze voll von seinem Film, immerhin geriet der noch heute als schwierig verschriene Regisseur während der Dreharbeiten hart mit Clooney aneinander, der mit dem entnervten Regisseur, der von den teils katastrophalen Drehbedingungen und Einschränkungen von Produzentenseite vollkommen überfordert war, so gar nicht zurecht kam. Irgendwann lieferte man sich sogar einen Faustkampf am Set … Ob jemand niedergeschlagen wurde, wurde nie bekannt gegeben …

Ein Niederschlag gelingt Three Kings in optischer Hinsicht. So optisch frisch, so rasant geschnitten und so voller energetischer Einstellungen und Kameraeinfälle war kaum ein Antikriegsfilm vor ihm. Three Kings wirkt auch heute, über 10 Jahre nach seiner Entstehung, erstaunlich frisch und seine großartigen Bilder der Wüstensettings, gedreht auf sehr grobkörnigen Filmmaterial, lassen diverse moderne Produktionen mühelos verblassen. Auch gelingt es O. Russell mehr als einmal, den intendierten Look damaliger Zeitschriftenartikelfotos und Medienberichte wiederzugeben. Dazu zieht er gerne mal viel Farbe aus seinen Bildern und inszeniert eine fast einfarbige Wüstenlandschaft. Und kurz darauf explodiert sein Film wieder vor Farbigkeit. Zudem ist Three Kings auch stilprägend geworden, war er doch einer der ersten Filme, der die Auswirkungen einer Kugel auf den menschlichen Organismus in aller Eindrücklichkeit beschrieb und damit die wichtigsten Stilmittel von CSI und Co. vorwegnahm.

Die Action in Three Kings ist eher zurückhaltend dosiert, aber wenn es scheppert, dann richtig. Vor allem einige Explosionen sind genial wuchtig und druckvoll inszeniert und auch diverse Feuergefechte fanden ihren Eingang in den Film, darunter ein interessant arrangierter Shoot Out, bei dem man fast das Gefühl hat, hier sollte eine eigene Art Bullet Time etabliert werden. Im Großen und Ganzen stehen bei den Three Kings aber die Dialogscharmützel im Mittelpunkt und die verfehlen ihre Wirkung nicht.

Was bleibt ist eine teils absurde Kriegssatire, die ihr wüst humoristisches Pulver ein wenig zu früh verschießt und gegen Ende an Biss verliert, hier aber als eine Art Abenteuerfilm nach wie vor hervorragend und auch auf spannende Art und Weise funktioniert. Die Darsteller, allen voran ein zu damaliger Zeit verblüffend präsenter Mark Wahlberg, überzeugen mit vorzüglichen Leistungen, die Optik ist über jedweden Zweifel erhaben und der Humor einfach eine ganz eigene Klasse. Dank der aktuellen weltpolitischen Situation mutet der ganze Film obendrein so aktuell an, als sei er gerade abgedreht wurden, da vor allem die Kommentare von Regisseur David O. Russell zur politischen Unfähigkeit der kriegsbeteiligten Regierungen punktgenau sitzen und wie eine prophetische Vorwegnahme der heutigen Situation in Afghanistan wirken. Ganz nebenbei eingeflochtene Kritik an der ökologischen Zerstörung eines ganzen Landes durch einen Krieg sitzt dann genauso zielsicher. Kurzum: Three Kings ist ein ätzender kleiner Wadenbeißer, der die Kuh zwar nicht fliegen lässt, sie aber zumindest in die Luft jagt … und der Vollständigkeit halber: Gegen Ende ist für wenige Sekunden unser Brian Bosworth zu sehen.

In diesem Sinne:
freeman

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