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Tödliche Umstände

Originaltitel: Invasion of Privacy__ Herstellungsland: USA-Deutschland__ Erscheinungsjahr: 1996__ Regie: Anthony Hickox__ Darsteller: Mili Avital, Johnathon Schaech, David Keith, Naomi Campbell, Charlotte Rampling, Scott Wilkinson, Monica Moench, Susan Dolan Steven, Tom Wright, R.G. Armstrong, Joyce Cohen, Alicia Morales, David Jensen, …

Das deutsche VHS-Covermotiv.

Das deutsche VHS-Covermotiv.

Das amerikanische VHS-Covermotiv.

Das amerikanische VHS-Covermotiv.

Bei dem hierzulande unter dem Titel „Tödliche Umstände“ erschienen Thriller „Invasion of Privacy“ (1996) haben wir es mit einem Werk der beiden „B-Movie-Spezis“ Anthony Hickox (Regie) und Larry Cohen (Drehbuch) zutun, welches sich mit einer eigentlich ziemlich brisant-kontroversen Thematik beschäftigt – das jedoch auf nicht unbedingt „feinsinnig-subtile“ Weise. Im Zentrum des Geschehens steht die Floristin Theresa Barnes (Mili Avital), die eines Tages in einem Park einen charmanten, gut aussehenden Herrn namens Josh (Johnathon Schaech) kennen lernt: Stracks verlieben sie sich ineinander, er zieht bei ihr ein – sie werden zu einem glücklichen Pärchen. Der Film widmet dieser Phase ihrer Beziehung allerdings gerade einmal fünf Minuten, bevor bereits „dunkle Wolken aufziehen“: Ein Kletter-Trip endet damit, dass er sie brüsk über die Kante einer Felswand schubst, um ihr so zu demonstrieren, dass man „stets aufmerksam“ sein muss (ja, sie ist dabei zwar angeseilt – aber trotzdem). Kurz danach taucht eine Ex-Freundin Joshs (Monica Moench) bei Theresa im Laden auf, welche sie warnt, dass er ihr „wehgetan“ habe – und ihr zudem auch gleich eine zugehörige unschöne Narbe präsentiert. Parallel dazu verschlimmert sich Josh´s aufbrausendes Verhalten – was sie anfangs noch der Tatsache zuschreibt, dass er einfach keinen Erfolg bei der Jobsuche hat…

Just dann erhält Theresa von ihrem Arzt (Scott Wilkinson als Dr. Shuman) die Nachricht, dass sie schwanger sei: Eine freudige Mitteilung, die sie Josh am Abend offenbaren möchte. Seine arg schlechte Laune verhindert allerdings, dass es soweit kommt: Stattdessen rastet er völlig aus, verwüstet Teile der Wohnung, wird handgreiflich und versucht sogar, sie zu vergewaltigen. Unerwartet eröffnet er ihr bei einem späteren „klärenden Gespräch“ in einem Restaurant, von ihrem Zustand zu wissen – da er heimlich ihre Post gelesen hatte – und bitte sie überdies darum, ihn zu ehelichen. Sie dagegen hat sich inzwischen sowohl dazu entschlossen, sich von ihm zu trennen, als auch eine Abtreibung vornehmen zu lassen. Als sie mit letzterer Entscheidung an Shuman herantritt, zeigt der sich verwundert und berichtet, dass Josh ihn kontaktiert habe – sie (seiner Aussage nach) ihrer gemeinsamen Elternrolle positiv entgegen sehen würden. Wütend, korrigiert sie ihn und vereinbart den gewünschten Termin. Die Zeit bis dato will sie „für sich allein“ in einem Ferienhäuschen in den Bergen verbringen, wo sie etwas Ruhe und Abstand zu gewinnen gedenkt. Hinter ihrem Rücken hat Josh allerdings ebenfalls mit ihren Eltern gesprochen – ihnen u.a. von „Hochzeitsplänen“ erzählt und auf diesem Wege herausbekommen, wo sie sich aufhält…

Als Theresa von einem Spaziergang in die Hütte zurückkehrt – in der es „natürlich“ kein funktionstüchtiges Telefon gibt – findet sie in ihr plötzlich Josh vor, der sie sogleich erneut davon zu überzeugen bemüht, das Kind zu behalten und mit ihm eine Familie zu gründen. Ein Streit entbrennt – worauf er sie kurzerhand ins Schlafzimmer einsperrt: Sein Plan ist es, sie so lange dort festzuhalten, bis der Punkt erreicht ist, nach welchem laut der Gesetzgebung in ihrem Bundesstaat kein Schwangerschaftsabbruch mehr durchgeführt werden darf. Die Idee ist abstrus – wird aber verhältnismäßig glaubwürdig dargereicht: Josh schreibt Postkarten und fälscht ihre Unterschrift – Stichwort: „vorgezogene Flitterwochen“ – kümmert sich um Besorgungen, lässt Theresa nicht nach draußen und passt auf, dass sie sich und/oder dem Ungeborenen nichts antut. Selbstredend ergibt sie sich nicht so ohne weiteres ihrem Schicksal – sondern unternimmt auch einzelne Fluchtversuche (z.B. während eines nächtlichen Gewitters sowie ein anderes Mal per Anwendung einer List, im Zuge dessen sie u.a. in einen reißenden Fluss stürzt), welche Hickox jeweils relativ packend in Szene gesetzt hat. Ach, und als ein Einheimischer (R.G. Armstrong) Josh zufällig auf die Schliche kommt, tötet jener ihn postwendend – so wie zuvor übrigens auch schon seine Ex…

Insgesamt vergehen zwei Monate – dann hält er sein Wort und fährt mit ihr in die City, wo er sie direkt in der Innenstadt absetzt. Zuerst konsultiert sie Shuman – doch der bestätigt, dass er den Eingriff nun nicht mehr vornehmen darf. Erst im Anschluss geht sie zur Polizei und zeigt Josh an. Den Cops Rutherford (David Keith) und Gibbons (Susan Dolan Steven) wird der Fall zugeteilt – welche bei der schleunig in die Wege geleiteten Verhaftung bereits von Josh und seiner Anwältin (Charlotte Rampling) erwartet werden. Sie ist es, die ihren Klienten (und Lover) fortan in den Medien als einen „Helden“ in der zu jener Zeit gerade heftig diskutierten „Abtreibungsdebatte“ präsentiert – Theresa dagegen als eine „kaltherzige Mörderin in spe“. Um sie daran zu hindern, ihr Vorhaben (bspw.) in Mexiko zu realisieren, erwirkt sie außerdem einen Gerichtsbeschluss, der Theresa den Staat zu verlassen untersagt. Josh wird indes wegen Bedrohung, Entführung, Freiheitsberaubung und Körperverletzung angeklagt. Es als sein Recht und seine Pflicht ansehend, als künftiger Vater das heranwachsende Leben zu schützen, lehnt er einen Deal mit dem Staatsanwalt (Tom Wright) kategorisch ab: Er will gewinnen und im Folgenden sogar das Sorgerecht beantragen. Kritisch beäugt und begleitet von Reportern und Demonstranten, kommt es daraufhin zum Prozess…

Aufgrund der komplex-diffizilen, bis heute (20 Jahre später) noch immer streitbar-aktuellen Thematik ist insbesondere dieser Abschnitt des Films der interessanteste – schlichtweg weil er die gewichtigsten zugehörigen (juristischen, emotionalen, politischen, moralischen) Aspekte in einem dafür förmlich optimal anmutenden Rahmen zusammenführt und obendrein um eine passable Dosis Medien-Kritik ergänzt. Es geht u.a. um die grundlegende Möglichkeit, dass Frauen abtreiben können bzw. dürfen, um die „Rolle“, potentiellen Ansprüche und Einflüsse der betreffenden Männer dabei sowie um „traditionelle amerikanische Familienwerte“. Die „Pro-Life“-Fraktion feindet Theresa öffentlich an und sieht in Josh einen „besorgten Retter“ des Babys. Je nach Standpunkt variiert die Auffassung, wer denn nun Opfer, wer Täter ist – und so müssen die Geschworenen (ebenso wie die Zuschauer) abwägen, was ihrer Meinung nach richtig, falsch und strafbar ist. Leider handelt das Drehbuch Cohens – welcher sich bei seinen Werken ja schon öfters mit verschiedenen „Formen, Problemen und Auswirkungen des Kinderkriegens“ beschäftigt hat (siehe nur mal „Misbegotten“ oder die „It´s Alive“-Reihe) – das Ganze bloß suboptimal „unvertieft“ und zügig ab: Die Chance, etwas „Substanzielleres“ zu erschaffen, wurde zugunsten konventionellerer Genre-Versatzstücke vertan…

Nach der Entbindung bringt es Theresa schließlich doch nicht fertig, das Neugeborene zur Adoption freizugeben – also heuert sie eine Nanny (Joyce Cohen) an und nimmt ihren Job erneut auf. Zugleich bleibt Rutherford weiterhin „am Ball“, Josh die beiden Morde nachzuweisen – während jener wiederum Theresa stalkt, ihre Katze vergiftet und sie zu diskreditieren versucht, um so die Erziehungsberechtigung zugesprochen zu erhalten: Klassischer Psycho-Terror, dessen Ausgang nicht allzu schwer vorausahnbar ist. Johnathon Schaech („5 Days of War“) verkörpert den manipulativen Widerling mit überzeugend wüsten Wutausbrüchen und einem irren Grinsen – allerdings kauft man ihm nie „die charmante Seite seiner Figur“ ab, in welche sich Theresa eingangs verliebt hat und dank der es ihm gelingt, die meisten Leute in seinem Umfeld zu täuschen. Die hübsche Israelin Mili Avital („Stargate“) gefiel mir unterdessen frei einer Notwendigkeit zur Klage gut – worüber hinaus Charlotte Rampling („Angel Heart“) viel zu „hochklassig“ für einen Streifen wie diesen ist, Supermodel Naomi Campbell („Girl 6“) ihren Nebenpart als Theresa´s Kollegin und Freundin überraschend zurückhaltend und solide meistert sowie David Keith („Firestarter“) als Cowboymantel, Jeans und Football-T-Shirt tragender Cop auftritt, der mit der Zeit Gefühle für Theresa zu entwickeln beginnt…

Angesiedelt und gedreht in Utah – einem sehr religiösen, mehrheitlich republikanischen Bundesstaat – standen Hickox bei dieser US-deutschen Co-Produktion landschaftlich prächtige Locations in einer bewaldeten Bergregion ebenso zur Verfügung wie zweckdienliche urbane Schauplätze. Untermalt von einem zwischen wohlklingend und kitschig schwankenden Score Anthony Marinellis („15 Minutes“) und Angelo Badalamentis („Mulholland Dr.“) hat Cinematographer Peter Wunstorff („Surveillance“) die Geschehnisse optisch ansprechend bebildert – wobei es mehrfach schräge Kamera-Perspektiven sowie an Brian De Palma erinnernde „Split Screen“-Montagen (mit bis zu acht Ansichten) zu verzeichnen gibt. Hickox, der im Vorfeld vorrangig für Horror-Kost á la „Waxwork 1&2“, „Hellraiser 3“ oder „Warlock 2“ Bekanntheit erlangte, schuf einige cool arrangierte Szenen (unter ihnen ein Hechtsprung durch ein geschlossenes Fenster) und sorgte für ein angenehm straffes Tempo – doch führten u.a. diverse plumpe (inhaltliche und stilistische) Klischees sowie die unbefriedigende Oberflächlichkeit der Skript-Vorlage letztendlich dazu, dass aus „Invasion of Privacy“ insgesamt nur ein weiterer durchwachsener (zwar unterhaltsamer, nichtsdestotrotz unvorteilhaft „reißerisch“ gearteter) „Neunzigerjahre-Thriller“ wurde…

Hierzulande ist der Streifen bislang bloß auf VHS erschienen. Im Ausland ist er dagegen in einigen Ländern (unter ihnen Holland und Frankreich) auf DVD erhältlich…

Stefan SeidlInvasion of Privacy

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Invasion of Privacy

Copyright der Covermotive und Pics: Senator Film Produktion / Trimark Pictures, Vidmark Ent. (US) / BMG Video, UFA (D)__ Infos zur deutschen VÖ:__ Freigabe: FSK-16__ Geschnitten: nein__ VHS/DVD/BluRay: ja/nein/nein__

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