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Töte alle und kehr allein zurück

Enzo G. Castellaris bleihaltiger „Töte alle und kehr allein zurück“ ist eine Art Bindeglied zwischen Italowestern und (Söldner-)Actionfilm. Als eine kleine Gruppe von Glücksrittern Gold aus den Händen der Nordstaatler stehlen soll, gibt es nicht nur Men-on-a-Mission-Entertainment, sondern viele ebenso aufwändige wie stark inszenierte Actionszenen.

Originaltitel: Ammazzali tutti e torna solo__Herstellungsland: Italien/Spanien__Erscheinungsjahr: 1968__Regie: Enzo G. Castellari__Darsteller: Chuck Connors, Frank Wolff, Franco Citti, Leo Anchóriz, Furio Meniconi, Giovanni Cianfriglia, Alberto Dell’Acqua, Hércules Cortés, John Bartha, Antonio Molino Rojo, Alfonso Rojas u.a.
Töte alle und kehr allein zurück

Enzo G. Castellaris bleihaltiger “Töte alle und kehr allein zurück” ist eine Art Bindeglied zwischen Italowestern und (Söldner-)Actionfilm

Im Portfolio von Enzo G. Castellari finden sich diverse Italowestern, ehe er sich in den 1970ern und 1980ern verstärkt Actionstoffen, oft über Polizisten („Neonkiller“) oder Endzeitkrieger („Metropolis 2000“), widmete. Sein 1968er Western „Töte alle und kehr allein zurück“ (übrigens eine recht akkurate Übersetzung des Originaltitels) kann da quasi als Übergangsstück gehen.

Schon der Beginn nimmt einen Standard späterer Actionfilme vorweg. Man wird Zeuge wie Clyde McKay (Chuck Connors) und sein Team einen Stützpunkt der Südstaatler während des Sezessionskriegs einnehmen – was sich später aus Übung herausstellt. Bis dahin lernt man das Sextett aber erst einmal im Einsatz kennen: Neben Anführer Clyde sind das Sprengmeister Deker (Leo Anchóriz), der messerwerfende Halbindianer Blade (Giovanni Cianfriglia), der schnelle Schütze Hoagy (Franco Citti), der mordlustige Kid (Alberto Dell‘Acqua) und der hünenhafte Bogard (Hércules Cortés). Ein Spezialistenteam, das mit wenigen Pinselstrichen gezeichnet wird, aber markant genug ist, auch ohne große Charakterzeichnung Eindruck zu hinterlassen.

Das erinnert an Vorbild wie den ähnlich gelagerten Western „Die gefürchteten Vier“ und den Men-on-Mission-Klassiker „Das dreckige Dutzend“, die beide in den Vorjahren große Kassenerfolge waren und dementsprechend die Entstehung von Castellaris Film begünstigt haben dürften – ebenso wie der Söldnerfilm, der in diesen und den Folgejahren in den USA und in Italien zum beliebten Genre wurde. Die Konföderierten jedenfalls sind von der Demonstration beeindruckt und beauftragen die kleine Truppe Gold aus der Hand von Nordstaatlern zu holen. Man möchte aber möglichst wenig Mitwisser und zu bezahlende Leute auf der Lohnliste. Deshalb gibt Captain Lynch (Frank Wolff) an Clyde folgende Losung bezüglich seines Teams aus: „Töte alle und kehr allein zurück“ – daher also der Filmtitel.

Clyde macht sich mit den Seinen auf die Mission, muss aber bald feststellen, dass Lynch sie überwacht und wohl die Ausführung wirklich aller Anweisungen bezeugen möchte. Es bleibt die Frage, ob sich Clyde wirklich gegen seine Kameraden wenden wird…

Töte alle und kehr allein zurück

Clyde McKay (Chuck Connors) führt das dreckige Halbdutzend an

„Töte alle und kehr allein zurück“ ist ein sehr action- und temporeicher Western nach dem populären Men-on-Mission-Muster seiner Entstehungsjahre. Castellari hält das Tempo konstant hoch, sodass kaum auffällt, dass seine Figuren allesamt Archetypen sind, die sich in erster Linie durch ihre Spezialgebiete, einzelne Marotten und ihre Charakterfressen auszeichnen. Auch den Hintergrund von Captain Lynch und die damit verbundenen Wendungen hinterfragt man besser nicht, denn die entsprechenden Plottwists wirken etwas aus dem Ärmel geschüttelt. Doch gerade in den ersten zwei Dritteln liefert „Töte alle und kehr allein zurück“ dynamisches Men-on-a-Mission-Entertainment, wenn die kleine Horde Pläne zur Erstürmung eines gut gesicherten Forts schmiedet und schließlich actionreich umsetzt. Dabei sind der Film und die Planungen wenig komplex, bedienen die Genremuster aber zufriedenstellend.

Im letzten Drittel kommt dann das italowesterntypische Element der Niedertracht und der Verteilungskämpfe hinzu – schließlich geht es um viel Gold und Lynchs Losung spielt immer noch eine Rolle. Diese Streitigkeiten dezimieren die einstmals so verschworene Truppe effektiver als jede Feindesschar, was mehr klassisches Italowesternflair erzeugt, dem Film allerdings auch etwas den Drive nimmt. Auch der Aufenthalt in einem Gefangenenlager wirkt eher als Bremser in dem sonst so zackigen Reißer und das Finale scheint im Vergleich zum Vorhergehenden regelrecht klein skaliert. Das zieht „Töte alle und kehr allein zurück“ aber nicht so groß herunter, denn auch das letzte Drittel hat immer noch einiges an bleihaltiger Action zu bieten.

Töte alle und kehr allein zurück

Clyde klärt eine Meinungsverschiedenheit mit dem treffend benannten Captain Lynch (Frank Wolff)

Und in den Actionszenen merkt man das inszenatorische Talent von Enzo G. Castellari, der damals noch weniger auf Zeitlupen Marke Peckinpah setze wie später in „Keoma“, aber schon einfallsreich inszenierte. Kleine Kameratricks wie POV-Einlagen peppen das Geschehen auf, während Castellari auch bei großen, wuseligen Gefechten mit viel Gespür für Raum inszeniert, weshalb der Zuschauer immer weiß was gerade wo passiert. Noch dazu sind die Shoot-Outs spektakulären Einlagen aufgepeppt, wenn primitive Granatwerfer und Dynamit zum Einsatz kommen, eine Lore als mobile Deckung dient oder Kid als echter Springinsfeld die Gegner hüpfend abballert. Großes Highlight ist dabei die Konfrontation Söldner contra Yankees in der Filmmitte, bei der Castellari eine wahre Materialschlacht liefert. Auch eine zünftige Saloonschlägerei darf ebenso wenig fehlen wie der Showdown zwei Erzfeinden. Ein paar flotte Sprüche und humoristische Einlagen gibt es obendrauf, weshalb der Film trotz hohem Bodycount und reichlich Betrug unter den eigentlich befreundeten Halsabschneidern dann unterm Strich nicht zu grimmig wirkt.

Dabei profitiert der Film von seiner Besetzung, die eher aus Typen denn aus Charakterdarstellern besteht. Am ehesten trifft letzteres noch auf Frank Wolff („Spiel mir das Lied vom Tod“) zu, der mit Hingabe das fiese Schwein gibt, das seine Mutter für genug Gold verkaufen würde. Chuck Connors („Terror Kommando“) hält sein kerniges Gesicht in die Kamera und baut (zu Recht) darauf, dass man ihm allein deswegen den mit allen Wassern gewaschenen Söldnerchef abnimmt. Ähnlich macht es der Rest seiner Truppe, der teilweise aus dem Stuntbereich stammt und doch Akzente setzen kann, was vor allem Giovanni Cianfriglia („Die Barbaren“) und Franco Citti („Eiskalte Typen auf heißen Öfen“) sehr gut gelingt.

Mit seiner Men-on-Mission-Thematik, seinen oft ausladenden und stets spektakulären Shoot-Outs und Prügeleien sowie seiner Auftaktactionsequenz, die sich als Übung herausstellt, fungiert „Töte alle und kehr allein zurück“ als eine Art Bindeglied zwischen Italowestern und Actionfilm, vor allem jenen mit Söldner- oder Spezialeinheitenthematik. Noch dazu drückt Castellaris Film fast durchweg auf die Tube, sodass der Mangel an Komplexität oder Charakterzeichnung kaum ins Gewicht fällt. Nach zwei Dritteln ist das Tempo raus, dafür gibt es dann die aus dem Italowestern gewohnten, oft hinterhältigen Verteilungskämpfe zwischen Halunken und Halsabschneidern.

„Töte alle und kehr allein zurück“ lief in Deutschland im Kino, war dort ab 18 Jahren freigegeben und gekürzt, wurde danach aber nie hierzulande auf VHS veröffentlicht. 2008 schaffte Eyecatcher mit einer ungekürzten, ungeprüften DVD Abhilfe. Zehn Jahre später veröffentlichte jetzt Koch Media „Töte alle und kehr allein zurück“ auf DVD und Blu-Ray, neu abgetastet und mit mehr Bonusmaterial (Trailer, Bildergallerie, Aufnahmen vom Set, Interviews). Noch dazu ließen sie den Film neu prüfen, der nun ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben ist.

© Nils Bothmann (McClane)

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