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Tombiruo – Jungle Warrior

Originaltitel: Tombiruo__Herstellungsland: Malaysia__Erscheinungsjahr: 2017__Regie: Seth Larney__Darsteller: Zul Ariffin, Farid Kamil, Nabila Huda, Faizal Hussein, Hasnul Rahmat, Farah Ahmad, M. Nasir, Dynaz Mokhtar, Faye Kusairi, Michael Chen u.a.
Tombiruo Jungle Warrior Action aus Malaysia

“Tombiruo – Jungle Warrior” bietet solide Actionkost aus Malaysia.

Malaysia mag nicht als große Actionfilmnation bekannt sein, hat aber dennoch bereits den einen oder anderen Genrevertreter auf die Spur gebracht. „Fighting Tiger“, „Prince of the City“, der Netflix-Actioner „Paskal“ und „Bunohan“ seien genannt. Mit „Tombiruo“, der auf dem gleichnamigen Roman von Ramlee Awang Murshid basiert und von einem australischen Regisseur in Szene gesetzt wurde, wird nun in Deutschland ein weiterer malaysischer Actionfilm ausgewertet.

Dieser beginnt mit einer wahrhaft beklemmenden Heldengeburt. Von einem Lump vergewaltigt, bringt eine Frau bei einem brachialen Unwetter einen Jungen zur Welt, der mit einem erschreckenden Antlitz gestraft ist. Sein Vater, der bereits den Vergewaltiger brutal gerichtet hat, will nun auch das letzte Zeugnis der Schande aus seinem Leben löschen. Doch eine Schamanin, die bei der Geburt half, spürt, dass der Junge etwas Besonderes ist. Sie tötet den blindwütigen Vater und rettet den Jungen.

Wie weiland Moses setzt sie ihn in einem schwimmenden Gefährt auf einem Fluss aus und überlässt das Kind, dem ein Dämon innewohnen soll, seinem Schicksal. Ein Eingeborener findet das Baby und nimmt sich seiner an. Schnell bemerkt der Mann, dass der Junge Macht über den Dschungel hat und er versucht, dem Jungen die wichtigsten Werte zu vermitteln, damit er seine Kräfte einsetzt, um den Dschungel zu beschützen.

Als wir dem Jungen als Erwachsenem wieder begegnen, versucht der aus nachvollziehbaren Gründen Dauermaskierte gerade, einem Großindustriellen das Leben zu retten. Dieser hat nämlich sein Herz für den Dschungel entdeckt und cancelt ein Großprojekt, das den Verlust tausender Bäume bedeutet hätte. Das wird von dessen Geschäftspartnern alles andere als gerne gesehen, weshalb sie natürlich dem Großindustriellen in die Suppe spucken wollen. Bei den eingeleiteten „Maßnahmen“ kommt es gleich zu mehreren Katastrophen: Der Großindustrielle und seine PR-Beraterin sterben während einer Verfolgungsjagd bei einem Unfall und der väterliche Freund des Helden fängt sich eine Kugel.

Der Held, der von den Einheimischen den geheimnisvollen Spitznamen Tombiruo erhält, steht nun vor zahlreichen Problemen: Natürlich will er seinen Freund rächen. Dabei kommen ihm jedoch gleich mehrere Parteien in die Quere. Der Mann der tödlich verunglückten PR-Beraterin meint, Tombiruo als Verantwortlichen für den Tod seiner Partnerin ausgemacht zu haben, die Partner des Großindustriellen wissen um Tombiruos Gegenwart am Unfallort und wollen den Mitwisser kaltstellen und eine Reporterin kommt unserem Helden zusehends näher und droht, ihm seine Geheimnisse zu entreißen.

Schaut in den Actionfilm aus Malaysia hinein

httpv://www.youtube.com/watch?v=QAPjQLVsoLU

„Tombiruo“, der rund um seinen digitalen Release in Deutschland auch unter dem arg generischen und egalen Titel „Jungle Warrior“ vermarktet wird, ist wahrlich kein Wunder in Sachen Storytelling. Die grundlegende Rachestory hat man so oder so ähnlich bereits zigmal gesehen. Einzig der häufig einfließende Mystizismus um Tombiruos Kräfte über die Natur verleihen der Story ein paar nette Einschübe in Richtung Superheldenmär. Leider machen Regie und Drehbuch erstaunlich wenig aus diesen frischeren Elementen.

Schade ist auch, dass man zum Helden kaum Zugang findet. Das größte Problem dahingehend: Tombiruo nimmt niemals seine Maske ab. Zwar spielt der Film beständig mit dem Versprechen, dem Zuschauer mal das fürchterlich entstellte Antlitz zeigen zu wollen, liefert aber nie. Und irgendwann geht einem dieses viel zu häufig abgeschossene Getease ziemlich auf die Eier.

Zumindest bemüht sich Zul Ariffin sichtlich, seiner Figur des Tombiruo etwas Animalisches mitzugeben und die Figur so ein wenig mehr in Richtung von etwas mythisch Überhöhtem zu drücken, aber so richtig weiß der Regisseur nichts aus diesem Angebot zu machen.

Zudem spielt der Held im eigenen Film eine eher untergeordnete Rolle. Der Mann der verunglückten PR-Beraterin und die Fernsehreporterin sind die eigentlichen Storyantriebe. Ersterer rennt blindlings einem Glaubensgebilde hinterher, von dem der Zuschauer weiß, dass es nicht zutrifft. Zweitere ist so naiv gezeichnet, dass man auch sie als Heldin nicht ernstnehmen kann.

So bleibt man leider immer außen vor. Findet nie so wirklich in den Plot hinein, obschon der alles andere als komplex oder verrätselt wäre. Zwar schießt er gegen Ende ein paar interessante Wendungen ab, dabei kommen einige aber zu sehr aus dem Nichts, während sich andere bereits zu deutlich im Vorfeld abzeichneten. Der Spannung tut all das nicht gut. Langweilig werden die 85 Minuten Nettolaufzeit aber trotzdem nie, weil Regie-Debütant Seth Larney das Tempo angenehm hoch hält.

Ohne dabei wirklich viel Action zu präsentieren. Leider. Die größten/ansprechendsten Szenarios ballen sich am Beginn und am Ende des Filmes. Die ersten Actionszenen präsentieren ein paar sehr geradlinige Silat-Kampfsporteinlagen, die aber leider ohne echte Highlights auskommen müssen. Es fehlt an spektakulären Manövern und an Härte/Impact. Zudem ist Regisseur Larney immer mal wieder zu nah dran an seinen Kämpfern. Lässt die Choreographien nicht wirklich atmen und zerdehnt sie teils unglücklich mit viel zu häufig abgefeuerten Super-Zeitlupen.

Dafür sorgen Fights aus der POV-Perspektive ebenso für kleine Aha-Momente wie die häufiger zum Einsatz kommenden, absolut überzeugend getricksten Bullet-Time-Effekte, bei denen Projektile blutig durch verschiedene Körperteile rauschen dürfen. Zum Ende hin nimmt die Actiondichte noch einmal zu. Hier sollen dann offensichtlich die Superkräfte des Helden stärker die Regie übernehmen. So richtig kommt das beim Zuschauer aber nicht an. Ob das Budget nicht mehr reichte, oder man den Aspekt dann doch nicht überreizen wollte, vermag ich nicht zu sagen.

Abgesehen von zig zuckenden und einschlagenden Blitzen passiert infolgedessen nicht viel. Es dominieren ein paar Martial-Arts-Fights, die etwas druckvoller wirken als zu Beginn und nicht gar so stark durch Zeitlupen ausgebremst werden. Ein ins Spiel kommender Flammenwerfer sorgt für ein paar optisch ansprechende Momente in der Action. Was aber unbedingt festzuhalten bleibt: Es fehlt ein echter Endgegner für Tombiruo. Der räumt ein wenig zu easy auf.

Optisch ist der Film sehr ansprechend geraten. Die Produktion setzt stark auf die natürlichen Gegebenheiten und präsentiert immer wieder schöne Naturaufnahmen. Der Blick aus dem Baumhaus des Helden etwa ist eine wahre Pracht. Die farbsatten Bilder transportieren das sauber. Der Regisseur hat zudem ein Faible für steil von unten gefilmte Aufnahmen, die, gerne mit Zeitlupen versehen, echt majestätisch rüberkommen. Die sparsam eingesetzten digitalen Effekte funktionieren ordentlich. „Tombiruo“ macht seinem Filmland somit alle Ehre. Leider hält die Tonspur da nicht mit. Der immerhin basssatte Score bleibt nicht in Erinnerung. Dafür ist der Abspannsong echt toll.

„Tombiruo – Jungle Warrior“ könnte den Dschungel mehr rocken

Was am Ende bleibt, ist ein ehrenwerter Versuch eines Actioners, der aus vielen guten Anlagen erstaunlich wenig herausholt. Hätte man beispielsweise alle Einschübe um Tombiruos Spezialfähigkeiten weggelassen, der Film wäre keinen Deut anders, als er es jetzt ist. Der leider egale Held, die farblosen Figuren um ihn herum und die luschigen Bösewichter, die dem Helden nichts entgegenzuwerfen haben, sorgen auch nicht für das große Involvement beim Zuschauer.

Dafür stimmt das Pacing und die technische Umsetzung kann einfach nur als gelungen bezeichnet werden. Und auch wenn ich mir von den Silat-Sequenzen mehr versprochen hätte, geht die Action des Filmes schon klar. Sie könnte härter sein, spektakulärer choreographiert und mit mehr Schauwerten durchsetzt, die letzten Willis-, Seagal- oder Cage-B-Actioner stinken dagegen aber rundweg ab. Einfach weil die Macher von „Tombiruo“ sichtlich ein Vielfaches mehr an Sorgfalt in die Actionszenen fließen ließen.
5 von 10

Der Film wird unter dem Titel „Jungle Warrior“ seit Anfang Dezember als VoD zum Leihen und Kaufen auf den verschiedensten Plattformen angeboten. Diese Veröffentlichung wirkt ungeschnitten und hat eine Freigabe ab 18. Die FSK listet jedoch noch keine Altersfreigabe für den Actionfilm. Dazu passt die Tatsache, dass eine für Ende 2021 angekündigte Veröffentlichung im Mediabook ungeprüft kommt. Diese Veröffentlichung von Nameless setzt allerdings auf den Originaltitel und kommt als „Tombiruo“ in drei verschiedenen Mediabooks.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Nameless__Freigabe: ungeprüft__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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