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Total Reality

Auf den Spuren von „Terminator“ und „Das dreckige Dutzend“ kommt Phillip J. Roths „Total Reality“ daher. David Bradley spielt einen Knasti aus der Zukunft, der mit drei anderen Strafgefangenen aus der Zukunft in unsere Gegenwart geschickt wird, um einen Rebellengeneral aufzuhalten, der den Lauf der Geschichte ändern will.

Originaltitel: Total Reality__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1997__Regie: Phillip J. Roth__Darsteller: David Bradley, Ely Pouget, Thomas Kretschmann, Misa Koprova, Brian Faker, Melik Malkasian, Anna Nicholas, Marcus Aurelius, Geof Prysirr, Michael Mendelsohn, Bob Morrisey u.a.
Total Reality

In “Total Reality” schickt Phillip J. Roth B-Actionstar David Bradley auf Zeitreise

Die B-Actionfilme von Phillip J. Roth greifen häufig Science-Fiction-Themen in kostengünstiger Manier auf, egal ob sie nun „Velocity Trap“, „Digital Man“, „Apex“ oder „Total Reality“ heißen.

Eines muss man Roth immerhin lassen: Für das knappe bis kaum vorhandene Budget wird manchen Effekt- und Sci-Fi-Szenen eine überraschende Sorgfalt zuteil. So spielt der Auftakt von „Total Reality“ in der fernen Zukunft des Jahres 2107, in welcher die Erde zerstört ist und das Regime des Bridgisten gegen Rebellen kämpft. Am Ende einer Schlacht um und in einer Raumstation kann der mörderische Rebellenleader Commander Tunis (Thomas Kretschmann) entkommen, nachdem der Soldat Anthony Rand (David Bradley) und seine Mannen eine erfolgreiche Attacke durchgeführt haben. Als dessen Vorgesetzter die Station mit allen noch an Bord befindlichen Rebellen, darunter auch Kinder, in die Luft jagen lässt, killt Rand den eigenen Offizier. Natürlich darf man jetzt keine Effektqualität Marke „Star Wars“ erwarten, aber im Gegensatz zu manch anderem Billig-Science-Fiction-Film sehen die Weltraumszenen trotz immer noch erkennbarer Computerherkunft teilweise recht vorzeigbar auf.

Die Bridgisten berufen auf einen Lebensratgeber, den John Bridges (Michael Mendelsohn) in den 1990ern schrieb, ehe ein Politiker darauf aufmerksam wurde und auch diesen Philosophien eine neue Gesellschaft aufgebaut wurde. Tunis will diesen Lebensstil an der Wurzel mitsamt Bridges auslöschen und reist ins Jahr 1998 zurück. Die Bridgisten schicken ihm ein Himmelfahrtskommando aus vier Sträflingen hinterher: Rand, Wingate (Misa Koprova), Frankel (Brian Faker) und Uriah (Melik Malkasian) sollen ihn aufhalten. Das ist noch nicht einmal ein dreckiges halbes Dutzend, doch im B-Bereich muss man sparen, und außerdem hat Tunis selbst nur einen Gefolgsmann dabei.

Durch Implantate wird das Quartett davon abgehalten im 20. Jahrhundert zu bleiben, denn sollten sie innerhalb von 48 Stunden nicht zurückkehren, ist Exitus angesagt. Bei der ersten Konfrontation mit Tunis stoßen sie auch auf Cathy Easton (Ely Pouget), Bridges‘ Ex-Frau, die zu ihrer unfreiwilligen Helferin wird…

Die Ideengeber von „Terminator“ über „Das dreckige Dutzend“ bis „Die Klapperschlange“ sind schnell ausgemacht, aber an sich hat die Prämisse von „Total Reality“ durchaus ihren Reiz. Leider macht Roth als Drehbuchautor und Regisseur nichts daraus. Schon die Einführung dauert ellenlang, hat aber nichts zu erzählen, denn zwar wird jeder der tödlichen Vier mit seinen Straftaten und kleinen Hintergrundinfos vorgestellt, doch letztendlich bleiben sie austauschbare Pappkameraden, egal ob sie eine kleine Tochter haben oder in bester „Zurück in die Zukunft 2“-Manier mit ihrem Sportvorwissen zum Wettkönig des Jahres 1998 werden wollen. Auf die Tötung des Schurken folgt noch ein ausgewalzter Epilog, in dem komplett Uninteressantes erzählt wird (Vernehmung von Cathy) oder man noch mal mit dem Holzhammer darauf gestoßen wird, dass der Eingriff in die Vergangenheit eine bessere Zukunft bewirkt hat, obwohl die Zeitreisenden ja eigentlich nur den Status Quo erhalten sollten.

Total Reality

Vom Soldaten zum Knastbruder: Anthony Rand (David Bradley) wird für das Himmelfahrtskommando ausgewählt

Kurz wird auch mal angemerkt, dass Schurke und Held eigentlich beide mit dem Unrechtsregime unzufrieden sind, dem Rand eigentlich dient, aber das ist ein kurzer Wegwerfgedanke, den der Film gar nicht erst verfolgt. Außerdem wird Tunis immer noch als eiskalter Mörder dargestellt, sodass wenig aus der angedachten Ambivalenz wird. Rand und seine Truppe hetzen jedenfalls ereignisarm und überraschungsfrei hinter Tunis her, verlieren dabei genau die Mitglieder, von denen man es erwartet, und werden auch noch von der Polizei gejagt, weil mit zwei Schurken allein kein Staat zu machen ist. Dummerweise geht dem Ganzen jeder Spannungsbogen und jedes Gefühl von echter Gefahr ab, sodass „Total Reality“ eine sehr dröge Angelegenheit bleibt, die sich nominell Hetzjagd schimpft.

Leider ist auch die Action reichlich drucklos. Ein paar eher lahme Shoot-Outs zwischen sehr wenigen Beteiligten, etwas Gekicke, das aber reichlich mau montiert wurde, und die eine oder andere Explosion, das war es auch schon. Immerhin sieht das Finale mit Brückenjump und in die Luft fliegendem Auto ganz hübsch aus, kann aber nicht verbergen, dass es auch nur aus einem kurzen Schusswechsel besteht. Auch sonst hat „Total Reality“ wenig zu bieten: Ein paar Humoranflüge wie die Namen der FBI-Agenten Smith (Marcus Aurelius) und Wesson (Anna Nicholas) wirken extrem bemüht, die leichten Seitenhiebe gegen Lebensratschläge Marke Scientology sind viel zu zahm. Und das Schlimmste ist aber, dass jede der Figuren so unfassbar platt ist, dass es dem Zuschauer egal ist, wer lebt, wer stirbt und ob das faschistische Zukunftsregime untergeht oder bestehen bleibt.

David Bradley („American Fighter 3“) bekleckert sind in der Hauptrolle nicht mit Ruhm, kommt mit seiner 08/15-Performance aber fast noch am besten aus der Angelegenheit heraus. Ein total verschenkter Thomas Kretschmann („Dragged Across Concrete“) reißt routiniert eine Standard-Schurkenrolle herunter, der Rest vom Fest, egal ob Ely Pouget („Sirene I“) und Misa Koprova („Cable Guy“) in den weiblichen Hauptrollen oder B-Action-Nebenrollengesicht Marcus Aurelius („Death Match“), stolpert hüftsteif und ausdrucksarm durch den Film.

So bleibt „Total Reality“ ein unorigineller, unglaublich tranig erzählter Sci-Fi-Actioner der B-Klasse, dessen Fights und Shoot-Outs ebenfalls meist zu wünschen übrigen lassen. Nur in Sachen Weltraumszenen ist „Total Reality“ für seine Low- bis No-Budget-Wurzeln teilweise überraschend sauber gemacht – hätte Roth beim Rest des Films doch nur ähnliche Sorgfalt walten lassen.

KSM/Attraction Movies hat „Total Reality” hierzulande auf DVD. Die ist trotz FSK-12-Freigabe ungekürzt, nachdem der Film zuvor auf VHS und im TV noch ab 16 war. Das Bonusmaterial besteht aus Filmographien, einer Slideshow und Artworks.

© Nils Bothmann (McClane)

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