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Traded

Originaltitel: Traded__ Herstellungsland: USA__ Erscheinungsjahr: 2016__ Regie: Timothy Woodward Jr.__ Darsteller: Michael Paré, Brittany Elizabeth Williams, Constance Brenneman, Kris Kristofferson, Tom Sizemore, Trace Adkins, Martin Kove, Marie Oldenbourg, …

Ein alternatives Postermotiv.

Ein alternatives Postermotiv.

Das amerikanische Postermotiv.

Das amerikanische Postermotiv.

Nachdem sich Regisseur Timothy Woodward Jr. in den vergangenen Jahren mit einer Reihe unterdurchschnittlicher Action/Crime-B-Movies (unter ihnen „Beyond Justice“, „Checkmate“ und „Decommissioned“) als ein ziemlicher „Stümper“ auf dem betreffenden Gebiet erwiesen hat, lieferte er in Gestalt seiner 2016er Veröffentlichung „Traded“ dagegen einen klassisch gearteten Western ab – bei welchem Skriptautor Mark Esslinger („Delivery“) im Grunde aber nicht viel mehr getan hat, als eine an Werke wie „Hardcore“ (1979) oder „Taken“ erinnernde Story in eben jenes traditionsreiche Genre zu übertragen. 1883 angesiedelt, wird die Geschichte des einstigen „Revolverhelden“ Clay Travis (Michael Paré) erzählt, der inzwischen mit seiner Gattin Amelia (Constance Brenneman), jugendlichen Tochter Lily (Brittany Elizabeth Williams) und seinem Söhnchen Jake (Hunter Fischer) ein friedliches Leben auf einer beschaulichen Ranch in Kansas führt. Dieses „Idyll“ zerbricht jedoch, als Jake an einem Schlangenbiss stirbt, Amelia infolge dessen an Depressionen zu leiden beginnt und Lily obendrein auch noch von zuhause ausreißt, um in der nächstgrößeren Stadt den Versuch zu wagen, einen der begehrten „Harvey Girl“-Kellnerinnen-Jobs zu ergattern…

Der Einstieg zeigt dem Publikum ein auffällig „antiquiert“ anmutendes Familienbild auf – mit Clay als raubeinig-starkem Behüter und Versorger, einem ihn idolisierenden Jungen, einer zufriedenen Hausfrau/Mutter/Gemahlin und einer sich „mehr Selbständigkeit“ wünschenden Teenagerin, die nicht einmal zu einer Tanzveranstaltung darf, da ihr Vater „ihre Tugend bewahren“ möchte. Als ihre Mom sie nach dem Tod ihres Bruders dann aber gar noch weiter „einengt“ – ihr bspw. untersagt, zu einem nahe gelegenen See zu gehen – entschließt sie sich spontan dazu, ihre Eltern zu verlassen und sich eine eigene Arbeit zu suchen: Ihre Chancen stehen gut – doch im zuständigen Büro in Wichita kommt sie nie an. Ohne von letzterer Gegebenheit zu wissen, hat sich Clay indes bereits fest vorgenommen, sie auf jeden Fall zurück zu holen: Mit Hilfe einer „kleinen List“ lässt er die ihn eigentlich begleiten wollende Amelia kurzerhand daheim und reitet los – spürt u.a. einen Mann (Joshua LeBar) auf, mit welchem Lily an der Kutsch-Station gesehen wurde, und gelangt auf diesem Wege zu der Preisgabe, dass die Siebzehnjährige wohl in die Fänge eines in der Region ansässigen „Prostitutions-Rings“ geraten ist…

Als Clay dem örtlichen Bordell-Chef (Trace Adkins) „einen Besuch abstattet“, erfährt er von diesem, dass jener Lily unmittelbar zuvor gegen eine neue Glocke (!) für die lokale Feuerwehr „eingetauscht“ hat – woraufhin er dessen Treiben (samt Dasein) ein für alle Mal „beendet“ und sich rasch ans Einholen des Zugs nach Dodge City begibt, in dem sich Lily offenbar befindet. Da der Streifen in dieser Phase noch keine Stunde Spielzeit hinter sich hat, ist es keinerlei Überraschung, dass diese Befreiungsaktion scheitert. Stattdessen erwacht Clay (nach einer erlittenen Bewusstlosigkeit) gefesselt in einer kleinen Hütte, in der ein Mädel (Marie Oldenbourg) gemeinsam mit ihrem gewalttätigen und sie zudem auch wiederholt sexuell missbrauchenden Stiefvater (Martin Kove) wohnt: Von allen nur „the Girl“ genannt, habe man sie als „zu hässlich“ empfunden, um ihr einen richtigen Namen zu geben, berichtet sie Cody, während sie sich fürsorglich um ihn kümmert. Geschunden, nichtsdestotrotz freundlich und optimistisch, verkörpert Oldenbourg („Symmetry“) sie prima – allerdings ist sie zu hübsch für die in jener Weise beschriebene Rolle und ist das bei ihr verwendete „Unreine-Haut-Make-up“ überdies amateurhaft schlecht geraten…

Insgesamt entfaltet sich der Verlauf gradlinig und besteht aus kaum mehr als einer Aneinanderreihung von Szenen, in denen Clay irgendwelche Typen nach Informationen bezüglich seiner Tochter „ausquetscht“ – sprich: verprügelt und/oder tötet – wobei das Ganze allerdings dermaßen unaufregend arrangiert und präsentiert daherkommt, dass einen das Gebotene zunehmend schwächer „bei Laune zu halten“ vermag. Die Momente rund um „the Girl“ und ihrer Situation bilden da eine positive Ausnahme – schlichtweg dank der zugehörigen „emotionalen Komponente“ (nämlich Mitleid und Sympathie für sie sowie Abscheu für ihren Peiniger). Im Folgenden trifft Clay noch kurz auf eine bis heute Gefühle für ihn hegende „Bekanntschaft aus früheren Tagen“ (Natalia Cigliuti), der das Freudenhaus gegenüber eben jenes Etablissements gehört, in welchem Lily festgehalten wird: Ein fern von notwendiger „Zwischenstopp“, auf den man problemlos hätte verzichten können. Dann aber hat er den gesuchten Herrn endlich gefunden: Lavoie (Tom Sizemore) – seines Zeichens Saloon-Besitzer, Zuhälter, Mörder und „Schmierlappen“, der u.a. ein Faible für eine asiatische Foltertechnik hegt, bei der man jemandem eine Ratte unter einem erhitzen Topf auf die Bauchdecke setzt…

Esslinger´s Skript bedient sich diversen vertrauten Western-Klischees – á la ein wortkarger Held mit geheimnisvoller Vergangenheit, Duell auf der Hauptstraße, Poker-Partie mit gezinkten Karten etc. – was an sich im Grunde alles „halb so schlimm“ gewesen wäre, wenn er zumindest die Charaktere besser ausgestaltet sowie Woodward Jr. nicht ein erneutes Mal sein Unvermögen als Regisseur zur Schau gestellt hätte. Immerhin nimmt man Michael Paré („Road to Hell“) den Part des tough und entschlossen agierenden, dabei jedoch keineswegs „unbezwingbar“ wirkenden Vaters Schrägstrich Rächers problemlos ab: Auf den gestandenen B-Movie-Recken ist Verlass. Selbiges gilt für Kris Kristofferson („Blade“), der mit Werken wie „Pat Garrett & Billy the Kid“ und „Heaven´s Gate“ (wie der kundige Cineast ja weiß) über reichhaltige „Genre-Erfahrung“ verfügt sowie im Vorliegenden im Rahmen einer recht mau verfassten Barkeeper-Nebenrolle Clay u.a. ein paar „Theken-Schlauheiten“ vorträgt – ebenso wie ihm ein Pferd und Revolver überlässt, nachdem jener sich den Respekt des inzwischen bereits Achtzigjährigen verdient hat…

Auf Seiten der „Baddies“ erfüllen Martin Kove („Tapped Out“), der knapp zwei Meter große Country-Sänger Trace Adkins („Deepwater Horizon“) sowie der einen „Mexikaner-Bart“ tragende und meist „over the Top“ auftretende Tom Sizemore („the Relic“) ihre jeweiligen Vorgaben „zweckmäßig“ – geben also „echte Widerlinge“ zum Besten, die Clay getrost „aus der Welt schaffen“ kann. Auch Brittany Elizabeth Williams („Men´s Group“) und Constance Brenneman („Wolf Mother“) haben nicht unbedingt hochwertiges „Ausgangsmaterial“ zur Verfügung erhalten – schlagen sich aber ähnlich „annehmbar“ wie die anderen genannten Akteure (allerdings strikt im Kontext eines Streifens der „Güteklasse B“ verortet). Apropos Frauen: Diese werden im Film fast ausschließlich als „Opfer“ portraitiert, die stets auf „männliche Hilfe“ angewiesen sind. Ja, für sie waren die Zeiten damals fraglos keine leichten – doch wie hier bestimmte Ereignisse dargeboten werden, ruft schon einen gewissen „Beigeschmack“ hervor: Etwa wenn Lavoie einer Prostituierten umgehend ins Gesicht schießt, nachdem sie ihn (selbstbewusst) auf „bessere Arbeitsbedingungen“ angesprochen hat – oder in Anbetracht dessen, was letztendlich aus „the Girl“ wird…

Gedreht an einigen wiedererkennbaren kalifornischen Locations – unter ihnen die Paramount Ranch in Agoura und die Big Sky Movie Ranch in Simi Valley – wirkt so manches (Möbel, Kleidung etc.) einfach nicht überzeugend „authentisch“ und vermisst man bei dem „sauberen“ Digital-Video-Look die mit den 1880ern (und einer solchen Handlung) eigentlich verbundene (bzw. erwartete) „gritty Atmosphäre“. Darüber hinaus ist die Kamera-Arbeit von Pablo Diez („4Got10“) nicht besser einzustufen als der belanglose Score Samuel Joseph Smythes, gibt es regelmäßig Anschluss-Fehler und „Tempo-Probleme“ zu registrieren und gelang es den Verantwortlichen angrenzend nie, die verschiedenen Fist-Fights und Shootouts vernünftig zufrieden stellend in Szene zu setzen. Mir ist klar, dass das Budget gering war und dass einzelnes nicht „negativ überbewertet“ werden sollte – aber gerade eine Sache sehe ich als „unverzeihlich“ an: Alles in allem ist „Traded“ schlichtweg langweilig – und somit ein spannungslos-lahmer, unoriginell-gehaltloser Western, den die Welt wahrlich nicht gebraucht hat. Timothy Woodward Jr. mag noch vergleichsweise jung sein – er wurde 1983 geboren – aber vielleicht sollte er sich künftig eher nicht weiter als Regisseur betätigen…

Während der Film in den USA bereits seit August auf DVD und BluRay erhältlich ist, sind mir bis heute (12/2016) noch keinerlei Veröffentlichungspläne für Deutschland bekannt…

Stefan Seidl

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