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Überfall im Wandschrank

Das Konzept liegt im Titel: „Überfall im Wandschrank“ nimmt die Mär vom Monster im Schrank aufs Korn. Außerdem parodiert die Horrorkomödie die B-Horror-Filme der 1950er, wenn das Biest aus dem Schrank eine Kleinstadt in den USA terrorisiert. Zum Ensemble gehört auch Paul Walker in seiner ersten Filmrolle als hyperintelligenter Dreikäsehoch.

Originaltitel: Monster in the Closet__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1986__Regie: Bob Dahlin__Darsteller: Donald Grant, Denise DuBarry, Claude Akins, Howard Duff, Henry Gibson, Donald Moffat, Paul Dooley, John Carradine, Jesse White, Frank Ashmore, Paul Walker, Stella Stevens, Kevin Peter Hall, Fergie, Ritchie Montgomery, Arthur Berggren u.a.
Überfall im Wandschrank

In der Horrorkomödie “Überfall im Wandschrank” spielt Walker seine erste Filmrolle

Die Horrorkomödie „Überfall im Wandschrank“ wurde bereits 1983 abgedreht, lag aber mehrere Jahre auf Halde, ehe Troma zugriff und Bob Dahlins einzige Spielfilmregie vertrieb. Obwohl weniger grell und auf Tabubrüche aus als Originalproduktionen des Studios, passt auch dieses trashige Filmchen durchaus ins Programm der berühmt-berüchtigten B-Movie-Schmiede.

Wie man sowohl am deutschen als auch am Originaltitel („Monster in the Closet“) erkennen kann, liegt dem Ganzen die Kindheitsmär vom Monster im Schrank zugrunde. Dieses gibt es hier wirklich und ihm fallen zu Beginn des Films direkt eine junge Frau, ein blinder Mann und ein kleines Mädchen zum Opfer, die vom (noch nicht zu sehenden) Biest in den Schrank gezogen werden, ehe man Schreie hört und die Klamotten der Opfer durch die Gegend fliegen. Das spart natürlich schon mal Kohle für Spezialeffekte und verbirgt das Monster in alter Horrortradition, wobei letztere bald drangegeben wird. Bei dem kleinen Mädchen, das es da erwischt, handelt es sich übrigens um die spätere Black-Eyed-Peas-Sängerin Fergie in ganz jungen Jahren.

All die Morde ereignen sich in dem kleinen Städtchen Chestnut Hills nahe San Francisco, wo Richard Clark (Donald Grant) auf seine große Chance als Reporter wartet, aktuell aber nur Todesanzeigen schreiben darf. Da der arrogante Starreporter des Blattes jedoch keine Story hinter den Morden wittert, darf Richard ran. Um seltsamen Bissspuren an den Leichen auf den Grund zu gehen, wendet er sich an den Wissenschaftler Dr. Pennyworth (Henry Gibson) und dessen Kollegin Professor Diane Bennett (Denise DuBarry), die einen kleinen Schlaumeier-Sohn hat, der von allen Leuten inklusive ihr nur Professor (Paul Walker) genannt wird. In bester B-Horror-Tradition haben Cops und sonstige Verantwortliche nur Bullshit-Erklärungen für die Todesfälle parat, während der aufrechte Reporter und die aufgeschlossene Wissenschaftsriege die richtigen Fragen stellen.

Als das Monster eines seiner nächsten Opfer jedoch vor den Augen von dessen Ehefrau verknurpst, hat Richard nicht nur einen brandheißen Scoop, sondern alle Welt macht sich Gedanken wie man dem Biest Paroli bieten kann. Das erweist sich jedoch schwerer als gedacht…

Schaut euch den Trailer zu „Überfall im Wandschrank“ an

Überfall im Wandschrank

Können Reporter Richard Clark (Donald Grant) und Wissenschaftlerin Diane Bennett (Denise DuBarry) das Monster aufhalten?

„Überfall im Wandschrank“ ist ein Film der recht guten Ideen und der lahmarschigen Umsetzung. So hatten Bob Dahlin, der auch am Drehbuch mitschrieb, und sein Co-Autor Peter L. Bergquist offensichtlich eine Parodie der B-Horror-Movies der 1950er im Sinn. Das Monsterdesign und viele stilistische Ideen wie die Newsreels mit flüchtenden Menschen oder die hier willkürlichen Orts- und Zeitangaben knüpfen an jene Werke ebenso an wie inhaltliche Gepflogenheiten. Dazu kommen klischeehafte Figuren, deren stereotype Eigenheiten als Running Gags fungieren: Der knarzige General Turnbull (Donald Moffat) kennt nur maximale Feuerkraft als Monstergegenmittel, der Priester Vater Finnegan (Howard Duff) betont alle naselang, dass das Monster eine Kreatur Gottes sei, während Dr. Pennyworth das Biest wissenschaftlich untersuchen will und bei jeder Gelegenheit die gleiche Anekdote über sich und einen Frosch zum Besten zu geben versucht. Das mag auch eine witzige Idee sein, nutzt sich aber mit der Zeit gewaltig ab. Das letztendliche Gegenmittel gegen das Monster, nachdem selbst Panzerbeschuss versagt hat, ist so naheliegend wie herrlich panne, könnte aber auch direkt aus einem Fifties-B-Movie sein.

Hinzu kommen einige Zitate. Aus „King Kong“ wird wortgetreu das „It was beauty which killed the beast“-Zitat übernommen, das Monster hat ein weiteres Maul an seiner Zunge wie die titelgebende Kreatur aus „Alien“, die „Psycho“-Duschszene wird variiert und Clark erinnert nicht nur in Sachen Beruf, Namensgebung und Hornbrille verdächtig an Clark Kent, sondern hat gleich eine ganz andere Wirkung, wenn er die Brille abnimmt. Nicht nur auf Diane, sondern auch auf das Monster, denn im letzten Drittel wird angedeutet, dass das Biest homosexuell sein könnte, womit der Originaltitel „Monster in the Closet“ ähnlich doppeldeutig wird wie die Poster-Tagline „It’s coming out“. Es bleibt aber kaum mehr als ein Wegwerfgag, ist zwar für den Handlungsverlauf nicht ganz unwichtig, aber gleichzeitig eben auch ohne Mehrwert oder satirische Schärfe. So wirken die meisten Gags auch eher bemüht und die Schlagzahl ist nicht sehr hoch, denn „Überfall im Wandschrank“ steckt voller über Gebühr gedehnter Füllszenen. Gerade im Mittelteil ist dies sehr offensichtlich, etwa wenn Dr. Pennyworth das Biest durch Xylophongeklimper anlocken will und die Protagonistentruppe minutenlang musizierend durch die Gegend läuft.

Überfall im Wandschrank

Dianes hyperintelligenter Sohn (Paul Walker) wird nur Professor genannt. Doch reicht das, um dem Monster zu entgehen?

Das Monster, in dessen Kostüm übrigens Kevin Peter Hall, der spätere Predator himself, steckt, bekommt man nach einem Drittel bereits in voller Pracht zu sehen. Das Kostüm hat einen gewissen Billigcharme, nimmt dem Geschehen bald aber jeden Ernst und so nutzen sich die immergleichen Monsterauftritte auch bald ab. Meist werden egale Nebenfiguren gekillt, wahlweise im Off oder indem sie von der Monsterzunge mal eben hochgehoben werden. Mit Gore oder Effekten ist da nicht viel los, weshalb man sich fast schon wundert, wie Dahlin und Co. das Geld für jene verhältnismäßig aufwändige Szene in der Mitte auftreiben konnten, in denen das Vieh von Soldaten und Panzern unter Beschuss genommen wird. Eher ermüdend ist dann das Finale, das eigentlich Zunder bieten sollte, aber relativ repetitiv und lahmarschig daherkommt und dessen bester Gag vielleicht noch nicht mal intendiert war – da haben Diane und Clark ein Problem, weil das Monster doch tatsächlich die besondere Spezialfähigkeit hat einfach an einer sehr offensichtlich gestellten Falle vorbeizulaufen.

Im Cast finden sich diverse bekannte Gesichter, viele davon mit Horror-Credibility wie Donald Moffat („Das Ding aus einer anderen Welt“), John Carradine („Hexensabbat“) und Joe-Dante-Regular Henry Gibson („Bud und Doyle“). Sonderlich gefordert sind sie allerdings nicht in diesem grobschlächtig inszenierten Werk, in dem sie zudem bloß Pappkameraden im Parodie-Modus abgeben müssen. In den Hauptrollen mühen sich Donald Grant („Showdown in L.A.“) und Denise DuBarry („KGB – Der schmutzige Krieg“) nach Kräften, doch angesichts ihrer limitierten Fähigkeiten ist es nicht verwunderlich, dass ihre Filmographien übersichtlich blieben. Paul Walker („Tammy and the Teenage T-Rex“) ist in seiner ersten Filmrolle als hyperintelligenter Dreikäsehoch zu sehen und macht das weder besonders gut noch besonders schlecht. Immerhin ist die auf Gesundheit bedachte Ernährung seiner Filmmutter für ein paar Gags gut, etwa wenn sie den Gästen zum Nachtisch nach dem Abendessen Gurkenpudding anbietet.

Eine Vollgurke ist „Überfall im Wandschrank“ dann nicht geworden, aber eine Parodieversuch im unteren Durchschnittsbereich. Es finden sich nette Ideen und Anspielungen auf das Horrorgenre in dem Film, das Monster-Design ist auf trashige Weise charmant, doch letzten Endes ist das Ganze viel zu zäh und behäbig inszeniert, die Gagdichte zu niedrig, um das Potential auszunutzen. Schade drum.

„Überfall im Wandschrank“ wurde von WMM/Great Movies/Cargo Records in den letzten Jahren in mehreren Auflagen auf DVD, Blu-Ray und im Mediabook veröffentlicht, die alle ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben sind. Auf DVD gibt es als Bonusmaterial Trailer und eine Bildergalerie, auf Blu-Ray zusätzlich noch weiteres Bild- und Pressematerial zum Film.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: WMM/Great Movies/Cargo Records__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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Categorised in: Creature Feature, Reviews

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