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Universal Soldier – Unterschiede zwischen Roman zum Film und Blockbuster

Vorsicht: Dieser Text vergleicht „Universal Soldier – Der Roman zum Film“ mit dem Blockbuster aus dem Jahr 1992. Entsprechend wird es in Bezug auf das Buch und den Film vor Spoilern nur so wimmeln! Zumindest Kenner des Filmes sollten einen Blick riskieren, denn das Buch hält einige interessante Abweichungen bereit.

Universal Soldier Roman zum Film versus Blockbuster

Universal Soldier: Wir vergleichen den Roman zum Film mit dem Blockbuster. Copyrights: Bastei Lübbe und STUDIOCANAL

Es gab Zeiten, da gehörte der sogenannte „Roman zum Film“ zum festen Merchandising-Portfolio eines potentiellen Blockbusters. Damit der Roman auch im Umfeld des Filmstarts veröffentlicht werden konnte, wurden den Autoren durchaus Drehbücher zur Verfügung gestellt, die sich noch in der Entwicklung befanden.

Je nach Status des Drehbuches konnte der Roman dann entweder sehr nah am Film entlang geschrieben sein – oder total von ihm abweichen. Letzteres habe ich bei „Rambo 3“ vorexerzieren dürfen. Hier geht der Roman zum Film doch sehr eigene Wege. Genannt sei etwa das Survival-Finish, das komplett von der Materialschlacht im Film abweicht.

„Universal Soldier – Der Roman zum Film“ mag nicht derart von dem fertigen Film abweichen, liefert aber dennoch einige interessante Details, die dem finalen Actionhammer durchaus gut gestanden hätten. Über den muss man nicht mehr viel sagen. Er bedeutete Roland Emmerichs Durchbruch in Amerika und verpasste Jean-Claude Van Dammes Karriere einen gewaltigen Boost.

Darum geht es in „Universal Soldier“ – Film und Roman

Alles dreht sich um die beiden US-Soldaten Luc Devereaux und Andrew Scott, die sich in den letzten Tagen von Vietnam gegenseitig über den Haufen ballern. Doch anstelle friedlich zu ruhen, werden sie Teil eines Experimentes, das totes Fleisch wieder zum Leben erwecken soll. Das Experiment gelingt. Die beiden Soldaten und weitere gefallene Kameraden aus Vietnam werden Jahrzehnte später ins Leben zurückgeholt.

Mittels Medikamenten hält man sie auf einem emotions- und willenlosen Level und setzt sie als ultimative Kampfmaschinen ein. Doch mitten im Einsatz schlagen sowohl bei Andrew Scott als auch bei Luc Devereaux alte Erinnerungen durch. Luc flieht daraufhin mit der Reporterin Veronica Roberts. Sein Ziel: Er will nach Hause zu seiner Familie. Ihm immer auf den Fersen: Andrew Scott, der den vermeintlichen Verräter töten will.

Budgetbedingte Änderungen

Leider ist mir nicht bekannt, in welchem Status sich das Drehbuch von Richard Rothstein, Christopher Leitch und Roland-Emmerich-Buddy Dean Devlin befunden hat, als es dem Autor des Romanes, Robert Tine, überlassen wurde. Prinzipiell war es gefühlt sehr vollständig, enthielt aber dennoch Momente, die noch nicht mit dem anvisierten Budget des Filmes abgestimmt waren. Die interessantesten Elemente:

Der Roman vertieft den Abschnitt in Vietnam. Wir erfahren, dass das Dorf, in dem sich Luc und Andrew gegenseitig töten, kurz zuvor eingenommen wurde. Danach wurden alle Einwohner ausführlich befragt und das Dorf als „feindfrei“ erklärt. Aus Sicht von Andrew Scott passierte dies übereilt und er entwickelte schon da die Psychose, von Verrätern umgeben zu sein. Eine lohnende Charakterszene, die aber freilich auch mehr Drehzeit und mehr Komparsen verlangt hätte.

Universal Soldier mit Jean-Claude Van Damme

Im Film gibt es sechs Universal Soldiers, im Roman deutlich mehr. Copyright: STUDIOCANAL

Im finalen Film besteht die Universal-Soldier-Einheit aus sechs Männern. Im Roman zum Film sind es ganze zwölf. Entsprechend hätten sechs Männer mehr eingekleidet, durchgefüttert und bezahlt werden müssen. Also strich man sie lieber auf sechs zusammen. Entsprechend musste der Truck der Universal Soldier auch nicht neu gedacht werden, denn das Modell im Film hätte niemals zwölf Supersoldaten und ihre ausladenden Sitzgelegenheiten fassen können.

Der Truck ist im Roman deutlich gigantischer dimensioniert als im Film. Ist er im Buch „ausgefahren“, ergibt sich ein gewaltiges Quadrat. Zudem ist er mit Selbstschussanlagen und Kameras übersät. Alles nicht billig.

Bei der Jagd zwischen Gefängnisbus und UniSol-Truck walzen beide Gefährte im Roman eine Farm mit einer Scheune und einem Haupthaus komplett platt. Man sieht das teure Spektakel förmlich vor sich – leider nicht im Film.

Atmosphärische Änderungen in „Universal Soldier – Der Roman zum Film“

Robert Tine schafft in seinem Roman mehr sinnige Verbindungen zwischen den Szenen. So vertieft er den Road Trip aller Charaktere mit Beschreibungen der genommenen Wege oder der natürlichen Begebenheiten. Die Ausrüstung der UniSols wird ebenfalls viel genauer beschrieben.

Szenen, die im Film etwas holprig wirken, etwa die Explosion der Tankstelle, werden im Roman deutlich nachvollziehbarer gestaltet. So wird im Roman deutlicher, dass Luc seinen Kameraden in der Tankstelle eine wohl durchdachte Falle gestellt hat.

Ally Walker in Universal Soldier

Veronica Roberts Kameramann ist im Roman in die Reporterin verliebt. Copyright: STUDIOCANAL

In dieser Version des Drehbuchs ist der Humor weniger offensiv ausgefallen als im Film. Teilweise verkehrt sich der Ton sogar ins Gegenteil, etwa wenn die Betreiber des Motels ebenso von den UniSols eiskalt hingerichtet werden wie das Liebespaar, unter dessen Bettdecke sich Luc und Veronica vor dem Zugriff der willenlosen Soldaten versteckten.

Auch der Moment am Reisebusbahnhof ist im Roman deutlich schlüssiger konstruiert als im fertigen Film, wo das plötzliche Auftauchen von zig Cops in ihren Streifenwagen eher wie ein Logik-Hopser (wo kommen die warum her?) wirkt.

Veronica Roberts versucht im Roman immer wieder, ihren Job wieder zurück zu erhalten. Mehrfach will sie im Zuge dessen die Story, die sie gerade live mit Luc erlebt, an ihren Sender verkaufen. Ohne Erfolg.

Interessante Details des Romans

  • Ralf Möllers GR 76 ist eigentlich ein POC.
  • Veronica Roberts hat vor drei Jahren ihren Mann an den Krebs verloren.
  • Veronicas Kameramann ist in sie verliebt.
  • Bei der Suche nach der Wanze in Lucs Körper rammt nicht er selbst sondern Veronica das Messer in seinen Oberschenkel.
  • Bei der Diner-Prügelei verursacht Luc Schaden im Wert von 1200 Dollar.
  • Wissenschaftler Woodward tötet im Roman alle verbliebenen UniSols.
  • Wenn Woodward GR 76 bittet, im Auftrag von Andrew Scott eine Granate zu halten, um diese dann irgendwann fallen zu lassen, stirbt er im Film durch einen blöden Umstand, im Roman überlebt und entkommt er.
  • Zwischen Luc und Veronica kommen offensive Gefühle füreinander auf.

Deutliche Abweichungen zum Film „Universal Soldier“

Showdown zwischen Dolph Lundgren und Jean-Claude Van Damme

Der Showdown zwischen Luc und Andrew ist im Roman deutlich kürzer als Film. Copyright: STUDIOCANAL

Andrew Scott, der im Film zum Ende hin immer mehr in seiner Screentime beschnitten wird, bleibt im Roman ähnlich wichtig wie Luc. Sein Trauma, von Verrätern umgeben zu sein, wird deutlicher herausgearbeitet. Zudem wird stärker vertieft, wie früh und intensiv er gegen seine Vorgesetzten vom UniSol-Programm aufbegehrt. Sein Spaß am Töten erhält intensivere Belege. Wenn er beispielsweise im Film ein paar Trucker nach dem Verbleib von Luc befragt und die Kerle humorig ausschaltet, zerstört er sie im Film förmlich und ermordet sie. Bei der Supermarktszene geriert er sich auch deutlich bedrohlicher und weniger durchgeknallt.

Colonel Perry erklärt im Roman ausführlicher, dass das UniSol-Programm nicht vom Pentagon abgesegnet ist und dass der öffentlichkeitswirksame Auftritt bei der Befreiung des Staudamms nur dazu da war, Argumente zu haben, um das Programm besser anpreisen zu können. Zudem offenbart er, dass die Terroristen am Staudamm vom UniSol-Programm gekaufte Kleinkriminelle waren, die wie Schauspieler nur auf Terroristen machen sollten. Dass sie dieses Engagement nicht überleben, war ihnen dabei freilich nicht klar.

Es wird immer wieder erklärt, dass Luc Devereaux dem Tod geweiht ist. Nur mittels des UniSol-Trucks und der hier befindlichen Technik können Universal Soldiers überleben. Und selbst da gibt es ein Verfallsdatum.

Die deutlichsten Abweichungen betreffen den Showdown

Als der Film seinerzeit ins Kino kam, wurden immer wieder auch Pressebilder veröffentlicht, die im finalen Film keinen Eingang gefunden hatten. Am bekanntesten dürfte dieses Foto sein, das Jerry Orbach als Dr. Christopher Gregor am Schauplatz des Showdown-Geschehens zeigt.

Jerry Orbach im Alternativen Ende von Universal Soldier

Das Foto, das am meisten verriet, dass mit dem Filmende von “Universal Soldier” etwas “nicht stimmt”. Copyright: STUDIOCANAL

Das Finale wirkte im Film mit seinem überzogenen Big-Man-Fight schon immer seltsam dran gepappt. „Universal Soldier – Der Roman zum Film“ macht deutlich, dass der Showdown offensichtlich einmal ganz anders geplant war. Ein alternatives Ende, das beispielsweise auf der STUDIOCANAL-Veröffentlichung auf DVD und Blu-ray enthalten ist, bestätigt dies nur – entspricht aber auch nur in Teilen dem vermutlich wirklich vorgesehenen Ende.

Rufen wir uns darum kurz den Ablauf des „offiziellen“ Filmfinales in Erinnerung: Luc und Veronica gelangen ans Haus seiner Eltern. Die Familie wird wieder zusammengeführt. Luc betrachtet ein paar Fotos und sein ehemaliges Heim. Veronica will aufbrechen, um ihre Story ans TV zu verkaufen. Der bis dahin tot geglaubte Andrew Scott taucht wieder auf und nimmt sie und Lucs Eltern als Geiseln. Es folgt ein langer Fight mit Spritzen, einem fiesen Häcksler sowie einem Happy End.

In Robert Tines Buch wird die Familie ebenfalls wieder zusammengeführt. Dabei äußert aber Luc mehrere Male offensiv Bedenken, dass ihm die Situation insgesamt komisch vorkomme. Weder erkenne er sich auf den Bildern wieder noch habe er bei seinen Eltern ein Gefühl der Vertrautheit. Veronica zerstreut seine Bedenken und will auch hier die vermeintlich glückliche Familie allein lassen.

Da taucht Scott auf und nimmt Veronica als Geisel. Er tötet Lucs Mutter. Der wütende Luc stürzt sich in einen kurzen Fight mit Scott. Ohne jedwede Spritzen schmeißt er Scott sehr flott in eine Egge. Scott kann sich zwar aus der Gerätschaft befreien, landet jedoch nach einem heftigen Kick von Luc erneut in ihr.

Da schießt plötzlich der vermeintliche Vater auf Luc und verwundet ihn schwer. Dr. Christopher Gregor taucht am Schauplatz auf und lässt mitgebrachte Soldaten ebenfalls auf Luc schießen. Der bricht mehrfach getroffen zusammen. Da taucht der im Roman noch lebendige Woodward auf und rettet Luc mit Eisschaum vorerst das Leben. Andrew Scott konnte sich ein letztes Mal von der Egge befreien und ballert Dr. Christopher Gregor das Hirn raus. Danach bricht er zusammen und stirbt endgültig.

Im Epilog wird Luc mit seinen echten Eltern zusammengeführt. Dr. Christopher Gregor hatte sie inhaftieren und durch Schauspieler ersetzen lassen. Luc verbringt noch einige wenige glückliche Tage mit seinen Eltern und stirbt.

Kleines Fazit zu „Universal Soldier – Der Roman zum Film“

Der Roman zum Film wirkt deutlich schlüssiger und flüssiger als der gefühlt immer sprunghafter werdende Actioner mit Jean-Claude Van Damme und Dolph Lundgren. Vor allem in Richtung Finale und erst recht im Showdown weicht der Roman zudem immer deutlicher vom Film ab. Dabei entstehen ein paar sehr interessante Momente, die dem fertigen Film richtig gut gestanden hätten.

Davon abgesehen ist „Universal Soldier – Der Roman zum Film“ sehr flott geschrieben, keine Zeile langweilig, sehr kompakt in seiner Anmutung und eine ideale Grundlage, um den Film noch einmal vor dem inneren Auge ablaufen zu lassen.

8 von 10

Der Roman zum Film (ISBN-13: 978-3404134465) erschien bei Bastei Lübbe und wartet im Mittelteil mit einigen Bildern aus dem Actioner auf. Die Blu-ray / DVD zum Film kommt von STUDIOCANAL und ist mit einer FSK 16 ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

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Categorised in: Buchtipps, Reviews

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